Wenn auch die Engagierten die Kirche verlassen…

Die Kirchenaustrittszahlen in Deutschland sind aktuell so hoch wie noch nie. Die Erfurter Theologin Julia Knop weist darauf hin, dass derzeit auch viele Menschen, die sich bislang in der Kirche engagiert haben, ihr jetzt enttäuscht den Rücken kehren.

Das hält sie für ein Alarmzeichen. „Die Austrittszahlen müssen auch die Vertreter und Verteidiger der Institution erschüttern“, schreibt die Dogmatikerin in einem Meinungsbeitrag auf katholisch.de.

„Es ist ein Punkt erreicht, an dem es nicht mehr Aufgabe der Gläubigen sein sollte, ihre Katholizität zu beweisen. Es ist an der Institution, ihnen gute Gründe zu geben zu bleiben.“

Viele von denen, die jetzt die Kirche verließen, hätten ihr „über Jahre ein Gesicht gegeben“, so Knop. Häufig träten sie nun aus, „um ihren Glauben zu bewahren“. Die Deutsche Bischofskonferenz will in wenigen Tagen die Zahl der Kirchenaustritte im Jahr 2020 bekanntgeben.

„Maria 2.0“ im Bistum Augsburg

„Maria 2.0“ ist eine Reforminitiative innerhalb der katholischen Kirche, die seit 2019 bundesweit mit Aktionen in Erscheinung getreten ist – in manchen Bistümern sehr kämpferisch und provokant.

Was viele nicht wissen: Maria 2.0 ist keine feste Organisation mit klarer Struktur. Es geht vielmehr um gemeinsame Ziele, die von Einzelpersonen und Gruppen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Kirche unterstützt werden, etwa vom Frauenbund, dem BDKJ oder katholischen Pfadfinderverbänden.

„Katholisch1.TV“, das katholische Fernsehen aus dem Bistum Augsburg, hat zwei junge Frauen getroffen und ließ sich von ihnen erklären, warum sie „Maria 2.0“ unterstützen. Viola Kohlberger ist Diözesanvorsitzende der DPSG, Julia Spanier ist Geschäftsführerin des „Frauenforums“ im Bistum Augsburg.

Katholische Frauen fordern mehr Mitwirkung

Katholische Frauenorganisationen weltweit haben einen offenen Brief an Papst Franziskus geschickt. Darin fordern sie mehr Mitwirkung und mehr Rechte für Frauen in der Kirche.

„Der Reichtum der Frauen, die einen Grossteil des Volkes Gottes ausmachen, wird noch nicht ausreichend genutzt“, schreibt die Vorsitzende der Weltunion katholischer Frauenorganisationen (WUCWO), Maria Lia Zervino. Anlass des Schreibens ist der achte Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus an diesem Samstag.

Die Eignung von Frauen „in Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Gesundheitswesen, Erziehung, Umweltschutz, Menschenrechtsarbeit und vielen anderen Bereichen – zusätzlich zu Familie und zu Katechese“ habe sich genügend bewährt, so die Argentinierin laut dem Schreiben. Daher könnten und müssten Frauen auch in der Kirche mehr Verantwortung übernehmen.

„Besondere Intelligenz und Sensibilität“

Es gehe weder darum, „Ämter zu besetzen“ oder Machtpositionen „zu erklimmen“ noch um Alibi-Frauen, die „wie Blumenvasen“ als Zierde dienen, „weil es gerade Mode ist“, Frauen zu ernennen. Es gehe darum, so Zervino, „der Kirche mit den Gaben zu dienen“, die Gott Frauen gegeben habe: „eine besondere Intelligenz und Sensibilität, eine Affektivität und besondere Fähigkeit für Reifung und Ausbildung von Menschen“ sowie ein besonderes Gespür für Beziehungen. Eine Priesterweihe von Frauen fordert Zervino nicht.

Dozentinnen in Priesterausbildung

Als Beispiel nennt sie Richterinnen an kirchlichen Ehegerichten und Dozentinnen in der Priesterausbildung. Aber auch bei der Beauftragung zu Diensten wie Beratung, geistliche Leitung, Seelsorge, Umweltschutz, Menschenrechtsarbeit gebe es viele Möglichkeiten. Für solche Aufgaben „sind wir Frauen aufgrund unserer Natur genauso oder manchmal besser geeignet als Männer“, schreibt Zervino.

Weltunion 1919 gegründet

Die 1910 gegründete Weltunion (WUCWO) vertritt nach eigenen Angaben fast 100 katholische Frauenorganisationen in rund 50 Ländern. Diesen gehören etwa acht Millionen Katholikinnen an. In Europa sind darunter die Katholische Frauenbewegung Österreichs, der Verein Katholischer Deutscher Lehrerinnen, der Katholische Deutsche Frauenbund sowie der Schweizerische Katholische Frauenbund.

Frauen in der katholischen Kirche

Liebe Frauen, liebe Interessierte,

der Tag der Diakonin tritt seit mehr als 20 Jahren für die Öffnung von Weiheämtern für Frauen in der katholischen Kirche ein. Die Veranstalter, der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) und der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart, greifen daher 2020 bewusst die aktuelle Maria 2.0-Bewegung auf. Die zentrale Veranstaltung zum Tag der Diakonin am 3. Mai 2020 lädt erstmalig zu einer Sternfahrt nach Rottenburg ein, um dort Bischof Dr. Gebhard Fürst zu begegnen und mit ihm ganz konkret und persönlich die Anliegen der Frauen zu diskutieren. Im Gespräch wird Dr. Claudia Lücking-Michel, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), mit Bischof Fürst die jüngsten Entwicklungen erörtern und ihn herausfordern, den Synodalen Weg in Deutschland für umfassende Reformforderungen zu nutzen.

Im Anhang finden Sie den Flyer mit allen Informationen.

Wir freuen uns über Ihre Kommen!

Ihre Anmeldung ist erbeten unter:

www.kdfb-drs.de

 

Gruppen bitten wir, den Gruppenanmeldebogen der Homepage auszufüllen und an die KDFB-Geschäftsstelle zu senden. Anmeldeschluss ist der 3. April 2020.

Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt.