Geistliche Impulse, Predigten und vieles Andere

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen verschiedene Impulse zur Verfügung - zum Mitbeten, Mitnehmen oder Weitergeben. Wir hoffen, dass für jede und jeden etwas dabei ist. So können wir auch in diesen herausfordernden Zeiten unseren Glauben und unsere Gemeinschaft untereinander pflegen.

Gottesdienst zu Hause "Vorlage für den "15. Sonntag im Jahreskreis"

Kindergottesdienst

Ergänzende Hinweise für die Feier von Kindergottesdiensten ab dem 6. Juli 2020

Unter Einhaltung des beigefügten Infektionsschutzkonzeptes sind Kindergottesdienste wieder möglich.

Anlage 1 Infektionsschutzkonzept für die Feier von Kindergottesdiensten

Anlage 2 Anregungen für Kindergottesdienstein Coronazeiten und darüber hinaus

Komm, Heiliger Geist

Komm, Heil’ger Geist, der Leben schafft,
erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein:
Nun hauch uns Gottes Odem ein.

Komm, Tröster, der die Herzen lenkt,
du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut,
du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

Dich sendet Gottes Allmacht aus
im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund
und machst der Welt die Wahrheit kund.

Entflamme Sinne und Gemüt,
dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut
in deiner Kraft das Gute tut.

Die Macht des Bösen banne weit,
schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn,
dass Unheil uns nicht schaden kann.

Lass gläubig uns den Vater sehn,
sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt
und uns das Leben Gottes bringt.

Den Vater auf dem ew’gen Thron
Und seinen auferstandnen Sohn,
dich, Odem Gottes, Heil’ger Geist,
auf ewig Erd’ und Himmel preist.

Amen.

Beten wir gemeinsam...

           Glaube   -   Hoffnung   -   Liebe

   Glaube

Gott, du bist mein Herr.

Ich glaube an Dich.

Du hast zu uns gesprochen.

Ich will auf dich hören. Die Kirche verkündet uns Dein Wort.

Ich will es annehmen. Du sprichtst aber auch durch Menschen,

die mir begegnen und durch Ereignisse die mir widerfahren.

Hilf mir, Dich in all dem zu finden und immer aus dem Glauben zu leben.

   Hoffnung

Gott du bist mein Heil.

Ich hoffe auf Dich.

Du hast durch Leben, Tod und

Auferstehung Deines Sohnes die Welt erneuert

und wirst sie einst vollenden. Von Dir darf ich darum freudig

alles erwarten - Vergebung, Heil und Herrlichkeit: für mich,

für die Meinen, für die ganze Menschheit. Hilf mir, in all

meinen Denken und Tun in dieser Hoffnung zu leben.

   Liebe

Gott du bist mein Vater

Du liebst mich

und nimmst mich an.

Ich möchte Deine Liebe aus ganzem Herzen

erwidern und weiterschenken.

Hilf mir, frei von Selbstsucht immer in Deiner Liebe

zu Leben.

Zur geistigen Kommunion

    Mein Jesus, ich glaube, dass Du im allerheiligsten Sakrament

    des Altares zugegen bist.

    Ich liebe dich über alles und meine Seele sehnt sich nach Dir.

    Da ich Dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann,

    so komme wenigstens geistigerweise zu mir.

    Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir und vereinige mich mit Dir!

    Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an.

    Lass nicht zu, dass ich mich je von Dir trenne. 

    Amen.

     (Alfons von Liguori)

Zu deinen Füßen, o mein Jesus, werfe ich mich nieder

und bringe Dir die Reue meines zerknirschten Herzens dar,

das sich mit seinem Nichts in Deiner heiligen Gegenwart verdemütigt.

Ich bete Dich an im Sakrament Deiner Liebe, der unfassbaren Eucharistie.

Ich sehne mich danach, Dich in der armen Wohnstatt meines Herzens zu empfangen.

Während ich das Glück der sakramentalen Kommunion erwarte, möchte ich Dich im Geist besitzen.

Komm zu mir, o mein Jesus, da ich zu Dir komme! Die Liebe umfange mein ganzes Sein im Leben und im Tod.

Ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich.

Amen.

(Kardinal Merry del Val)

Hoffnungszeit - Impulse in Zeiten der Coronakrise

Zum Mitbeten...

Jeden Tag um 19.30 Uhr läuten an vielen Orten in ganz Deutschland die Kirchenglocken. In Verbundenheit mit vielen Menschen möchten wir genau um diese Uhrzeit zu einer gemeinsamen Hoffnungszeit einladen: eine kurze Auszeit im Gebet, für wenige Minuten, jeder an seinem Ort.

Die Diözese hat dazu auch ein Video veröffentlicht: Hoffnungszeit

Gott, ich bin nicht allein
Du bist da.
Du verbindest uns miteinander.
Wir kommen zu dir mit allem, was uns bewegt.
Stärke die Kranken.
Tröste die Ängstlichen.
Sei nahe den Einsamen.
Schenke Hoffnungallen Menschen und der ganzen Erde.
Amen.

Corona

Regionale Hoffnungszeit

Unsere „Hoffnungszeit“-Impulse werden ab sofort nicht mehr nur in Rottenburg, sondern in allen Regionen der Diözese produziert.

Die Gebetsaktion „Hoffnungszeit“ war wegen der Corona-Pandemie von der Hauptabteilung IV - Pastorale Konzeption der Diözese ins Leben gerufen und umgesetzt worden. Die Videos wurden bisher rund um das Bischöfliche Ordinariat in Rottenburg produziert. Um das vielfältige Glaubensleben unserer Diözese abzubilden, werden sie ab sofort in den verschiedenen Regionen Württembergs gedreht. Den Anfang macht Dekan Ulrich Kloos aus dem Dekanat Ehingen-Ulm.

Aufgrund des logistischen Aufwands und den Beschränkungen des öffentlichen Lebens wird aus dem bisher täglichen Format ein Wochentagsformat: Von Montag bis Freitag wird die "Hoffnunsgzeit" auf drs.de, YouTube und dem diözesanen Facebook-Kanal ab 19.30 Uhr zu sehen sein.

An den Wochenenden gibt es in der gesamten Diözese bereits ein breites geistliches Angebot. Zahlreiche Kirchengemeinden stellen Online-Impulse und Live-Übertragungen von Gottesdiensten zur Verfügung. Einen kleinen Überblick finden sie in unserem Dossier unter dem Punkt "Gemeindeleben in Zeiten der Krise".

Außerdem streamen wir bis auf weiteres die Sonntagsgottesdienste aus dem Rottenburger Dom um 9.30 Uhr. Und auch in zahlreichen Kirchengemeinden unserer Diözese wird live gestreamt.

Am Format ändert sich indes nichts: Die „Hoffnungszeit“ besteht auch weiterhin aus einem Gebet, dem Tagesevangelium, dem Vaterunser und einem Segen. Gabrielle Denner von der Hauptabteilung IV - Pastorale Konzeption sagt, es gehe vor allem darum eine Gebetsgemeinschaft "zu initiieren" und zu wissen, das man zur gleichen Zeit, mit vielen Menschen, an unterschiedlichen Orten im Gebet verbunden sei. 

Tagesgebet

Beten wir gemeinsam...

Allmächtiger und ewiger Gott,

du bist unsere Zuflucht in jeder Gefahr,

an dich wenden wir uns in unserem Schmerz

und bitten dich voll Vertrauen:

Hab Erbarmen mit unserer Not.

Gewähre den Verstorbenen die ewige Ruhe,

tröste die Trauernden,

heile die Kranken.

Schenke den Sterbenden den Frieden,

den Pflegenden Stärke,

den Verantwortungsträgern Weisheit

und ermutige alle, sich einander in Liebe zuzuwenden,

damit wir gemeinsam deinem heiligen Namen die Ehre erweisen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,

unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Vertrautes während der Corona-Pandemie.

Heute an Palmsonntag

So klingen die Glocken von Christus König in Neuenstein. Klicken Sie auf das Bild:

Das Video ist von 2014, aber die Glocken sind immer noch die gleichen.

Mehr über die Glocken:

Das erste Video zu den Kar- und Ostertagen

Seit gestern Abend gibt es für unsere Seesorgeeinheit das erste Video zu den Kar- und Ostertagen.

Sie finden es hier:

Zum Mitbeten....

Gebet

Guter und treuer Gott,

    wir tragen unsere Sorgen und unsere Ängste vor Dich

    und wir bitten in diesen beängstigenden Tagen um deinen Beistand.

    Gib uns deinen lebenspendenden Geist, der sich uns in Jesus Christus gezeigt hat.

    Lass uns in deinem Geist erkennen, was richtig ist

    und gib uns die Kraft, das rechte entschlossen zu tun.

Lass uns die Schwachen, Einsamen, Kranken,

    die Verängstigen und Bedrückten aller Art nicht übersehen.

    Hilf uns, dass wir diese Menschen nicht vergessen oder an ihnen vorbeigehen.

    Gib uns die Kraft zu helfen und heilsame Begegnungen zu ermöglichen.

    Lass sie durch unser Verhalten ihnen gegenüber deinen wirksamen Beistand erfahren.

    Durch uns möge Deine Güte und Menschenfreundlichkeit lebendig werden und bleiben.

    Das erbitten wir in dieser schweren Zeit von Dir, guter und treuer Gott.

Amen.

Gebet von Bischof Gebhard Fürst aus der Video-Botschaft vom 16. März 2020

 

Zum Mitbeten...

Gott des Lebens,
wie kostbar das Geschenk des Lebens ist, das spüren wir in diesen Wochen besonders;
und ebenso, wie sich Wesentliches von Nebensächlichem unterscheidet.
Jetzt kommen wir zu dir, um dir all diejenigen anzuvertrauen, die deiner und unserer Hilfe in dieser Zeit besonders bedürfen.
Wir bringen dir alle Erkrankten und beten für diejenigen, die sich um sie sorgen, sie pflegen und medizinisch betreuen.
Stärke all diejenigen, die bis an die Grenzen ihrer Kräfte für andere im Einsatz sind.
Allen, die in diesen Monaten Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen müssen, schenke Weisheit und Besonnenheit.
Berühre das Herz der verängstigten und verunsicherten Menschen mit deiner Ruhe.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden. Und wir bitten dich für jene, die jetzt trauern.
Gib Kraft und Fantasie den Familien, die jetzt auf sich zurückgeworfen sind.
Mach uns selbst einfallsreich und achtsam, damit wir Wege finden, für andere da zu sein,zu trösten, zu stärken und Hoffnung zu teilen.
Du bist der lebendige Gott.

Deshalb vertrauen wir uns dir mit unserem Leben, mit unseren Ängsten und mit unserer Kraft, an – durch Christus Jesus und in deiner Geisteskraft.

Amen.

Gott,

ich halte inne und suche Deine Nähe. 

Vieles in unserer Welt und unserer Umgebung

Ist anders geworden und ungewohnt:  

Unser Alltag hat sich so sehr verändert:

Keine Versammlungen

und gemütliche Abende in der Kneipe, 

kein spontaner Besuch bei Freunden,

kein Kinobesuch

keine Berührungen und reichlich Abstand

– Stille –                                                              

(persönliche Situation kann eingefügt werden)        

 

  Hilf mir,              

dass ich mich nicht verwirren lasse

vom Schweren und Ungewissen,

von der Angst in dieser neuen Situation.

  Lass mich mitfühlen

mit den schwachen und kranken,

den älteren und hilfsbedürftigen Menschen.

Schenke mir die Kraft und den Mut

verantwortlich zu handeln

und notwendende Entscheidungen zu treffen.

Stärke mich mit deinem Heiligen Geist,

der Klarheit schafft und ermutigt,

Durch Christus unseren Bruder,

der uns nahe ist.

Amen

     Texte und Foto: Birgit Bronner | Gestaltung: webvisio.de

Zum Nachdenken...

Dieser kleine Text ist mir soeben in die Finger gekommen.

Er regt zum Nachdenken an. Aber er kann auch die Hoffnung zeigen,

dass trotz der Einschränkungen unseres Alltags vieles noch möglich ist.

Nicht alles ist abgesagt…
der Frühling ist nicht abgesagt.
die Sonne ist nicht abgesagt.
Liebe ist nicht abgesagt.
Lächeln ist nicht abgesagt.
Lesen ist nicht abgesagt.
Beten ist nicht abgesagt.
Singen ist nicht abgesagt.
Briefe sind nicht abgesagt.
Gespräche sind nicht abgesagt.
Träumen ist nicht abgesagt.
Zukunft ist nicht abgesagt.
Hoffnung ist nicht abgesagt.

Gebet

Jeder neue Morgen ist ein neuer Anfang unseres Lebens.

Jeder Tag ist ein abgeschlossenes Ganzes.

Der heutige Tag ist die Grenze unseres Sorgens und Mühens.

Er ist lang genug, um Gott zu finden oder zu verlieren,

um Glauben zu halten oder in Sünde und Schande zu fallen.

Die alte Treue Gottes allmorgendlich neu zu fassen,

mitten in einem Leben mit Gott täglich ein neues Leben mit ihm beginnen zu dürfen,

das ist das Geschenk, das Gott uns mit jedem neuen Morgen macht.

Nun hat Gott in dem Schweigen des Morgens sein Wort geredet,

nun haben wir mit ihm und mit der Gemeinde der Christen Gemeinschaft gefunden.

Sollten wir nun nicht zuversichtlich an das Tagewerk gehen?

        Dietrich Bonhoeffer (aus: Barbara Ellermeier, Dietrich Bonhoeffer. Es lebe die Freiheit, München 2020)

4. Fastensonntag

                     

                         22. März 2020

               Freue dich, Stadt Jerusalem!

             Seid fröhlich zusammen mit ihr,

                  alle, die ihr traurig wart.

             Freuet euch und trinkt euch satt

             an der Qelle göttlicher Tröstung.

                         Vgl. Jes 66,10-11 

Predigt zum 4. Fastensonntag

Liebe Schwestern und Brüder,

welche Wendungen das Leben manchmal nimmt ist erstaunlich; erst recht, wenn der liebe Gott dabei seine Finger im Spiel hat.

Vor einigen Jahren stand ich vor der Frage, wie mein berufliches Leben weitergehen soll. Der Arbeitsalltag hatte mich fest im Griff. Selbst an den Wochenenden kreiste mein Leben fast nur noch um die Arbeit. Darunter litten nicht nur ich, sondern zunehmend auch meine Familie. Und dann stellten sich zu allem Übel auch noch körperliche Beschwerden an Herz und Hüfte ein.

Es musste sich etwas ändern, aber was und wie? Den entscheidenden Einschnitt brachte die unausweichliche Hüft-OP.

Durch die damit verbundene Zwangspause vom Arbeitsalltag hatte ich auf einmal Zeit, in Ruhe über Veränderungen nachzudenken. Ergebnis war der Wechsel auf eine Arbeitsstelle mit geregelteren Arbeitszeiten und damit verbunden die begründete Hoffnung auf endlich mehr Zeit für die Familie, für etwas mehr Sport und für ehrenamtliches Tun.

Aber: dabei blieb ich nicht stehen, so hilfreich diese Veränderungen auch waren.

Etwas trieb mich weiterhin um. Ließ mich nach einem „Mehr-gehalt“ im Leben suchen. Und ich spürte, dass das etwas mit der Ausrichtung meiner Beziehung zu Gott zu tun hat. Da wurde ich „zufällig“ auf das Ständige Diakonat aufmerksam gemacht. Über die dann einsetzende Phase des Informierens, Überlegens und Abwägens kam ich zu der Überzeugung: ‚Ich mache mich auf den Weg zum Diakon‘, und hatte dabei ein gutes Gefühl.

Heute, nachdem ich ein gutes Stück auf dem Weg der Ausbildung zurückgelegt habe, kann ich sagen, dass sich meine Beziehung zu Gott, zu Jesus, verändert hat. Sie ist tiefer, sie ist persönlicher geworden. Ich bin überzeugt, dass Er in mein Leben eingegriffen und mein Sehvermögen geschärft hat, damit ich mich auf ihn hin in Bewegung setze. Aber was haben diese Entwicklungen in meinem Leben mit dem heutigen Text aus dem Johannesevangelium zu tun, wo Jesus einen blind geborenen Menschen heilt? Nun, wie der von Jesus geheilte Blinde auf seinem weiteren Weg zu Jesus, musste ich auf meine Weise wieder neu Sehen lernen.

Beim Beschäftigen mit dem Textabschnitt aus dem Johannesevangelium, in dem es heftige Auseinandersetzungen zwischen dem geheilten Blinden und verschiedenen Menschen in seiner Umgebung gibt, habe ich mich in den Blinden hineinversetzt. Sein holpriger Weg bis zum Erkennen Jesu als den Messias spricht mich besonders an. Jesus schenkt ihm zunächst das Augenlicht, was für sich genommen ja schon ein unglaubliches Geschehen ist.

Doch kann er bei aller Freude und Bewunderung über den Heiler noch nicht erkennen, wer dieser Jesus wirklich ist, der dieses Wunder an ihm gewirkt hat. Daran haben die Menschen in seiner Umgebung maßgeblich Anteil, die argwöhnisch und misstrauisch auf seine plötzliche Heilung reagieren. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, oder sieht er womöglich dem uns bekannten blinden Bettler am Straßenrand nur sehr ähnlich, ist es jemand anderes? Aber liegt es nicht auf der Hand, dass Gott selbst diese Heilung durch Jesus gewirkt hat? Nein, keine Einsicht, geschweige denn dankbare Freudenrufe der Nachbarn, der Eltern und der Pharisäer als religiöse Führer des Volkes. Sie sind gefangen in ihren starren Denkmustern und religiösen Traditionen, aus denen sie nicht ausbrechen können.

Es gelten doch schließlich verbindlich die Sabbatgebote. Nach denen kann die Heilung an einem Sabbat nicht rechtens sein und von Gott kommen, noch dazu an einem ‚ganz und gar in Sünden geborenen‘ unterprivilegierten Menschen, getreu dem Motto: ‘Was nicht sein darf, das nicht sein kann‘.

Und der Geheilte wird von den Pharisäern aus der Synagoge hinausgeworfen, was den Ausschluss aus der religiösen Gemeinschaft bedeutet. Ich stelle mir die Frage: ‚Sind nicht auch wir Christen immer wieder versucht, in unseren bestens eingeübten Denkmustern und religiösen Traditionen zu verharren?‘ Die aktuell in unserer Kirche kontrovers geführten Diskussionen zum synodalen Weg sind ein Beispiel dafür. Und Anfragen, ob uns nicht Gott selbst neue Wege für die Kirche in unserer Zeit aufzeigen will, werden erst gar nicht ernst genommen. Dagegen fordert Jesus seine Zuhörer und damit auch uns an anderer Stelle auf, „die Zeichen der Zeit zu deuten“. Muss nicht ich als Christ heute wie damals die Pharisäer fragen: Herr ‚bin etwa auch ich blind‘? Der geheilte Blinde im Evangelium hat sich längst auf den Weg gemacht, den zu suchen, der ihm das Augenlicht geschenkt hat.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die heftigen Auseinandersetzungen mit den Nachbarn und vor allem mit den Pharisäern, die in dem Ausschluss aus der Gemeinschaft gipfeln, in ihm etwas in Gang gesetzt haben, das ihn neugierig auf Jesus macht.

Er hat im Gegensatz zu den verstockten religiösen Führern erkannt, dass Jesus ein Prophet Gottes sein muss. Und Jesus: Er nimmt das Suchen beim Geheilten nach dem Göttlichen wahr. Er führt ihn mit der Anfrage ‚glaubst Du an den Menschensohn‘ und seine anschließende Selbstoffenbarung zum Erkennen, dass er, Jesus, der Messias und Christus ist. Jetzt kann der geheilte Blinde sehen, dass der, der ihn geheilt hat, der Menschensohn ist, wenn er ausrufen kann: ‚Ich glaube, Herr‘. Vielleicht ist Ihnen beim Lesen des Textes aufgefallen: anders als bei anderen Heilungen geht Jesus im heutigen Text gleich zweimal von sich aus auf den Blinden bzw. dann Geheilten zu. Ist das nicht tröstlich und gleichzeitig ein starkes Signal, dass uns vertrauensvoll bitten lässt:

‚Jesus, ich habe Sehnsucht nach Deiner Nähe in meinem Leben.

Komm und mache Du mich ganz sehend.

Deine Gegenwart vertreibe meine Angst. Sie gebe mir Hoffnung und öffne mich für meine Mitmenschen.

Jesus, ich vertraue auf Dich!‘

Amen.

www.katholisch-in-neuenstein.de

www.katholisch-in-oehringen.de

Hl. Josef – 19.3.2020 Lk 2,41-51a. - Schmerzlich vermissen

● In diesen Tagen und Wochen müssen wir immer mehr auf das verzichten, was uns wichtig und kostbar ist: das gemeinsame Singen im Chor, das Fußballtraining, der Ausflug zu den Großeltern, das abendliche Ausgehen, der Besuch im Hallenbad, das schon lang geplante Konzert, die vorgesehene Urlaubsreise. Die CoronavirusPandemie bringt massive Einschnitte in unser alltägliches Leben mit sich – nicht nur für diejenigen, die erkrankt sind und auf Genesung hoffen, sondern für alle.

● Viele gläubige Menschen vermissen in diesen Zeiten noch etwas schmerzlich: den sonntäglichen Gottesdienst, zu dem sie sich mit anderen in der Kirche versammeln; die gemeinsamen Gebetszeiten, zu denen sie sich auch unter der Woche treffen. Das ist derzeit nicht möglich. Besonders schmerzlich ist es für etliche, dass sie in diesen Tagen Jesus nicht in der Kommunion begegnen können. Ein unfreiwilliges eucharistisches Fasten ist in dieser Fastenzeit angesagt!

● Schmerzlich vermisst haben Maria und Josef ihren Sohn Jesus, als dieser auf dem Rückweg von Jerusalem nach Nazareth nicht mehr aufzufinden war. Wer Kinder hat und eines schon mal im Einkaufszentrum oder bei einem großen Fest verloren hat, kann nachempfinden, wie die beiden sich gefühlt haben. Da wird es einem heiß und kalt. Da wird voll Panik gesucht. Da kommen schlimmste Gedanken, was alles passiert sein könnte. Und welche Erleichterung, als der Bursche dann endlich gefunden ist. Auch Ärger darüber, dass er sich, ohne was zu sagen, davongemacht hat. Verwunderung, was das Kind unter all den Schriftgelehrten macht. Und der verständliche Vorwurf Marias: „Kind, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.“

● Die Geschichte vom zwölfjährigen Jesus, der verlorengeht, zeigt uns ja zweierlei. Zum einen, dass Maria und Josef so reagieren, wie viele Eltern in einer derartigen Situation reagieren. Maria und Josef werden von Lukas ganz menschlich geschildert. Zum anderen machen sie in dieser Geschichte eine wichtige Erfahrung. Jesus distanziert sich von ihnen in einer Weise, die recht barsch erscheint und uns irritiert. „Wusstet ihr nicht, dass ich bei denjenigen von meinem Vater sein muss?“, klingt es wörtlich übersetzt. Eine Bibeltheologin übersetzt so: „unter denen, die sich mit meinem Vater beschäftigen“? In diesem Sinn muss Jesus dabei sein, wenn über den göttlichen Vater und seinen Willen für das Heil der Menschen debattiert wird. Lukas zeigt mit dieser Geschichte, wo Jesus hingehört, wo er herkommt, wer er ist. Das müssen auch Josef und Maria im Laufe seines Lebens immer mehr lernen.

● Wir lernen in diesen Zeiten, in denen wir manches schmerzlich vermissen, auch einiges. Wie kostbar unsere vielfältigen Kontakte sind. Wie zahlreich die Möglichkeiten, unsere Freizeit zu gestalten. Aber auch, wie verplant und ausgefüllt unser Alltag doch in normalen Zeiten ist. Wie lernen neu, aufeinander zu achten, nach anderen zu schauen, Rücksicht zu nehmen. Und diejenigen, die schmerzlich die Eucharistie vermissen? Vielleicht spüren sie, was ihnen nun fehlt und was ihnen sonst Nahrung ist: die Glaubensgemeinschaft, die biblischen Impulse, die persönliche Begegnung mit Jesus, das gemeinschaftliche Innehalten, die Gottesbegegnung in der Liturgie. Vielleicht beginnen sie mitzufühlen mit denen, die nur selten Eucharistie feiern können, weil es an Priestern fehlt, oder mit denen, die nur unter Mühen und Angst zu gemeinsamen Gottesdiensten sich versammeln können. Vielleicht entdecken sie neu die anderen Orte, an denen Jesus sich finden lässt. Wenn er uns dann sagt: „Wusstet ihr nicht, dass ich jetzt dort sein muss …“, geht es uns ein wenig wie Maria und Josef. Jesus, den sie schmerzlich vermisst und gesucht haben, finden sie ganz woanders, als sie gedacht haben.

Pfarrer Klaus Kempter

Predigt 15.03.2020 (3.Fastensonntag) Joh 4,5-42

Big Brother is watching you, der große Bruder beobachtet dich.

Dieser Satz ist dem Buch >1984< entnommen, das George Orwell im Jahr 1948 geschrieben hat. In einer Fiktion über die Zukunft, beschreibt Orwell die Folgen der totalen Überwachung.

Liebe Schwestern und Brüder,

in der Fiktion hat sich der Schriftsteller nicht geirrt, nur in der Jahreszahl lag er geringfügig daneben.

Heute, über 70 Jahre nach Entstehung des Buches, werden wir doch in vielen Bereichen überwacht, und es werden von allen Seiten Daten über uns gesammelt. Und das was nicht in Erfahrung zu bringen ist, gibt so mancher Zeitgenossen freiwillig in den sozialen Medien preis. Wir sind aber nicht nur von den Oberen überwacht. Auch die Menschen um uns herum haben gerne ein waches Auge auf uns. Nicht immer auf unser Wohlergehen, doch manchmal eher darauf, ob wir uns so verhalten, wie es dem Großteil der Gesellschaft entspricht. Und wenn es nicht so ist, könnten Spekulationen gemacht, oder gar der sich Verfehlende in eine Schublade einsortiert werden. Manche Beobachtungen sind da auch recht harmlos.

Ich habe z.B. keinen Rolladen, so dass es zumindest tagsüber schwierig ist, zu erkennen, ob jemand zu Hause ist, oder nicht. Wenn aber der LKW vor meinem Haus nicht bewegt wird, taucht gleich die Frage auf, ob ich keine Arbeit hätte. Schlimmer wird es, wenn die Beobachtungen zu Ausgrenzung führt. Hat einer die Kehrwoche vielleicht nicht ordentlich gemacht, kann er schnell zu einem außerschwäbischen, oder Ausländer abgestempelt werden, bei denen es scheinbar sowieso nicht so sauber zugeht.

Was aber wird gemutmaßt, wenn etwa eine Frau, die 20 Jahre lang ihren Mann aufopferungsvoll gepflegt hatte, kurz nach dessen Tod, im farbenfrohen Kleid, zu einem Tanzabend geht?

Das wird heute vielleicht nicht mehr von allen so eng gesehen, wie noch vor 30 oder 40 Jahren. Aber hat so eine Frau, an der das Leben 20 Jahre lang vorbeizog, nicht auch wieder ein Recht, an diesem Leben teilzuhaben? Sicher hätte auch die Frau, von der wir im heutigen Evangelium gehört haben, noch am Leben teilgehabt.

Die vermutlich 5 gescheiterten Beziehungen, die sie hinter sich hat, könnte Anlass sein, dass über sie gelästert und geredet wird. Sie möchte dem Gerede und den Menschen aus dem Weg gehen, vermute ich einmal, denn warum sonst, sollte sie am Mittag, in der größten Hitze, zum Brunnen gehen, um Wasser zu holen. In der Mittagszeit ist es in dieser Gegend wirklich sehr heiß ist, und so geht vermutlich kaum ein Mensch vor die Türe.

Somit wäre die Gefahr, dass dieser Frau um diese Zeit jemand begegnet, ziemlich gering. Doch an diesem Tag sitzt da schon jemand am Brunnen. Ein Mann, dazu noch ein Jude, die den Samaritern eh nicht so wohlgesonnen sind, und so einer bittet sie auch noch um Wasser.

Da mag sie vielleicht gedacht haben: „Jetzt soll ich den auch noch bedienen, und hinterher will er mir bestimmt noch das Leben erklären“. Ja, Jesus will ihr das Leben erklären. Aber er tut das nicht, indem Er ihr ihr bisheriges Leben an den Kopf wirft.

Jesus sieht diese Frau nicht mit einem vorwurfsvollen strafenden Blick an, sondern mit einem liebevollen Blick, so als wolle Er ihr sagen: „Ich sehe Dich, sehe Dein Leben, sehe was Dir nicht gelungen ist. Ich sehe auch, wo Du versucht hast,

Dein Leben ohne mich zu gestalten. Ich sehe, wie Dein Herz leidet, weil Du es wieder nicht auf die Reihe gebracht hast. Ich sehe aber auch Deinen Wunsch nach Gemeinschaft, und den Durst nach Leben. Und diesen Durst möchte ich stillen. Mit dem Wasser des Lebens, das ich selbst bin.

Mit mir darfst Du wieder am Leben teilhaben“. Diese Worte möchte Jesus nicht nur dieser Frau am Jakobsbrunnen zurufen, sondern allen denen, in deren Leben nicht alles nach Plan läuft.

Den Menschen, die ausgegrenzt werden, weil ihr Leben nicht so verläuft, wie allgemein erwartet. Oder die ausgegrenzt werden, weil sie anders sind, weil sie eine andere Gesinnung haben, anders aussehen, eine andere Hautfarbe, eine andere Religion, oder eine andere Sexualität haben, oder auch krank sind.

Da wo wir schon mit dem lebendigen Wasser erfüllt sind, kann es in uns zur Quelle werden. Dann dürfen wir mit den Augen Jesus auf unsere Mitmenschen schauen, damit auch diese in Berührung mit dem lebendigen Wasser kommen.

Big Brother is watching you, Jesus ist unser großer Bruder, Er sieht einen jeden von uns, Er hat uns im Blick, Er hat ein Auge auf uns geworfen.

Er sieht auch, dass wir jetzt gerne in Gemeinschaft Gottesdienst feiern würden, und es nicht können.