Gemeinsame Klausur der Kirchengemeinderäte Öhringen und Neuenstein

Vom 11. bis 12. November tagten die beiden KGR auf dem Schönenberg in Ellwangen in ihrer diesjährigen Klausur. Die eineinhalbtägige Veranstaltung gehört zum alljährlichen festen Bestandteil der KGR-Arbeit, werden hier doch mitunter entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft  überlegt und geplant.

Diesesmal – wie auch schon im letzten Jahr – bestimmte der Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten“ die Inhalte der Klausurtagung.

Die Kirche insgesamt, damit auch unsere Diözese und unsere Gemeinden sind gravierenden Veränderungen ausgesetzt, so dass jetzt eine Neupositionierung und Neuausrichtung vor dem Hintergrund unseres Auftrages ansteht.

Konkret könnte sich die Situation in der Fragestellung ausdrücken: Was können wir in Zukunft  mit weniger aktiven Katholiken, weniger Personal, weniger Geld, in größeren räumlichen Einheiten noch an Gemeindeleben aufrechterhalten und wie kann das aussehen?

Wir stehen bisher der Situation fremd gegenüber. Vieles was in anderen Gemeinden und Seelsorgeeinheiten schon bittere Realität geworden ist, zeichnet sich bei uns erst vage am Horizont ab, oder ist noch nicht zu erkennen. Dennoch gilt es jetzt Weichenstellungen vorzunehmen, damit wir nicht von den Ereignissen überrollt werden.

Das Prozessteam „Kirche am Ort“ hat Visionen erarbeitet, die mit der Methode des World-Café überprüft und u. U. schon weiterentwickelt werden sollten.

Der einzelne Teilnehmer und Kirchengemeinderat ist aufgefordert sein Kirchenbild, seine Erwartungen, seine Wünsche und Sehnsüchte einem kritischen Blick zu stellen. Das Ergebnis der Klausurtagung ist meiner Meinung nach eine Mischung aus beidem: Wahrnehmen der Realität und Blick in eine Zukunft, die uns als Kirche leben lässt.

Roman Ecker

Seelsorgeeinheit Öhringen-Neuenstein

 

Seit Mai 2016 arbeitet ein Prozessteam mit Vertretern aus Neuenstein und Öhringen daran, den Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten“ zu moderieren und zu befördern. Erster Schritt des gemeinsamen Weges war eine Klausurtagung beider Kirchengemeinderäte im November 2016, wo der Ist-Stand genau angeschaut wurde. Was gibt es? Was brauchen wir in Zukunft?

Drei Fragen zum Prozess „Kirche am Ort“  an Pfarrer Klaus Kempter:

1.      Wozu „Kirche am Ort“? Was sind die Gründe für eine solche Initiative, innerhalb der sich eine Diözese mit 1,9 Millionen Katholiken auf den Weg macht?

Im Vordergrund steht die drängende Frage, wie wir als Kirche und Kirchengemeinden weiter leben und überleben mit weniger priesterlichen Leitungspersonen, mit weniger Kirchenmitgliedern und mit weniger Geld. Dazu die Wahrnehmung, dass Kirche sich nicht nur in der seit alters her bekannten und gewohnten Kirchengemeinde ereignet, sondern auch in Schulen, Krankenhäusern, karitativen Einrichtungen, kleinen Gemeinschaften. Alle Akteure sollen sich überlegen, wie Kirche am Ort aussehen und an vielen Orten leben kann. „Kirche am Ort" zwingt alle, der Realität in die Augen zu sehen, ohne dabei zu erstarren.

2.      Ein Prozess ist etwas Lebendiges, Dynamisches, sich Veränderndes.  Wie merken wir, dass wir im Prozess sind?

In diesem Prozess gibt es zwei Ebenen. Erstens die Veränderungen, die alle wahrnehmen können: Die unterschiedlichen Erwartungen an die Kirche. Das Leben der Menschen hat sich verändert. Unter Glaubensgemeinschaft verstehen Menschen ganz Unterschiedliches. Oder nehmen Sie die Haltung, mit der Menschen zu den Sakramenten kommen. Das Empfinden von Religion und religiösem Erleben hat sich tiefgreifend verändert.

Die zweite Ebene des Prozesses sind die Aufbrüche, die aufgrund der Wahrnehmung von Veränderungen sich ereignen. Z. B. das Pilotprojekt Erstkommunion 2018. Da versuchen wir, den unterschiedlichen Bedürfnissen besser gerecht zu werden. Oder dass in Neuenstein etwa Mitglieder des Kirchengemeinderates mit großer Selbstverständlichkeit statt des Pfarrers die Gemeinde nach außen repräsentieren.

3.      Was sind die Schwerpunkte der kirchlichen Arbeit, die uns in Zukunft herausfordern?

Es wird wichtiger sein denn je, Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Einstellungen, die sich zur Kirche zugehörig fühlen, zu begegnen. Wir brauchen eine neue Willkommenskultur.

Kirche ereignet sich in Zukunft immer mehr in kleinen Gemeinschaften, die von Jesus Christus ergriffen sind, die Bibel lesen und ihr Leben danach ausrichten. Die den Glauben auch von hier aus weitergeben und ein lebendiges Zeugnis geben. Das muss unterstützt und gefördert werden.

Kirche muss sich auf ihre zentrale Aufgabe besinnen: Wir bieten Seelsorge als Lebens- und Glaubensbegleitung. Das hergebrachte Bild des Seelsorgers wird Umbrüchen unterliegen, Seelsorge kann jeder Gläubige am Mitmenschen leisten. Wir alle als Kirche etablieren karitative Angebote und soziales Engagement und sind dabei nahe bei den Menschen.

Wir finden aktiv Antworten auf die Frage, wie können kleinere Gemeinden überleben, wenn es keine priesterliche oder hauptamtliche Gemeindeleitung mehr gibt. Wir werden experimentieren mit kooperativen Leitungsmodellen, die die Eigenständigkeit der Gemeinde sichern.

Und wir werden uns einsetzen für neue Zugänge zum Priesteramt, dass in Zukunft nicht zölibatäre Priester mit einem anderen Erwerbsberuf im Team Gemeinde leiten, Seelsorge leisten und Sakramente feiern. Dafür trete ich persönlich in der Aktionsgemeinschaft Rottenburg ein.

Vortrag und Podiumsdiskussion

Kirche am Ort - Kirche an vielen Orten

Nach den Sommerferien geht alles wieder mit schöner Regelmäßigkeit los:

Alltag, Schule, Arbeit, Freizeit- und Fitnessprogramm ...

Worauf freust Du Dich?

Was ist diesmal anders oder neu?

Welche Menschen kannst Du mit anderen Augen sehen?

Welche Herausforderungen reizen Dich ganz besonders?

Eine Kirche der Nähe und der Weite

Diskussionsabend zur zukünftigen Gestalt von Kirche und Gemeinde

Am 7. April hatte Pfarrer Klaus Kempter zu einem Vortrags- und Gesprächsabend zum Thema „Welche zukünftige Gestalt wird Kirche und Gemeinde haben" eingeladen. 14 Interessierte waren der Einladung gefolgt. Im Verlauf des Abends stellte Pfarrer Kempter Überlegung des Innsbrucker Pastoraltheologen Christian Bauer vor. Prof. Bauer zeichnet ein zukünftiges Bild von Kirche, die im Nahraum der Menschen stark präsent ist und sich zugleich in die Weite der gesellschaftlichen Räume aufmacht.

Im Blick auf das Konzil und auf das Handeln von Papst Franziskus sagt er, es gehe darum, „die evangeliumsbewegten Reformimpulse, mit denen Papst Franziskus auch die Pastoraltheologie in Atem hält, im Rahmen der dualen Ekklesiologie des Konzils eigenkontextuell zu verarbeiten: eine ‚introvertierte‘ Sammlungspastoral nach Lumen gentium, der ersten Kirchenkonstitution des Konzils, erfordert zugleich auch eine ‚extrovertierte‘ Sendungspastoral nach Gaudium et spes, dessen zweiter Kirchenkonstitution“(Bauer).

Mit aussagekräftigen Bildern zeigt er, was damit gemeint ist:

- Die Kirche der Zukunft wird aus umherziehenden Wanderpredigern und aus sesshaften Ortsgemeinden bestehen.

- Sie wird eine Kirche der Gründer von Gemeinden und Kirche der Siedler in Gemeinden sein.

- In ihr gibt es Fremdlinge, die zwischen den Häusern wohnen, und Gastwirte, die ihre Häuser öffnen.

- Kirche „im Innern“ ist wie viele kleine Lagerfeuer des Evangeliums inmitten der Welt.

- Sie hat heiße Kerne mit offenen Rändern und Menschen, die dafür sorgen, dass das Feuer nicht ausgeht.

- Kirche besteht aus Orten der Nähe (Gemeinden, Gemeinschaften) in einem Raum der Weite (Gesellschaft, Lebensraum, Region)

Wenn beide Pole im Blick behalten werden, helfen sie sich gegenseitig vor einseitigen Verengungen: „Die Nähe der Orte wehrt der potentiellen Ferne der Räume, und die Weite der Räume entgrenzt die potentielle Enge der Orte“(Bauer).

Dazu muss Kirche aber weiterentwickelt werden:

Ad intra (nach innen, für die Gemeinden, Dekanate und Diözesen) braucht es auf allen Ebenen eine synodal verfasste Weggemeinschaft. Hier geht es um entschiedenes Christsein (Primat der Nachfolge). Gemeinden verstehen sich als Subjekt der Pastoral, die gemeinsam kreative Lösungen finden. Wichtig dabei ist die konsequente Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips: Alles, was auf der unteren Ebene getan werden kann, wird auch dort getan.

Ad extra (nach außen, in die Gesellschaft hinein) braucht es eine missionarische, prophetische, diakonische Kirche und Pastoral. Es braucht pastorale Übergangszonen, Transitbereiche, Schnittstellen. Es braucht ein Umdenken, bei dem erkannt wird: Gott ist nicht nur in der Kirche zugegen, „Gott ist vor dem Missionar da.“ „Außen“, außerhalb unserer Gemeinde- und Kirchengrenzen sind nicht nur Suchende und Fragende, sondern auch Antwortende und Findende, Menschen, die zwar kirchenfern, aber nicht gottlos sind. Es braucht eine diversitätsfreundliche Kirche, die sich über die Vielfalt freuen kann, mit entsprechender Willkommenskultur. Christian Bauer sagt, es gehe darum, von der „flächendeckenden“ Pastoral zu einer „Flächen entdeckenden“ Pastoral zu kommen.

Sein Fazit lautet: „Eine solchermaßen konzilsbewegte, synodal verfasste und an die Ränder gehende ‚Kirche der Nachfolge‘ (Johann B. Metz) ist reichgottesfroh im Geiste Jesu und daher auch beteiligungsstark nach innen und entdeckungsfreudig nach außen. Und sie verwirklicht in ihrem Innern, was sie nach außen vertritt“(Bauer).

Der Abend endete mit der Frage, was in den Gemeinden unseres Dekanats erste Schritte sein können, um sich weiterzuentwickeln zu einer Kirche, die in der Nähe stark und „reichgottesfroh“ und in der Weite entdeckungsfreudig und ebenso zuhause ist. Der Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ bietet die Gelegenheit, sich auf den Weg zu machen.

Aber es braucht eben die

„Menschen, die dafür sorgen, dass das Feuer nicht ausgeht".

Sind Sie, bist du dabei?

 

 

Dekanat Aktuell! Haltungen einüben und differenzierte Angebote machen. "KLICKEN"

„Kirche am Ort" in der Seelsorgeeinheit Öhringen-Neuenstein 

Der Beginn des diözesanen Prozesses „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten" lag 2015/2016, in einer Zeit, in der für die SE Öhringen-Neuenstein die Landesgartenschau Priorität hatte. Die Landesgartenschau 2016 war für die Gemeinden ein wichtiger Event. Der kirchliche Ort „Kreuz +mehr" wurde von den Kirchen der Ökumene eingerichtet, entwickelt und betreut. Eine zeit - und energieintensive Aufgabe für Haupt-und Ehrenamtliche. Deshalb hat der KGR beschlossen, den Prozess „Kirche am Ort“ erst nach der Landesgartenschau zu starten.

Vorausschauend wurde dennoch im Februar 2016 schon das Prozessteam konstituiert. Ihm gehören zwei Kirchengemeinderats - Mitglieder aus jeder Gemeinde, Pfarrer und Gemeindereferent als ständige Mitglieder an, es gibt zusätzlich die Option, weitere Mitglieder themenbezogen einzubeziehen. Der Prozessauftakt in der Seelsorgeeinheit erfolgte nach Abschluss der Landesgartenschau auf einer gemeinsamen Klausur beider Kirchengemeinderäte im November 2016 im Bildungshaus Kloster Bronnbach. Im Zentrum stand der Blick auf die Herausforderungen der Zukunft. Nach der Frage „Wie werden wir als Gemeinde von außen wahrgenommen?“ folgte eine Übung, in der die Kirchengemeinderäte eingeladen waren, sich in die Situation von Menschen, Gruppen, Familien hineinzuversetzen. Die Kirchengemeinderäte aus Neuenstein und Öhringen hatten so die Möglichkeit, aufmerksam zu werden, was heute und in Zukunft an ihren konkreten Orten notwendig sein kann. Hierbei kam als mögliche Perspektive auch die Frage in den Blick, wie das Gemeindeleben in Zukunft evtl. mit nur einem Priester – im Falle der Zusammenlegung der bisherigen Seelsorgeeinheiten 1a und 1b – lebendig erhalten bleiben kann.

Die territoriale Zukunft der Seelsorgeeinheit ist ungewiss. Daher kann es in dem Prozess weniger darum gehen, Strukturen vorzuüberlegen und zu planen. Wichtiger ist es, Haltungen in den Blick zu nehmen, zu verstehen, zu achten und gegebenenfalls Veränderungen zu begleiten. Aus dem Pastoralteam kam eine zweite Perspektive und Frage hinzu: Wie können wir einen Binnenblick der Gemeinden und der Seelsorgeeinheit überwinden? Die Erstkommunionkatechese kann hierfür exemplarisch sein. Der Grundsatz „Ein Katechese-Modell passt für alle“ ist schon lange nicht mehr ausreichend tragfähig. Wir sind auf der Suche nach differenzierten Angeboten, die einer heterogenen Gemeindesituation und persönlichen Situationen gerecht werden.

Vernetzungsmöglichkeiten, Orte im konkreten und im übertragenen Sinn, an denen sich Kirche in Zukunft realisiert, werden in den Blick genommen. Im Prozessteam wurden nach der Klausur der Kirchengemeinderäte Visionen gesammelt, aus denen nun Ziele formuliert und überprüft werden.

Dann kann die Umsetzung geplant und terminiert werden. Das Prozessteam arbeitet eng vernetzt mit den KGRs. Derzeit stehen noch Überlegungen an, wie die Gemeindemitglieder einbezogen und am Prozess beteiligt werden können. Ebenso soll noch Kontakt mit anderen pastoralen Orten wie der Caritas aufgenommen werden.

Im Herbst 2017 steht eine weiteregemeinsame Klausur der beiden Kirchengemeinderäte an, auf der am Prozess „Kirche am Ort“ weiter gearbeitet wird.

 

Roman Ecker

Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten

Ist der Entwicklungsweg der ganzen Diözese:

in allen Kirchengemeinden, Gemeinden, an allen kirchlichen Orten, in den Dekanaten und auch auf Diözesan- und Verwaltungsebene werden diese Fragen gestellt und Antworten entwickelt:

Wozu sind wir heute Kirchengemeinde, Krankenhausseelsorge, Verband, Bischöfliches Ordinariat, … ?

Was ist unser jeweiliger Auftrag? Wie machen wir das: jeder für sich und zusammen?

Der Rottenburger Entwicklungsweg ist ein Weg lokaler Kirchenentwicklung:

In der KIRCHE AM ORT werden die Fragen nach dem Wozu und dem Wie gestellt und bearbeitet.

In der KIRCHE AN VIELEN ORTEN werden Ziele formuliert und Schwerpunkte gesetzt.