Geistliche Impulse, Predigten und vieles Andere

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen verschiedene Impulse zur Verfügung - zum Mitbeten, Mitnehmen oder Weitergeben. Wir hoffen, dass für jede und jeden etwas dabei ist. So können wir auch in diesen herausfordernden Zeiten unseren Glauben und unsere Gemeinschaft untereinander pflegen.

Unser Sonntag: Frucht bringen

In ihrem Kommentar zum Evangelium macht Sr. Christine deutlich, dass wir Frucht bringen sollen. Das hat Jesus uns verheißen, nicht Erfolg. Und dazu muss man mit Ihm, dem Weinstock, in Verbindung bleiben.

Sr. Christine Rod

5. Ostersonntag: Joh 15, 1 – 8

Lesejahr B

Jesus war ein echter Orientale. Er hat gerne Geschichten erzählt, und ich sehe ihn manchmal vor mir, wie er mit seinen Freunden zusammensitzt und „palavert“ (wie man derartige angeregte Gespräche bei uns in Wien auch gerne nennt). Jesus war auch ein guter Pädagoge. In seinen vielen Geschichten und Gleichnissen verwendet er reichlich Bilder und Vergleiche aus dem ganz konkreten Leben.

Er wusste offenbar, mit welchen Bildern und Themen seine Zuhörer und Zuhörerinnen etwas anfangen konnten. Welche „anschlussfähig“ waren, würden wir heute sagen. Jesus muss wohl auch bodenständig, verwurzelt, handfest gewesen sein. Er gebraucht viele Vergleiche aus dem ländlich-landwirtschaftlichen Bereich. Er spricht vom Brot, vom Unkraut, vom Weizenkorn. Letzten Sonntag haben wir vom guten Hirten gehört. Und heute vom Weinstock.

Weinstock ist Gleichnis für Wachstum

Bei mir persönlich klingt da gleich vieles an. Ich komme zwar nicht aus einer Landwirtschaft, aber aus einer fruchtbaren Gegend mit Weinbau. Ein Weinstock ist ein Gleichnis für Wachstum. Er braucht gute Bedingungen, viel Sonne und viel Pflege. Er muss kultiviert werden, muss gut ver-wurzelt sein und braucht einen nahrhaften Boden, eine gute Umgebung.

Einmal waren Freunde von mir von den Philippinen zu Besuch. Sie kennen dort den Weinbau nicht, und es war eine Attraktion für sie als Ordensleute, die regelmäßig mit Brot und Wein Eucharistie feiern, in den Weinberg zu gehen und die Weinstöcke zu sehen. Es war noch früh im Jahr, und so konnte man vor allem die dicken Stämme sehen, die sich mit ihren knorrigen Ästen und schon mit ihren kleinen Augen nach der Sonne ausstreckten. Meine Freunde konnten sich gar nicht recht vorstellen, was da alles noch heraussprießen wird – und was dann allerdings in seiner üppigen Länge und Fülle zurückgeschnitten werden muss, um ein kraftvolles Wachstum zu ermöglichen. Ein Gleichnis für unser Leben, so haben wir damals sinnierend festgestellt.

„Jesus ist der ganze Weinstock, Gott Vater ist der Winzer“

Das Johannesevangelium greift nun im Rahmen der so genannten Abschiedsreden das Bild vom Weinstock auf. Gleich zu Beginn dieses „Durchkauens“ wird  einmal etwas deutlich gemacht: Jesus ist der ganze Weinstock, Gott Vater ist der Winzer, der gleichsam Zugriff hat, und die Zuhörenden – also wir – sind die Reben. Da gibt es anscheinend so etwas wie eine Hierarchie, wie eine heilige Ordnung. Klar, zum Weinstock gehören auch die Reben, sonst bleibt er ein karges, knorriges Gewächs, so eines, wie ich es mit meinen Freunden im Spätwinter gesehen habe. Das ruft bei mir so etwas wie ein ehrfürchtiges, dankbares Staunen hervor: Jesus ist sozusagen nur ganz, wenn wir bei ihm und mit ihm sind. Jesus braucht in gewisser Weise auch uns, sonst kann er selbst nicht zur Entfaltung kommen. Nur mit uns ist er der ganze Weinstock, der auch Früchte bringen kann.

„Wichtig ist, dass die Reben an ihrem Weinstock dran sind, dass sie mit ihm in Verbindung bleiben“

Wichtig ist, dass die Reben an ihrem Weinstock dran sind, dass sie mit ihm in Verbindung bleiben, sonst sterben sie ab. Das Johannesevangelium nennt dieses In-Verbindung-sein „bleiben“.

Bleiben ist insgesamt im Johannesevangelium ein bedeutsames Wort. Offenbar spiegelt dieses In-Gott- und Bei-Gott-Bleiben eine zentrale Erfahrung und ein wesentliches Anliegen der jungen Johannesgemeinde, mehrere Jahrzehnte nach dem Tod Jesu, in einer für sie schwierigen Umge-bung. Achtmal kommt im heutigen Evangelium das Wort „bleiben“ vor, wie ein Refrain. Achtmal wird es Jesus, gleichsam das Bild vom Weinstock umrankend, in den Mund gelegt.
Was hat es mit diesem eindringlichen Wort vom Bleiben auf sich? Ist es eine Anweisung, ist es ein Wunsch, eine Bitte, eine Sehnsucht?

'Bleiben' lässt sich nicht einfordern

Bleiben, wirkliches Bleiben im Sinn von „verbunden bleiben“ lässt sich nicht anordnen und nicht einfordern, und so konnte Jesus es uns wohl auch nicht einfach auferlegen. Ich vermute (und ich glaube daran), dass es eher auf eine Sehnsuchtsspur hinweist: Dass es hier um die Sehnsucht Gottes geht, mit uns Menschen verbunden zu bleiben. Oder – im Blick auf den Weinstock - noch mehr: Um die Sehnsucht, mit uns innigst verbunden zu bleiben, in einem lebendigen Fluss und Austausch, in gegenseitiger Nahrung und Bestärkung, mit uns beinahe zusammengewachsen zu sein.

Dankbares Staunen

Für mich ist das eine wunderbare Mitteilung, ein Angebot Gottes, das mich dankbar staunen lässt, und zugleich ist es eine Verheißung an mich, an uns: Gott will uns nicht nur nahe sein, sondern er will auch ein enges, fast intimes Miteinandersein und Ineinandersein. Und dann kann mein Leben das werden, was auch ich mir ersehne: genährt aus der Verbindung mit Gott, fruchtbar, in reichem Maß fruchtbar und somit ein Segen für viele.

Auch für mich heute ist das „Bleiben“ ein zentrales Wort. Es hat den Geschmack von Dranbleiben und Dableiben, von Treue und Präsenz. Wenn wir in unserer kleinen Hausgemeinschaft jeden Morgen in der stillen Meditation einfach da sind, dann hat das etwas von diesem „Bleiben“ an sich. Die eine ist noch müde, weil sie gestern spät heimgekommen ist; die andere hat schon den Kopf voll mit allem, was sie an diesem bevorstehenden Tag zu bewältigen haben wird. Die dritte hat gerade persönlich eine schwierige Zeit. Aber doch: Wir sind da, wir versammeln uns jeden Morgen. Wir sind da, unspektakulär, wir kommen wieder, wir bleiben. Dieses Bleiben, diese Treue und diese Präsenz bei dem, der bleibt, der treu und präsent ist, lässt leben und wandelt langsam und zunächst unmerklich mein und unser Leben.

„Wie wird mein Leben fruchtbar?“

Der letzte Satz im heutigen Evangelium lautet. „Mein Vater“, sagt Jesus, „wird dadurch verherrlicht, dass ihr Frucht bringt und meine Jüngerinnen und Jünger seid.“ Das Fruchtbringen rührt an eine der Grundfragen von Menschen, die sich wohl jeder und jede früher oder später stellt: Wie wird mein Leben fruchtbar? Für wen oder was dient es? Wozu ist es letztlich da? Oder, wie die Philosophen und die Theologen sagen: Was ist der Sinn des Lebens, der Sinn meines Lebens? Jeder Mensch stellt sich diese Frage auf irgendeine, auf seine Weise. Das ändert sich wohl mit jedem Lebensalter und mit verschiedenen Lebensphasen und Lebensumständen. Diese Frage lautet anders in einer Zeit, in der große, zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen sind, oder in einer Zeit, in der es Einbrüche gibt, in der man zurückschaut und man sich fragt: War das alles? Was ist geblieben, was wird bleiben von meinem Leben?

Geheimnis des Glaubens

Wir haben erst vor wenigen Wochen Ostern und Auferstehung gefeiert. Dass wir dieses Evangelium nun in der Osterzeit hören, ist auch kein Zufall. Das Evangelium vom Weinstock weist auf das Geheimnis des Glaubens hin, das zugleich ein Paradoxon ist: Ohne etwas beschönigen oder spiritualisieren zu wollen, kann man sagen, dass uns Frucht versprochen ist. Frucht, auch wenn etwas misslingt oder scheitert oder in Vergeblichkeit hinein verpufft. Nicht nur einem Leben, das offensichtlich glückt und gelingt, ist Frucht versprochen, sondern auch einem Leben, in dem es Brüche und Mittelmäßigkeiten gibt. In meinem Schatten und meinen Widersprüchen, in meinem ungestillten und unstillbaren Lebenshunger kann Frucht wachsen.

„Aber da ist noch einmal eine andere Lebensdimension, jenseits allen Erfolges und jenseits aller erkennbaren Wirkkraft.“

Jesus hat uns Fruchtbringen versprochen, nicht Erfolg, so sehr Erfolg, Würdigung und Anerkennung des Engagements ziemlich verständliche und auf jeden Fall legitime Wünsche sind. Ein Winzer, der über´s Jahr hinweg viele Arbeitsschritte gesetzt hat und der schließlich – mit Hilfe des richtigen Wetters - wunderbare Trauben erntet und edlen Wien herstellt, der kann wohl tatsächlich sagen, dass er Erfolg hatte und dass er und viele andere sich über die Mühen seiner Arbeit freuen können. Ich selber bin auch ein Mensch, der sich gerne einbringt und Erfolg haben will, weil ich gerne Sinnvolles und Gutes bewirken will. Aber da ist noch einmal eine andere Lebensdimension, jenseits allen Erfolges und jenseits aller erkennbaren Wirkkraft.

Auftrag und Einladung Gottes

Jesus hat uns nicht Erfolg, sondern Frucht versprochen. Das ist Chance und Herausforderung, Auftrag und Einladung Gottes an uns zugleich. Da liegen Hoffnung und Zukunft für uns drinnen, oder auch – nicht gleich in so ganz großen Worten gefasst: Da liegen Gelassenheit und Vertrauen drin. Gott geht mit, Gott schaut gleichsam mit, und es wird am Ende gut werden.

„„Die Ehre Gottes“, sagt Irenäus von Lyon, „ist der lebendige Mensch.““

Wichtig ist dabei, dass es offensichtlich nicht allein geht. Allein und ohne andere Menschen komme ich schnell an meine Grenzen. Aber mehr noch: Als glaubender Mensch glaube ich daran, dass es auch ohne Gott nicht geht. „Bleibt in mir“, sagt Jesus. Ich höre es als seine immer neue, immer treue Einladung, und ich wachse mehr und mehr in das Vertrauen hinein, dass Jesus für mich und für uns das volle, reife, bewusste, wirklich lebendige Menschsein will. Ein früher Heiliger unserer Kirchengeschichte hat das nicht nur begriffen, sondern in ein wunderbares Wort gebracht: „Die Ehre Gottes“, sagt Irenäus von Lyon, „ist der lebendige Mensch.“

Papst ruft im Mai zum Gebet für mehr Gerechtigkeit in Wirtschaft und Finanzwelt auf.

Im Marienmonat Mai bittet der Papst darum, dass die Gläubigen weltweit für jene beten, die in der Finanzwelt tätig sind. In seinem neuen Monatsvideo stellt Franziskus eines klar: während die Realwirtschaft durch die Corona-Pandemie in Mitleidenschaft gezogen wird und etliche Menschen ihre Arbeit verloren haben, sehe es für jene, die im Bereich der Finanzen tätig sind, komplett anders aus.

"Während die eigentliche Wirtschaft, das heißt die Wirtschaft, die Arbeitsplätze schafft, in der Krise steckt – wie viele Menschen sind arbeitslos! –, waren die Finanzmärkte noch nie so aufgebläht wie jetzt. Wie weit ist die Welt der großen Finanzen vom Leben der meisten Menschen entfernt!

Wenn das Finanzwesen nicht reguliert wird, wird es reine Spekulation, die durch eine gewisse Geldpolitik gefördert wird. Diese Situation ist unhaltbar. Sie ist gefährlich. Um zu verhindern, dass die Armen wieder die Folgen bezahlen, muss die Finanzspekulation streng reguliert werden. 

Instrument des Dienstes

Spekulation! Ich möchte den Begriff unterstreichen.  Finanzen sollen Instrumente des Dienstes sein, Werkzeuge, um den Menschen zu dienen und für unser gemeinsames Haus Sorge zu tragen!

Noch haben wir Zeit, einen Prozess des globalen Wandels anzustoßen, um eine andere Wirtschaft in die Praxis umzusetzen, eine gerechtere, inklusivere und nachhaltigere Wirtschaft, die niemanden zurücklässt. 

Tun wir es! Und beten wir für die in der Welt der Finanzen Verantwortlichen, dass sie zusammen mit den Regierungen diese Welt gut ordnen und so die Bürger vor den Gefahren der von der Realwirtschaft entkoppelten Finanzmärkte schützen."

Papst: „Ohne Werke der Barmherzigkeit stirbt der Glaube“

„Wenn die Liebe bei uns selbst endet, vertrocknet der Glaube in einem sterilen Kult der Innerlichkeit“: Am Barmherzigkeitssonntag hat Papst Franziskus alle Menschen zur Hingabe und Liebe dem Nächsten gegenüber aufgerufen.

An der Messe in der Kirche Santo Spirito in Sassia nahm auf der Corona-Schutzmaßnahmen nur eine begrenzte Zahl an Gläubigen teil; darunter waren junge Flüchtlinge, Caritasmitarbeiter, Häftlinge aus Rom und Ordensschwestern der Göttlichen Barmherzigkeit. Auch weißbekittelte Ärztinnen und Ärzte aus dem angrenzenden Krankenhaus Santo Spirito beteten mit. Zu Beginn war die Hymne des von Papst Franziskus‘ für 2016 ausgerufenen Außerordentlichen Jahres der Barmherzigkeit zu hören. In den Fürbitten wurde unter anderem für Betroffene der Corona-Pandemie und deren Betreuer gebetet.

In seiner Predigt betonte der Papst, dass unser Glaube ohne Werke der Barmherzigkeit stirbt: „Schwester, Bruder, willst du einen Beweis dafür, dass Gott dein Leben berührt hat? Frage dich, ob du dich über die Wunden anderer beugst“, ermutigte er die Gläubigen zur Gewissenserforschung.

Franziskus schilderte zunächst die „Auferstehung der Jünger“ und beschrieb, wie es Jesus gelang, das Leben seiner Gefährten tiefgreifend zu verändern. Der auferstandene Jesus sei den Jüngeren mehrere Male erschienen und habe sie geduldig getröstet. Er habe ihr Leben verwandelt, Motor dieser Verwandlung sei Barmherzigkeit gewesen, betonte Franziskus: „Jesus richtet sie mit seiner Barmherzigkeit wieder auf“.

Friede Jesu steht am Anfang der Mission

Drei Gaben habe Jesus den Jüngern dabei mitgegeben: er beschenkte sie mit Frieden, dann mit dem Geist und schließlich mit seinen Wunden.

Die Jünger waren nach Jesu Kreuzigung verunsichert und schlossen sich aus Angst, selbst verhaftet zu werden, zu Hause ein. Auch innerlich waren sie in Gewissenbissen und Selbstzweifeln gefangen, da sie Jesus verlassen und verleugnet hatten. In diesem Moment habe Jesus sie wieder aufgerichtet, sie aus sich selbst befreit und ihnen einen Auftrag gegeben, so Papst Franziskus.

„Er bringt nicht einen Frieden, der die äußeren Probleme von ihnen nimmt, sondern einen Frieden, der ihnen innere Zuversicht verleiht. Er gibt nicht äußeren Frieden, sondern Frieden im Herzen. Er sagt: ,Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch‘ (Joh 20,21). Es ist, als würde er sagen: ,Ich sende euch, weil ich an euch glaube‘. Diese verzagten Jünger werden mit sich selbst versöhnt. Der Friede Jesu lässt sie von ihren Gewissensbissen zu ihrer Sendung übergehen. Der Friede Jesu steht am Anfang der Mission.“

Es war „nicht Ruhe, nicht Bequemlichkeit, sondern das Herausgehen aus sich selbst“, präzisierte Franziskus. Die Jünger spürten zugleich, „dass Gott sie nicht verurteilt und demütigt, sondern an sie glaubt“. Für Gott sei „niemand verfehlt, niemand nutzlos, niemand ausgeschlossen“, bekräftigte er.

Gabe des Geistes: Beichte ist „reine Barmherzigkeit“

Weiterhin habe Jesus seinen Jüngern Vergebung geschenkt, die sich ihm gegenüber schuldig gemacht hatten – er schenkte ihnen die Gabe des Geistes. Papst Franziskus ermutigte hier alle Gläubigen dazu, das Sakrament der Beichte zu empfangen:

„Wie diese Jünger haben wir es nötig, uns vergeben zu lassen. Die Vergebung im Heiligen Geist ist das Ostergeschenk, das uns eine innere Auferstehung ermöglicht.“ Dabei sei der Gang zur Beichte keine Erniedrigung, sondern Aufrichtung im Geiste – die Beichte sei wie die Hand eines gütigen Vaters, der kleinen Kindern, die fallen, immer wieder auf die Beine hilft. Die Beichte sei „das Sakrament der Auferstehung“, so Franziskus, „sie ist reine Barmherzigkeit. Und wer die Beichte entgegennimmt, muss die Schönheit des göttlichen Erbarmens spürbar werden lassen“.

Mit Jesu Wunden Gottes Liebe annehmen

Mit seinen Wunden habe Jesus den Jüngern schließlich ein drittes Geschenk gemacht. Mit seinem Selbstopfer habe er die Jünger geheilt, habe „unsere Wunden zu seinen Wunden gemacht“ und „unsere Gebrechlichkeit leibhaftig auf sich genommen“.

„Die Wunden sind Verbindungskanäle zwischen ihm und uns, über sie fließt unserem Elend sein Erbarmen zu. Sie sind Zugänge, die Gott für uns weit geöffnet hat, damit wir in sein liebevolles Erbarmen eintreten und damit wir mit unseren eigenen Händen begreifen können, wer er ist. Und wir zweifeln nicht mehr an seiner Barmherzigkeit. Wenn wir seine Wunden anbeten und küssen, entdecken wir, dass jede unserer Schwächen von ihm liebevoll angenommen ist.“

In jeder Messe biete Jesus uns seinen verwundeten und auferstandenen Leib dar, formulierte der Papst. Der Weg des Christen beginne dabei „mit der Gnade, Barmherzigkeit erfahren zu haben“, nicht durch Selbstbezogenheit: „Wenn wir uns auf unsere eigenen Fähigkeiten, auf die Effizienz unserer Strukturen und Projekte verlassen, werden wir nicht weit kommen. Nur wenn wir Gottes Liebe annehmen, können wir der Welt etwas Neues geben.“

Jünger wurden selbst barmherzig

„Das ist kein Kommunismus, das ist Christentum in Reinform.“

Frieden, Geist und Wunden - Jesu Werk der Barmherzigkeit an den Jüngern habe sich dann darin gezeigt, dass diese „selbst barmherzig“ wurden, fuhr der Papst fort. Während sie vorher untereinander noch um Auszeichnungen und Ehren gestritten hatten, teilten sie jetzt alles, was sie hatten und waren „ein Herz und eine Seele“, so Franziskus.

„Sie erkannten bei den anderen dasselbe Erbarmen, das ihr eigenes Leben verändert hatte. Sie entdeckten, dass sie gemeinsam Anteil hatten an der Mission, an der Vergebung und am Leib Jesu: Das Teilen irdischer Güter schien eine natürliche Konsequenz.“

Diese Barmherzigkeit richtete sich nun auch auf andere Menschen, denn die Jünger hatten „keine Angst mehr, die Wunden der Bedürftigen zu versorgen“. Das sei „kein Kommunismus“ gewesen, sondern „Christentum in Reinform“, so Papst Franziskus. Und er rief alle Gläubigen an dieser Stelle zur Gewissenserforschung auf:

„Heute ist der Tag, an dem wir uns fragen sollten: ,Bin ich, der ich Gottes Frieden, seine Vergebung, seine Barmherzigkeit so oft empfangen habe, barmherzig zu den anderen? Tue ich, der ich mich so oft von seinem Leib ernährt habe, etwas, um die Armen zu speisen?‘“

Glaube stirbt ohne tätige Nächstenliebe

„Denn wenn die Liebe bei uns selbst endet, vertrocknet der Glaube in einem sterilen Kult der Innerlichkeit.“

Papst Franziskus ermutigte dann zu Hingabe und Nächstenliebe gegenüber unseren Nächsten:

„Lasst uns nicht gleichgültig bleiben. Lasst uns nicht einen halbherzigen Glauben leben, der empfängt, aber nicht gibt, der das Geschenk annimmt, aber selbst nicht zur Hingabe bereit ist. Uns wurde Erbarmen zuteil, lasst uns selbst barmherzig werden. Denn wenn die Liebe bei uns selbst endet, vertrocknet der Glaube in einem sterilen Kult der Innerlichkeit. Ohne die anderen verliert er seine Konkretheit. Ohne Werke der Barmherzigkeit stirbt er (vgl. Jak 2,17). Lassen wir uns durch den Frieden, die Vergebung und die Wunden des barmherzigen Jesus auferwecken. Und bitten wir um die Gnade, Zeugen der Barmherzigkeit werden zu dürfen. Nur so wird unser Glaube lebendig sein und unser Leben stimmig. Nur auf diese Weise werden wir das Evangelium Gottes verkünden, das ein Evangelium der Barmherzigkeit ist.“

Der Barmherzigkeitssonntag

Der Barmherzigkeitssonntag geht auf Papst Johannes Paul II. zurück, der ihn als liturgisches Fest bei der Heiligsprechung der polnischen Ordensschwester Faustyna Kowalska für die ganze katholische Kirche festlegte.

Schwester Faustyna war eine einfache polnische Ordensschwester und Mystikerin. Wie sie in ihrem umfangreichen Tagebuch unter priesterlicher Begleitung festhielt, erschienen ihr wiederholt Jesus, Maria, Engel und Heilige. Faustyna schildert auch, wie ihr Jesus auftrug, den Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit nach Ostern einzuführen. Auf ihren Visionen beruht das 1934 entstandene berühmte Bild des barmherzigen Jesus mit dem roten und dem weißen Strahl, die von seinem Herzen ausgehen. Eines davon wird auch in Santo Spirito in Sassia verehrt.

Papst Franziskus hat in seinem Pontifikat einen inhaltlichen Schwerpunkt auf die Barmherzigkeit Gottes gesetzt. So ordnete er ein außerordentliches Heiliges Jahr der Barmherzigkeit in der katholischen Kirche an, das vom 8. Dezember 2015 bis 20. November 2016 stattfand. Anlässlich des Barmherzigkeitssonntags feierte er auch im Vorjahr die Messe in der römischen Kirche Santo Spirito in Sassia unter Corona-Schutz-Auflagen. Die Kirche ist wegen der dort besonders starken Verehrung der Heiligen Faustina Kowalska Anlaufstelle für viele Gläubige aus Polen.

Vom Leiden, Sterben und Auferstehen: Die „Heiligen Drei Tage“

Die „Heiligen Drei Tage“ (Triduum sacrum) vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu Christi sind das Herzstück des Kirchenjahres. Die Pressestelle der österreichischen Diözese Gurk hat elf Fragen und Antworten veröffentlicht und erklärt, warum in den nächsten Tagen Orgeln und Glocken verstummen, Altäre in den Kirchen abgeräumt werden und wieso die beliebte Fleischweihe eigentlich eine Speisensegnung ist.

1)        Was sind die „Heiligen Drei Tage“?

Mit der Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstagabend beginnen die „Heiligen Drei Tage“ („Triduum sacrum“). Ihr Zielpunkt ist die Feier der Osternacht. Das österliche Triduum steht in der alten kirchlichen Tradition, die diese drei Tage des gekreuzigten, begrabenen und auferstandenen Jesus als liturgische Einheit betrachtet.

2)        Woher stammt der Name Gründonnerstag?

Der Name Gründonnerstag geht vermutlich auf das mittelhochdeutsche Wort „Greinen“ oder „Grienen“ zurück, was so viel wie „wehklagen“ bedeutet. Volkstümlich wird die Bezeichnung „grün“ jedoch auf die grüne Farbe von vegetarischen Fastenspeisen wie Spinat zurückgeführt.

3)        Was wird am Gründonnerstag gefeiert?

Am Gründonnerstagabend gedenken Christinnen und Christen des Letzten Abendmahles und der Gefangennahme Jesu im Garten Getsemani. Am Ende der Liturgie wird das eucharistische Brot, die hl. Hostie, als Zeichen der Gegenwart Jesu Christi an einen dafür vorgesehenen Aufbewahrungsort (Seitenaltar oder Sakramentskapelle) getragen, wo es bis zur Osternacht bleibt. Während der Abendmesse verstummen Orgel und Glocke und schweigen bis zur Osternacht. Der Volksmund sagt, dass die „Glocken nach Rom fliegen“. Außerdem wird in Erinnerung an den Beginn des Leidensweges Jesu sämtlicher Altarschmuck entfernt.

4)        Was hat es mit der „Fußwaschung“ auf sich?

Der Brauch der Fußwaschung, der heuer coronabedingt entfällt, wird traditionell am Gründonnerstag durch den Priester vollzogen und erinnert an das Letzte Abendmahl Jesu, bei dem dieser seinen zwölf Jüngern als Zeichen der Demut und Liebe die Füße wusch.

5)        Welche Bedeutung hat der Karfreitag?

Der Karfreitag ist der Tag der Kreuzigung und des Todes Jesu und gilt in der Katholischen Kirche neben dem Aschermittwoch als strenger Fasttag. Bereits die ältesten Karfreitagsliturgien beginnen mit der neunten Stunde, was nach heutiger Zeitrechnung um 15 Uhr ist. Diese Stunde war nach den Evangelien die Todesstunde Jesu. Heute wird daher in vielen Pfarren um 15 Uhr eine Kreuzwegandacht gehalten und abends die Karfreitagsliturgie gefeiert.

6)        Was steht im Mittelpunkt der Karfreitagsliturgie?

Die Katholische Kirche feiert am Karfreitag eine besondere, eigenständige und traditionsreiche Liturgie, die sich von allen anderen Feiern während des Jahres unterscheidet: Der Altar ist abgeräumt, die Glocken schweigen, der Tabernakel ist leer. Im Mittelpunkt der Liturgie stehen die Verkündigung der Johannespassion, die Kreuzverehrung sowie das Fürbittgebet für die Kirche und die ganze Welt. Der Karfreitag und der Karsamstag sind die einzigen Tage, an denen weltweit in der katholischen Kirche keine Eucharistiefeier gehalten wird. Anlässlich der Pandemie wird am Karfreitag österreichweit wie bereits auch im Vorjahr eine eigene Fürbitte für all jene Menschen gesprochen, die schwer an Corona erkrankt sind sowie für alle, die sich für diese Menschen einsetzen und sich in den verschiedensten Lebensbereichen für die Überwindung der Pandemie engagieren.

7)         Woher kommt der Brauch der Osterratschen?


Hölzerne Ratschen wurden seit dem 13. Jahrhundert als Ersatz für die verstummten Glocken und die Schellen der Messdiener verwendet. An vielen Orten gehen auch heute noch Kinder damit durch die Straßen und rufen die Gläubigen am Karfreitag zum Gebet und zur Feier der Karfreitagsliturgie auf.

8)        Welche Bedeutung hat der Karsamstag?

Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe Christi. Zwischen der Feier des Todes Jesu am Karfreitag und der Feier seiner Auferstehung in der Osternacht verweilt die Kirche am Grab des Herrn, betrachtet seinen Abstieg in das Reich des Todes und erwartet seine Auferstehung. Somit deutet der Karsamstag das „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“, wie es im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt.

9)        Warum werden am Karsamstag die Speisen gesegnet?

Der Brauch der Speisensegnung ist vor allem in Kärnten, Südtirol und Bayern weit verbreitet und für viele ein fixer Termin im Kirchenjahr. Speisensegnungen lassen sich bis in die ausgehende Antike zurückverfolgen. Speisen wie Eier und Fleisch, deren Genuss in der strengen mittelalterlichen Fastenordnung verboten war, gewannen durch diese österliche Segnung im Volksglauben besondere Bedeutung und Kräfte. Heute will dieser Brauch vor allem die Brücke schlagen zwischen dem Altar und dem häuslichen Tisch, zwischen dem Sakralen und dem Profanen.

10)         Wieso heißt es Speisensegnung und nicht „Fleischweihe“?

Sachen, Gegenstände und Tiere werden nicht „geweiht“, wie es im Volksmund oft heißt, sondern „gesegnet“. Es gibt keine „Autoweihen“, „Pferdeweihen“ oder „Fleischweihen“, sondern nur entsprechende Segnungen. Daher spricht man auch von „Speisensegnung“. „Geweiht“ werden Personen, die in den Dienst Gottes gestellt werden. Auch Kirchenbauten und Dinge, die für den dauernden liturgischen Gebrauch bestimmt sind, also ausschließlich für den heiligen und heiligenden Dienst bestimmt sind, wie z. B. Glocken, Kelche, Öle u. dgl. werden geweiht. Deutlich wird dies in der Altarweihe, in der ein Altar zu einem besonderen heiligen Ort und Symbol für Jesus Christus selbst wird.

11)         Was bedeutet die Osternachtfeier?

Am Karsamstag werden während des Tages keine Gottesdienste gefeiert. Mit der Feier der Osternacht, meist in den Abendstunden des Karsamstags oder in den frühen Morgenstunden des Ostersonntags, endet die Karwoche („kar“ = mittelhochdeutsch für „Klage“), die mit dem Palmsonntag begonnen hat. In dieser Osternachtsfeier feiern ChristInnen die Auferstehung Jesu und mit ihr die Zusage, „dass am Ende das Leben über den Tod, die Wahrheit über die Lüge, die Gerechtigkeit über das Unrecht, die Liebe über den Hass und selbst den Tod siegen wird“, wie es im deutschen Erwachsenen-Katechismus heißt. Die Osternachtliturgie beginnt traditionell mit einer Lichtfeier, anschließend werden Lesungen aus dem Alten Testament vorgetragen. Das festliche Gloria, das Halleluja, das erstmals nach der Fastenzeit wieder erklingt, und die Tauffeier bzw. das Taufgedächtnis sind weitere Elemente. Höhepunkt ist die Eucharistie – die sakramentale Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn.

Die Gebete

Die neue Sozialenzyklika des Papstes schließt mit zwei Gebeten: So hatte Franziskus es schon bei seiner vorigen Enzyklika „Laudato si‘“ gehalten. Das erste Gebet ist, wie er in „Laudato si‘“ erläuterte, „eines, das wir mit allen teilen können, die an einen Gott glauben, der allmächtiger Schöpfer ist“, das zweite ist ökumenisch ausgerichtet.

Gebet zum Schöpfer

Herr und Vater der Menschheit,
du hast alle Menschen mit gleicher Würde erschaffen.
Gieße den Geist der Geschwisterlichkeit in unsere Herzen ein.
Wecke in uns den Wunsch nach einer neuen Art der Begegnung,
nach Dialog, Gerechtigkeit und Frieden.
Sporne uns an, allerorts bessere Gesellschaften aufzubauen
und eine menschenwürdigere Welt
ohne Hunger und Armut, ohne Gewalt und Krieg.

Gib, dass unser Herz sich
allen Völkern und Nationen der Erde öffne,
damit wir das Gute und Schöne erkennen,
das du in sie eingesät hast,
damit wir engere Beziehungen knüpfen
vereint in der Hoffnung und in gemeinsamen Zielen. Amen.

Ökumenisches Gebet

Herr, unser Gott, dreifaltige Liebe,
lass aus der Kraft deiner innergöttlichen Gemeinschaft
die geschwisterliche Liebe in uns hineinströmen.
Schenke uns die Liebe, die in den Taten Jesu,
in der Familie von Nazaret und in der Gemeinschaft der ersten Christen aufscheint.

Gib, dass wir Christen das Evangelium leben
und in jedem Menschen Christus sehen können,
dass wir ihn in der Angst der Verlassenen und Vergessenen dieser Welt
als den Gekreuzigten erkennen
und in jedem Bruder, der sich wieder erhebt, als den Auferstanden.

Komm, Heiliger Geist, zeige uns deine Schönheit,
die in allen Völkern der Erde aufscheint,
damit wir entdecken, dass sie alle wichtig sind,
dass alle notwendig sind, dass sie verschiedene Gesichter
der einen Menschheit sind, die du liebst. Amen.

Die Katechese im Wortlaut

Vatican News dokumentiert an dieser Stelle die Katechese des Papstes bei der Generalaudienz im Wortlaut in einer Arbeitsübersetzung. Die offizielle Übersetzung der Papstworte finden Sie in Kürze wie gewohnt auf www.vatican.va.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Morgen!

Heute möchte ich über das Gebet der Danksagung sprechen. Ich gehe dafür von einer Begebenheit aus, die der Evangelist Lukas erzählt.

Während Jesus unterwegs ist, begegnen ihm zehn Aussätzige, die ihn anflehen: „Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!“ (17,13). Wir wissen, dass für die Leprakranken das körperliche Leiden mit einer sozialen und religiösen Ausgrenzung einherging. Jesus scheute sich nicht vor einer Begegnung mit ihnen. Manchmal geht er über die Grenzen der Gesetze hinaus und berührt den Kranken, er umarmt ihn, heilt ihn. In diesem Fall gibt es keinen Körperkontakt. In einiger Entfernung fordert Jesus die Kranken auf, sich den Priestern zu zeigen (V. 14), die laut Gesetz für die Beglaubigung der Heilung zuständig waren.

Darüber hinaus sagt Jesus nichts. Er hat ihr Gebet, ihren Schrei nach Barmherzigkeit, erhört und schickt sie sofort zu den Priestern. Die zehn Leprakranken vertrauen ihm und gehen sofort, und während sie zu den Priestern hingehen, werden sie geheilt, alle zehn von ihnen. Die Priester hätten also ihre Heilung feststellen und sie wieder für das normale Leben zulassen können.

Hier aber kommt der wichtigste Punkt: Einer aus der Gruppe geht, noch bevor er zu den Priestern geht, zu Jesus zurück, um Jesus zu danken und Gott für die empfangene Gnade zu loben. Jesus stellt fest, dass der Mann ein Samariter war – für die Juden der damaligen Zeit war er eine Art „Ketzer“. Und Jesus fragt: „Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?“ (17,18).

„Das Gebet der Danksagung beginnt immer hier: mit dem Erkennen unserer selbst, denen Gnade zuteilwurde.“

Dieser Bericht teilt die Welt sozusagen in zwei Gruppen auf: in die, die nicht danken, und die, die danken; die, die alles als ihr Recht ansehen, und die, die alles als Geschenk, als Gnade, annehmen. Der Katechismus schreibt: „Jedes Ereignis und jedes Bedürfnis können Opfer des Dankes werden." (Nr. 2638).

Das Gebet der Danksagung beginnt immer hier: mit dem Erkennen unserer selbst, denen Gnade zuteilwurde. Wir wurden gedacht, bevor wir lernten zu denken; wir wurden geliebt, bevor wir lernten zu lieben; wir waren erwünscht, bevor in unseren Herzen Wünsche wach wurden. Wenn wir das Leben auf diese Weise betrachten, dann wird das „Danke“ zum Leitmotiv unserer Tage.

„Leben heißt vor allem, empfangen zu haben. Wir werden alle geboren, weil sich jemand das Leben für uns gewünscht hat.“

Für uns Christen hat die Danksagung dem wichtigsten Sakrament seinen Namen gegeben: der Eucharistie. Das griechische Wort bedeutet nämlich genau das: Danksagung. Christen preisen Gott, wie alle Gläubigen, für das Geschenk des Lebens.

Leben heißt vor allem, das Leben empfangen zu haben. Wir werden alle geboren, weil sich jemand das Leben für uns gewünscht hat. Und dies steht nur am Anfang einer langen Reihe von Schulden, die wir durch unser Leben anhäufen: Schulden der Dankbarkeit.

In unserer Existenz hat uns mehr als eine Person mit reinen Augen angeschaut, und zwar unentgeltlich. Oft sind es Erzieher, Katecheten, Menschen, die ihre Aufgabe über das Maß hinaus erfüllt haben, das die Pflicht verlangt. Und sie haben in uns Dankbarkeit entstehen lassen. Auch Freundschaft ist ein Geschenk, für das wir immer dankbar sein müssen.

Dieses „Dankeschön“, das der Christ mit allen teilt, erweitert sich in der Begegnung mit Jesus. Die Evangelien bezeugen, dass die Begegnung mit Jesus bei den Menschen oft Freude und den Lobpreis Gottes auslöste. Die Erzählungen über die Geburt Jesu sind bevölkert von Betenden, deren Herzen durch das Kommen des Erlösers weit wurden. Und auch wir sind berufen, an diesem unermesslichen Jubel teilzuhaben.

Darauf deutet auch die Geschichte von der Heilung der zehn Aussätzigen hin. Natürlich waren sie alle froh, wieder gesund zu werden und damit aus dieser unendlich scheinenden Zwangsquarantäne herauszukommen, die sie von der Gemeinschaft ausschloss. Aber unter ihnen gab es einen, der der Freude noch eins draufsetzte:
Er freute sich nicht nur über die Heilung, sondern auch über die Begegnung mit Jesus. Er ist nicht nur vom Übel befreit, sondern hat nun auch die Gewissheit, geliebt zu werden. Das ist ein großer Schritt, zu wissen, dass man geliebt wird. Es ist die Entdeckung der Kraft der Liebe, die die Welt regiert. Dante würde sagen: Liebe, „die die Sonne und die anderen Sterne bewegt“ (Paradies, XXXIII, 145).

Wir sind keine umherirrenden Wanderer mehr, die hier und dort umherziehen: wir haben ein Heim, wir wohnen in Christus, und von diesem „Zuhause“ aus betrachten wir den Rest der Welt, und diese erscheint uns unendlich viel schöner. Wir sind Männer und Frauen der Gnade.

Lasst uns deshalb, Brüder und Schwestern, immer versuchen, in der Freude der Begegnung mit Jesus zu sein. Kultivieren wir die Freude! Denn der Teufel lässt uns immer traurig und allein zurück, nachdem er uns betrogen hat. Wenn wir in Christus sind, kann uns keine Sünde und keine Bedrohung jemals daran hindern, unsere Reise mit Freude fortzusetzen, zusammen mit unseren vielen Begleitern auf dem Weg.

Vor allem sollten wir das Danken nicht vernachlässigen: Wenn wir Dankbarkeit empfinden, wird auch die Welt besser, wenn auch nur ein wenig, aber schon das reicht, um ihr ein wenig Hoffnung zu geben.

Alles ist vereint und verbunden, und jeder kann dort, wo er ist, seinen Teil beitragen. Der Weg zum Glück ist der, den der heilige Paulus in einem seiner Briefe (an die Thessalònicher) beschreibt: „Betet ohne Unterlass! Dankt für alles; denn das ist der Wille Gottes für euch in Christus Jesus. Löscht den Geist nicht aus!" (1 Thess 5,17-19). Das ist der Plan des Lebens.

Gebet des Tages

Barmherziger Gott,
die glühende Liebe zu dir
hat dem heiligen
Diakon Laurentius die Kraft gegeben,
dir und den Armen treu zu dienen
und furchtlos für dich zu sterben.

Hilf uns, dich zu lieben,
wie er dich geliebt hat,
und den Armen zu dienen,
wie er ihnen gedient hat.

(aus dem Tagesgebet)

Komm, Heiliger Geist

Komm, Heil’ger Geist, der Leben schafft,
erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein:
Nun hauch uns Gottes Odem ein.

Komm, Tröster, der die Herzen lenkt,
du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut,
du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

Dich sendet Gottes Allmacht aus
im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund
und machst der Welt die Wahrheit kund.

Entflamme Sinne und Gemüt,
dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut
in deiner Kraft das Gute tut.

Die Macht des Bösen banne weit,
schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn,
dass Unheil uns nicht schaden kann.

Lass gläubig uns den Vater sehn,
sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt
und uns das Leben Gottes bringt.

Den Vater auf dem ew’gen Thron
Und seinen auferstandnen Sohn,
dich, Odem Gottes, Heil’ger Geist,
auf ewig Erd’ und Himmel preist.

Amen.

Zur geistigen Kommunion

    Mein Jesus, ich glaube, dass Du im allerheiligsten Sakrament

    des Altares zugegen bist.

    Ich liebe dich über alles und meine Seele sehnt sich nach Dir.

    Da ich Dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann,

    so komme wenigstens geistigerweise zu mir.

    Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir und vereinige mich mit Dir!

    Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an.

    Lass nicht zu, dass ich mich je von Dir trenne. 

    Amen.

     (Alfons von Liguori)

Zu deinen Füßen, o mein Jesus, werfe ich mich nieder

und bringe Dir die Reue meines zerknirschten Herzens dar,

das sich mit seinem Nichts in Deiner heiligen Gegenwart verdemütigt.

Ich bete Dich an im Sakrament Deiner Liebe, der unfassbaren Eucharistie.

Ich sehne mich danach, Dich in der armen Wohnstatt meines Herzens zu empfangen.

Während ich das Glück der sakramentalen Kommunion erwarte, möchte ich Dich im Geist besitzen.

Komm zu mir, o mein Jesus, da ich zu Dir komme! Die Liebe umfange mein ganzes Sein im Leben und im Tod.

Ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich.

Amen.

(Kardinal Merry del Val)

Tagesgebet

Beten wir gemeinsam...

Allmächtiger und ewiger Gott,

du bist unsere Zuflucht in jeder Gefahr,

an dich wenden wir uns in unserem Schmerz

und bitten dich voll Vertrauen:

Hab Erbarmen mit unserer Not.

Gewähre den Verstorbenen die ewige Ruhe,

tröste die Trauernden,

heile die Kranken.

Schenke den Sterbenden den Frieden,

den Pflegenden Stärke,

den Verantwortungsträgern Weisheit

und ermutige alle, sich einander in Liebe zuzuwenden,

damit wir gemeinsam deinem heiligen Namen die Ehre erweisen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,

unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Vertrautes während der Corona-Pandemie.

Heute an Palmsonntag

So klingen die Glocken von Christus König in Neuenstein. Klicken Sie auf das Bild:

Das Video ist von 2014, aber die Glocken sind immer noch die gleichen.

Mehr über die Glocken:

Zum Mitbeten....

Gebet

Guter und treuer Gott,

    wir tragen unsere Sorgen und unsere Ängste vor Dich

    und wir bitten in diesen beängstigenden Tagen um deinen Beistand.

    Gib uns deinen lebenspendenden Geist, der sich uns in Jesus Christus gezeigt hat.

    Lass uns in deinem Geist erkennen, was richtig ist

    und gib uns die Kraft, das rechte entschlossen zu tun.

Lass uns die Schwachen, Einsamen, Kranken,

    die Verängstigen und Bedrückten aller Art nicht übersehen.

    Hilf uns, dass wir diese Menschen nicht vergessen oder an ihnen vorbeigehen.

    Gib uns die Kraft zu helfen und heilsame Begegnungen zu ermöglichen.

    Lass sie durch unser Verhalten ihnen gegenüber deinen wirksamen Beistand erfahren.

    Durch uns möge Deine Güte und Menschenfreundlichkeit lebendig werden und bleiben.

    Das erbitten wir in dieser schweren Zeit von Dir, guter und treuer Gott.

Amen.

Gebet von Bischof Gebhard Fürst aus der Video-Botschaft vom 16. März 2020

 

Gott,

ich halte inne und suche Deine Nähe. 

Vieles in unserer Welt und unserer Umgebung

Ist anders geworden und ungewohnt:  

Unser Alltag hat sich so sehr verändert:

Keine Versammlungen

und gemütliche Abende in der Kneipe, 

kein spontaner Besuch bei Freunden,

kein Kinobesuch

keine Berührungen und reichlich Abstand

– Stille –                                                              

(persönliche Situation kann eingefügt werden)        

 

  Hilf mir,              

dass ich mich nicht verwirren lasse

vom Schweren und Ungewissen,

von der Angst in dieser neuen Situation.

  Lass mich mitfühlen

mit den schwachen und kranken,

den älteren und hilfsbedürftigen Menschen.

Schenke mir die Kraft und den Mut

verantwortlich zu handeln

und notwendende Entscheidungen zu treffen.

Stärke mich mit deinem Heiligen Geist,

der Klarheit schafft und ermutigt,

Durch Christus unseren Bruder,

der uns nahe ist.

Amen

     Texte und Foto: Birgit Bronner | Gestaltung: webvisio.de

Zum Nachdenken...

Dieser kleine Text ist mir soeben in die Finger gekommen.

Er regt zum Nachdenken an. Aber er kann auch die Hoffnung zeigen,

dass trotz der Einschränkungen unseres Alltags vieles noch möglich ist.

Nicht alles ist abgesagt…
der Frühling ist nicht abgesagt.
die Sonne ist nicht abgesagt.
Liebe ist nicht abgesagt.
Lächeln ist nicht abgesagt.
Lesen ist nicht abgesagt.
Beten ist nicht abgesagt.
Singen ist nicht abgesagt.
Briefe sind nicht abgesagt.
Gespräche sind nicht abgesagt.
Träumen ist nicht abgesagt.
Zukunft ist nicht abgesagt.
Hoffnung ist nicht abgesagt.

Gebet

Jeder neue Morgen ist ein neuer Anfang unseres Lebens.

Jeder Tag ist ein abgeschlossenes Ganzes.

Der heutige Tag ist die Grenze unseres Sorgens und Mühens.

Er ist lang genug, um Gott zu finden oder zu verlieren,

um Glauben zu halten oder in Sünde und Schande zu fallen.

Die alte Treue Gottes allmorgendlich neu zu fassen,

mitten in einem Leben mit Gott täglich ein neues Leben mit ihm beginnen zu dürfen,

das ist das Geschenk, das Gott uns mit jedem neuen Morgen macht.

Nun hat Gott in dem Schweigen des Morgens sein Wort geredet,

nun haben wir mit ihm und mit der Gemeinde der Christen Gemeinschaft gefunden.

Sollten wir nun nicht zuversichtlich an das Tagewerk gehen?

        Dietrich Bonhoeffer (aus: Barbara Ellermeier, Dietrich Bonhoeffer. Es lebe die Freiheit, München 2020)