Liebe Leserin, lieber Leser des ÜBERBLICK´s

Liebe Gemeindemitglieder, Liebe Leserin, lieber Leser,

Kirchplatz 21.Oktober 2018

Novembertage kühl und grau, und mit den Feiertagen Allerheiligen, Allerseelen, den Gedenktagen an die Novemberpogrome, dem Volkstrauertag und dem Totensonntag können sie uns in eine nachdenkliche Stimmung versetzen.

Novembergedanken im Sommer sind da eher seltener. Mich haben Sie im August beim Besuch von zwei Soldatenfriedhöfen in der Normandie ergriffen.

Da stand ich zwischen unzähligen weißen Marmorkreuzen, las die Namen der jungen Männer, die teilweise nicht einmal so alt geworden waren, wie mein eigener Sohn gerade ist. Unwillkürlich sah ich in Gedanken die Eltern, Geschwister, Großeltern, Freunde und Freundinnen, die damals um die Gefallenen trauerten.

Den anderen Friedhof konnte man nur durch einen schmalen Eingang in einer Mauer betreten. Dahinter erstreckte sich eine weite Grünfläche mit Bäumen auf der unzählige flache Grabsteinkreuze mit jeweils zwei Namen lagen. Dazwischen stand immer wieder eine Gruppe mit fünf Kreuzen.

Über dreißigtausend Soldaten des Zweiten Weltkrieges haben allein auf diesen Friedhöfen ihre letzte Ruhe gefunden.

Eines hatten beide Friedhöfe gemeinsam: die Menschen, die hierher kamen, waren und wurden still, niemand unterhielt sich und wenn dann nur sehr leise, ehrfürchtig und langsam bewegten sie sich zwischen den Gräbern.

Unwillkürlich kam mir das alte Kirchenlied „Im Frieden dein, o Herre mein,…“ (GL 216) in den Sinn, das in der dritten Strophe endet „bis nach der Zeit den Platz bereit an deinem Tisch wir finden.“ Ob Freund, ob Feind, an diesem Tisch haben sie sich hoffentlich wieder im Frieden gefunden.

Und wir, die wir nun schon seit über 70 Jahren im Frieden leben dürfen, sollten wir uns nicht mit all unserem Denken, Reden, Handeln und Beten für den Frieden auf unserer Welt einsetzen? Bitten wir darum, dass, wie wir im Vater unser beten, wir uns nicht in Versuchung führen lassen, den Frieden zu gefährden, den Hass und Neid zu schüren und Unzufriedenheit zu suggerieren wo es eigentlich keine gibt.

Bemühen wir uns viel mehr, dass wir den Frieden den wir in der Messe zugesprochen bekommen und im Friedensgruß weitergeben auch in die Welt hinaustragen.

Angela Pleyer