Geistliche Impulse, Predigten und vieles Andere

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen verschiedene Impulse zur Verfügung - zum Mitbeten, Mitnehmen oder Weitergeben. Wir hoffen, dass für jede und jeden etwas dabei ist. So können wir auch in diesen herausfordernden Zeiten unseren Glauben und unsere Gemeinschaft untereinander pflegen.

Ab heute: Vierzig heilige Tage

Mit dem Aschermittwoch beginnt heute die Fastenzeit: Vierzig heilige Tage. Auf Latein heißt das „Quadragesima“. Aber warum gerade vierzig?

Vierzig ist in der Bibel eine besondere Zahl. Vierzig Jahre dauerte die Wüstenwanderung des Volkes Israel, vierzig Tage fasteten Mose auf dem Berg Sinai und der Prophet Elija auf dem Weg zum Horeb und schließlich Jesus nach seiner Taufe. Das ist der Grund, warum auch die österliche Bußzeit, die auf die Feier von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu vorbereitet, genau vierzig Tage dauert.

In der frühen Christenheit bereiteten sich in dieser Zeit die Katechumenen (Taufbewerber) intensiv auf ihre Taufe in der Osternacht vor, während die bereits Getauften sich ihrer eigenen Taufwürde neu bewusst wurden und sie im Hören von Gottes Wort und im Gebet vertieften. Menschen, die durch eine schwere Sünde ihre Gemeinschaft mit Gott und ihren Brüdern und Schwestern verletzt hatten, bereiteten sich durch strenges Fasten auf die Versöhnung vor.

Eine Idee der Gallier

Das Auflegen der Asche am Aschermittwoch geht auf die Aufnahme der Sünder in den Stand der Büßer zurück. In Gallien wurden sie in Anlehnung an die Vertreibung der Stammeltern aus dem Paradies aus der Kirche getrieben, mussten ein Bußgewand anlegen und wurden mit Asche bestreut. Während diese öffentliche Buße vor der Jahrtausendwende aufgegeben wurde, blieb der Ascheritus für alle Gläubigen bis heute erhalten.

Mit dem Ascheritus beginnt die Fastenzeit als eine Zeit nicht nur leiblichen Fastens, sondern auch der geistlichen Umkehr, der erneuernden Hinwendung zu Gott. So wird die österliche Bußzeit zu den „großen Jahresexerzitien des Volkes Gottes“ (Balthasar Fischer).

Für den heiligen Benedikt gab's Wichtigeres als das leibliche Fasten

Übrigens gibt die Regel des hl. Benedikt in ihrem Programm für die Fastenzeit dem Beten und Lesen den Vorrang vor dem leiblichen Fasten. Und sie unterstreicht das freudige Klima christlichen Fastens als intensive Pflege der Beziehung zu Gott.

„Deshalb raten wir, dass wir wenigstens in diesen Tagen der Fastenzeit in aller Lauterkeit auf unser Leben achten. ( …) So möge jeder über das ihm zugewiesene Maß hinaus aus eigenem Willen und in der Freude des Heiligen Geistes Gott etwas darbringen ( …) und mit geistlicher Sehnsucht und Freude das heilige Osterfest erwarten“.

Unser Sonntag: Das Lebens-Wort Gottes

In Jesus Christus bringt Gott seine ganzen Gefühle, Träume, Pläne und seine ganze Liebe zusammen, die er für uns hat, so Pfarrer Jan Lehmann. Jesus Christus ist das „Lebens-Wort“ Gottes. Zusammengefasst wird Gottes Botschaft mit den Worten, die Jesus zu Beginn dieser Fastenzeit spricht „Kehrt um, und glaubt an das Evangeli-um!“ Pfarrer Lehmann fordert uns auf, gerade in der Fastenzeit Gott zu begegnen.

Jan Lehmann, Jugendpfarrer und Spiritual im Bistum Trier


1. Fastensonntag - Mk 1,12-15

„Wir haben kein Wort für die Liebe“ So lautet die Überschrift eines Zeitungsartikels, den ich vor einigen Jahren gelesen habe. Der Satz stammt von einer jungen Frau aus Nordkorea, die über ihre Kindheit berichtete. Sie erzählt, dass sie in einem Land aufgewachsen ist, indem bestimmte Worte verboten wurden.

Dazu gehört auch das Wort „Liebe“ – also die Liebe, die zwischen Menschen entsteht. Systematisch wurde dieses Wort aus ihrer Alltagssprache verbannt. Das ist für mich immer noch eine merkwürdige Vorstellung, dass es Worte gibt, die verboten werden. Denn Worte bezeichnen ja nicht nur eine bestimmte Situation oder ein Gefühl, sondern sie machen das Bezeichnete sichtbar und erfahrbar.
Wer von jemanden hört „Ich liebe dich!“, kommt mit Gefühlen und Situationen in Berührung, die von Vertrauen, Annehmen, Freude oder Spaß sprechen. Wer daher Worte verbietet, will auch das Verbieten, was sie bezeichnen.

German-Lüften

Ich mache selbst die Erfahrung, dass bestimmte Worte in meinem Alltag nicht mehr so häufig vorkommen. Damit verschwindet aber auch das, was sie bezeichnen. Vor elf Monaten hörte sich etwa das Wort besuchen für mich leicht und unbeschwert an. Wenn ich heute jemanden besuchen will, mache ich mir Gedanken darüber, ob regelmäßig gelüftet wird oder wie viele Personen aus wie vielen Haushalten zusammenkommen.
Andere Worte nehmen hingegen viel Platz in meiner Sprache und in meinem Denken ein: Virologen zum Beispiel. Bis vor einem Jahr kannte ich keine einzige, heute kann ich auf die Schnelle fünf verschiedene Vi-rologinnen mit Titel aufsagen. Mund-Nasen-Schutz ist auch so ein neues Wort, dass in meinem Alltag Platz genommen hat. Ein interessantes Wort ist für mich lüften. Ich wusste bis vor einigen Monaten gar nicht, dass das Lüften in englischsprachigen Ländern große Begeisterung auslöst. Sie haben dort sogar einen eigenen Begriff dafür: German-Lüften. Dies hat damit zu tun, dass unsere Fensterkonstruktionen mit kippen und ganz Öffnen, in anderen Ländern der Welt unbekannt sind.

„Leider sind die wichtigeren Worte nicht automatisch die mächtigeren Worte.“

Bei all dem was wir zurzeit erleben, habe ich den Eindruck, dass es Wörter gibt, die wichtiger sind als andere. Wichtiger, weil sie uns Menschen gut tun, unseren Lebenswillen fördern und Perspektiven eröffnen. Der Satz „Schön von dir zu hören“ ist mir wichtiger als „Ich habe jetzt gar keine Zeit, weil die nächste Videokonferenz wartet“. Oder die Worte „Versuch es noch mal, du schaffst das“ sind mir wichtiger als zu hören „Du hast deine Chance vertan“. Leider sind die wichtigeren Worte nicht automatisch die mächtigeren Worte.

Wenn ich mir die letzten Monate so anschaue, dann gab es viele Worte, die mächtig daherkamen und mich gleichzeitig ratlos zurückzuließen. Die Botschaften und Aktionen von Corona-Leugnern etwa, die Verwirrung stiften wollen und versuchen unsere Wirklichkeit umzuschreiben. Oder manche prominenten Persönlichkeiten, die mit Absicht bestimmte Worte und Inhalte ständig wiederholten, und so versuchten in die Irre zu frühen. Doch statt Ordnung und Ruhe zu fördern, entstanden Chaos und Unruhen.

„Gerade die unangenehmen Worte, die Worte, die wehtun sind mächtige Worte und können lange wirken.“

Doch das gilt nicht nur für die große Politik und Wirtschaft, auch unsere eigene Sprache kann Menschen verletzen.
Ein junger Mensch, der z.B. zu hören bekommt, dass er seine Chance vertan hat, wird an diesen Wörtern lange zu knabbern haben. Oder das unüberlegte Urteil über eine Familie aus der eigenen Nachbarschaft, die Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut bringen muss, und dabei gestresst wirkt, kann die Nachbarschaft auf Dauer vergiften. Gerade die unangenehmen Worte, die Worte, die wehtun sind mächtige Worte und können lange wirken.

Es gibt sie die wichtigeren und die mächtigeren Worte. Und wir Menschen müssen schlau genug sein, um das eine vom anderen zu unterscheiden. Denn mit unserer Sprache und dem was das Gesprochene auslöst nehmen wir Einfluss auf das Leben unserer Mitmenschen und unserer Umgebung.

Lebensworte machen das Leben weit und schön

Gerade als Christen sollten wir auf unsere Wortwahl achten. Wir könnten etwa unseren Sprachschatz mit „Lebens-Worte“ trainieren. „Lebens-Worte“ sind für mich alles Worte, die das Leben weit und schön machen. Worte, die die Schönheit und die Chancen unserer Welt in den Mittelpunkt stellen.
„Lebens-Worte“ sind für mich aber auch ehrliche Worte. Es geht nicht um Schönfärberei, sondern darum die Wirklichkeit ehrlich zu benennen - ohne jedoch dabei in eine Dramatisierung zu verfallen. „Lebens-Worte“ erzählen für mich den großen Traum Gottes weiter. Gott träumt von einer Welt, in der es gerecht, liebenswürdig und uneingeschränkt lebendig zugeht. Mit unserer Sprache hängen wir uns diesem Traum an und helfen mit, dass er Wirklichkeit werden kann.

Und wie kommen wir zu solchen Lebens-Worten? Die Antwort liefert uns das heutige Evangelium. Jesus legt uns die Worte sprichwörtlich in den Mund, wenn wir hören: „Er verkündete das Evangelium Gottes!“ (Mk 1,14). Wir finden die Lebens-Worte, wenn wir auf Gott hören und uns an ihm orientieren. Gott selbst spricht uns an und mit seinen Worten setzt er Themen und Inhalte, die unsere Welt verändern.

Gott setzt einen Anfang, der bis heute wirkt

Das erste Wort Gottes in der Bibel lautet „Es werde Licht“ (Genesis 1,3). Gott erschafft damit einen Lebensraum, der hell, wärmend und lebendig ist. Gott spricht dieses Wort der ganzen Schöpfung zu, nichts und nie-mand sind davon ausgenommen. Damit setzt er einen Anfang, der bis heute wirkt!

Und das letzte und schönste Wort, das Gott spricht lautet Jesus Christus. Im Johannesevangelium heißt es „Das Wort ist Fleisch geworden“ (Joh 1,14). In Jesus Christus bringt Gott seine ganzen Gefühle, Träume, Pläne und seine ganze Liebe zusammen, die er für uns hat. Jesus Christus ist das „Lebens-Wort“ Gottes. Und mit seinem Sohn spricht Gott Worte, die ins Gedächtnis der Menschheitsfamilie eingegangen sind: wie „Vater unser im Himmel“ (Mt 6,9-13); „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt 22,39), „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19), „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“ (Joh 15,12) oder „Er ist auferstanden“ (Mk 16,6).

„Auf die Worte, die eine Frohe Botschaft in unsere Welt tragen und die Macht haben, unser Leben zum Besseren zu verändern.“

Zusammengefasst wird Gottes Botschaft mit den Worten, die Jesus zu Beginn dieser Fastenzeit spricht „Kehrt um, und glaubt an das Evangeli-um!“ (Mk 1,15). Er ruft uns eindrücklich zu, sich auf die Worte des Evangeliums zu besinnen. Auf die Worte, die eine Frohe Botschaft in unsere Welt tragen und die Macht haben, unser Leben zum Besseren zu verändern.

Die Worte, die unser Leben klein machen werden schnell ausgesprochen und schnell gehört werden. Daher müssen wir unsere ganze Auf-merksamkeit und unser Mitgefühl zusammenbringen, damit wir Lebens-Worte in den Mund nehmen und aussprechen. Dabei wird es wichtig sein, welche der Lebens-Worte Jesu bei uns selbst angekommen sind. Wir sollten nur die Worte Gottes weitergeben, denen wir selbst vertrauen. Es geht nicht darum Gottes Worte bloß zu wiederholen, nur weil sie irgendwie zu unserem Glauben dazu gehören. Unsere Mitmenschen werden schnell merken, welche Worte auswendiggelernt wurden und welche von uns selbst angenommen sind.

Lebe das Evangelium

Von Frère Roger stammt die Ermutigung „Lebe das vom Evangelium, was du verstanden hast. Wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.“ Gottes Worte werden dann groß und mächtig, wenn wir sie mit unseren Er-fahrungen, unseren Erfolgen und Rückschlagen durchlebt haben. So geben wir das weiter, was mit uns selbst zu tun hat und was wir selbst mit Gott erlebt haben. So werden Gottes Worte in unserer Zeit neu lebendig und erhalten dabei vielleicht andere Formulierungen. Wie etwa: „Neuanfang ist möglich“, „Schön, dass es dich gibt“, „Wir schaffen das gemeinsam“, „Du bist geliebt und gewollt.“
Diese Worte, die wir dann sprechen, werden nicht ohne Wirkung bleiben und Menschen helfen das eigene Leben zu leben.

Trainingszeit für Christen

Mit der Fastenzeit beginnt eine Trainingszeit für uns Christen. Insgesamt sieben Wochen liegen vor uns, in denen wir den Ruf Jesu beherzigen können, uns auf seine Worte hin auszurichten und daraus zu leben. Es macht Sinn, sich für die kommende Zeit Trainingsziele zu setzen und die Fastenzeit so zu gestalten, dass sie uns hilft noch besser Gottes Worte zu hören.

Ein solches Ziel könnte sein, das Sonntagsevangelium, an den anschließenden Werktagen nochmals zu lesen und sich zu fragen, was will mir Gott für diesen Tag damit sagen.
Ein Ziel könnte sein, sich für Exerzitien im Alltag anzumelden. In vielen deutschen Diözesen gibt es dazu digitale Angebote, die über die Homepages beworben werden.
Ein Ziel könnte sein, den Tag bewusst im Gespräch mit den Herrn zu beginnen oder abzuschließen. Zehn Minuten könnten dabei eine gutes Maß sein, um damit zu starten.

All diese Übungen wollen uns helfen, Gott besser zu verstehen und seine Worte in unsere Welt zu tragen. Als Getaufte wurde uns das Evangelium in die Hände gelegt und Gott rechnet mit unserer Hilfe. Unsere Welt und unseren Alltag brauchen Lebens-Worte, von denen Gott so viele hat. Sprechen wir von ihm und geben seine Botschaft weiter.

Amen.

Die Gebete

Die neue Sozialenzyklika des Papstes schließt mit zwei Gebeten: So hatte Franziskus es schon bei seiner vorigen Enzyklika „Laudato si‘“ gehalten. Das erste Gebet ist, wie er in „Laudato si‘“ erläuterte, „eines, das wir mit allen teilen können, die an einen Gott glauben, der allmächtiger Schöpfer ist“, das zweite ist ökumenisch ausgerichtet.

Gebet zum Schöpfer

Herr und Vater der Menschheit,
du hast alle Menschen mit gleicher Würde erschaffen.
Gieße den Geist der Geschwisterlichkeit in unsere Herzen ein.
Wecke in uns den Wunsch nach einer neuen Art der Begegnung,
nach Dialog, Gerechtigkeit und Frieden.
Sporne uns an, allerorts bessere Gesellschaften aufzubauen
und eine menschenwürdigere Welt
ohne Hunger und Armut, ohne Gewalt und Krieg.

Gib, dass unser Herz sich
allen Völkern und Nationen der Erde öffne,
damit wir das Gute und Schöne erkennen,
das du in sie eingesät hast,
damit wir engere Beziehungen knüpfen
vereint in der Hoffnung und in gemeinsamen Zielen. Amen.

Ökumenisches Gebet

Herr, unser Gott, dreifaltige Liebe,
lass aus der Kraft deiner innergöttlichen Gemeinschaft
die geschwisterliche Liebe in uns hineinströmen.
Schenke uns die Liebe, die in den Taten Jesu,
in der Familie von Nazaret und in der Gemeinschaft der ersten Christen aufscheint.

Gib, dass wir Christen das Evangelium leben
und in jedem Menschen Christus sehen können,
dass wir ihn in der Angst der Verlassenen und Vergessenen dieser Welt
als den Gekreuzigten erkennen
und in jedem Bruder, der sich wieder erhebt, als den Auferstanden.

Komm, Heiliger Geist, zeige uns deine Schönheit,
die in allen Völkern der Erde aufscheint,
damit wir entdecken, dass sie alle wichtig sind,
dass alle notwendig sind, dass sie verschiedene Gesichter
der einen Menschheit sind, die du liebst. Amen.

Die Katechese im Wortlaut

Vatican News dokumentiert an dieser Stelle die Katechese des Papstes bei der Generalaudienz im Wortlaut in einer Arbeitsübersetzung. Die offizielle Übersetzung der Papstworte finden Sie in Kürze wie gewohnt auf www.vatican.va.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Morgen!

Heute möchte ich über das Gebet der Danksagung sprechen. Ich gehe dafür von einer Begebenheit aus, die der Evangelist Lukas erzählt.

Während Jesus unterwegs ist, begegnen ihm zehn Aussätzige, die ihn anflehen: „Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!“ (17,13). Wir wissen, dass für die Leprakranken das körperliche Leiden mit einer sozialen und religiösen Ausgrenzung einherging. Jesus scheute sich nicht vor einer Begegnung mit ihnen. Manchmal geht er über die Grenzen der Gesetze hinaus und berührt den Kranken, er umarmt ihn, heilt ihn. In diesem Fall gibt es keinen Körperkontakt. In einiger Entfernung fordert Jesus die Kranken auf, sich den Priestern zu zeigen (V. 14), die laut Gesetz für die Beglaubigung der Heilung zuständig waren.

Darüber hinaus sagt Jesus nichts. Er hat ihr Gebet, ihren Schrei nach Barmherzigkeit, erhört und schickt sie sofort zu den Priestern. Die zehn Leprakranken vertrauen ihm und gehen sofort, und während sie zu den Priestern hingehen, werden sie geheilt, alle zehn von ihnen. Die Priester hätten also ihre Heilung feststellen und sie wieder für das normale Leben zulassen können.

Hier aber kommt der wichtigste Punkt: Einer aus der Gruppe geht, noch bevor er zu den Priestern geht, zu Jesus zurück, um Jesus zu danken und Gott für die empfangene Gnade zu loben. Jesus stellt fest, dass der Mann ein Samariter war – für die Juden der damaligen Zeit war er eine Art „Ketzer“. Und Jesus fragt: „Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?“ (17,18).

„Das Gebet der Danksagung beginnt immer hier: mit dem Erkennen unserer selbst, denen Gnade zuteilwurde.“

Dieser Bericht teilt die Welt sozusagen in zwei Gruppen auf: in die, die nicht danken, und die, die danken; die, die alles als ihr Recht ansehen, und die, die alles als Geschenk, als Gnade, annehmen. Der Katechismus schreibt: „Jedes Ereignis und jedes Bedürfnis können Opfer des Dankes werden." (Nr. 2638).

Das Gebet der Danksagung beginnt immer hier: mit dem Erkennen unserer selbst, denen Gnade zuteilwurde. Wir wurden gedacht, bevor wir lernten zu denken; wir wurden geliebt, bevor wir lernten zu lieben; wir waren erwünscht, bevor in unseren Herzen Wünsche wach wurden. Wenn wir das Leben auf diese Weise betrachten, dann wird das „Danke“ zum Leitmotiv unserer Tage.

„Leben heißt vor allem, empfangen zu haben. Wir werden alle geboren, weil sich jemand das Leben für uns gewünscht hat.“

Für uns Christen hat die Danksagung dem wichtigsten Sakrament seinen Namen gegeben: der Eucharistie. Das griechische Wort bedeutet nämlich genau das: Danksagung. Christen preisen Gott, wie alle Gläubigen, für das Geschenk des Lebens.

Leben heißt vor allem, das Leben empfangen zu haben. Wir werden alle geboren, weil sich jemand das Leben für uns gewünscht hat. Und dies steht nur am Anfang einer langen Reihe von Schulden, die wir durch unser Leben anhäufen: Schulden der Dankbarkeit.

In unserer Existenz hat uns mehr als eine Person mit reinen Augen angeschaut, und zwar unentgeltlich. Oft sind es Erzieher, Katecheten, Menschen, die ihre Aufgabe über das Maß hinaus erfüllt haben, das die Pflicht verlangt. Und sie haben in uns Dankbarkeit entstehen lassen. Auch Freundschaft ist ein Geschenk, für das wir immer dankbar sein müssen.

Dieses „Dankeschön“, das der Christ mit allen teilt, erweitert sich in der Begegnung mit Jesus. Die Evangelien bezeugen, dass die Begegnung mit Jesus bei den Menschen oft Freude und den Lobpreis Gottes auslöste. Die Erzählungen über die Geburt Jesu sind bevölkert von Betenden, deren Herzen durch das Kommen des Erlösers weit wurden. Und auch wir sind berufen, an diesem unermesslichen Jubel teilzuhaben.

Darauf deutet auch die Geschichte von der Heilung der zehn Aussätzigen hin. Natürlich waren sie alle froh, wieder gesund zu werden und damit aus dieser unendlich scheinenden Zwangsquarantäne herauszukommen, die sie von der Gemeinschaft ausschloss. Aber unter ihnen gab es einen, der der Freude noch eins draufsetzte:
Er freute sich nicht nur über die Heilung, sondern auch über die Begegnung mit Jesus. Er ist nicht nur vom Übel befreit, sondern hat nun auch die Gewissheit, geliebt zu werden. Das ist ein großer Schritt, zu wissen, dass man geliebt wird. Es ist die Entdeckung der Kraft der Liebe, die die Welt regiert. Dante würde sagen: Liebe, „die die Sonne und die anderen Sterne bewegt“ (Paradies, XXXIII, 145).

Wir sind keine umherirrenden Wanderer mehr, die hier und dort umherziehen: wir haben ein Heim, wir wohnen in Christus, und von diesem „Zuhause“ aus betrachten wir den Rest der Welt, und diese erscheint uns unendlich viel schöner. Wir sind Männer und Frauen der Gnade.

Lasst uns deshalb, Brüder und Schwestern, immer versuchen, in der Freude der Begegnung mit Jesus zu sein. Kultivieren wir die Freude! Denn der Teufel lässt uns immer traurig und allein zurück, nachdem er uns betrogen hat. Wenn wir in Christus sind, kann uns keine Sünde und keine Bedrohung jemals daran hindern, unsere Reise mit Freude fortzusetzen, zusammen mit unseren vielen Begleitern auf dem Weg.

Vor allem sollten wir das Danken nicht vernachlässigen: Wenn wir Dankbarkeit empfinden, wird auch die Welt besser, wenn auch nur ein wenig, aber schon das reicht, um ihr ein wenig Hoffnung zu geben.

Alles ist vereint und verbunden, und jeder kann dort, wo er ist, seinen Teil beitragen. Der Weg zum Glück ist der, den der heilige Paulus in einem seiner Briefe (an die Thessalònicher) beschreibt: „Betet ohne Unterlass! Dankt für alles; denn das ist der Wille Gottes für euch in Christus Jesus. Löscht den Geist nicht aus!" (1 Thess 5,17-19). Das ist der Plan des Lebens.

Gebet des Tages

Barmherziger Gott,
die glühende Liebe zu dir
hat dem heiligen
Diakon Laurentius die Kraft gegeben,
dir und den Armen treu zu dienen
und furchtlos für dich zu sterben.

Hilf uns, dich zu lieben,
wie er dich geliebt hat,
und den Armen zu dienen,
wie er ihnen gedient hat.

(aus dem Tagesgebet)

Komm, Heiliger Geist

Komm, Heil’ger Geist, der Leben schafft,
erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein:
Nun hauch uns Gottes Odem ein.

Komm, Tröster, der die Herzen lenkt,
du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut,
du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

Dich sendet Gottes Allmacht aus
im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund
und machst der Welt die Wahrheit kund.

Entflamme Sinne und Gemüt,
dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut
in deiner Kraft das Gute tut.

Die Macht des Bösen banne weit,
schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn,
dass Unheil uns nicht schaden kann.

Lass gläubig uns den Vater sehn,
sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt
und uns das Leben Gottes bringt.

Den Vater auf dem ew’gen Thron
Und seinen auferstandnen Sohn,
dich, Odem Gottes, Heil’ger Geist,
auf ewig Erd’ und Himmel preist.

Amen.

Beten wir gemeinsam...

           Glaube   -   Hoffnung   -   Liebe

   Glaube

Gott, du bist mein Herr.

Ich glaube an Dich.

Du hast zu uns gesprochen.

Ich will auf dich hören. Die Kirche verkündet uns Dein Wort.

Ich will es annehmen. Du sprichtst aber auch durch Menschen,

die mir begegnen und durch Ereignisse die mir widerfahren.

Hilf mir, Dich in all dem zu finden und immer aus dem Glauben zu leben.

   Hoffnung

Gott du bist mein Heil.

Ich hoffe auf Dich.

Du hast durch Leben, Tod und

Auferstehung Deines Sohnes die Welt erneuert

und wirst sie einst vollenden. Von Dir darf ich darum freudig

alles erwarten - Vergebung, Heil und Herrlichkeit: für mich,

für die Meinen, für die ganze Menschheit. Hilf mir, in all

meinen Denken und Tun in dieser Hoffnung zu leben.

   Liebe

Gott du bist mein Vater

Du liebst mich

und nimmst mich an.

Ich möchte Deine Liebe aus ganzem Herzen

erwidern und weiterschenken.

Hilf mir, frei von Selbstsucht immer in Deiner Liebe

zu Leben.

Zur geistigen Kommunion

    Mein Jesus, ich glaube, dass Du im allerheiligsten Sakrament

    des Altares zugegen bist.

    Ich liebe dich über alles und meine Seele sehnt sich nach Dir.

    Da ich Dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann,

    so komme wenigstens geistigerweise zu mir.

    Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir und vereinige mich mit Dir!

    Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an.

    Lass nicht zu, dass ich mich je von Dir trenne. 

    Amen.

     (Alfons von Liguori)

Zu deinen Füßen, o mein Jesus, werfe ich mich nieder

und bringe Dir die Reue meines zerknirschten Herzens dar,

das sich mit seinem Nichts in Deiner heiligen Gegenwart verdemütigt.

Ich bete Dich an im Sakrament Deiner Liebe, der unfassbaren Eucharistie.

Ich sehne mich danach, Dich in der armen Wohnstatt meines Herzens zu empfangen.

Während ich das Glück der sakramentalen Kommunion erwarte, möchte ich Dich im Geist besitzen.

Komm zu mir, o mein Jesus, da ich zu Dir komme! Die Liebe umfange mein ganzes Sein im Leben und im Tod.

Ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich.

Amen.

(Kardinal Merry del Val)

Tagesgebet

Beten wir gemeinsam...

Allmächtiger und ewiger Gott,

du bist unsere Zuflucht in jeder Gefahr,

an dich wenden wir uns in unserem Schmerz

und bitten dich voll Vertrauen:

Hab Erbarmen mit unserer Not.

Gewähre den Verstorbenen die ewige Ruhe,

tröste die Trauernden,

heile die Kranken.

Schenke den Sterbenden den Frieden,

den Pflegenden Stärke,

den Verantwortungsträgern Weisheit

und ermutige alle, sich einander in Liebe zuzuwenden,

damit wir gemeinsam deinem heiligen Namen die Ehre erweisen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,

unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Vertrautes während der Corona-Pandemie.

Heute an Palmsonntag

So klingen die Glocken von Christus König in Neuenstein. Klicken Sie auf das Bild:

Das Video ist von 2014, aber die Glocken sind immer noch die gleichen.

Mehr über die Glocken:

Zum Mitbeten....

Gebet

Guter und treuer Gott,

    wir tragen unsere Sorgen und unsere Ängste vor Dich

    und wir bitten in diesen beängstigenden Tagen um deinen Beistand.

    Gib uns deinen lebenspendenden Geist, der sich uns in Jesus Christus gezeigt hat.

    Lass uns in deinem Geist erkennen, was richtig ist

    und gib uns die Kraft, das rechte entschlossen zu tun.

Lass uns die Schwachen, Einsamen, Kranken,

    die Verängstigen und Bedrückten aller Art nicht übersehen.

    Hilf uns, dass wir diese Menschen nicht vergessen oder an ihnen vorbeigehen.

    Gib uns die Kraft zu helfen und heilsame Begegnungen zu ermöglichen.

    Lass sie durch unser Verhalten ihnen gegenüber deinen wirksamen Beistand erfahren.

    Durch uns möge Deine Güte und Menschenfreundlichkeit lebendig werden und bleiben.

    Das erbitten wir in dieser schweren Zeit von Dir, guter und treuer Gott.

Amen.

Gebet von Bischof Gebhard Fürst aus der Video-Botschaft vom 16. März 2020

 

Zum Mitbeten...

Gott des Lebens,
wie kostbar das Geschenk des Lebens ist, das spüren wir in diesen Wochen besonders;
und ebenso, wie sich Wesentliches von Nebensächlichem unterscheidet.
Jetzt kommen wir zu dir, um dir all diejenigen anzuvertrauen, die deiner und unserer Hilfe in dieser Zeit besonders bedürfen.
Wir bringen dir alle Erkrankten und beten für diejenigen, die sich um sie sorgen, sie pflegen und medizinisch betreuen.
Stärke all diejenigen, die bis an die Grenzen ihrer Kräfte für andere im Einsatz sind.
Allen, die in diesen Monaten Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen müssen, schenke Weisheit und Besonnenheit.
Berühre das Herz der verängstigten und verunsicherten Menschen mit deiner Ruhe.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden. Und wir bitten dich für jene, die jetzt trauern.
Gib Kraft und Fantasie den Familien, die jetzt auf sich zurückgeworfen sind.
Mach uns selbst einfallsreich und achtsam, damit wir Wege finden, für andere da zu sein,zu trösten, zu stärken und Hoffnung zu teilen.
Du bist der lebendige Gott.

Deshalb vertrauen wir uns dir mit unserem Leben, mit unseren Ängsten und mit unserer Kraft, an – durch Christus Jesus und in deiner Geisteskraft.

Amen.

Gott,

ich halte inne und suche Deine Nähe. 

Vieles in unserer Welt und unserer Umgebung

Ist anders geworden und ungewohnt:  

Unser Alltag hat sich so sehr verändert:

Keine Versammlungen

und gemütliche Abende in der Kneipe, 

kein spontaner Besuch bei Freunden,

kein Kinobesuch

keine Berührungen und reichlich Abstand

– Stille –                                                              

(persönliche Situation kann eingefügt werden)        

 

  Hilf mir,              

dass ich mich nicht verwirren lasse

vom Schweren und Ungewissen,

von der Angst in dieser neuen Situation.

  Lass mich mitfühlen

mit den schwachen und kranken,

den älteren und hilfsbedürftigen Menschen.

Schenke mir die Kraft und den Mut

verantwortlich zu handeln

und notwendende Entscheidungen zu treffen.

Stärke mich mit deinem Heiligen Geist,

der Klarheit schafft und ermutigt,

Durch Christus unseren Bruder,

der uns nahe ist.

Amen

     Texte und Foto: Birgit Bronner | Gestaltung: webvisio.de

Zum Nachdenken...

Dieser kleine Text ist mir soeben in die Finger gekommen.

Er regt zum Nachdenken an. Aber er kann auch die Hoffnung zeigen,

dass trotz der Einschränkungen unseres Alltags vieles noch möglich ist.

Nicht alles ist abgesagt…
der Frühling ist nicht abgesagt.
die Sonne ist nicht abgesagt.
Liebe ist nicht abgesagt.
Lächeln ist nicht abgesagt.
Lesen ist nicht abgesagt.
Beten ist nicht abgesagt.
Singen ist nicht abgesagt.
Briefe sind nicht abgesagt.
Gespräche sind nicht abgesagt.
Träumen ist nicht abgesagt.
Zukunft ist nicht abgesagt.
Hoffnung ist nicht abgesagt.

Gebet

Jeder neue Morgen ist ein neuer Anfang unseres Lebens.

Jeder Tag ist ein abgeschlossenes Ganzes.

Der heutige Tag ist die Grenze unseres Sorgens und Mühens.

Er ist lang genug, um Gott zu finden oder zu verlieren,

um Glauben zu halten oder in Sünde und Schande zu fallen.

Die alte Treue Gottes allmorgendlich neu zu fassen,

mitten in einem Leben mit Gott täglich ein neues Leben mit ihm beginnen zu dürfen,

das ist das Geschenk, das Gott uns mit jedem neuen Morgen macht.

Nun hat Gott in dem Schweigen des Morgens sein Wort geredet,

nun haben wir mit ihm und mit der Gemeinde der Christen Gemeinschaft gefunden.

Sollten wir nun nicht zuversichtlich an das Tagewerk gehen?

        Dietrich Bonhoeffer (aus: Barbara Ellermeier, Dietrich Bonhoeffer. Es lebe die Freiheit, München 2020)