Mein Sonntagsevangelium: Mut durch Gemeinschaft

Im heutigen Sonntagsevangelium zeigt Jesus, wie er seine Angst überwindet und damit vielleicht auch mir selbst einen Weg aus meiner Angst heraus. Gedanken zum Sonntagsevangelium von Pastoralassistent Hans-Christian Richter.

Blumenschmuck und Predigt 26. Juli 2020

Predigt 17. Sonntag im Kirchenjahr (Mt 13,44-52) - 25./26.7.2020 Öhringen/Neuenstein

Liebe Schwestern und Brüder,

(K)ein kluger Hausherr
● Rom sorgt gerade wieder für Furore.1 Mit einem neuen Dokument hat der Vatikan den Veränderungen der Pfarreistrukturen Grenzen gesetzt und sich gegen neue Leitungsmodelle ausgesprochen. Laien bleiben laut dem am Montag veröffentlichten Schreiben der Kleruskongregation von der Gemeindeleitung ausgeschlossen. Sie dürfen "auch nicht im Falle des Priestermangels" den Titel oder Funktionen eines Pfarrers annehmen. Zwar können als außerordentliche Maßnahme Nichtpriester "an der Ausübung der Hirtensorge einer Pfarrei beteiligt" werden; dabei ist laut dem Schreiben auf Bezeichnungen wie "Leitungsteam" zu verzichten. Die Aufhebung oder Zusammenlegung von Pfarreien, wie sie vielerorts geplant sind, werden sehr kritisch gesehen.
● Mit dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat inzwischen ein deutscher Bischof deutlich Kritik geübt. Er sieht in dieser Pfarreien-Instruktion eine „Umkehr zur Klerikalisierung“. Dieses Papier sei „eine so starke Bremse der Motivation und Wert-schätzung der Dienste von Laien, dass ich große Sorge habe, wie wir unter solchen Bedingungen neue engagierte Christen finden sollen und wie wir unsere pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin gut begleiten und fördern können.“ Auch unser Bischof hat in einer Reaktion auf dieses Schreiben erklärt: „Mit dem „Rottenburger Modell" haben wir in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ein bewährtes Prinzip der partizipativen und kooperativen Pastoral. An ihm werden wir weiter fest-halten.“ Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller wird noch deutlicher und sagt: "Das Papier beantwortet Fragen von heute mit Antworten von gestern."
● Das erinnert mich an unser heutiges Evangelium. Am Schluss der Gleichnisrede bei Matthäus folgt eine Art Zusatz. Die Frage an die Jünger, ob sie alles verstanden haben, und dann der Vergleich der Schriftgelehrten mit einem Hausherrn. „Deswe-gen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreiches geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.“ Achtung, hier geht es nicht um die Kirche. Und ebenso wenig um Bischöfe, den Papst und seine Kleruskongregation. Hier geht es, so meinen Exegeten, um christliche Schriftge-lehrte, die sich wohl vor allem mit der Auslegung der damaligen heiligen Schrift, also unseres Alten Testaments, beschäftigen. Matthäus spricht von ihnen, weil es ihm wichtig ist zu zeigen, wie das Alte Testament, vor allem die Verheißungen der Propheten, mit der Geschichte und der Verkündigung Jesu zusammenhängen. „Im Alten das Neue zu entdecken und das Neue an Vertrautes anzuknüpfen“2, ist die Aufgabe dieser Schriftkundigen in der Gemeinde. Matthäus ist das wichtig, weil er erlebt, wie es zum Bruch zwischen der jungen Kirche und dem Judentum kommt.
● Mit dem Bild des klugen und sorgsamen Hausherrn führt Matthäus die Bedeutung dieser Aufgabe vor Augen. Der Hausvorsteher verwaltet die Vorratskammer. Das ist der Schatz, aus dem er hervorholen kann, was die Hausgemeinschaft braucht. Matthäus verändert dann dieses Bild. Es geht nicht um eine Vielfalt an Gaben und Kostbarkeiten. Es geht um die Verbindung, die Ausgewogenheit zwischen Neuem und Alten. Dazu muss der Hausherr, dieser Schriftgelehrte sich in der alten Tradition bestens auskennen, aber auch alles verstanden haben, was Jesus mit seinen
1 Quellen:
https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2020/2020-07-20_Instruktion-Die-pastorale-Umkehr-der-Pfarrgemeinde.pdf
https://www.katholisch.de/artikel/26252-vatikan-laien-duerfen-keine-pfarrei-leiten-auch-bei-priestermangel
https://www.katholisch.de/artikel/26274-bischof-bode-zu-pfarreien-instruktion-umkehr-zur-klerikalisierung
2 Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus (Mt 8-17), EKK I/2, 366.
Gleichnissen Neues vom Himmelreich gesagt hat. Er muss ein „Jünger des Himmelreiches geworden“ sein. An diesem Punkt lässt sich für mich eine Brücke zu unserer aktuellen Diskussion in der Kirche schlagen. Da geht es jetzt nicht um die Beziehung von Altem Testament zur Botschaft Jesu. Da geht es in einer anderen Weise um Neues und Altes. Nämlich um unseren Glauben an Jesus Christus, seit Jahrhunderten überliefert, zur Tradition geworden, der in der Kirche einen konkreten Ausdruck bekommen hat. Und um neue Situationen, Herausforderungen, in die wir in unserer Zeit gestellt sind. Um die Aufgabe, aus der reichen Tradition zu schöpfen, daraus Klarheit zu gewinnen, aber zugleich auf den heiligen Geist zu hören, der uns neue Wege entdecken und gehen lässt. Konkret: um die Frage, wie die Kirche und ihre Gemeinde vor Ort sowie das Leitungsamt in ihr zu gestalten sind. Die Hausherren in diesem Fall sind natürlich die Theologinnen und Theologen, die Bischöfe, die sich in der Tradition auskennen sollten und einen wachen Blick für die Zeichen der Zeit heute brauchen.
● Hier nun liegt für mich das Problem in der aktuellen Diskussion. Es werden alte Schätze herausgeholt, all das, was das derzeit gültige Kirchenrecht zur Gestalt der Pfarrei, zum Dienst des Pfarrers und zur Rolle der so genannten Laien sagt. Aber es ist – so Bischof Bode – zu befürchten, „dass noch so verbindlich dargestellte Normen nicht greifen, wenn sie zu einem großen Teil von der Realität längst überholt sind.“ Nämlich vom Priestermangel auf der einen Seite und den Erfahrungen auf der anderen Seite, wie Christen gemeinsam Verantwortung übernehmen, um das Evangelium zu verkünden und ihre Gemeinden lebendig zu halten. Hausherren, die dieses Neue nicht wertschätzen und nicht einmal in einen Dialog treten mit denen, die solche neuen Wege ausprobieren, sind alles andere als klug. Allerdings auch die Hausherren, die eine neue Gestalt von Kirche planen und das in unserer langen Tradition Bewährte und Bedeutsame im Keller lassen. Beide gefährden letztlich die Einheit der Hausgemeinschaft.
● Was das Dokument der Kleruskongregation zur Pfarrei sagt hinsichtlich der Mobilität der Menschen, der missionarischen Dimension oder ihrer Ausrichtung auf die Armen ist sehr bedenkenswert. Ich empfehle es nicht nur unseren Kir-chengemeinderäten zur Lektüre. Aber was es zur Rolle des Pfarrers und der Laien sagt, zur Frage der Zusammenschlüsse von Pfarreien, erscheint rückwärtsgewandt und vor allem fern der Realität. Vor allem in unseren Breiten, wo es auf der einen Seiten einen immer stärkeren Priestermangel gibt, auf der anderen Seite unzählige Frauen und Männer, die sich mit großem Engagement und hoher Kompetenz für ihre Kirche einsetzen und in der Leitung der Gemeinden mit Verantwortung tragen. Ich hoffe, dass unsere Bischöfe jetzt in eine entschiedene Auseinandersetzung mit dieser römischen Behörde treten und unsere Erfahrungen und Erkenntnisse mutig ins Spiel bringen. Dass sie aufzeigen, wie das Neue – die Mitverantwortung aller Getauften und Geformten – sehr wohl mit Altem – der besonderen Rolle des Priesters – zu verbinden ist und dass es vielleicht auch eine neue Gestalt für diesen priesterlichen Dienst braucht. Aber noch mehr hoffe ich, dass das, wofür sie eintreten, hier in unseren Gemeinden weiterhin geschieht: dass Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche sich einbringen, dass sie zusammen mit dem Pfarrer Verantwortung für ihre Gemeinde übernehmen und sich nicht als dessen Zuarbeiter verstehen. Dass sie sich dem Wandel von Kirche auch vor Ort stellen und neue Wege beschreiten. An diesem Punkt sind dann nicht unsere Bischöfe und Theologen gefragt, sondern Sie und ich hier in Öhringen und Neuenstein.

Pfarrer Klaus Kempter

Das älteste Fest - Dreifaltigkeit

Zum Dreifaltigkeitssonntag erinnert Prof. Mückl daran, dass das „Ideenfest“ bereits um das Jahr 1000 in den fränkischen und gallischen Benediktinerklöstern gefeiert wurde. Mit einem Zitat von Papst Benedikt XVI. erläutert er das Fest tiefer und lädt uns ein, beispielsweise im Kreuzzeichen, die Anrufung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit wieder bewusster zu beten.

Prof. Dr. Stefan Mückl - Vatikanstadt

Dreifaltigkeitssonntag   (Joh 3, 16–18)

Hätten sich die Bestimmungen des Zisterzienserordens in der gesamten Kirche durchgesetzt, würde heute diese Sendung entfallen. Seit dem 14. Jahrhundert betrachten es die Gepflogenheiten der Söhne des hl. Bernhard als nicht angebracht, am Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in den Kapitelsämtern zu predigen – propter difficultatem materiae, wie es zur Begründung heißt, wegen der Schwierigkeit des Themas.

„Was ist der Sinn dieses Festes, warum feiern wir eine „Idee“, eine Wahrheit unseres Glaubens als solche?“

Der Inhalt des heutigen Dreifaltigkeitsfestes ist demgegenüber eher abstrakt. Liturgiewissenschaftler pflegen, manche mit einem gewissen Unterton, von einem „Ideenfest“ zu sprechen, einem Fest also, das nicht ein konkretes Ereignis, sondern einen bestimmten Aspekt der Lehre oder Frömmigkeit in den Mittelpunkt stellt. Unter ihnen – denken wir an Fronleichnam oder das Herz-Jesu-Fest, die wir demnächst feiern werden, oder auch an das jüngste dieser Feste, den vom hl. Papst Johannes Paul II. eingeführten Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit – ist das Dreifaltigkeitsfest das älteste. Um das Jahr 1000 wird es bereits in den fränkischen und gallischen Benediktinerklöstern gefeiert. Nicht wenige der verwendeten liturgischen Texte sind noch älter, so die Präfation der hl. Messe, welche seit Mitte des 8. Jahrhunderts bis heute gebetet wird. Wenn wir uns heute mit all den Betern der Jahrhunderte vereinigen, können und sollen wir uns fragen: Was ist der Sinn dieses Festes, warum feiern wir eine „Idee“, eine Wahrheit unseres Glaubens als solche?

Gott, den wir in drei Personen bekennen...

Nun, schon aus unserer rein menschlichen Erfahrung wissen wir, daß eine Person und ihr Handeln miteinander zusammenhängen und miteinander verwoben sind: Was eine Person ausmacht, zeigt sich in ihrem Tun, und je besser wir eine Person kennen, desto mehr verstehen wir ihr Handeln. Ebenso verhält es sich bei Gott, den wir in drei Personen bekennen: Seine Werke ermöglichen uns eine Annäherung an Sein Wesen, und umgekehrt verhilft uns das gläubige Eindringen in das Geheimnis Seines Wesens, alle Seine Werke besser und tiefer zu begreifen und zu erfassen. Schon der Zeitpunkt des heutigen Festes – seit Alters her der erste Sonntag nach Pfingsten – ist mit Bedacht gewählt worden, faßt es doch, in den Worten von Papst Benedikt XVI., „in gewissem Sinne die Offenbarung Gottes zusammen, die sich in den österlichen Geheimnissen ereignet hat: Tod und Auferstehung Christi, Seine Himmelfahrt zur Rechten des Vaters und die Ausgießung des Heiligen Geistes.“ Ganz ähnlich formuliert der hl. Paulus im Epheserbrief: im gekreuzigten und auferstandenen Christus haben wir ... in dem einen Geist Zugang zum Vater (Eph 2,18).


...überschreitet und übersteigt jede menschliche Erfahrung

Zugang zu Gott, zu Gott als Vater – den Gläubigen des Alten Testaments blieb eine solche Sicht verschlossen. Bei allen Andeutungen hinsichtlich des Messias (also Jesu Christi) und des Geistes, der schon zu Beginn der Schöpfung über dem Wasser schwebte (vgl. Gen 1,2), erscheint Gott vor allem als transzendent. Er überschreitet und übersteigt jede menschliche Erfahrung. Einen kleinen Eindruck davon vermittelt die erste Lesung des heutigen Festes, in der eine Begegnung zwischen Gott und Moses geschildert wird: Der Herr stieg in der Wolke herab und stellte sich ... neben ihn hin und ging an ihm vorüber (Ex 34,5-6). Zwar durfte Moses wie kein anderer im Alten Testament einen vertrauten Umgang mit Gott pflegen – es heißt, sie redeten miteinander ... wie einer mit seinem Freund spricht (Ex 33,11) –, aber Gott schauen kann er nicht: An anderer Stelle im Buch Exodus bittet Moses Gott ausdrücklich: Laß mich doch deine Herrlichkeit schauen, um sogleich zu erfahren: Du kannst mein Angesicht nicht schauen ... du wirst meinen Rücken sehen. Mein Angesicht kann niemand schauen (Ex 33,18.20.23).
Niemand hat Gott je gesehen, so wird zunächst auch am Schluß des Prologs des Johannes-Evangeliums bekräftigt, um dann aber hinzuzufügen: Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, Er hat Kunde gebracht (Joh 1,18). Plastisch gesprochen, bekommt Gott in Jesus Christus ein Gesicht – Er offenbart sich selbst dem Menschen, der Ihn aus eigenem Vermögen niemals erkennen könnte: In Christus sehen wir das Ebenbild des unsichtbaren Gottes (Kol 1,15), den Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens (Hebr 1,3). Ihn zu verherrlichen, ist die vornehmste Aufgabe des Heiligen Geistes, gesandt vom Vater in Christi Namen (vgl. Joh 14,26). So leitet er uns in der ganzen Wahrheit (Joh 16,13) und führt uns zu unserer Bestimmung, Söhne zu werden durch Jesus Christus (Eph 1,5), an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben (Röm 8,29).

„Denn dieser Gott ...(ist) Gemeinschaft des Lichtes und der Liebe, geschenktes und empfangenes Leben in einem ewigen Dialog zwischen dem Vater und dem Sohn im Heiligen Geist. (Benedikt XVI.)“

All das hat uns Gott im Neuen Testament geoffenbart, und dieses sein Heilshandeln gibt uns einige grundlegende Einblicke in Sein innerstes Wesen. Das wiederum ermöglicht es uns, das sehr transzendente Gottesbild des Alten Testaments zu präzisieren. Denn dieser Gott, weiterhin unermeßlich und unbegreiflich, ist „keineswegs unendliche Einsamkeit ..., sondern Gemeinschaft des Lichtes und der Liebe, geschenktes und empfangenes Leben in einem ewigen Dialog zwischen dem Vater und dem Sohn im Heiligen Geist“ (Benedikt XVI.). Gott ist die Liebe, schreibt der hl. Johannes (1 Joh 4,8.16). „Liebe“ ist dabei kein abstrakter Begriff, sondern personales Geschehen: Dem hl. Augustinus, der sich zwei Jahrzehnte hindurch in einer großen Schrift um die Durchdringung des Geheimnis der Dreifaltigkeit be- und gemüht hat, verdanken wir die anregende Sicht, daß in Gott Liebender, Geliebter und Liebe zusammentreffen (De Trinitate 8,10,14).
Diese Liebe Gottes ist, so der hl. Paulus, ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegegeben ist (Röm 5,5). Und der Herr selbst hat uns verheißen: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen (Joh 14,23). Die Seele, die Gott liebt, ist Wohnstatt der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.

Das Kreuzzeichen: bewusst und gesammelt beten

Was heißt das nun für unser persönliches Glaubensleben?
Wie so oft, geht es zunächst nicht darum, „mehr“ zu tun, sondern einfach, das, was wir tun, bewußt und gesammelt zu tun. Am Anfang jeder liturgischen Feier, oftmals auch unseres persönlichen Gebetes, steht die Anrufung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit im Zeichen des Kreuzes. Zahlreiche liturgische Gebete, in der hl. Messe und im Stundengebet, enden mit dem trinitarischen Lobpreis, der sog. Schlußdoxologie. Es wäre ein schöner Vorsatz, diese uns altvertrauten Formeln nicht einfach routiniert zu sprechen, sondern sie bewußt zu beten.
Aus einem solchen Gebet mag sich dann als Frucht eine wahrlich persönliche Beziehung zu jeder der drei göttlichen Personen zu entwickeln. Gewiß, die Theologie lehrt uns, daß bei den nach außen erkennbaren Heilwerken Gottes alle drei göttlichen Personen zusammenwirken: Wir habe die Taufe empfangen „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Die hl. Messe ist das Erlösungsopfer des Sohnes an den Vater im Heiligen Geist. Das entscheidende Heilsereignis – das Kreuzesopfer Christ – hat die christliche Kunst des Abendlandes eindrücklich im Motiv des Gnadenstuhls dargestellt: Der Vater hält das Kreuz mit dem toten Sohn, zwischen beiden schwebt die Taube als Symbol des Heiligen Geistes und berührt mit ihren Schwingen die Lippen von Vater und Sohn. Dies im Blick, wird nicht selten ein bestimmter Aspekt unserer Existenz in besonderer Weise mit einer der göttlichen Personen in Verbindung gebracht – die Schöpfung mit dem Vater, die Erlösung mit dem Sohn, die Heiligung mit dem Heiligen Geist. Das mag eine gute Hilfe und Anregung für das persönliche Gebet sein.

Die Heiligung ist das Heilswirken Gottes

Speziell die Heiligung ist das beständige Heilswirken Gottes an uns, das sich nicht in einem Akt erschöpft, sondern uns immer wieder neu herausfordert und unsere ständige Mitwirkung erfordert. Der vertraute Umgang mit Gott in unserem vertrauten, persönlichen, ja intimen Gebet möge uns wirklich in Gott ruhen lassen und Ihn so als den Urgrund unserer eigenen Existenz erfahren. Tiefgründig drückt dies ein Gebet der hl. Elisabeth von der Dreifaltigkeit aus:
„O mein Gott, Dreifaltiger, den ich anbete, hilf mir, mich ganz zu vergessen, um in dir begründet zu sein, unbewegt und friedvoll, als weilte meine Seele schon in der Ewigkeit.“
Stimmen wir mit dem Hymnus des Lesehore des heutigen Festes in den Lobpreis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ein, voll des Dankes über alles Heilswirken in der Geschichte wie in unserem persönlichen Leben:
„Dich Gott Vater, ohne Ursprung und End‘, Dich Sohn, der liebend den Vater erkennt, Dich Heiligen Geist, der aus beiden entbrennt ...
Dich Gott Vater, allgewaltig an Macht, Dich Sohn, der ewiges Heil uns gebracht, Dich Heiligen Geist, der die Herzen entfacht.
Dich Eine hohe Dreifaltigkeit: preisen die Engel voll Seligkeit, feiert auf Erden die Christenheit jetzt und allezeit. Amen.“

Dem Leben vertrauen

Die Tugenden, die jeder in dieser Zeit des Corona-Virus braucht, sind Geduld und Vertrauen. Wir wollen wissen, dass jemand uns versteht, während wir versuchen zu verstehen, was geschehen wird. Das braucht aber eben seine Zeit – und damit auch Geduld. Dass diese sehr menschliche Frage nach dem Verstehen der eigentliche wunde Punkt im Lockdown ist, spüren viele Menschen.
Der Mai als Marienmonat kann auf diese Frage seine ganz eigene Antwort geben. Er verweist besonders auf die Got-tesmutter, die nicht nur geduldig war, sondern Gottes Anruf ganz besonders vertraut hat. Gleichsam mit kindlichem Ver-trauen dürfen Menschen sich deshalb in den Armen der Got-tesmutter geborgen wissen. Denn sie zeigt uns, dass Gott uns auch in dieser Zeit nicht allein lässt. Ihre Arme sind auch die Arme Gottes, der uns trägt und hält.
Es wird Höhen und Tiefen geben. Es wird Zeiten der Hoffnung aber auch der Verzweiflung geben. Das Corona-Virus wird nicht gleich verschwinden. Wir alle sind langfristig davon betroffen. Trotzdem brau-chen wir nicht ängstlich zu sein. Selbst wenn wir momentan nicht genau wissen, wie es weitergehen wird.
Das Bild „unserer“ Stuppacher Madonna hat dabei etwas sehr Tröstliches. Das Licht kommt oben links von Gott selbst, der trotz allem, was passieren mag, unser Vertrauen rechtfertigt. In Maria im Vorder-grund bekommt dieses Vertrauen ganz konkret Gestalt. Wie das Kind dürfen auch wir uns getragen und gehalten wissen – egal, was passiert. So brauchen wir letztlich nicht ängstlich sein. Unser Glauben gibt uns das beste Mittel, persönlich mit dieser Krise umzugehen.
Eine tiefe, vertrauensvolle Beziehung zu unserem Herrn, der Gottesmutter und allen Heiligen wird uns
unseren Frieden bringen. Gerade im Monat Mai schauen wir auf Maria Muttergottes, wir beten zu ihr,
singen ihr Lieder und zünden Kerzen an. Wir feiern damit unser Vertrauen in Gott, der sich uns in Maria
besonders nahe zeigt und die uns zeigt, was Vertrauen bedeutet und vermag.
Das gläubige Volk hat mit sicherem Gespür, das ihm eigen ist, zu allen Zeiten erkannt: Maria ist die Helferin
der Christenheit, die „Mediatrix“, die Mittlerin aller Gnaden. Sie ist allen Lobes würdig, weil aus ihr
die Sonne der Gerechtigkeit hervorgegangen ist, Christus, der Erlöser der Welt.
Die Ereignisse der heutigen Zeit zeigen, wie sehr unser Leben „am seidenen Faden“ hängt. Vieles von
dem, was bisher selbstverständlich war, ist nicht mehr so klar. Wir haben inzwischen viele Fragen, Zweifel
und Sorgen. Darum dürfen wir uns Maria zuwenden – einer Mutter, die auch die sorgenvollsten Fragen
annimmt und sie nicht als unangemessene Zweifel abtut. Sie verweist uns auf Gott, der uns trägt und
hält, auch wenn wir dies manchmal nicht zu erfahren meinen …
Die vielen Marienwallfahrtsorte in unserer Heimat – im Dekanat Mergentheim die Stuppacher Madonna
und die Bergkirche in Laudenbach, im Dekanat Hohenlohe die Wallfahrtskirche Schöntal-Neusaß – bezeugen
eine innige Verehrung der Mutter Gottes. Das „Heiligenbrünnle“ in der Mariengrotte in Neusaß
zeigt uns auch, dass Maria auf Gott verweist, der „Quelle“ allen Lebens ist.
Diese Quelle des Lebens greift auch ein Maienlied auf, das mir persönlich besonders gut gefällt. Es thematisiert
die Natur, die jetzt im Mai ganz besonders in Blüte steht und uns deshalb das Vertrauen in das
Leben erleichtert. Wenn die Natur auflebt, dürfen auch wir dem Leben trauen, das uns Gott schenkt und
auf das uns Maria im Besonderen verweist.
So singen und beten wir um Hilfe und Schutz zur Muttergottes, zu der wir auch unsere Sorgen und Ängste
tragen dürfen, weil sie diese mit uns gemeinsam Gott anvertraut:
                     Maria, Maienkönigin, dich will der Mai begrüßen
                     O segne ihn mit holdem Sinn und uns zu deinen Füßen.
                     Maria unsre Königin, du Magd des Herrn hinieden
                     Wir tragen Leid und Not dir hin, erbitt uns Gottes Frieden.


Bogdan Stolarczyk, Stellvertr. Dekan
Dekanat Mergentheim
 

Das Lied „Maria, Maienkönigin“ findet sich im Gesangbuch

Gotteslob unter der Nummer 890 oder – in unterschiedlichen Textfassungen – auch hier. Mancher mag sich mit diesem Lied leichter tun, manchem mag es nicht so liegen. In jedem Fall kann es aber anregend sein, die „Frühlingsbilder“, die der Text beschreibt, auf sich wirken zu lassen. Sie können sich fragen:

  • Wo blüht mein Leben auf?
  • Wo habe ich Vertrauen?
  • Was stärkt mein Vertrauen?

Marienmonat Mai

Dritter Ostersonntag für die Erstkommunionkinder

Heute wäre der große Tag, auf den sich 12 Kinder seit Monaten vorbereitet-  und gefreut haben.

Eucharistiefeier am Vorabend (3. Sonntag nach Ostern)

Eucharistiefeier in St. Joseph

Beten wir gemeinsamm...

Komm, Heil’ger Geist, der Leben schafft,
erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein:
Nun hauch uns Gottes Odem ein.

Komm, Tröster, der die Herzen lenkt,
du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut,
du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

Dich sendet Gottes Allmacht aus
im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund
und machst der Welt die Wahrheit kund.

Entflamme Sinne und Gemüt,
dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut
in deiner Kraft das Gute tut.

Die Macht des Bösen banne weit,
schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn,
dass Unheil uns nicht schaden kann.

Lass gläubig uns den Vater sehn,
sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt
und uns das Leben Gottes bringt.

Den Vater auf dem ew’gen Thron
Und seinen auferstandnen Sohn,
dich, Odem Gottes, Heil’ger Geist,
auf ewig Erd’ und Himmel preist.

Amen.

Beten wir gemeinsam... "Seele Christi"

Seele Christi, heilige mich!
Leib Christi, rette mich!
Blut Christi, tränke mich!
Wasser der Seite Christi, wasche mich!
Leiden Christi, stärke mich!
O guter Jesus, erhöre mich!
Birg in deinen Wunden mich!
Von dir lass nimmer scheiden mich!
Vor dem bösen Feind beschütze mich!
In meiner Todesstunde rufe mich!
Zu dir zu kommen, heiße mich,
mit deinen Heiligen zu loben dich
in deinem Reiche ewiglich!

Amen.

Gedanken zu Ostersonntag am 12. April 2020

Ostern wird dieses Jahr ganz anders – vielleicht hat sich die eine oder der andere von Ihnen
in den letzten Tagen genau das gedacht.
Alles ist momentan im Ausnahmezustand. Die Menschen müssen sich aus dem Weg gehen,
social distancing ist in aller Munde. Und gleichzeitig ist bei ganz vielen der Wunsch nach
einem Treffen, nach einer Begrüßung näher als zwei Meter oder einer Umarmung. Beim
Einkaufen braucht jede Person einen Einkaufswagen und man wünscht sich endlich wieder
entspanntes Einkaufen ohne ständiges schauen, ob man den Abstand einhält. Viele
Geschäfte sind zu und die Bänder vieler Firmen stehen still. Viele Menschen bangen um
ihren Job. Andere genießen die Möglichkeit von zu Hause zu arbeiten. Besonders schlimm
ist aber die Lage in Krankenhäusern und Altenheimen, wo die Menschen zum Teil sehr
einsam sind, da sie keinen Besuch empfangen dürfen.
Aber nicht nur unser Alltag hat sich geändert. Auch unser kirchliches Leben, wie wir es
kennen, ist praktisch zum Erliegen gekommen. Keine Gottesdienste, keine
Gemeindeveranstaltungen und die Ministranten haben am Wochenende nichts mehr zu
tun.
Es ist eine Zeit der Gegensätze.
Und dann die Erzählung der Ostergeschichte: Im Evangelium sind Maria aus Magdala,
Simon Petrus und der Jünger, den Jesus liebte, die ersten Zeugen der Auferstehung am
Grab Jesu. Anfangs ist noch nicht ganz klar, was passiert ist. Sie wissen erst nicht so richtig,
was sie von der Situation halten sollen. Erst Stück für Stück verstehen sie, dass Jesus lebt
und auferstanden ist.
Es ist eine Zeit der Gegensätze.
Aber ist die Osterbotschaft nicht voller solcher Gegensätze?
Der Jubel an Palmsonntag – und der Verrat und das Kreuz an Karfreitag.
Die Bestürzung und die Angst im heutigen Evangelium – und der Glaube an die
Auferstehung.
Die Dunkelheit an Karfreitag – und das Licht und das Halleluja von Ostern?
Ich kann mir vorstellen, dass bei einigen von Ihnen die Dunkelheiten momentan
überwiegen:
Die Dunkelheit, selber zu erkranken oder in Quarantäne zu müssen.
Die Dunkelheit, Angehörige im Krankenhaus oder Altenheim nicht besuchen zu können.
Die Dunkelheit, Angst um den Job oder die eigene Firma zu haben.
Die Dunkelheit, Familie und Freunde nicht besuchen zu können.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was Dunkelheit überhaupt ist? Vielleicht hilft Ihnen
und Euch dabei folgender Gedanke: Dunkelheit ist vielmehr die Abwesenheit von Licht.
Wenn wir von experimentellen Räumen absehen, kann es keine Räume, keine Situationen
geben, wo nicht ein paar Lichtstrahlen zu finden sind. Gilt das nicht auch für unser Leben
und unseren Alltag?
Karfreitag ist die dunkelste Stunde im Leben Jesu. Er hängt am Kreuz, zweifelt, hadert –
aber es ist nicht das Ende. Und nicht nur das: durch seinen Tod am Kreuz erleuchtet er
unsere Dunkelheiten und trägt sie mit. Der Tod hat keine Macht mehr über das Leben. Das
ist Ostern.
Als Zeichen dieser Botschaft entzünden wir in der Osternacht das Licht der Osterkerze. Ein
Zeichen der Hoffnung, der Zuversicht, ein Zeichen des Lebens. Viele können sich vielleicht
dieses Licht, diese Hoffnung im eigenen Leben nicht vorstellen. Und hier schlägt die Stunde
für Sie und mich: ich kann stellvertretend versuchen, dass Licht für meine Familie, meine
Freunde, für unsere Gesellschaft zu sein. So wie Jesus für mich und uns das Licht und die
Hoffnung ist. Er ist für uns durch den Tod am Kreuz gegangen, um so für uns den Tod zu
besiegen. Das feiern wir jedes Jahr an Ostern.
Wenn wir abends eine Kerze in unsere Fenster stellen, um ein Zeichen der Hoffnung zu
geben.
Wenn Menschen in der Nachbarschaft für andere einkaufen gehen und damit zeigen: ich
helfe dir und will dir ein Licht sein.
Wenn sich pflegerisches und medizinisches Personal bis an die eigene Grenze und darüber
hinaus für andere einsetzten.
Wir können mit den Dunkelheiten der anderen mit-leiden und gleichzeitig versuchen,
ihnen ein Licht der Hoffnung in der Dunkelheit zu sein. Gerade in dieser Zeit ist dann das
Osterlicht ein schönes Symbol auch für zu Hause. Gleichzeitig scheint so jedes Mal ein
wenig der österlichen Botschaft auf. Gerade am Sonntag, der eigentlich jede Woche ein
„kleines Osterfest“ ist.
Trotz aller Kontaktbeschränkungen und Unwägbarkeiten in der jetzigen Situation, findet
Ostern auch dieses Jahr statt. Natürlich fehlen uns die Gottesdienste, die Klänge der Orgel,
und das gemeinschaftliche Singen.
Aber Ostern ist eben mehr:
Das Licht, das von Jesus ausgeht.
Die Gebete und Taten mit denen wir mit anderen Menschen verbunden sind.
Die Freude, die in unsere Familien, zu unseren Freunden und in unsere Gesellschaft
getragen werden darf.
Und alle dürfen diese Osterfreude auch spüren!
Ein frohes und gesegnetes Osterfest. Halleluja.
Pastoralreferent Christian Verhufen

Dieses Gebetsfaltblatt will einladen, das dieses Jahr so zu machen!

Gebetsblatt von Dekan Ingo Kubach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Karsamstag

Der Karsamstag fristet auch im Bewusstsein vieler Katholiken nur ein Schattendasein. Häufig wird er gar irrtümlich "Ostersamstag" genannt, als ob dieser Tag schlicht der Organisation für das sonntägliche Familienfest diene.

In der orthodoxen Kirche nimmt dieser Tag hingegen eine herausragende Stellung ein. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es knapp: "Hinabgestiegen in das Reich des Todes". Diese Unterwelt ist nicht zu verwechseln mit der Vorstellung einer Hölle als Ort ewiger Verdammnis.

Ähnlich wie heute fürchteten die Menschen in der Antike vor allem eines: vergessen zu werden. Wer in dieser grausamen Unterwelt "lebte", der war von Gott und den Menschen vergessen. Und in dieses "Gefängnis" (1 Petr 3,19) der Gottesferne steigt Jesus hinab. Nach Karsamstag kann es keine gott-losen Orte mehr geben – in Jesus hat Gott selbst den scheinbar hoffnungslosen Tiefpunkt des Menschseins durchschritten.

Viele orthodoxe Ikonen illustrieren eindrucksvoll, wie er als Sieger das Tor zur Unterwelt zerbricht und Adam und Eva als erste der Erlösten aus der Unterwelt herausführt. Jesu Heilshandeln umfasst auch jene, die nicht um ihn wissen. Wer sich der ambivalenten Totenstille des Karsamstags aussetzt, kann einen unterschätzten Schatz der "heiligen drei Tage" entdecken.

Predigt am Karfreitag

Jesus hängt am Kreuz, scheinbar ist alles vorbei… Schweigen. Die Jünger standen da, wie betäubt und um sie herum Stille, Leere, das Ende ihres sozialen Daseins. Der, der Sinn gab, das was Sinn machte war auf einmal weg… geht es uns nicht in vielen Bereichen derzeit ähnlich? Leere Straßen, Plätze, keine Schule, geschlossene Geschäfte… die Geschäftigkeit, das was uns die Letzten Jahre so wichtig und unabdingbar erschien, ist weggebrochen. Schweigen wie auf Golgotha. Was tut Not, was sollen wir tun und welche Dinge sind wirklich wichtig für unser Leben und die Zukunft? Gehen wir einen Schritt zurück und schauen wir, was Jesus in den 40 Tagen in der Wüste getan hat. Was hat er dort gemacht? Gefastet, gebetet, gar nichts?

Ein Schüler hat im Religionsunterricht einmal gesagt, „er hat die Zeit verbracht.“ Das war eine sehr gute Antwort, aber was heißt das? Zeit verbringen? Sie vergehen lassen, soso… Jesus hat den Willen des Vaters ertragen, er hat angenommen, was der Vater von ihm verlangt hat. Er hat sich seinem Willen untergeordnet, er hat Gehorsam geübt. Vor allem aber hat er unser „Menschsein“ ertragen, er der allmächtige Gott hat unsere Unzulänglichkeiten und Fehler ausgehalten. Hunger, Angst, Ungewissheit. Was wird kommen? Wie schlimm wird es?

Ein kluger Mann hat einmal gesagt: „Der Mensch hat vor allem vor drei Dingen Angst, vor dem Sterben, das man allein ist und dass es weh tut.“ Also die ganz rudimentären Dinge des Menschseins hat auch Jesus ausgehalten. So gibt er uns ein Vorbild und hilft uns, damit auch wir in unserer jeweiligen Situation unsere Nöte und Probleme aushalten, sie nicht verdrängen und wegdrücken, sondern sie zu ihm bringen, am heutigen Tag besonders, sie zu seinem Kreuz tragen. Wenn wir das tun bekommen wir von ihm Leben, Segen und Hilfe, denn er ist damit schon durch, er hat den Weg schon geebnet.

Er will uns zeigen, dass das Vertrauen auf Gott die Perspektive weitet, dass tiefes Vertrauen auf Gott notwendig ist, um die dunklen Stunden des Lebens zu bestehen und auszuhalten, mit ihm! 2 Dieser Glaube der uns zu ihm kommen lässt, vor allem wenn es eng wird, lässt uns erkennen, wo wir nachlässig und lau geworden sind. Wo wir wichtige, ja grundlegende Dinge vernachlässigt haben. Das wir das was Familie und Gemeinschaft trägt, den Glauben und das Vertrauen in Gott, aber auch die Gemeinschaft mit den Schwestern und Brüdern vernachlässigt haben.

Im Blick auf den Gekreuzigten sollten wir uns wieder einmal fragen: „Was ist notwendig, was nicht?“ Den Kurs unseres Lebens und seinen Maßstab wieder an Jesus Christus ausrichten und nicht wie weltlichen, scheinbar so sicheren Dinge, wie Wohlstand, Geld, die falschen Propheten und Idole, die offensichtlich gerade in der derzeitigen Situation weltweit so desolat erscheinen. Das Kreuz Jesu ruft uns heute vielleicht deutlicher als sonst zu: „In Kreuz ist Heil – niemand rettet sich allein!“

Wir sollen unseren Blick aufrichten und beten. Wir sollen erkennen, dass wir erlösungsbedürftig sind. Wir brauchen Gott, damit wir Heil, vollständig sind. Wir sind nicht unabhängig, denn als Christen brauchen wir Ihn, um unser Leben in dieser Welt zu meistern. Übergeben wir ihm unsere Ängste, denn Gott wird es zum Guten wenden. „Mit Gott geht das Leben immer weiter“, er gibt Festigkeit, Halt und Sinn. Jesus Umarmt uns vom Kreuz herab, damit uns niemand von seiner Liebe trennen kann, damit wir nicht in Hoffnungslosigkeit und Zweifel verfallen. Das Kreuz annehmen heißt, einzuhalten um der Kreativität des Geistes den Weg zu öffnen – „Auszuhalten und einzuhalten“ am Kreuz Jesu. Sturm und Stille, wie auf Golgotha erleben wir derzeit in unserer Welt.

Aber wir wissen, das Kreuz und Tod nicht das Ende sind. Halten wir aus, an der Seite Jesu, im Gebet und im Dienst christlicher Nächstenliebe – denn wir wissen, dass der Herr am Ostermorgen erwacht um unsere Hoffnung, unser Vertrauen und unsere Zuversicht zu stärken,

damit wir sicher sind „er wird alles für uns zum Guten wenden!“

Amen

Impuls - Videobotschaft

Impuls - Videobotschaft zum Gründonnerstag hier:

Gründonnerstag – 9.4.2020

Nähe in Krisenzeiten

● Es war ein kritischer Moment. Menschenmengen in Jerusalem, die zum Fest gekommen waren. Eine angespannte Stimmung aufgrund der politischen Situation. Beim Einzug nach Jerusalem ist Jesus ins Rampenlicht geraten. Hinter den Kulissen wird fieberhaft beraten, wie er beseitigt werden kann. Die Situation spitzt sich zu. Er weiß es. Seine Jünger ahnen es. In dieser Stimmung kommen sie zusammen zu einem Mahl. Später wissen sie: es war das letzte Abendmahl, das sie mit ihm gefeiert haben.

● Bei diesem Mahl erleben sie ganz viel Nähe. Zuerst verstörend, als Jesus sich daranmacht, jedem von ihnen die Füße zu waschen. Er, ihr Lehrer, ihr Meister, übernimmt einen Sklavendienst. Er gibt ihnen ein Beispiel, symbolisch und zugleich ganz konkret, vor allem ein berührendes, das unter die Haut geht. Dann das vertraute miteinander essen. Wie oft haben sie es schon erlebt, das Brot geteilt, den Kelch herumgereicht. Aber diesmal sind es die Worte Jesu, die Brot und Wein zu etwas Besonderem machen. Zu Zeichen seiner Gegenwart, seines Lebens, seines Sterbens. Nicht nur an diesem Abend, sondern für immer. „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Sie haben verstanden. Sie haben es getan, nachdem sie diese kritische Zeit überstanden haben. Wir tun es bis heute.

● Nein! Wir würden es gerne tun, und können es gerade nicht. Auf diese Zeichen der Nähe müssen wir in der aktuellen Krisenzeit verzichten. Schon seit Wochen feiern wir in unseren Kirchen nicht mehr gemeinsam Eucharistie. Auch heute nicht, am Gedenktag des Letzten Abendmahles. Ebenso kann die Fußwaschung, die in vielen Gemeinden dazu gehört, heute nicht erlebt werden. Unsere Erstkommunionkinder, die schon in der Vorbereitung waren, wissen nicht, wann sie ihr Fest in großer Gemeinschaft feiern können. Es ist eine kritische Zeit für eine Glaubensgemeinschaft, die genau aus dieser Feier lebt, dort ihre Einheit feiert, von dort ermutigt und gestärkt in den Alltag hineingeht und die Welt mitgestalten will.

● Natürlich sind es nicht alle Katholiken und Christen, die den Gottesdienst schmerzlich vermissen. Und manche machen diese Erfahrung auch ohne Krisenzeiten, weil sie alters-, krankheits- oder berufsbedingt nicht oder nicht regelmäßig am Gottesdienst der Gemeinde teilnehmen können. Sie kennen schon, was viele in diesen Tagen erst entdecken: die Möglichkeit, eine Messe am Fernseher, im Radio oder über Internet mitzufeiern. Denn im kleinen Kreis und zu diesem Zweck darf Eucharistie ja auch in diesen Tagen gefeiert werden. Manche Priester feiern auch ganz alleine Eucharistie, stellvertretend für die Gemeinde. Das ist unter den Priestern sehr umstritten, weil Eucharistie ohne Gemeinde eigentlich ein Widerspruch ist und alte Vorstellungen von der Wirksamkeit des Messopfers wieder im Raum stünden. Aber manchen Gläubigen tut dies gut und sie verbinden sich mit ihrem Pfarrer zu einer geistigen Eucharistie-Gemeinschaft und erfahren etwas von der Nähe, die der Gottesdienst auch sonst schenkt: Nähe zu Jesus Christus und Nähe zu den Glaubensgeschwistern.

● Denn auch in diesen Krisenzeiten ist Nähe möglich. Das zeigen die unzähligen kreativen Ideen, mit denen Menschen trotz „social distancing“ einander Nähe schenken. Das zeigen die vielen Möglichkeiten, wie glaubende Menschen untereinander in Gemeinschaft bleiben. Das zeigen die verschiedenen Hilfsinitiativen, mit denen Menschen beim Einkauf und darüber hinaus unterstützt werden. Das Zeichen der Fußwaschung, das Jesus den Seinen als Beispiel gegeben hat, können wir in diesen Tagen zumindest in vielfältigen anderen Formen erleben. Auf die Zeichen von Brot und Wein im gemeinsamen Mahl müssen wir aber noch weiter verzichten. Nicht aber auf die Nähe zueinander und zu IHM. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Das gilt sicher nicht nur für jede reale, sondern auch für jede geistige Gemeinschaft, die sich in diesen Tagen bildet. Im eucharistischen Brot, das in unseren Kirchen im Tabernakel aufbewahrt ist, bleibt Jesus ebenso nahe, denen die dort seine Gemeinschaft suchen. Und dort, wo in ganz kleinem Kreis Eucharistie gefeiert wird, bleibt der in den Zeichen von Brot und Wein gegenwärtig, der uns Menschen besonders in Krisenzeiten ganz nahe sein möchte.

Pfarrer Klaus Kempter

Eucharistiefeier am Palmsonntag

Videobotschaft ein Impuls zum Palmsonntag aus Christus König   hier:

Die Karwoche beginnt mit großem Jubel und Jesus wird beim Einzug in Jerusalem gefeiert. In der heutigen Zeit unvorstellbar.

Ein Wort zu den Kar- und Ostertagen mit Videobotschaft

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Mitchristen,

jetzt kommt bald der Höhepunkt des Kirchenjahres, die Kar- und Ostertage. Für viele ist es besonders schmerzlich, dass sie die vielfältigen und wichtigen Gottesdienste nicht miteinander in unseren Kirchen feiern können.

Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, die Osternacht und Ostern müssen wir dieses Jahr zuhause feiern – allein, in der Familie, mit dem Partner, der Partnerin. Die einen feiern einen kleinen Hausgottesdienst. Andere singen Lieder, hören Musik, vielleicht eine Passion von Bach oder eine Osterkantate. Andere feiern einen Gottesdienst am Fernseher, am Radio, via Internet mit.

Ich werde an jedem der Feiertage eine schlichte Liturgie in einer der Kirchen unserer Seelsorgeeinheit feiern. So wird am Abend des Gründonnerstags die Kirche leer sein, am Karfreitag das Kreuz wie gewohnt vor dem Altar liegen und am Ostersonntag die neue Osterkerze in der Kirche brennen.

Zu jedem der Tage können Sie auf unserer Homepage eine kurze Videobotschaft mit Gedanken, Bibeltexten, Musik und Gebet sehen. Und danach ein paar Eindrücke von den Gottesdiensten in diesem außergewöhnlichen Rahmen.

Tagsüber können Sie – wenn Sie nicht gerade in Quarantäne oder häuslicher Isolation sind – die Kirche aufsuchen. Natürlich immer mit dem gebührenden Abstand zu anderen Besuchern und unter Beachtung der derzeitigen Vorschriften.

Am Palmsonntag werden in und vor der Kirche Palmbüschel zum Mitnehmen da sein.

In der Osternacht Samstag um 21.00 Uhr sind Sie eingeladen, eine Kerze ins Fenster Ihrer Wohnung zu stellen.

Am Ostersonntag wird die Osterkerze brennen.

Sie können eine kleine Osterkerze gegen eine Spende mitnehmen. Gerne können Sie diese am Licht der Osterkerze entzünden. Dann sollten Sie ein Glas mitbringen.

Am Ostermorgen gibt es in Öhringen eine ökumenische Aktion.

Von 9.50 bis 10.00 Uhr läuten die Glocken.

Um 10.00 Uhr wollen wir das Lied singen „Wir wollen alle fröhlich sein“ (Strophen 1, 2 und 5).

Der Text findet sich im Gotteslob unter der Nummer 326.

Musikerinnen und Musiker des Posaunenchors, der Stadtkapelle, der Jugendmusikschule und die Turmbläser unterstützen uns dabei.

Das soll unser Weg sein, wie Sie zuhause feiern und trotzdem mit der Gemeinde und dem vertrauten Gottesdienstraum verbunden sein können.

Ich wünsche allen gesegnete Kar- und Ostertage, in denen wir die Spannung von Schmerz, Angst, Leid und Tod auf der einen Seite und Treue, Hoffnung, Auferstehung und neuem Leben auf der anderen Seite dieses Jahr sicher ganz besonders erleben werden.

Lassen Sie uns die nicht vergessen, die krank sind und leiden, jene, die sich um andere große Sorgen machen, all die, die in diesen Tagen unter großer Anspannung und Belastung ihren Dienst tun – und unsere Toten, für die wir das ewige Leben bei Gott erhoffen.

Gottes segne Sie und euch alle!

Pfarrer Klaus Kempter

Tagesgebet

Allmächtiger und ewiger Gott,

du bist unsere Zuflucht in jeder Gefahr,

an dich wenden wir uns in unserem Schmerz

und bitten dich voll Vertrauen:

Hab Erbarmen mit unserer Not.

Gewähre den Verstorbenen die ewige Ruhe,

tröste die Trauernden,

heile die Kranken.

Schenke den Sterbenden den Frieden,

den Pflegenden Stärke,

den Verantwortungsträgern Weisheit

und ermutige alle, sich einander in Liebe zuzuwenden,

damit wir gemeinsam deinem heiligen Namen die Ehre erweisen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,

unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.