Geistliche Impulse, Predigten und vieles Andere

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen verschiedene Impulse zur Verfügung - zum Mitbeten, Mitnehmen oder Weitergeben. Wir hoffen, dass für jede und jeden etwas dabei ist. So können wir auch in diesen herausfordernden Zeiten unseren Glauben und unsere Gemeinschaft untereinander pflegen.

Mein Sonntagsevangelium: Bei den Menschen sein

Um die besten Plätze bei Jesus geht es zwei Jüngern im Evangelium am 29. Sonntag im Jahreskreis (Mk 10, 35-45). Aber Jesus macht den Jüngern, die in der ersten Reihe sitzen wollen, unmissverständlich klar: Es geht nicht darum, etwas Besonderes zu sein, sondern es geht darum zu dienen und für die Menschen da zu sein, bei den Menschen zu sein. Und das heißt nach den Worten von Redemptoristenpater Jens Bartsch auch oft, dahin zu gehen, wo keiner hingehen will.

Unser Sonntag: Das Opfer Christi

In seinem Kommentar zum Sonntagsevangelium erläutert Kaplan Leonard Skorczyk, wie der Opferkult zu Zeiten Jesu aussah – und was für ein echtes Opfer notwendig ist.

Kaplan Leonard Skorczyk, Regensburg

Mk 10, 35–45

Ich freue mich, dass wir einen weiteren Sonntag das Wort Gottes hören können und dadurch Jesus Christus besser kennenlernen. Wenn wir die Texte der Bibel hören, kommt bei manchen von uns ein Problem auf, das vor Kurzem eine junge Christin mir gegenüber eindeutig formuliert hat: Was interessiert mich das Leben dieses einen alten Heiligen? Oder was interessiert mich das Leben irgendeines Apostels außerhalb der Bibel? Warum sollte mich das interessieren: mir geht es nur um meine Beziehung mit Christus!

Wir brauchen Begleiter im Glauben

Abgesehen von meiner Familie, dem Pfarrer und wenigen Gemeindemitgliedern wirkte es für mich beinahe so, als ob es sonst keine weiteren Katholiken mehr gäbe. Dies hat sich schnell in meinem jungen Glaubensleben niedergeschlagen und ich hatte häufig den gleichen Eindruck: „Ich brauche auch keinen anderen. Wenn ich bete und Jesu Gebote halte, dann weiß er das doch. Wofür bräuchte ich eine weitere Gemeinschaft oder eine Gruppe, die mir das bestätigt?“ Es hat nicht lange gebraucht, bis dieses Gedankenkonstrukt für mich zusammenstürzte! Ich merkte schnell, dass wir ohne die Erstverkündiger und Begleiter im Glauben, ohne uns korrigierende Menschen, schnell leer dastehen. Es geht hier so um das Thema eines gewissen spirituellen Individualismus gegenüber eines spirituellen Kollektivismus. Gerade für Christen, die sich nach der Aufklärung und bis jetzt immer verstärkter in einer individualistischen Gesellschaft befinden, ist die Auseinandersetzung mit diesem Thema wichtig. Die Antike dachte nämlich anders!

Der stellvertretende Charakter des Erlösungswerkes

Wenn wir uns mit dieser Perspektive den heutigen Texten nähern und an die Bibel herantreten, kann die Frage aufkommen: Was hat dieser Jude, der vor 2000 Jahren gelebt hat, was hat sein Wirken und Tod mit mir zu tun? Deswegen blicken wir heute auf den stellvertretenden Charakter des Erlösungswerkes Christi und überlegen, warum er nicht spirituell individualistisch betrachtet werden kann. In unserem Evangelium (Mk 10, 35–45) begegnen uns die zwei Zebedäussöhne. Sie haben den Namen Donnersöhne von Christus nicht umsonst bekommen und zeigen uns dies hier. Sie werden uns mit ihren Schwächen dargestellt und zeigen uns so auf, wie auch wir eventuell gehandelt hätten. Jakobus und Johannes treten zu Christus und erfragen sich von ihm großen weltlichen Ruhm und Macht. Jesus weist sie stark zurück und erklärt ihnen stattdessen, dass er das Lösegeld für viele und das stellvertretende Opfer für die Menschheit ist. Diese wunderschöne und bedeutende Stelle liegt mir mitunter besonderes am Herzen, weil sie mein Primizspruch geworden ist. Alle diese Texte sind auch bei meiner Primiz vor 3 Monaten erklungen!

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“

Wenn sich Jesus Christus so nicht als irdischer Herrscher darstellt und damit die Vorstellungen den Zebedäussöhne ablehnt, dann liegt es an uns zu verstehen, was er stattdessen den Jüngern als Erklärung mitgibt. Diese Formulierung des Herrn weist durch die Wortwahl auf Opfer-, Tempel- und Erlösungstexte hin. Die Juden der damaligen Zeit verbanden damit all ihre Erinnerungen und ihr Wissen um den Opfer- und Sühnekult des Tempels.

Der Opferkult zu Zeiten Jesu 

Wie funktioniert jedoch die damals auf Gemeinschaft und Stellvertretung basierte Opfertheologie? Sie ist verkürzt zusammenzufassen durch 3 Elemente: Es benötigt einen Opfernden, etwas oder jemand Geopferten und denjenigen, dem die Frucht des Opfers zuteil wird. An diesem Sonntag werden uns zu der Evangeliumsstelle auch zwei passende andere Lesungen gestellt. Sie sind sehr praktisch dafür, uns das Verständnis zu erleichtern von wem, was und für wen hier geopfert wird. Im vierten Kapitel des Hebräerbriefes hören wir, dass Jesus Christus unser neuer und vollkommender Hohepriester ist. Ein Priester ist ein Stellvertreter Gottes vor dem Volk und der Stellvertreter der Menschen vor Gott. Er bringt Opfer zur Versöhnung dar.

Jesus ist der Hohepriester

Der Hohepriester ist der höhst Erwählteste, nur er durfte am Versöhnungstag den letzen Vorhang zum Allerheiligsten durchschreiten und stellvertretend Versöhnung für das ganze Volk erlangen. Er durfte sich in die Präsenz Gottes wagen. Hierauf wird angespielt wenn wir lesen: Da wir nun einen erhabenen Hohepriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten. (Hebr 4,14) Die Rolle des Hohepriesters wird von Christus eingenommen und vervollständigt. Er schritt seit Anfang der Zeit und Schöpfung durch die Himmel und ist selbst die höchste Form der Präsenz Gottes auf Erden.

„Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen“

Weiter lesen wir: Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat. (Hebr 4,15) Das Problem, dass wir uns mit einem solchen neuen und erhabenen Hohepriester nicht mehr so einfach identifizieren können, wird konfrontiert und aufgelöst. Denn durch die Betonung der ganzen Gottheit verbunden mit der vollen Menschlichkeit Jesu, haben wir einen Fürsprecher, der unsere Schwächen kennt und sie selbst erlebt hat.

Wir haben Grund zur Zuversicht

Deshalb wird es hoffnungsvoll im letzten Vers: Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit! (Hebr 4,16). Die erste Notwendigkeit für ein Opfer, der das Opfer darbringende, ist hier also mit Jesus Christus identifiziert! Er ist der Opfernde, der für uns das Opfer vor Gott darbringen kann und dadurch unser Stellvertreter ist.

Gleichzeitig hörten wir zuvor: Der Menschensohn ist gekommen um sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. Er zeigt sich uns also zugleich auch als das Opfer, das dargebracht wird. Er bringt uns also auch die zweite Notwendigkeit: jemand Geopferten. Was im alten Bund ein Tier war, ist jetzt Christus selbst. Um dieses schwer zu fassende Mysterium zu verstehen, haben sich die frühen Christen schnell einen weiteren Text zu Hilfe gezogen.

Der Gottesknecht

Wir hören im 53. Kapitel des Buchs Jesaja von dem leidenden Gottesknecht, der aber durch sein Leiden gottgefällig ist und für andere so stellvertretend Heil erlangt: Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Nachdem er vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich. (Jes 53 4.5.11) Die junge christliche Gemeinde, die schnell die Bedeutung der Worte Christi erklären, und verstehen musste, wie dieser Hohepriester Jesus Christus auch das Opfer sein kann, nahmen schnell dieses Gottesknechtslied in seiner wahren Bedeutung zur Unterstützung.

...als Lösegeld für viele

Wir können so besser verstehen was es bedeutet: Sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. Und aus diesen beiden Bibelstellen und in ihrem Kontext können wir auch heraushören, dass die dritte Komponente jedoch nicht Jesus Christus sein kann. Er bedarf ja nicht der Frucht eines Opfers, er braucht keine Sühne oder Versöhnung und keinen Stellvertreter. Er hat sich selbst dargebracht für uns, damit wir die Wirkung daraus erlangen! „Er lädt ihre Schuld auf sich“ & „lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade“.

Wir erkennen so also, dass diese Opfertheologie und die kollektive Denkweise der Antike hier eine große Rolle spielt und nur so der stellvertretende Opfercharakter Christi bedacht werden kann. Wenn wir in diesem Kontext spirituell individualistisch denken, müssten wir unsere Schuld selber tragen und selbst Erlösung erlangen. Das ist der Unterschied zwischen dem Christentum und einer anderen, z.B. der esoterischen Spiritualität. Dort erlöse ich mich selbst, finde einen Weg zu Erleuchtung, erlange Heil oder Gnade selbst - oder versuche es zumindest. Christen können diesen Weg nicht gehen, denn sie haben nur einen Stellvertreter und einen Fürsprecher: unseren Herrn Jesus Christus. Er, der sich selbst hingegeben hat, als Lösegeld für viele.

Eine kleine Gewissenserforschung: 

Ich will noch einige Anfragen stellen, die uns helfen können, diese Abwägung selber besser treffen zu können. Anfragen an uns selbst und unsere eigene Reflexion: Verstehe ich, dass ich Teil einer Gemeinschaft bin und, dass Gott dies so gewollt hat? Das kann eine Pfarrgemeinde, ein Gebetskreis, eine spirituell fruchtbare Freundschaft, die eigene Familie oder eine Ordens-/ Priestergemeinschaft sein. Kann ich die wertschätzen, die mir meinen Glauben vermittelt, gestärkt ode ihn korrigiert haben? Eltern, Religionslehrer oder Priester, eine Person, die mich zur Bekehrung geführt hat oder ein Lehrer des Glaubens, wie unsere Bischöfe. Sehe ich meine christlichen Brüder und Schwestern als Konkurrenz an, oder als Weggefährten, die mir helfen können. Will ich mit anderen aus der Erfahrung leben, dass Christus stellvertretend für alle Menschen gestorben ist? Nicht nur für die jetzigen Christen, sondern für alle Menschen anderen oder keines Glaubens, die dessen würdig wirken oder nicht. Verstehe ich, dass Christus für mich absolut persönlich, aber eben auch für jeden anderen mit dieser persönlichen Liebe gestorben ist?

„Lassen wir uns durch Christus verändern“

Geliebte Brüder und Schwestern! Wenn wir uns also manchmal überlegen, ob wir es alleine schaffen, ob wir andere brauchen und ob wir Teil einer Gemeinschaft sind, und so Anteil an stellvertretenden Taten haben können, dann lassen wir uns durch Christus verändern! Seien wir dankbar dafür, dass wir durch unseren Stellvertreter Christus und in der Gemeinschaft der Kirche große Hoffnung auf das ewige Leben haben. Auch wenn der stellvertretende Charakter des Opfers Christi für uns wahrscheinlich schwerer zu verstehen ist als für die ursprünglichen, antiken Adressaten, müssen wir uns Mühe geben, dies besser zu verstehen und so zu erfahren, warum es für uns lebens- und weltverändernde Bedeutung hat! Freuen uns wir so an der Liebe, die Christus uns dadurch gezeigt hat, dass er nicht gekommen ist sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen, und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

 

2. August: Das Fest der Vergebung von Assisi

Jährlich kommen zum „Perdono di Assisi"- der Vergebung von Assisi - am 2. August zahlreiche Pilger in den italienischen Wallfahrtsort Assisi. Coronabedingt sind es deutlich weniger, doch der Franziskanerorden hat sich etwas einfallen lassen, wie uns der Franziskaner Bruder Andreas Brunner vom Convento della Porziuncola berichtet.

Bruder Andreas Brunner vom Convento della Porziuncola:

„Am 2. August findet wie jedes Jahr das Fest der Vergebung von Assisi, der Vergebung der Porziunkola, statt. Auch wenn die Pilger und Touristen wieder sehr zahlreich nach Assisi kommen, so steht das Fest dieses Jahr doch noch immer unter dem Einfluss von Covid-19. Wir Franziskaner glauben, dass ein Neustart mit der Vergebung beginnen sollte. Das heißt, dass wir wieder die Erfahrung der unendlichen Liebe Gottes machen dürfen; der Erfahrung, dass wir sogar dort geliebt sind, wo wir Dinge verbrochen haben, dort wo wir uns selbst nicht so gerne haben. Nur so können wir wieder neu anfangen, neu beginnen, weitergehen - das Wichtigste nicht aus den Augen verlieren.

Neustart mit Vergebung beginnen

Da viele nicht selbst nach Assisi kommen können, haben wir eine Internetseite eingerichtet: PerdonoDiAssisi.Org, um es euch zu erleichtern die Vergebung von Assisi zu erlangen. Möge Gott sie uns immer wieder neu schenken. Einen guten Neustart an alle."

Voraussetzungen für den Erhalt der Vergebung von Assisi

Um am 2. August einen vollständigen Ablass der zeitlichen Sündenstrafen für sich oder Verstorbene zu erhalten, muss man beichten, an der heiligen Messe mit Empfang der heiligen Eucharistie teilnehmen, ein Vaterunser und das Glaubensbekenntnis sprechen sowie in der Intention des Heiligen Vaters beten. In jeder franziskanischen Kirche der Welt ist es möglich, am 2. August so einen Porziunkola-Ablass zu erhalten.

In der kleinen Porziunkola-Kappelle, die sich in der Basilika Santa Maria degli Angeli befindet, hatte der heilige Franziskus die Vision, aufgrund derer er Papst Honorius III. um das Privileg zur Gewährung eines vollständigen Ablasses gebeten hatte. Dieser wurde ihm gewährt - und zwar am 2. August 1216. So konnte Franz von Assisi vor einer großen Menge und im Beisein der umbrischen Bischöfe die „Vergebung von Assisi“ bekanntgeben, die fortan jedes Jahr an diesem Tag begangen werden sollte. Vor fünf Jahren feierte die Weltkirche das 800. Jubiläum dieses bedeutsamen Tages. Auch Papst Franziskus besuchte den umbrischen Wallfahrtsort im Jahr 2016 aus diesem Anlass.

Die Gebete

Die neue Sozialenzyklika des Papstes schließt mit zwei Gebeten: So hatte Franziskus es schon bei seiner vorigen Enzyklika „Laudato si‘“ gehalten. Das erste Gebet ist, wie er in „Laudato si‘“ erläuterte, „eines, das wir mit allen teilen können, die an einen Gott glauben, der allmächtiger Schöpfer ist“, das zweite ist ökumenisch ausgerichtet.

Gebet zum Schöpfer

Herr und Vater der Menschheit,
du hast alle Menschen mit gleicher Würde erschaffen.
Gieße den Geist der Geschwisterlichkeit in unsere Herzen ein.
Wecke in uns den Wunsch nach einer neuen Art der Begegnung,
nach Dialog, Gerechtigkeit und Frieden.
Sporne uns an, allerorts bessere Gesellschaften aufzubauen
und eine menschenwürdigere Welt
ohne Hunger und Armut, ohne Gewalt und Krieg.

Gib, dass unser Herz sich
allen Völkern und Nationen der Erde öffne,
damit wir das Gute und Schöne erkennen,
das du in sie eingesät hast,
damit wir engere Beziehungen knüpfen
vereint in der Hoffnung und in gemeinsamen Zielen. Amen.

Ökumenisches Gebet

Herr, unser Gott, dreifaltige Liebe,
lass aus der Kraft deiner innergöttlichen Gemeinschaft
die geschwisterliche Liebe in uns hineinströmen.
Schenke uns die Liebe, die in den Taten Jesu,
in der Familie von Nazaret und in der Gemeinschaft der ersten Christen aufscheint.

Gib, dass wir Christen das Evangelium leben
und in jedem Menschen Christus sehen können,
dass wir ihn in der Angst der Verlassenen und Vergessenen dieser Welt
als den Gekreuzigten erkennen
und in jedem Bruder, der sich wieder erhebt, als den Auferstanden.

Komm, Heiliger Geist, zeige uns deine Schönheit,
die in allen Völkern der Erde aufscheint,
damit wir entdecken, dass sie alle wichtig sind,
dass alle notwendig sind, dass sie verschiedene Gesichter
der einen Menschheit sind, die du liebst. Amen.

Die Katechese im Wortlaut

Vatican News dokumentiert an dieser Stelle die Katechese des Papstes bei der Generalaudienz im Wortlaut in einer Arbeitsübersetzung. Die offizielle Übersetzung der Papstworte finden Sie in Kürze wie gewohnt auf www.vatican.va.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Morgen!

Heute möchte ich über das Gebet der Danksagung sprechen. Ich gehe dafür von einer Begebenheit aus, die der Evangelist Lukas erzählt.

Während Jesus unterwegs ist, begegnen ihm zehn Aussätzige, die ihn anflehen: „Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!“ (17,13). Wir wissen, dass für die Leprakranken das körperliche Leiden mit einer sozialen und religiösen Ausgrenzung einherging. Jesus scheute sich nicht vor einer Begegnung mit ihnen. Manchmal geht er über die Grenzen der Gesetze hinaus und berührt den Kranken, er umarmt ihn, heilt ihn. In diesem Fall gibt es keinen Körperkontakt. In einiger Entfernung fordert Jesus die Kranken auf, sich den Priestern zu zeigen (V. 14), die laut Gesetz für die Beglaubigung der Heilung zuständig waren.

Darüber hinaus sagt Jesus nichts. Er hat ihr Gebet, ihren Schrei nach Barmherzigkeit, erhört und schickt sie sofort zu den Priestern. Die zehn Leprakranken vertrauen ihm und gehen sofort, und während sie zu den Priestern hingehen, werden sie geheilt, alle zehn von ihnen. Die Priester hätten also ihre Heilung feststellen und sie wieder für das normale Leben zulassen können.

Hier aber kommt der wichtigste Punkt: Einer aus der Gruppe geht, noch bevor er zu den Priestern geht, zu Jesus zurück, um Jesus zu danken und Gott für die empfangene Gnade zu loben. Jesus stellt fest, dass der Mann ein Samariter war – für die Juden der damaligen Zeit war er eine Art „Ketzer“. Und Jesus fragt: „Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?“ (17,18).

„Das Gebet der Danksagung beginnt immer hier: mit dem Erkennen unserer selbst, denen Gnade zuteilwurde.“

Dieser Bericht teilt die Welt sozusagen in zwei Gruppen auf: in die, die nicht danken, und die, die danken; die, die alles als ihr Recht ansehen, und die, die alles als Geschenk, als Gnade, annehmen. Der Katechismus schreibt: „Jedes Ereignis und jedes Bedürfnis können Opfer des Dankes werden." (Nr. 2638).

Das Gebet der Danksagung beginnt immer hier: mit dem Erkennen unserer selbst, denen Gnade zuteilwurde. Wir wurden gedacht, bevor wir lernten zu denken; wir wurden geliebt, bevor wir lernten zu lieben; wir waren erwünscht, bevor in unseren Herzen Wünsche wach wurden. Wenn wir das Leben auf diese Weise betrachten, dann wird das „Danke“ zum Leitmotiv unserer Tage.

„Leben heißt vor allem, empfangen zu haben. Wir werden alle geboren, weil sich jemand das Leben für uns gewünscht hat.“

Für uns Christen hat die Danksagung dem wichtigsten Sakrament seinen Namen gegeben: der Eucharistie. Das griechische Wort bedeutet nämlich genau das: Danksagung. Christen preisen Gott, wie alle Gläubigen, für das Geschenk des Lebens.

Leben heißt vor allem, das Leben empfangen zu haben. Wir werden alle geboren, weil sich jemand das Leben für uns gewünscht hat. Und dies steht nur am Anfang einer langen Reihe von Schulden, die wir durch unser Leben anhäufen: Schulden der Dankbarkeit.

In unserer Existenz hat uns mehr als eine Person mit reinen Augen angeschaut, und zwar unentgeltlich. Oft sind es Erzieher, Katecheten, Menschen, die ihre Aufgabe über das Maß hinaus erfüllt haben, das die Pflicht verlangt. Und sie haben in uns Dankbarkeit entstehen lassen. Auch Freundschaft ist ein Geschenk, für das wir immer dankbar sein müssen.

Dieses „Dankeschön“, das der Christ mit allen teilt, erweitert sich in der Begegnung mit Jesus. Die Evangelien bezeugen, dass die Begegnung mit Jesus bei den Menschen oft Freude und den Lobpreis Gottes auslöste. Die Erzählungen über die Geburt Jesu sind bevölkert von Betenden, deren Herzen durch das Kommen des Erlösers weit wurden. Und auch wir sind berufen, an diesem unermesslichen Jubel teilzuhaben.

Darauf deutet auch die Geschichte von der Heilung der zehn Aussätzigen hin. Natürlich waren sie alle froh, wieder gesund zu werden und damit aus dieser unendlich scheinenden Zwangsquarantäne herauszukommen, die sie von der Gemeinschaft ausschloss. Aber unter ihnen gab es einen, der der Freude noch eins draufsetzte:
Er freute sich nicht nur über die Heilung, sondern auch über die Begegnung mit Jesus. Er ist nicht nur vom Übel befreit, sondern hat nun auch die Gewissheit, geliebt zu werden. Das ist ein großer Schritt, zu wissen, dass man geliebt wird. Es ist die Entdeckung der Kraft der Liebe, die die Welt regiert. Dante würde sagen: Liebe, „die die Sonne und die anderen Sterne bewegt“ (Paradies, XXXIII, 145).

Wir sind keine umherirrenden Wanderer mehr, die hier und dort umherziehen: wir haben ein Heim, wir wohnen in Christus, und von diesem „Zuhause“ aus betrachten wir den Rest der Welt, und diese erscheint uns unendlich viel schöner. Wir sind Männer und Frauen der Gnade.

Lasst uns deshalb, Brüder und Schwestern, immer versuchen, in der Freude der Begegnung mit Jesus zu sein. Kultivieren wir die Freude! Denn der Teufel lässt uns immer traurig und allein zurück, nachdem er uns betrogen hat. Wenn wir in Christus sind, kann uns keine Sünde und keine Bedrohung jemals daran hindern, unsere Reise mit Freude fortzusetzen, zusammen mit unseren vielen Begleitern auf dem Weg.

Vor allem sollten wir das Danken nicht vernachlässigen: Wenn wir Dankbarkeit empfinden, wird auch die Welt besser, wenn auch nur ein wenig, aber schon das reicht, um ihr ein wenig Hoffnung zu geben.

Alles ist vereint und verbunden, und jeder kann dort, wo er ist, seinen Teil beitragen. Der Weg zum Glück ist der, den der heilige Paulus in einem seiner Briefe (an die Thessalònicher) beschreibt: „Betet ohne Unterlass! Dankt für alles; denn das ist der Wille Gottes für euch in Christus Jesus. Löscht den Geist nicht aus!" (1 Thess 5,17-19). Das ist der Plan des Lebens.

Gebet des Tages

Barmherziger Gott,
die glühende Liebe zu dir
hat dem heiligen
Diakon Laurentius die Kraft gegeben,
dir und den Armen treu zu dienen
und furchtlos für dich zu sterben.

Hilf uns, dich zu lieben,
wie er dich geliebt hat,
und den Armen zu dienen,
wie er ihnen gedient hat.

(aus dem Tagesgebet)

Komm, Heiliger Geist

Komm, Heil’ger Geist, der Leben schafft,
erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein:
Nun hauch uns Gottes Odem ein.

Komm, Tröster, der die Herzen lenkt,
du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut,
du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

Dich sendet Gottes Allmacht aus
im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund
und machst der Welt die Wahrheit kund.

Entflamme Sinne und Gemüt,
dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut
in deiner Kraft das Gute tut.

Die Macht des Bösen banne weit,
schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn,
dass Unheil uns nicht schaden kann.

Lass gläubig uns den Vater sehn,
sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt
und uns das Leben Gottes bringt.

Den Vater auf dem ew’gen Thron
Und seinen auferstandnen Sohn,
dich, Odem Gottes, Heil’ger Geist,
auf ewig Erd’ und Himmel preist.

Amen.

Zur geistigen Kommunion

    Mein Jesus, ich glaube, dass Du im allerheiligsten Sakrament

    des Altares zugegen bist.

    Ich liebe dich über alles und meine Seele sehnt sich nach Dir.

    Da ich Dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann,

    so komme wenigstens geistigerweise zu mir.

    Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir und vereinige mich mit Dir!

    Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an.

    Lass nicht zu, dass ich mich je von Dir trenne. 

    Amen.

     (Alfons von Liguori)

Zu deinen Füßen, o mein Jesus, werfe ich mich nieder

und bringe Dir die Reue meines zerknirschten Herzens dar,

das sich mit seinem Nichts in Deiner heiligen Gegenwart verdemütigt.

Ich bete Dich an im Sakrament Deiner Liebe, der unfassbaren Eucharistie.

Ich sehne mich danach, Dich in der armen Wohnstatt meines Herzens zu empfangen.

Während ich das Glück der sakramentalen Kommunion erwarte, möchte ich Dich im Geist besitzen.

Komm zu mir, o mein Jesus, da ich zu Dir komme! Die Liebe umfange mein ganzes Sein im Leben und im Tod.

Ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich.

Amen.

(Kardinal Merry del Val)

Tagesgebet

Beten wir gemeinsam...

Allmächtiger und ewiger Gott,

du bist unsere Zuflucht in jeder Gefahr,

an dich wenden wir uns in unserem Schmerz

und bitten dich voll Vertrauen:

Hab Erbarmen mit unserer Not.

Gewähre den Verstorbenen die ewige Ruhe,

tröste die Trauernden,

heile die Kranken.

Schenke den Sterbenden den Frieden,

den Pflegenden Stärke,

den Verantwortungsträgern Weisheit

und ermutige alle, sich einander in Liebe zuzuwenden,

damit wir gemeinsam deinem heiligen Namen die Ehre erweisen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,

unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Vertrautes während der Corona-Pandemie.

Heute an Palmsonntag

So klingen die Glocken von Christus König in Neuenstein. Klicken Sie auf das Bild:

Das Video ist von 2014, aber die Glocken sind immer noch die gleichen.

Mehr über die Glocken:

Zum Mitbeten....

Gebet

Guter und treuer Gott,

    wir tragen unsere Sorgen und unsere Ängste vor Dich

    und wir bitten in diesen beängstigenden Tagen um deinen Beistand.

    Gib uns deinen lebenspendenden Geist, der sich uns in Jesus Christus gezeigt hat.

    Lass uns in deinem Geist erkennen, was richtig ist

    und gib uns die Kraft, das rechte entschlossen zu tun.

Lass uns die Schwachen, Einsamen, Kranken,

    die Verängstigen und Bedrückten aller Art nicht übersehen.

    Hilf uns, dass wir diese Menschen nicht vergessen oder an ihnen vorbeigehen.

    Gib uns die Kraft zu helfen und heilsame Begegnungen zu ermöglichen.

    Lass sie durch unser Verhalten ihnen gegenüber deinen wirksamen Beistand erfahren.

    Durch uns möge Deine Güte und Menschenfreundlichkeit lebendig werden und bleiben.

    Das erbitten wir in dieser schweren Zeit von Dir, guter und treuer Gott.

Amen.

Gebet von Bischof Gebhard Fürst aus der Video-Botschaft vom 16. März 2020

 

Gott,

ich halte inne und suche Deine Nähe. 

Vieles in unserer Welt und unserer Umgebung

Ist anders geworden und ungewohnt:  

Unser Alltag hat sich so sehr verändert:

Keine Versammlungen

und gemütliche Abende in der Kneipe, 

kein spontaner Besuch bei Freunden,

kein Kinobesuch

keine Berührungen und reichlich Abstand

– Stille –                                                              

(persönliche Situation kann eingefügt werden)        

 

  Hilf mir,              

dass ich mich nicht verwirren lasse

vom Schweren und Ungewissen,

von der Angst in dieser neuen Situation.

  Lass mich mitfühlen

mit den schwachen und kranken,

den älteren und hilfsbedürftigen Menschen.

Schenke mir die Kraft und den Mut

verantwortlich zu handeln

und notwendende Entscheidungen zu treffen.

Stärke mich mit deinem Heiligen Geist,

der Klarheit schafft und ermutigt,

Durch Christus unseren Bruder,

der uns nahe ist.

Amen

     Texte und Foto: Birgit Bronner | Gestaltung: webvisio.de

Zum Nachdenken...

Dieser kleine Text ist mir soeben in die Finger gekommen.

Er regt zum Nachdenken an. Aber er kann auch die Hoffnung zeigen,

dass trotz der Einschränkungen unseres Alltags vieles noch möglich ist.

Nicht alles ist abgesagt…
der Frühling ist nicht abgesagt.
die Sonne ist nicht abgesagt.
Liebe ist nicht abgesagt.
Lächeln ist nicht abgesagt.
Lesen ist nicht abgesagt.
Beten ist nicht abgesagt.
Singen ist nicht abgesagt.
Briefe sind nicht abgesagt.
Gespräche sind nicht abgesagt.
Träumen ist nicht abgesagt.
Zukunft ist nicht abgesagt.
Hoffnung ist nicht abgesagt.

Gebet

Jeder neue Morgen ist ein neuer Anfang unseres Lebens.

Jeder Tag ist ein abgeschlossenes Ganzes.

Der heutige Tag ist die Grenze unseres Sorgens und Mühens.

Er ist lang genug, um Gott zu finden oder zu verlieren,

um Glauben zu halten oder in Sünde und Schande zu fallen.

Die alte Treue Gottes allmorgendlich neu zu fassen,

mitten in einem Leben mit Gott täglich ein neues Leben mit ihm beginnen zu dürfen,

das ist das Geschenk, das Gott uns mit jedem neuen Morgen macht.

Nun hat Gott in dem Schweigen des Morgens sein Wort geredet,

nun haben wir mit ihm und mit der Gemeinde der Christen Gemeinschaft gefunden.

Sollten wir nun nicht zuversichtlich an das Tagewerk gehen?

        Dietrich Bonhoeffer (aus: Barbara Ellermeier, Dietrich Bonhoeffer. Es lebe die Freiheit, München 2020)