50 Missionare. Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten.

Veränderungsprozesse sollen uns als Gemeinde für die Zukunft wappnen. Für eine Zukunft wo nicht mehr selbstverständlich in jeder Seelsorgeeinheit ein Team aus pastoral ausgebildeten Fachleuten zur Verfügung steht.

Wir brauchen Menschen, die ihren Glauben ernst nehmen, die ihren Erfahrungen trauen, und sich herauswagen aus dem religiösen Konsumdenken. Wir suchen Christen, die die Haltung aufgeben „jemand muss dafür zuständig sein“.

Wer sich drauf verlässt, dass der Pfarrer zuständig ist, oder seine Mitarbeiter, der wird es in Zukunft sehr schwer haben.

Der Pfarrer und die Hauptamtlichen sind in der Tat zuständig für die Organisation. Dafür, dass Verkündigung geschieht, und der einzelne Gläubige sich entfalten und einbringen kann, dass der Laden läuft und niemand und nichts Schaden nimmt. Für den eigenen Glauben ist jeder selbst zuständig.

Die neue Haltung, die es heute braucht ist: Ich bin zuständig für mich, für meinen Glauben. Ich kann den Mitchristen dienen, indem ich meine Erfahrungen zur Verfügung stelle. Gleichzeitig profitiere ich von dem, was die anderen mitbringen.

„50 Missionare“ ist ein Konzept, das Frauen und Männer jeden Alters befähigt, mit ihrer ganz eigenen, ganz persönlichen Glaubenserfahrung für sich selbst und für andere fruchtbar zu werden.

Das geht auch ohne Theologie und ohne Priesterweihe.

„Missionar sein“ heißt für uns nicht, von Tür zu Tür zu gehen und Leute zu bequatschen, oder sich auf den Marktplatz zu stellen und irgendwie zu predigen. Missionare sind authentische Glaubenszeugen, die von dem sprechen können, was sie bewegt und begeistert.

50 ist nicht als realistische Größe oder Ziel gedacht, das uns unter Druck setzt. Sie hat vielmehr eine symbolische Aussage.

50 steht für die Ernsthaftigkeit unseres Anliegens. Wir wollen viele Menschen gewinnen, in ihrer ganzen Vielfalt und allen ihren Möglichkeiten.

Die eine kann besser dies, dem anderen liegt eher das, alle zusammen nehmen die Verantwortung wahr, dass der Glaube unter uns lebendig bleibt.

Die Bibel erzählt, 50 Tage dauert es von der Erfahrung der Auferstehung bis zur Sendung des Heiligen Geistes.

Eine Zeit, die gefüllt werden will. Der auferstandene Jesus zeigt sich immer wieder, den Frauen, dem Thomas, den Jüngern beim Fischen.

Dann am 40. Tag: Himmelfahrt. Er ist weg, zurückgekehrt, seiner Bestimmung gefolgt. Was jetzt? Durststrecke bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag? Aufhören, Ende? Nein: 10 Tage des Sich-trauens, Ausprobierens, Weitermachens, Durchhaltens. „Das kann nicht alles gewesen sein.“ muss derjenige oder diejenige sagen, die Gott kennengelernt hat.

Und dann tatsächlich: Pfingsten am 50. Tag. Die Erfahrung der Geistsendung. Das Begeistertsein. Wir sind nicht allein, alle die wollen verstehen uns.

„Ich gehöre schon dazu, ich mache Taufvorbereitung“, „ich bin Missionarin, indem ich Kinder bei den Sternsingern und der Erstkommunionvorbereitung begleite und anleite“, „ich bin im Kindergottesdienstteam“, „ich besuche Kranke und bringe die Kommunion in die Häuser“, „ich bete Woche für Woche mit anderen zusammen für den Frieden“, „ich suche Geburtstagsjubilare auf, und bringe Senioren einen Weihnachtsgruß der Kirchengemeinde“, „Ich  bin Lektorin“, „und ich Kommunion-helferin,…“

50 Missionare sind wahrscheinlich schon längst aktiv in unseren Reihen. Das denke ich mir immer, wenn ich mir vor Augen halte, dass zum Mitarbeiterfest in St. Joseph jedes Jahr 180 Männer und Frauen kommen.  Das sind diejenigen, die sich in Dienst nehmen lassen, für die Gemeinde, vor dem Hintergrund des Evangeliums. Jetzt geht es darum aus dem Hintergrund herauszutreten und sich zu zeigen, mit dem was man tut und was man kann.

Die Kirche verändert sich gravierend. Wir sind mitten im Prozess. Was wir jetzt nicht aktiv in die Hand nehmen und mit unseren Mitteln gestalten, das überrollt uns und stellt uns vor vollendete Tatsachen.

In unserer Situation, in einer Zeit der Bedrängnis, der Veränderung sind Glaubenszeugen vorrangig wichtiger als Theologen.

Damit tun wir einen Schritt zur Verwirklichung der 3. Vision in unserem Programm, die heißt „Wir bieten in vielfältiger Weise für Jung und Alt Seelsorge als Glaubens- und Lebensbegleitung.“

Die Idee im Prozessteam „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten“ ist, dass es eine Schulung gibt, in der Menschen bewusst ihre Glaubensgeschichte reflektieren und so befähigt werden, mutig ein Zeugnis zu geben. Ein Wochenende mit geistlichen Übungen und Austausch untereinander.

Jeder soll befähigt werden, sein Charisma zu entdecken und sich auf seinen eigenen persönlichen Weg zu machen.

Der Austausch über das was wir bei unserem Tun im Alltag erleben, wird in einer Gruppe reflektiert und aufgehoben sein.

Diese Gruppen aus vier bis sechs Personen sorgen für sich selbst, organisieren ihre Treffen und werden auf Wunsch von Hauptamtlichen unterstützt. 

Missionare sollen nicht die Kirche oder die Gemeinde in ihrer hergebrachten Form retten oder erhalten. Wir schauen genau hin, und prüfen unsere Erlebnisse und Erfahrungen. Wir akzeptieren, dass es Menschen gibt, die wir einfach nicht erreichen können.

Dazu gehört Mut. Wir trennen uns von dem, was uns nicht mehr weiterhilft, was uns nicht trägt, was nur Mühe und wenig Erfolg zeitigt.

Der neue Blick lässt uns erkennen, was die brauchen, die auf der Suche sind.

„50 Missionare" machen sich auf den Weg

Menschen, die andere begleiten und vom Glauben Zeugnis geben

Die „50 Missionare" lassen schon aufhorchen und sorgen für Unruhe. Nein, nicht die 50, die mit Bibel und Katechismus in der Hand auf dem Marktplatz oder an den Haustüren stehen. Solche wollen wir gar nicht. Sondern die „50 Missionare" als Idee.

Die Idee ist in dem Team entstanden, das den Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ in unserer Seelsorgeeinheit organisiert. Hier geht es um die Frage, welchen Herausforderungen wir uns stellen müssen, welche Schwerpunkte wir setzen wollen, welches Potential wir haben und wie wir so Kirche vor Ort zukünftig gestalten können.

Und im Prozessteam kam eben die Idee auf, dass wir „50 Missionare" brauchen, um unsere Ziele verwirklichen zu können. Zu diesen Zielen gehört es, „der Vielfalt an Menschen und Glaubensgestalten mit offenem Herzen und einem liebevollen Blick" zu begegnen, kleine Gemeinschaften, in denen der Glaube miteinander geteilt und gestärkt werden kann“ zu unterstützen, „für Jung und Alt Seelsorge als Glaubens- und Lebensbegleitung“ anzubieten und mit „unserem sozialen Engagement nahe bei den Menschen“ zu sein. Diese Ziele haben wir uns gegeben im Blick auf die Wirklichkeit von Kirche und Gesellschaft, so wie wir sie wahrnehmen. Und wir haben sie formuliert im Blick auf das, was uns wichtig ist und wo wir Potential sehen.

Warum aber braucht es dazu nun 50 Missionare? Der Begriff ist bislang ein Arbeits­titel für unsere Idee. Er sorgt bei vielen für Unbehagen, weil sie bei Missionaren an dunkle Zeiten der Kirchengeschichte denken oder an die Art eines missionarischen Glaubenszeugnisses, das uns fremd ist und wir kritisch sehen. Doch grundsätzlich meint Missionar nichts anderes als einen Menschen, der sich berufen und in der Lage fühlt, bewusst und entschieden von seinem Glauben Zeugnis zu geben und dazu auch auf Menschen zuzugehen und sich in fremde Milieus zu wagen.

Warum nun suchen wir „50 Missionare", und was verstehen wir darunter? Auf der einen Seite nehmen wir wahr, dass es viel Bedarf und viele Möglichkeiten gibt, Menschen zu begleiten. Menschen brauchen und erhalten Begleitung, wenn sie ein Kind zur Taufe bringen oder zur Erstkommunion anmelden, wenn sie sich auf die Firmung oder ihre kirchliche Trauung vorbereiten, wenn sie wieder in die Kirche eintreten oder nach einer ehrenamtlichen Aufgabe suchen. Menschen brauchen und erhalten Begleitung, wenn sie Glaubenszweifel haben, wenn sie in eine soziale Notlage oder eine Krise geraten sind, wenn sie krank sind oder wenn ein Angehö­riger gestorben ist. Dann gibt es noch die vielen, die auf der Suche sind und denen ein Glaubenszeuge helfen kann, einen Weg aufzuzeigen.

Auf der anderen Seite wissen wir, dass die hauptamtlichen pastoralen Berufe diese Begleitung nicht allein gewährleisten können. Und sie müssen es auch gar nicht, weil in vielen Fällen nicht der theologisch und seelsorgerlich geschulte Hauptberufliche gefragt ist, sondern ein Mensch, der zuhört, Zeit schenkt, mitgeht und von seinem Leben und Glauben Zeugnis gibt. Solche Menschen sollen die „50 Missionare“ sein“. Keine Elite-Christen, sondern Glaubende, die in dieser Aufgabe der Begleitung ihre Berufung finden und sich dafür mutig und entschieden zur Verfügung stellen. Solche Menschen gibt es ja schon, all jene, die zum Beispiel Kranke besuchen oder Tauffamilien begleiten.

Zur Verfügung stellen heißt: dort, wo Begleitung schon jetzt erfolgt – wie bei der Sakramentenvorbereitung – sich einzubringen; sich zur Verfügung stellen, wenn einzelne Menschen einen Ansprechpartner brauchen; je nach Charisma und Interesse eigene Initiativen ergreifen; und schließlich dort, wo sie leben und arbeiten, Zeugnis vom Glauben zu geben. Wichtig ist bei all dem, dass jede und jeder in aller Freiheit entscheidet, wo und wie er bzw. sie sich einbringen möchte.

Dennoch tut er bzw. sie das nicht allein. Unsere Idee ist, Menschen, die sich für diese Idee ansprechen lassen, selbst zu begleiten. Sie sollen in einer Gruppe aufge­hoben sein, in der sie ihren Glauben mit anderen teilen und sich über ihre Erfahrun­gen austauschen können. Sie sollen Fortbildungsangebote oder geistliche Angebote wahrnehmen, die sie fördern und stärken. Sie sollen sich von der Gemeinde gesendet und getragen wissen.

Die „50 Missionare" lassen schon aufhorchen und sorgen für Unruhe, habe ich eingangs geschrieben. Das ist vielleicht ein wenig übertrieben. Doch sind wir schon mit vielen Menschen, jungen und älteren, über diese Idee ins Gespräch gekommen. Dabei begegnen uns Neugierde und Interesse, aber auch Skepsis und Zweifel. Zweifel, ob so etwas in einer „normalen“ Gemeinde zu verwirklichen ist. Skepsis, ob wir da nicht „zu missionarisch" werden. Wir wollen nun einfach starten. Ein Kernteam wird gebildet, das überlegt, wie Menschen für diese Idee gewonnen werden, wie sie darin ihre Berufung finden und wie sie hingeführt und begleitet werden können. Und dann werden wir Menschen einladen und ausprobieren und sehen, was sich tut, wenn viele sich aufmachen, so von ihrem Glauben Zeugnis zu geben und ihn mit anderen zu teilen.

50 müssen es vielleicht nicht sein. Wie sie am Schluss heißen, werden wir sehen. Missionarisch im guten Sinne werden sie auf jeden Fall sein.

Pfarrer Klaus Kempter

Wer sich für das Projekt „50 Missionare" interessiert, darf sich gerne mit Pfarrer Klaus Kempter oder Gemeindereferent Roman Ecker in Verbindung setzen.

Prozess Kirche am Ort

Die Zeit der Volkskirche ist vorbei. Volkskirche heißt: eine Mehrheit der Gemeindeglieder ist präsent, nimmt an Angeboten der Kirchengemeinde teil, engagiert sich und identifiziert sich damit in hohem Maß. „Das ist unseres, wir gehören dazu."  Der Blick einer solchen Gemeinde geht notwendigerweise nach innen: wir sind toll, wir sind offen, die Menschen kommen, weil sie hier etwas für ihren persönlichen Glauben finden. Dagegen sind wir heute mit einer Situation konfrontiert, wo die meisten Getauften keinen oder nur ganz sporadischen Kontakt mit der Gemeinde haben, sich kaum für Angebote interessieren und der Glaube im Alltag nur eine ganz geringe Rolle spielt.

Eine Gemeinde, die sich selbst genügt, hat keine Zukunft.

Der Prozess „ Kirche am Ort –  Kirche an vielen Orten"  lädt uns alle ein, nachzudenken und nachzuspüren, wo unsere Kräfte und unsere Aufmerksamkeit in den nächsten Jahren hingehen müssen, wenn die Gemeinde als solche überleben will. Eine Haltungsänderung ist angezeigt. Wir müssen einen Blick aufsetzen, der sieht, was die Menschen um uns herum, die wir nicht mehr erreichen, brauchen.

Erste Schritte sind bereits sichtbar: Die Erstkommunionvorbereitung wurde differenziert, so dass sie Familien mit unterschiedlichsten Bedürfnissen anspricht.

Die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde wird auf den Prüfstand gestellt werden.

Wir denken über Leitungsmodelle der Zukunft nach und über die Frage, wie können Menschen auf ihren Glaubens- und Lebenswegen begleitet werden. Im Prozessteam wird das Projekt „50 Missionare" entwickelt.

Wenn Sie sich genauer informieren und mitdiskutieren möchten, kommen Sie zur Gemeindeversammlung am Freitag, 13. April 2018 um 19 Uhr in den Gemeindesaal St. Joseph.

Wir informieren Sie über den Stand des Prozesses und laden Sie ein, sich einzubringen.

Gemeinsame Klausur der Kirchengemeinderäte Öhringen und Neuenstein

Vom 11. bis 12. November tagten die beiden KGR auf dem Schönenberg in Ellwangen in ihrer diesjährigen Klausur. Die eineinhalbtägige Veranstaltung gehört zum alljährlichen festen Bestandteil der KGR-Arbeit, werden hier doch mitunter entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft  überlegt und geplant.

Diesesmal – wie auch schon im letzten Jahr – bestimmte der Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten“ die Inhalte der Klausurtagung.

Die Kirche insgesamt, damit auch unsere Diözese und unsere Gemeinden sind gravierenden Veränderungen ausgesetzt, so dass jetzt eine Neupositionierung und Neuausrichtung vor dem Hintergrund unseres Auftrages ansteht.

Konkret könnte sich die Situation in der Fragestellung ausdrücken: Was können wir in Zukunft  mit weniger aktiven Katholiken, weniger Personal, weniger Geld, in größeren räumlichen Einheiten noch an Gemeindeleben aufrechterhalten und wie kann das aussehen?

Wir stehen bisher der Situation fremd gegenüber. Vieles was in anderen Gemeinden und Seelsorgeeinheiten schon bittere Realität geworden ist, zeichnet sich bei uns erst vage am Horizont ab, oder ist noch nicht zu erkennen. Dennoch gilt es jetzt Weichenstellungen vorzunehmen, damit wir nicht von den Ereignissen überrollt werden.

Das Prozessteam „Kirche am Ort“ hat Visionen erarbeitet, die mit der Methode des World-Café überprüft und u. U. schon weiterentwickelt werden sollten.

Der einzelne Teilnehmer und Kirchengemeinderat ist aufgefordert sein Kirchenbild, seine Erwartungen, seine Wünsche und Sehnsüchte einem kritischen Blick zu stellen. Das Ergebnis der Klausurtagung ist meiner Meinung nach eine Mischung aus beidem: Wahrnehmen der Realität und Blick in eine Zukunft, die uns als Kirche leben lässt.

Roman Ecker

Seelsorgeeinheit Öhringen-Neuenstein

 

Seit Mai 2016 arbeitet ein Prozessteam mit Vertretern aus Neuenstein und Öhringen daran, den Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten“ zu moderieren und zu befördern. Erster Schritt des gemeinsamen Weges war eine Klausurtagung beider Kirchengemeinderäte im November 2016, wo der Ist-Stand genau angeschaut wurde. Was gibt es? Was brauchen wir in Zukunft?

Drei Fragen zum Prozess „Kirche am Ort“  an Pfarrer Klaus Kempter:

1.      Wozu „Kirche am Ort“? Was sind die Gründe für eine solche Initiative, innerhalb der sich eine Diözese mit 1,9 Millionen Katholiken auf den Weg macht?

Im Vordergrund steht die drängende Frage, wie wir als Kirche und Kirchengemeinden weiter leben und überleben mit weniger priesterlichen Leitungspersonen, mit weniger Kirchenmitgliedern und mit weniger Geld. Dazu die Wahrnehmung, dass Kirche sich nicht nur in der seit alters her bekannten und gewohnten Kirchengemeinde ereignet, sondern auch in Schulen, Krankenhäusern, karitativen Einrichtungen, kleinen Gemeinschaften. Alle Akteure sollen sich überlegen, wie Kirche am Ort aussehen und an vielen Orten leben kann. „Kirche am Ort" zwingt alle, der Realität in die Augen zu sehen, ohne dabei zu erstarren.

2.      Ein Prozess ist etwas Lebendiges, Dynamisches, sich Veränderndes.  Wie merken wir, dass wir im Prozess sind?

In diesem Prozess gibt es zwei Ebenen. Erstens die Veränderungen, die alle wahrnehmen können: Die unterschiedlichen Erwartungen an die Kirche. Das Leben der Menschen hat sich verändert. Unter Glaubensgemeinschaft verstehen Menschen ganz Unterschiedliches. Oder nehmen Sie die Haltung, mit der Menschen zu den Sakramenten kommen. Das Empfinden von Religion und religiösem Erleben hat sich tiefgreifend verändert.

Die zweite Ebene des Prozesses sind die Aufbrüche, die aufgrund der Wahrnehmung von Veränderungen sich ereignen. Z. B. das Pilotprojekt Erstkommunion 2018. Da versuchen wir, den unterschiedlichen Bedürfnissen besser gerecht zu werden. Oder dass in Neuenstein etwa Mitglieder des Kirchengemeinderates mit großer Selbstverständlichkeit statt des Pfarrers die Gemeinde nach außen repräsentieren.

3.      Was sind die Schwerpunkte der kirchlichen Arbeit, die uns in Zukunft herausfordern?

Es wird wichtiger sein denn je, Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Einstellungen, die sich zur Kirche zugehörig fühlen, zu begegnen. Wir brauchen eine neue Willkommenskultur.

Kirche ereignet sich in Zukunft immer mehr in kleinen Gemeinschaften, die von Jesus Christus ergriffen sind, die Bibel lesen und ihr Leben danach ausrichten. Die den Glauben auch von hier aus weitergeben und ein lebendiges Zeugnis geben. Das muss unterstützt und gefördert werden.

Kirche muss sich auf ihre zentrale Aufgabe besinnen: Wir bieten Seelsorge als Lebens- und Glaubensbegleitung. Das hergebrachte Bild des Seelsorgers wird Umbrüchen unterliegen, Seelsorge kann jeder Gläubige am Mitmenschen leisten. Wir alle als Kirche etablieren karitative Angebote und soziales Engagement und sind dabei nahe bei den Menschen.

Wir finden aktiv Antworten auf die Frage, wie können kleinere Gemeinden überleben, wenn es keine priesterliche oder hauptamtliche Gemeindeleitung mehr gibt. Wir werden experimentieren mit kooperativen Leitungsmodellen, die die Eigenständigkeit der Gemeinde sichern.

Und wir werden uns einsetzen für neue Zugänge zum Priesteramt, dass in Zukunft nicht zölibatäre Priester mit einem anderen Erwerbsberuf im Team Gemeinde leiten, Seelsorge leisten und Sakramente feiern. Dafür trete ich persönlich in der Aktionsgemeinschaft Rottenburg ein.

Vortrag und Podiumsdiskussion

Kirche am Ort - Kirche an vielen Orten

Nach den Sommerferien geht alles wieder mit schöner Regelmäßigkeit los:

Alltag, Schule, Arbeit, Freizeit- und Fitnessprogramm ...

Worauf freust Du Dich?

Was ist diesmal anders oder neu?

Welche Menschen kannst Du mit anderen Augen sehen?

Welche Herausforderungen reizen Dich ganz besonders?

Eine Kirche der Nähe und der Weite

Diskussionsabend zur zukünftigen Gestalt von Kirche und Gemeinde

Am 7. April hatte Pfarrer Klaus Kempter zu einem Vortrags- und Gesprächsabend zum Thema „Welche zukünftige Gestalt wird Kirche und Gemeinde haben" eingeladen. 14 Interessierte waren der Einladung gefolgt. Im Verlauf des Abends stellte Pfarrer Kempter Überlegung des Innsbrucker Pastoraltheologen Christian Bauer vor. Prof. Bauer zeichnet ein zukünftiges Bild von Kirche, die im Nahraum der Menschen stark präsent ist und sich zugleich in die Weite der gesellschaftlichen Räume aufmacht.

Im Blick auf das Konzil und auf das Handeln von Papst Franziskus sagt er, es gehe darum, „die evangeliumsbewegten Reformimpulse, mit denen Papst Franziskus auch die Pastoraltheologie in Atem hält, im Rahmen der dualen Ekklesiologie des Konzils eigenkontextuell zu verarbeiten: eine ‚introvertierte‘ Sammlungspastoral nach Lumen gentium, der ersten Kirchenkonstitution des Konzils, erfordert zugleich auch eine ‚extrovertierte‘ Sendungspastoral nach Gaudium et spes, dessen zweiter Kirchenkonstitution“(Bauer).

Mit aussagekräftigen Bildern zeigt er, was damit gemeint ist:

- Die Kirche der Zukunft wird aus umherziehenden Wanderpredigern und aus sesshaften Ortsgemeinden bestehen.

- Sie wird eine Kirche der Gründer von Gemeinden und Kirche der Siedler in Gemeinden sein.

- In ihr gibt es Fremdlinge, die zwischen den Häusern wohnen, und Gastwirte, die ihre Häuser öffnen.

- Kirche „im Innern“ ist wie viele kleine Lagerfeuer des Evangeliums inmitten der Welt.

- Sie hat heiße Kerne mit offenen Rändern und Menschen, die dafür sorgen, dass das Feuer nicht ausgeht.

- Kirche besteht aus Orten der Nähe (Gemeinden, Gemeinschaften) in einem Raum der Weite (Gesellschaft, Lebensraum, Region)

Wenn beide Pole im Blick behalten werden, helfen sie sich gegenseitig vor einseitigen Verengungen: „Die Nähe der Orte wehrt der potentiellen Ferne der Räume, und die Weite der Räume entgrenzt die potentielle Enge der Orte“(Bauer).

Dazu muss Kirche aber weiterentwickelt werden:

Ad intra (nach innen, für die Gemeinden, Dekanate und Diözesen) braucht es auf allen Ebenen eine synodal verfasste Weggemeinschaft. Hier geht es um entschiedenes Christsein (Primat der Nachfolge). Gemeinden verstehen sich als Subjekt der Pastoral, die gemeinsam kreative Lösungen finden. Wichtig dabei ist die konsequente Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips: Alles, was auf der unteren Ebene getan werden kann, wird auch dort getan.

Ad extra (nach außen, in die Gesellschaft hinein) braucht es eine missionarische, prophetische, diakonische Kirche und Pastoral. Es braucht pastorale Übergangszonen, Transitbereiche, Schnittstellen. Es braucht ein Umdenken, bei dem erkannt wird: Gott ist nicht nur in der Kirche zugegen, „Gott ist vor dem Missionar da.“ „Außen“, außerhalb unserer Gemeinde- und Kirchengrenzen sind nicht nur Suchende und Fragende, sondern auch Antwortende und Findende, Menschen, die zwar kirchenfern, aber nicht gottlos sind. Es braucht eine diversitätsfreundliche Kirche, die sich über die Vielfalt freuen kann, mit entsprechender Willkommenskultur. Christian Bauer sagt, es gehe darum, von der „flächendeckenden“ Pastoral zu einer „Flächen entdeckenden“ Pastoral zu kommen.

Sein Fazit lautet: „Eine solchermaßen konzilsbewegte, synodal verfasste und an die Ränder gehende ‚Kirche der Nachfolge‘ (Johann B. Metz) ist reichgottesfroh im Geiste Jesu und daher auch beteiligungsstark nach innen und entdeckungsfreudig nach außen. Und sie verwirklicht in ihrem Innern, was sie nach außen vertritt“(Bauer).

Der Abend endete mit der Frage, was in den Gemeinden unseres Dekanats erste Schritte sein können, um sich weiterzuentwickeln zu einer Kirche, die in der Nähe stark und „reichgottesfroh“ und in der Weite entdeckungsfreudig und ebenso zuhause ist. Der Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ bietet die Gelegenheit, sich auf den Weg zu machen.

Aber es braucht eben die

„Menschen, die dafür sorgen, dass das Feuer nicht ausgeht".

Sind Sie, bist du dabei?

 

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„Kirche am Ort" in der Seelsorgeeinheit Öhringen-Neuenstein 

Der Beginn des diözesanen Prozesses „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten" lag 2015/2016, in einer Zeit, in der für die SE Öhringen-Neuenstein die Landesgartenschau Priorität hatte. Die Landesgartenschau 2016 war für die Gemeinden ein wichtiger Event. Der kirchliche Ort „Kreuz +mehr" wurde von den Kirchen der Ökumene eingerichtet, entwickelt und betreut. Eine zeit - und energieintensive Aufgabe für Haupt-und Ehrenamtliche. Deshalb hat der KGR beschlossen, den Prozess „Kirche am Ort“ erst nach der Landesgartenschau zu starten.

Vorausschauend wurde dennoch im Februar 2016 schon das Prozessteam konstituiert. Ihm gehören zwei Kirchengemeinderats - Mitglieder aus jeder Gemeinde, Pfarrer und Gemeindereferent als ständige Mitglieder an, es gibt zusätzlich die Option, weitere Mitglieder themenbezogen einzubeziehen. Der Prozessauftakt in der Seelsorgeeinheit erfolgte nach Abschluss der Landesgartenschau auf einer gemeinsamen Klausur beider Kirchengemeinderäte im November 2016 im Bildungshaus Kloster Bronnbach. Im Zentrum stand der Blick auf die Herausforderungen der Zukunft. Nach der Frage „Wie werden wir als Gemeinde von außen wahrgenommen?“ folgte eine Übung, in der die Kirchengemeinderäte eingeladen waren, sich in die Situation von Menschen, Gruppen, Familien hineinzuversetzen. Die Kirchengemeinderäte aus Neuenstein und Öhringen hatten so die Möglichkeit, aufmerksam zu werden, was heute und in Zukunft an ihren konkreten Orten notwendig sein kann. Hierbei kam als mögliche Perspektive auch die Frage in den Blick, wie das Gemeindeleben in Zukunft evtl. mit nur einem Priester – im Falle der Zusammenlegung der bisherigen Seelsorgeeinheiten 1a und 1b – lebendig erhalten bleiben kann.

Die territoriale Zukunft der Seelsorgeeinheit ist ungewiss. Daher kann es in dem Prozess weniger darum gehen, Strukturen vorzuüberlegen und zu planen. Wichtiger ist es, Haltungen in den Blick zu nehmen, zu verstehen, zu achten und gegebenenfalls Veränderungen zu begleiten. Aus dem Pastoralteam kam eine zweite Perspektive und Frage hinzu: Wie können wir einen Binnenblick der Gemeinden und der Seelsorgeeinheit überwinden? Die Erstkommunionkatechese kann hierfür exemplarisch sein. Der Grundsatz „Ein Katechese-Modell passt für alle“ ist schon lange nicht mehr ausreichend tragfähig. Wir sind auf der Suche nach differenzierten Angeboten, die einer heterogenen Gemeindesituation und persönlichen Situationen gerecht werden.

Vernetzungsmöglichkeiten, Orte im konkreten und im übertragenen Sinn, an denen sich Kirche in Zukunft realisiert, werden in den Blick genommen. Im Prozessteam wurden nach der Klausur der Kirchengemeinderäte Visionen gesammelt, aus denen nun Ziele formuliert und überprüft werden.

Dann kann die Umsetzung geplant und terminiert werden. Das Prozessteam arbeitet eng vernetzt mit den KGRs. Derzeit stehen noch Überlegungen an, wie die Gemeindemitglieder einbezogen und am Prozess beteiligt werden können. Ebenso soll noch Kontakt mit anderen pastoralen Orten wie der Caritas aufgenommen werden.

Im Herbst 2017 steht eine weiteregemeinsame Klausur der beiden Kirchengemeinderäte an, auf der am Prozess „Kirche am Ort“ weiter gearbeitet wird.

 

Roman Ecker

Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten

Ist der Entwicklungsweg der ganzen Diözese:

in allen Kirchengemeinden, Gemeinden, an allen kirchlichen Orten, in den Dekanaten und auch auf Diözesan- und Verwaltungsebene werden diese Fragen gestellt und Antworten entwickelt:

Wozu sind wir heute Kirchengemeinde, Krankenhausseelsorge, Verband, Bischöfliches Ordinariat, … ?

Was ist unser jeweiliger Auftrag? Wie machen wir das: jeder für sich und zusammen?

Der Rottenburger Entwicklungsweg ist ein Weg lokaler Kirchenentwicklung:

In der KIRCHE AM ORT werden die Fragen nach dem Wozu und dem Wie gestellt und bearbeitet.

In der KIRCHE AN VIELEN ORTEN werden Ziele formuliert und Schwerpunkte gesetzt.