Liebe Leserin, lieber Leser des ÜBERBLICK´s

Diakon Klaus Hohl

so langsam macht es sich bemerkbar, dass wir uns gerade in einer besonderen Zeit befinden, nämlich in der 5. Jahreszeit. Neben dem Frühjahr, dem Herbst, und der Sommer- und Winterzeit gibt es eben noch die Narrenzeit. Bei den meisten Menschen kann man die normalen Jahreszeiten an der Kleidung festmachen. So würde ein normaler Mensch im Winter doch nicht barfuß in Sandalen auf die Straße gehen, oder sich im warmen Sommer einen dicken Wintermantel überziehen.

In der Narrenzeit, meist als Karneval, Fasching oder Fastnacht bezeichnet, ist das nicht immer so eindeutig. Da kann man sich bei manchen Zeitgenossen schon fragen, ob diese jetzt verkleidet sind, oder ihre extravagante Kleidung ihrem Alltag entsprechen. Mir ist es auch schon einmal passiert, dass ich bei einem Gemeindefasching, als bekennender Faschingsmuffel, ganz unverkleidet an der Kasse saß. Da sprachen mich 2 Teenager an, und fragten mich, ob ich als Landstreicher verkleidet sei. Da musste ich gestehen, dass ich immer so aussehe, und dachte: Eigentlich ganz schön frech. Aber es war zum Glück kein Landstreicher da, der sich getroffen gefühlt hätte.

Warum verkleiden sich Menschen in dieser Narrenzeit? Wollen sie einmal ganz unerkannt über die Stränge schlagen, wo doch an Fasching fast alles erlaubt ist. Oder ist es der Wunsch, einmal in eine ganz andere Rolle zu schlüpfen. Vielleicht in die Rolle einer Prinzessin, oder eines Königs, was aber für einen Christen eher unattraktiv wäre, weil wir Christen ja schon Königskinder sind. Oder in die Rolle eines Freiheitskämpfers, oder eines Helden, der sich für Gerechtigkeit einsetzt. Aber auch diese Rolle können Christen im ganz normalen Alltag besetzen. Es wäre doch mal lustig, sich als sich selbst zu verkleiden. Mitunter käme der Eine oder Andere darauf, dass er das ganze Jahr über verkleidet ist, nur dann eben an Fasching nicht.

Es gibt aber auch Kleidung, die eine bestimmte Berufsgruppe kennzeichnet. Und manche Leute schlüpfen gerne in ein bestimmtes Berufsbild, das sie gerne ergriffen hätten, wozu ihnen, aus welchen Gründen auch immer, der Zugang verwehrt war. Kleidung weist aber nicht nur auf bestimmte Berufsgruppen hin, Kleidung dient auch zum Erkennen mancher Volksgruppen, wie bei der Trachtenmode zum Beispiel.

Kleidung kann aber auch eine Gesinnung ausdrücken, oder zum Protest aufrufen. Überhaupt kann an Kleidung auch viel Missstand in der Welt erkennbar werden. So wie z.B. bei der Pelzindustrie, wo vor längerer Zeit Tierschützer unterwegs waren, um Robben mit Farbe zu besprühen, damit ihr Fell unbrauchbar für die Modeindustrie wurde. Denn die Robben werden brutalst erschlagen wegen ihres Felles. Und heute sind es Menschen, die oft unter gefährlichen und menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten, damit bei uns Kleidung möglichst billig angeboten werden kann.

Ich will Ihnen mit diesen Zeilen nicht die Lust an Fasching vermiesen, sie dürfen ruhig gerne ausgelassen feiern, denn ich vermute, dass Sie schon darauf achten, wo ihre Kleidung, und besonders die für den Fasching, herkommt.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete närrische Zeit, feucht-fröhlich, doch nicht so feucht, dass Sie sich am nächsten Morgen im Spiegel nicht wiedererkennen.

 

Euer Diakon Klaus Hohl