Liebe Leserin, lieber Leser des ÜBERBLICK´s

Liebe Gemeindemitglieder, Liebe Leserin, lieber Leser,

Pfarrer Klaus Kempter

liebe Gemeindemitglieder,

„Wir leben in spannenden Zeiten.“ Diesen Satz habe ich in letzter Zeit manches Mal im Gespräch mit Bekannten oder Gemeindemitgliedern gesagt. Er drückt meine Stimmung aus im Blick auf die Situation in unserer Welt. Was da gerade geschieht, macht mir manches Mal schon Sorge. Rund um den Globus werden Staaten von Menschen regiert, die alles andere als weise und besonnen erscheinen. Die Interessen großer Konzerne und der Wirtschaft bestimmen so oft die Politik und setzen sich immer wieder gegen die Interessen von Umweltaktivisten, Tierschützern und denen durch, die für gerechte Handelsstrukturen eintreten. In so vielen Ländern gibt es schreckliche Kriege und gewaltsame Auseinandersetzungen. Die Auswirkungen des Klimawandelns werden immer mehr auch bei uns spürbar und die Einsicht, dass wir Menschen mit unserem Lebensstil Teil des Problems wie einer möglichen Lösung sind, können im Grunde nicht geleugnet werden. In vielen Ländern werden unter Berufung auf „traditionelle Werte“ individuelle Freiheitsrechte und universale Menschenrechte in Frage gestellt. Die Pressefreiheit ist in vielen Staaten bedroht oder gar nicht wirklich gegeben. Und dann noch die antieuropäische Stimmungsmache etlicher Parteien in unseren europäischen Staaten.

Spannende Zeiten, sage ich da, weil all das Angst machen kann, weil wir nicht wissen, wie die Welt sich weiter entwickeln wird. Aber auch, weil wir all diese Herausforderungen als Menschen und Gesellschaften annehmen und gestalten können. Das ist das eigentlich Spannende, dass wir nicht einem blinden Schicksal ausgeliefert, sondern Akteure der Geschichte und ihrer Entwicklung sind.

An Weihnachten feiern wir, dass Gott in diese Geschichte eingreift. Ganz konkret, in einer bestimmten Zeit, an einem Ort, mit einem Menschen, den wir Messias, Gottessohn, Heiland nennen. Schon lange her. Auch damals waren es spannende Zeiten. Daran hat sein Erscheinen auf Erden nichts geändert. Das blieb so durch alle Jahrhunderte, bis heute. Das Friedensreich des Messias, in dem es diese Spannungen nicht mehr gibt, kommt erst am Ende der Zeiten, so die biblische Vision.

Und doch hat sich etwas entscheidend verändert, mit dieser Geburt vor 2000 Jahren und dem Leben des Jesus von Nazareth. Wir haben eine Vision vom Gottesreich, vom Reich des Vaters. Die zeigt, wohin die Geschichte mit all ihren Spannungen gehen soll. Die hält unsere Sehnsucht lebendig. Die öffnet unsere Hände und macht uns Beine, damit wir nicht resignieren, erlahmen oder den Kopf in den Sand stecken. Und was sich daraus in den vergangenen 2000 Jahren entwickelt hat, ist eine wirklich spannende Geschichte. Wir haben einen Begleiter an unserer Seite, Jesus Christus, mit dem wir unsere Sorgen und Ängste teilen können. Einen, der sich aufregen konnte über die Hartherzigkeit der Menschen und der doch der Kraft des Senfkorns vertrauen konnte. Wir haben einen Tröster, den Heiligen Geist. Er ist der innere Mut-Macher, die Klarheit, die uns die Geister dieser Welt unterscheiden hilft. Er ist der lange Atem, den es in diesen spannenden Zeiten braucht.

Wir feiern Weihnachten, in spannenden Zeiten, wieder einmal. Damit es uns nicht zerreißt, damit die Angst uns nicht auffrisst, damit wir nicht den Mut verlieren. Damit wir vertrauensvolle und hoffende Menschen bleiben, die diese Welt mit Gott und auf ihn hin mitgestalten.

In diesem Sinne wünsche ich frohe Weihnachtstage, Gottes Segen und ein entspanntes neues Jahr!

Ihr und euer Pfarrer

 Klaus Kempter