Katholiken bekommen Stellenreduzierung zu spüren

Öhringen/Neuenstein: Ab Ende Februar ist Pfarrer Klaus Kempter einziger hauptamtlicher pastoraler Mitarbeiter in der Seelsorgeeinheit.

Bild/Text: Von Regina Koppenhöfer

Auf deutliche Veränderungen müssen sich die Menschen in Öhringen und Neuenstein einstellen. Der integrierte pastorale Stellenplan der Diözese Rottenburg Stuttgart vom Sommer 2018 bedeutet Stellenkürzungen und die zeigen jetzt Wirkung. Die katholische Seelsorgeeinheit ÖhringenNeuenstein wird in dem Plan von 2,8 auf zwei pastorale Stellen herabgestuft.

7000 Gläubige

Vor wenigen Jahren sah es hier so aus: Es gab bis zu fünf Hauptamtliche, neben dem Pfarrer auch ein Vikar, einen Pastoralreferenten einen Pastoralassistenten und einen Gemeindereferenten. Dazu kommt ein Diakon mit Zivilberuf. Von den Hauptamtlichen sind jetzt nur mehr der Priester und der Personalreferent, der bald in Ruhestand geht, übrig geblieben – bis Ende Februar. Ab dann wird sich Pfarrer Klaus Kempter als alleiniger hauptamtlicher Theologe um die 7000 Gläubigen der Seelsorgeeinheit kümmern müssen.

Unmut

Wie die vielen Aufgaben in den beiden Kirchengemeinden dann bewältigt werden sollen, darüber informierten Pfarrer Kempter, Luise Bächle (zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats St. Joseph Öhringen) und Peter Tillmann (zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats Christus König Neuenstein) in einem Gespräch mit der HZ. Unmut ist bei Pfarrer Kempter zu spüren, als er sagt: „Die Leute der Obrigkeit scheinen die Bedrängnis der betroffenen Stellen nicht zu erkennen.“ Ähnlich denken auch Luise Bächle und Peter Tillmann. Dieser meint: „Es ist schon eine ziemlich forsche Sache zu erwarten, die Kürzungen werden umgesetzt“ Und weiter sagte der Neuensteiner: „Es wäre auch nicht schlecht mal mit den gewählten Vertretern der Gemeinden zu reden.“ Solche Gespräche gab es aber nicht. Die Kirchengemeinden sind auf sich selbstgestellt. Deshalb wurden Dienste in den Gemeinden unter die Lupe genommen. Wo können Ehrenamtliche noch Aufgaben übernehmen oder selbständiger arbeiten – das fragt man sich. Klar ist: Einiges geht ohne Pfarrer nicht, beispielsweise die Sakramentenspendung oder auch die Eucharistiefeiern. Ist der Priester künftig mal nicht da, wird es aber – da es momentan keine Vertretung gibt – häufiger Wortgottesfeiern geben müssen. Pfarrer Klaus Kempter: „Auch in den Altenheimen wird unsere Präsenz zurückgefahren.“

Gekürzte Öffnungszeiten

Wie das Engagement der katholischen Kirchengemeinden in der Ökumene, in der Jugend- oder auch Flüchtlingsarbeit angesichts „der verschärften Personalsituation“ sein wird, ist noch nicht klar. Sicher sind jetzt schon gekürzte Öffnungszeiten im Öhringer Pfarrbüro.

Ehrenamtliche gefragt

Sicher ist auch, dass in der Seelsorgeeinheit die Ehrenamtlichen eine wichtige Rolle spielen werden als bisher, weil der Pfarrer nicht alles allein machen kann. Diese Menschen gibt es zum Glück bereits in beiden Gemeinden. Aber auch für sie stehen nun Veränderungen an. So werden in der Kommunionvorbereitung die Gruppenleiter künftig ohne hauptamtliche Anleitung auskommen müssen. Die Firmvorbereitung werden Ehrenamtliche zur Gänze übernehmen. Auch bei Busfeiern oder Totengedenken werden sich Ehrenamtliche mehr einbringen. Die Lage in der Seelsorgeeinheit ist angespannt und dennoch mag die Runde nicht nur sorgenvoll in die Zukunft blicken. „Die Situation bietet die Chance, dass bei den Menschen das Bewusstsein dafür steigt, dass jeder einen Beitrag leisten kann“, denkt Peter Tillmann. Auch Pfarrer Klaus Kempter zeigt sich zuversichtlich. Er sagt: „Es gibt viele Ehrenamtliche, es stehen viele zusammen und die Situation könnte auch eine Chance sein für jene Christen die sich neu fragen, wo ist mein Platz.“ Der Gedanke allerdings, alles allein machen zu müssen und zu wissen, wenn der Pfarrer mal nicht da sei, dann gebe es in der Zeit auch keinen Seelsorger für die Menschen, der betrübt ihn schon, verrät Pfarrer Klaus Kempter.


                                                          Zitate
 
 
„Diese Stellenkürzungen gehen nicht spurlos an uns vorbei.“

Klaus Kempter, Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit, Öhringen-Neuenstein  
 

 
„Bis zum Sommer waren wir mit vier Hauptamtlichen versorgt. Es waren Menschen da, die präsent sein konnten.“

Peter Tillmann zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats der Kirchengemeinde Christus- König Neuenstein
 

 
„Wir müssen mit Einschränkungen rechnen. Aber ich sehe auch Chancen, neu zu denken, Sachen anders zu machen, den Ehrenamtlichen was zuzutrauen.“ 

Luise Bächle, zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats der Kirchengemeinde St. Joseph Öhringen