Gottesdienst zuhause: Vorlage für die Osterzeit

Zuhause Gottesdienst feiern: Christi Himmelfahrt

Gottesdienst zuhause: Eine Vorlage für Pfingsten

Mein Sonntagsevangelium: In Verbindung bleiben

Gleichzeitig zu Mittag essen und sich über eine digitale Videokonferenz unterhalten. Das ist eine Form, wie die Weingartener Hochschulseelsorgerin Sabine Bumüller-Frank mit Studierenden in Coronazeiten Kontakt hält. Für sie hat das mit Jesus zu tun, der im Sonntagsevangelium vom Weinstock und den Reben spricht.

5. Sonntag der Osterzeit B – Joh 15,1-8 - 2.5.2021 Öhringen

Hier der Einführungstext:

Im Leben gibt es Situatio­nen, wo wir ausgeputzt, beschnitten, von Dürrem be­freit wur­den. Schmerzliche Situationen oder befreiende Si­tua­tio­nen. Beide aber mit der Erfahrung, dass ich da­durch gereift bin, mein Leben gut weiterwachsen und ich neue Früchte sehen durfte. Wie die Bildrede vom Winzer, dem Weinstock und seinen Reben einen Blick dafür öffnet, zeigt Pfarrer Klaus Kempter in seiner Predigt.

Reben abschneiden, damit Früchte wachsen

● Jetzt bin ich schon so lange in Öhringen. Aber ich habe es noch immer nicht geschafft, einmal bei einer Weinlese dabei zu sein, einmal einen Winzer bei seiner Arbeit im Weinberg zu begleiten. Immer wenn dieses Evangelium wieder vorgetragen wird, denke ich, das müsstest du einmal machen. Um dieses Bild vom Weinstock und dem Winzer besser zu verstehen. Um zu verstehen, warum er Reben abschneidet, damit andere mehr Frucht bringen. Das Schneiden oder Erziehen der Weinreben ist ja eine regelrechte Wissenschaft, wie ich beim Schmökern im Internet entdeckt habe. Etwas, das ein Winzer beherrschen muss, will er einen guten Ertrag an Trauben erhalten.

● Dieses Bild vom Schneiden der Reben verwendet Jesus in seiner Rede vom Weinstock, in der er von der Beziehung seiner Jünger zu ihm spricht. Ihnen ist vermutlich gleich klar, dass er hier ein mahnendes Wort an sie richtet. Wer ein dürrer Zweig ist, wer keine Frucht bringt, wird abgeschnitten und weggeworfen. Da klingt bedrohlich. So hat dieses Bild auch zu vielen Interpretationen geführt über die Früch-te, die Glaubende konkret zu erbringen haben. Über die Konsequenzen für jene, die keine Früchte bringen und deshalb abgeschnitten und weggeworfen werden: von der Kritik über mangelndes Glaubensleben über den Ausschluss aus der Gemeinde bis hin zu den erwartenden Folgen im jüngsten Gericht reichen die Deutungen. Aber „die Bildrede will“, wie ein Bibelforscher geschrieben hat, wohl vor allem „zur größtmög-lichen Entfaltung des Glaubenslebens anregen, … das seinen Ausgangspunkt in Christus“ nimmt.1 Sie ist also mehr Ermutigung und Ansporn als Mahnung und Warnung.

● Sie eröffnet – mit diesem Detail des Schneidens der Reben – aber auch einen Blick auf unser Leben. Auf Situationen, wo wir ausgeputzt, beschnitten, von Dürrem befreit wurden. Schmerzliche Situationen, weil eine Beziehung abgeschnitten, eine Chance verpasst, eine Arbeitsstelle durch eine Kündigung beendet wurde. Oder befreiende Situationen, weil mir eine Last genommen, eine Schuld vergeben, eine sinnlose Aktivität aufgegeben wurde. In beiden Situationen mit der darauffolgenden
1 J. Gnilka, Johannesevangelium, NEB 4, 118.
Erfahrung, dass ich dadurch gereift bin, mein Leben gut weiterwachsen und ich neue Früchte sehen durfte.

● Für Jesus ist Gott der Winzer, der die Rebe reinigt, „damit sie mehr Frucht bringt“. Das ist für mich ein tröstliches Bild. Denn es zeigt mir einen Gott, der will, dass ich lebe und gedeihe und Frucht bringe. Und der sich dafür abmüht. Es zeigt mir, dass gerade dort, wo Lebenszweige abgeschnitten werden, zu neuem, kraftvollen und fruchtbarem Leben kommen kann. Es zeigt mir, dass es darauf ankommt, mit dem Weinstock, mit Jesus Christus, verbunden zu bleiben, weil er Lebenskraft schenkt.

● Ich muss aber nicht warten, bis das Leben, das Schicksal, andere Menschen mich reinigen und ausputzen. Ich kann selbst aktiv werden. Gott wirkt auch durch mich. Ich kann abschneiden, was mir schon lange den Saft zum Leben nimmt, mich von dem trennen, was ich nur noch als dürr und unfruchtbar erlebe, einen klaren Schnitt ma-chen. In der Zuversicht und Hoffnung, dass sich dann neue Wachstumsmöglichkeiten auftun. Jesu Wort, die Botschaft der Bibel kann dazu helfen, sagt Jesus. Das Wort kann reinigen. So kann ich biblische Geschichten und Jesu Worte bewusst so hören, dass sie ihre klärende und reinigende Kraft in meinem Leben entfalten. Und ich kann durch den Weinberg meines Lebens gehen, mit dem Winzermesser in der Hand und der Entschiedenheit im Herzen, den ein oder anderen verdorrten Zweig abzuschneiden. Etwas Mut braucht es dazu, etwas Mühe macht das sicher. Aber die Verheißung, dass gerade so mein Leben immer wieder wächst, aufblüht und neue Früchte bringt, kann beides schenken.

Pfarrer Klaus Kempter

Zur geistigen Kommunion

Mein Jesus, ich glaube, dass Du im allerheiligsten Sakrament des Altares zugegen bist. Ich liebe dich über alles und meine Seele sehnt sich nach Dir. Da ich Dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann, so komme wenigstens geistigerweise zu mir. Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir und vereinige mich mit Dir! Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an. Lass nicht zu, dass ich mich je von Dir trenne. Amen. (Alfons von Liguori)

Zu deinen Füßen, o mein Jesus, werfe ich mich nieder und bringe Dir die Reue meines zerknirschten Herzens dar, das sich mit seinem Nichts in Deiner heiligen Gegenwart verdemütigt. Ich bete Dich an im Sakrament Deiner Liebe, der unfassbaren Eucharistie. Ich sehne mich danach, Dich in der armen Wohnstatt meines Herzens zu empfangen. Während ich das Glück der sakramentalen Kommunion erwarte, möchte ich Dich im Geist besitzen. Komm zu mir, o mein Jesus, da ich zu Dir komme! Die Liebe umfange mein ganzes Sein im Leben und im Tod. Ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich.

Amen.

(Kardinal Merry del Val)

Gebet für die Welt in Lourdes

Seit einer Woche sind trotz der Einschränkungen durch die Pandemie die Eucharistiefeiern und Gebete an der Grotte des französischen Marienheiligtums Lourdes zurück. Ein Kaplan spricht von einer „Injektion der Hoffnung“.

Federico Piana und Gudrun Sailer - Vatikanstadt

„Wenn die Pilger nicht hierher nach Lourdes kommen können, dann geht Lourdes zu den Pilgern", sagt Pater Nicola Ventriglia, Kaplan für die italienischen Pilger im größten Wallfahrtsort Europas. Die Priester an der Grotte von Massabielle haben seit letztem Montag das ewige Gebet wiederaufgenommen, begleitet von Rosenkränzen, Eucharistiefeiern in verschiedenen Sprachen und der Aussetzung des Allerheiligsten Sakraments. Sie wechseln sich ab im ewigen Gebet.

Weltweit können Gläubige über die sozialen Medien an den Gebeten und Heiligen Messen in Lourdes teilnehmen. „Was wir allen sagen wollen: Wir sind diejenigen, die jetzt beten und Maria, die Unbefleckte Jungfrau, um all die Gnaden bitten, die Sie von ihr erbitten möchten“, sagte uns Pater Ventriglia.

„Jeden Tag bringen wir diese Intentionen zu den Füßen der Muttergottes.“

Der Seelsorger freut sich über die zahlreichen Zuschriften ins Heiligtum. Viele bitten den in Lourdes stationierten Seelsorger darum, an ihrer Stelle Kerzen anzuzünden. „Ich bin von diesen Anfragen positiv überrascht worden“, erklärt der Kaplan. „Die Initiative begann mit den großen Verbänden, die Wallfahrten organisieren, aber dann wurde sie auf einzelne Pilger ausgedehnt: Sie bitten mich, während des Rosenkranzgebetes eine Kerze für die Gottesmutter anzuzünden. Das sind diese stattlichen Kerzen, die die Pilger - vor der Pandemie – immer am Ende jeder Wallfahrt angezündet haben. Die Gebetsmeinungen, die mir die Gläubigen mitteilen, bewegen mich: für einen Kranken, für ihre Familien, für geheilte Menschen. Jeden Tag bringen wir diese Intentionen zu den Füßen der Muttergottes.“

Wann die großen Pilgerfahrten und die Messen für Pilgergruppen wiederaufgenommen werden, ist aus Sicht des Kaplans schwer zu sagen. Derzeit können nur Pilger nach Lourdes kommen, die im Umkreis von zehn Kilometern wohnen. Aber jedenfalls ist der Heilige Bezirk von Lourdes – nicht die Bäder – von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Und die Kapläne nehmen Gebetsanliegen entgegen, auch auf Deutsch.

Am 11. Februar 1858 erschien dem Hirtenmädchen Bernadette Soubirous in der Grotte Massabielle an der Gave, die durch Lourdes fließt, die Muttergottes. Sie sah eine „weiß gekleidete Dame, von Licht umgeben, die mich ansah und anlächelte". Es war die erste Erscheinung. 17 weitere folgten. Vor der Pandemie begrüßte Lourdes Millionen jedes Jahr Menschen aus der ganzen Welt, die das Heiligtum der Muttergottes von Lourdes besuchen.

Die Stärke der kleinen Madonna

Große Wunder werden der kleinen Holzfigur der Mutter Gottes mit ihrem Kind in der Rottenburger Weggentalkirche zugeschrieben. Jahrhunderte lang pilgerten zigtausende Gläubige dorthin in der Hoffnung, selbst ein Wunder zu erleben oder jedenfalls ein bisschen von der Kraft der Mutter Gottes zu erleben. Eckhard Raabe hat der Stärke der kleinen Madonna nachgespürt.

Du bist der Sohn des lebendigen Gottes

Pater Norbert Johannes Hofmann erläutert in dieser Betrachtung zum Sonntagsevangelium auch die Rolle Jesu in den monotheistischen Religionen. Jesus wurde als Jude geboren und lebte und starb als Jude. Die alles entscheidende Frage aber ist: Wer ist Jesus für mich?

P. Dr. Norbert Johannes Hofmann

Mt 16, 13-20

„Wer ist denn eigentlich dieser Jesus von Nazareth?“ Unter diesem Blickwinkel könnte man alle vier Evangelien lesen, denn immer wieder geht es darum, die wahre Identität Jesu darzustellen, aufzudecken oder sie auch zu verhüllen. Diese Art von Literatur ist einzigartig, denn es geht nicht primär um eine historische Biographie eines bedeutsamen Menschen, sondern um Geschichten, die im christlichen Glauben geschrieben wurden und wiederum zum Glauben an Jesus Christus hinführen wollen. Es handelt sich in diesem Sinne um eine Art von Bekenntnisliteratur im jüdischen Umfeld, die auf bereits vorhandene Denkkategorien und Verhaltensmuster zurückgreift.

Man muss sich die Zeit Jesu so vorstellen: Da waren als Besatzer im Land die Römer, die die Macht ausübten und alles kontrollierten. In den religiösen Dingen konnten die Juden allerdings selbst schalten und walten, wie sie wollten, sofern dadurch keine Unruhen oder Aufstände entfacht wurden. In einer derart bedrängten und bedrängenden Zeit hatte man die Erwartung, vom römischen Joch bald befreit zu werden und zur vorher ausgeübten staatlichen Selbständigkeit zurückzukehren. So gab es auf der einen Seite Leute, die mit der römischen Besatzungsmacht friedlich zusammenarbeiteten, sie zumindest tolerierten, weil sie eben sonst keine Alternative sahen. Auf der anderen Seite aber gab es auch Leute, die verdeckt oder offen Widerstand leisteten, bis hin zu bewaffneten Milizen, die den Römern regelmäßig das Leben schwer machten.

Jesus lebte in einer aufgeheizten Zeit

Es war also eine aufgeheizte und aufgepeitschte Zeit, und das schlug sich natürlich auch im religiösen Leben nieder. So erblühte beispielsweise das Phänomen der Apokalyptik, die Erwartung, dass verborgene Dinge offenbar werden und sich das Ende der Weltenzeit näherte, sich also Gott als Herrscher selbst machtvoll gegen alle Widerstände durchsetzen wird. In diesem Zusammenhang ist eben die Messiaserwartung zu nennen: Am Ende der Tage tritt der von Gott bevollmächtigte Messias auf, um die Stämme Israels zu sammeln und dem Anbruch des endgültigen Reiches Gottes zum Durchbruch zu verhelfen. Diesbezüglich gab es zur Zeit Jesu ganz verschiedene Messiaserwartungen: Manche Gruppen erwarteten einen königlichen oder priesterlichen Messias, andere einen prophetischen, wieder andere, wie die Gemeinde von Qumran, eine jüdische Sektengemeinschaft, die sich am Toten Meer niedergelassen hatte, gingen davon aus, dass sogar mehrere Messiase mit unterschiedlichen Funktionen auftreten werden.

Der Menschensohn und die Erwartung der Endzeit

In diese geschichtliche Situation müssen wir das Messiasbekenntnis des Petrus einordnen, von dem wir im heutigen Evangelium hören. Jesus fragt seine Jünger in Cäsarea Philippi, das ganz im Norden Galiläas gelegen ist, für wen die Leute den „Menschensohn“ halten. Damit meint er offensichtlich sich selbst, denn Jesus spricht in den Evangelien des Öfteren von sich selbst als dem „Menschensohn“, während ihm andere Titel nur von anderen zugeschrieben werden. Im Alten Testament ist „Menschensohn“ in den frühen Schriften eine hebräische Ausdrucksweise, die in poetischer Sprache gern als Umschreibung für „Mensch“ gebraucht wird, häufig im Sinne von kleines und schwaches Wesen. Allerdings spricht das späte Buch Daniel auch von einem wie einen „Menschensohn“, der am Ende der Tage mit den Wolken des Himmels kommt (vgl. Dan 7,13-14). Diese Figur ist natürlich klar mit den Erwartungen der Endzeit verbunden. Ob bei der Frage Jesu an seine Jünger, für wen die Leute den „Menschensohn“ halten, auf diesen endzeitlichen Kontext angespielt werden soll, ist hier nicht ganz klar.

„Nach jüdischer Auffassung wird in der Endzeit ein Prophet wie Mose erstehen“

Offenkundiger ist allerdings, dass die Antwort der Jünger sich daran anlehnt, dass nach jüdischer Auffassung in der Endzeit ein Prophet wie Mose erstehen wird, auf den das Volk hören soll (vgl. Dtn 18,15.18). Die Jünger meinen nämlich, die Leute würden Jesus für einen Propheten halten. Dabei werden drei Namen genannt: Johannes der Täufer gilt als ein unbequemer Mahner, der als Zeichen des nahenden Reiches Gottes zur Busstaufe aufruft und als Scharnier zwischen Altem und Neuem Testament gilt; Elija steht in radikaler Weise für die Verehrung des einen und einzigen Gottes Jahwe und soll am Ende der Tage als Vorläufer des Messias wiederkommen; Jeremia erlebt die Zerstörung des ersten Tempels, den Verlust der politischen Selbständigkeit Israels, den Niedergang des Königtums, verweist aber auch auf hoffnungsvollere Tage. Alle drei Propheten haben irgendwie mit der Endzeit zu tun, so dass die Einordnung der Figur Jesu genau in diesem Horizont geschieht.

Die Evangelien wollen die göttliche Vollmacht Jesu aufweisen

Nun aber wird Jesus sehr direkt und fragt die Jünger selber: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mt 16,15) Und dann kommt der große Paukenschlag des Petrus: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16,16). Damit trifft er den Nagel auf den Kopf, qualifiziert Jesus als Messias und endzeitlichen Heilsbringer, der von Gott selbst autorisiert ist, mehr noch, der selbst der „Sohn des lebendigen Gottes“ ist. Diese Einsicht kann keine rein menschliche sein, sie ist durch Offenbarung des himmlischen Vaters vermittelt, denn vor Petrus steht ein Mensch, der aber mehr ist als ein „Menschensohn“. Und um dieses „Mehr“ drehen sich eigentlich alle Evangelien, sie sind Identitätsgeschichten, wollen die göttliche Vollmacht Jesu aufweisen, seine unverbrüchliche Nähe zu Gott, seinem Vater. Als Konsequenz aus dem Messiasbekenntnis bekommt der Fischer Simon, Sohn des Jona, einen neuen Namen: Er wird zu Petrus, dem Felsen, auf den der Herr seine Kirche bauen will. Und so wird ihm die Schlüsselgewalt über diese Kirche verliehen, die seine Vorrangstellung zum Ausdruck bringt. Diese lässt sich in den Evangelien auch daran ablesen, dass er in den Apostellisten immer als erster genannt wird.

„Die berühmte Frage Jesu an seine Jünger „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ hallte durch die Jahrhunderte der Kirchengeschichte“

Die berühmte Frage Jesu an seine Jünger „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ hallte durch die Jahrhunderte der Kirchengeschichte und wurde immer wieder neu im entsprechenden geschichtlichen Kontext beantwortet. In den ersten Jahrhunderten der frühen Kirche gab es ein Ringen um die Person Jesu, das dazu führte, sowohl seine menschlichen als auch göttlichen Qualitäten festzustellen. Eine Person mit zwei Naturen sei der „Sohn Gottes“, einer menschlichen und einer göttlichen, die miteinander „unvermischt und ungetrennt“ im Verhältnis stünden. Man suchte nach dem „historischen Jesus“ und stellte ihm den „auferstandenen und erhöhten Christus“ entgegen. Man sah in ihm einen Sozialreformer, einen Kämpfer für die Armen und Ausgegrenzten.

Das Trennende zwischen Judentum und Christentum

Das Judentum allerdings distanzierte sich immer mehr von seinem vielleicht berühmtesten Sohn, denn Jesus war als Jude geboren, hat als Jude gelebt und ist als Jude gestorben. In ihm den Messias Israels und den Sohn des lebendigen Gottes zu sehen, das war und ist dem Judentum bis heute nicht möglich. Wie die Figur Jesu betrachtet wird, ob als Messias Israels, Mensch gewordener Gott und Sohn Gottes oder als einfacher Sohn Israels und vielleicht als ein jüdischer Rabbiner, das stellt bis heute das grundsätzlich Trennende zwischen Judentum und Christentum dar. Insofern hatte nach Lk 2,34 der greise Simeon bei der Darstellung Jesu im Tempel Recht, als er ausrief: „Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird“, während er von ihm zuvor als ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Herrlichkeit des Volkes Israel bezeichnet wird (vgl. Lk 2,32).

Die Rolle Jesu im Koran

Auch im Islam spielt Jesus eine gewisse Rolle, denn im Koran wird er als einer der vielen Propheten erwähnt, wobei natürlich kein Zweifel daran bestehen kann, dass Mohammed als der letzte Prophet Gottes angesehen wird, der den Willen Gottes authentisch wiedergibt. Es wird davon ausgegangen, dass im Koran die Worte Gottes eins zu eins verschriftet wurden, also jedes Wort von Gott direkt eingegeben ist. Jesus ist dort eine rein menschliche Gestalt, auch wenn er als Prophet eng mit Gott in Verbindung steht. Dass Jesus als Messias Israels der Sohn des lebendigen Gottes ist, dieses Bekenntnis ist keinem Moslem abzuringen. Wieder scheiden sich die Geister an der Beurteilung der Gestalt Jesu. So ist Jesus als der Messias das Trennende und Unterscheidende im ehrlichen interreligiösen Dialog.

Wer ist Jesus für mich?

An mich selber wird heute diese Frage herangetragen: „Wer ist dieser Jesus, für wen halte ich ihn?“ Wie jeder von uns seinen Glauben vor den anderen bekennt und ihn lebt, das gibt darüber Aufschluss, was er von Jesus hält, was er für ihn bedeutet. Ist er für mich wirklich der von Gott vollmächtig Gesandte, der dessen Willen für mich offenbart? Ist er für mich der Messias, also der von Gott Autorisierte, der am Ende der Tage auf den Wolken des Himmels wiederkommt, wenn alle Zeit gemessen ist? Ist er für mich der Sohn Gottes, der das Reich Gottes durch sein Auftreten verkündet und mich in Gottes Nähe bringt? Ist er für mich der Heilbringer, der Heiland und Retter, der am Kreuz für mich gestorben ist, um mir ewiges Leben zu erwerben? Ist er meine Liebe, an dem ich mich in den Nöten meiner irdischen Existenz festhalten kann, auf den ich bauen und vertrauen kann? Ist er für mich meine Hoffnung, die mich über den Augenschein des irdischen Alltags hinausträgt und mir den Himmel öffnet?

Dem Leben vertrauen

Die Tugenden, die jeder in dieser Zeit des Corona-Virus braucht, sind Geduld und Vertrauen. Wir wollen wissen, dass jemand uns versteht, während wir versuchen zu verstehen, was geschehen wird. Das braucht aber eben seine Zeit – und damit auch Geduld. Dass diese sehr menschliche Frage nach dem Verstehen der eigentliche wunde Punkt im Lockdown ist, spüren viele Menschen.
Der Mai als Marienmonat kann auf diese Frage seine ganz eigene Antwort geben. Er verweist besonders auf die Got-tesmutter, die nicht nur geduldig war, sondern Gottes Anruf ganz besonders vertraut hat. Gleichsam mit kindlichem Ver-trauen dürfen Menschen sich deshalb in den Armen der Got-tesmutter geborgen wissen. Denn sie zeigt uns, dass Gott uns auch in dieser Zeit nicht allein lässt. Ihre Arme sind auch die Arme Gottes, der uns trägt und hält.
Es wird Höhen und Tiefen geben. Es wird Zeiten der Hoffnung aber auch der Verzweiflung geben. Das Corona-Virus wird nicht gleich verschwinden. Wir alle sind langfristig davon betroffen. Trotzdem brau-chen wir nicht ängstlich zu sein. Selbst wenn wir momentan nicht genau wissen, wie es weitergehen wird.
Das Bild „unserer“ Stuppacher Madonna hat dabei etwas sehr Tröstliches. Das Licht kommt oben links von Gott selbst, der trotz allem, was passieren mag, unser Vertrauen rechtfertigt. In Maria im Vorder-grund bekommt dieses Vertrauen ganz konkret Gestalt. Wie das Kind dürfen auch wir uns getragen und gehalten wissen – egal, was passiert. So brauchen wir letztlich nicht ängstlich sein. Unser Glauben gibt uns das beste Mittel, persönlich mit dieser Krise umzugehen.
Eine tiefe, vertrauensvolle Beziehung zu unserem Herrn, der Gottesmutter und allen Heiligen wird uns
unseren Frieden bringen. Gerade im Monat Mai schauen wir auf Maria Muttergottes, wir beten zu ihr,
singen ihr Lieder und zünden Kerzen an. Wir feiern damit unser Vertrauen in Gott, der sich uns in Maria
besonders nahe zeigt und die uns zeigt, was Vertrauen bedeutet und vermag.
Das gläubige Volk hat mit sicherem Gespür, das ihm eigen ist, zu allen Zeiten erkannt: Maria ist die Helferin
der Christenheit, die „Mediatrix“, die Mittlerin aller Gnaden. Sie ist allen Lobes würdig, weil aus ihr
die Sonne der Gerechtigkeit hervorgegangen ist, Christus, der Erlöser der Welt.
Die Ereignisse der heutigen Zeit zeigen, wie sehr unser Leben „am seidenen Faden“ hängt. Vieles von
dem, was bisher selbstverständlich war, ist nicht mehr so klar. Wir haben inzwischen viele Fragen, Zweifel
und Sorgen. Darum dürfen wir uns Maria zuwenden – einer Mutter, die auch die sorgenvollsten Fragen
annimmt und sie nicht als unangemessene Zweifel abtut. Sie verweist uns auf Gott, der uns trägt und
hält, auch wenn wir dies manchmal nicht zu erfahren meinen …
Die vielen Marienwallfahrtsorte in unserer Heimat – im Dekanat Mergentheim die Stuppacher Madonna
und die Bergkirche in Laudenbach, im Dekanat Hohenlohe die Wallfahrtskirche Schöntal-Neusaß – bezeugen
eine innige Verehrung der Mutter Gottes. Das „Heiligenbrünnle“ in der Mariengrotte in Neusaß
zeigt uns auch, dass Maria auf Gott verweist, der „Quelle“ allen Lebens ist.
Diese Quelle des Lebens greift auch ein Maienlied auf, das mir persönlich besonders gut gefällt. Es thematisiert
die Natur, die jetzt im Mai ganz besonders in Blüte steht und uns deshalb das Vertrauen in das
Leben erleichtert. Wenn die Natur auflebt, dürfen auch wir dem Leben trauen, das uns Gott schenkt und
auf das uns Maria im Besonderen verweist.
So singen und beten wir um Hilfe und Schutz zur Muttergottes, zu der wir auch unsere Sorgen und Ängste
tragen dürfen, weil sie diese mit uns gemeinsam Gott anvertraut:
                     Maria, Maienkönigin, dich will der Mai begrüßen
                     O segne ihn mit holdem Sinn und uns zu deinen Füßen.
                     Maria unsre Königin, du Magd des Herrn hinieden
                     Wir tragen Leid und Not dir hin, erbitt uns Gottes Frieden.


Bogdan Stolarczyk, Stellvertr. Dekan
Dekanat Mergentheim
 

Marienmonat Mai

Beten wir gemeinsamm...

Komm, Heil’ger Geist, der Leben schafft,
erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein:
Nun hauch uns Gottes Odem ein.

Komm, Tröster, der die Herzen lenkt,
du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut,
du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

Dich sendet Gottes Allmacht aus
im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund
und machst der Welt die Wahrheit kund.

Entflamme Sinne und Gemüt,
dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut
in deiner Kraft das Gute tut.

Die Macht des Bösen banne weit,
schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn,
dass Unheil uns nicht schaden kann.

Lass gläubig uns den Vater sehn,
sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt
und uns das Leben Gottes bringt.

Den Vater auf dem ew’gen Thron
Und seinen auferstandnen Sohn,
dich, Odem Gottes, Heil’ger Geist,
auf ewig Erd’ und Himmel preist.

Amen.

Beten wir gemeinsam... "Seele Christi"

Seele Christi, heilige mich!
Leib Christi, rette mich!
Blut Christi, tränke mich!
Wasser der Seite Christi, wasche mich!
Leiden Christi, stärke mich!
O guter Jesus, erhöre mich!
Birg in deinen Wunden mich!
Von dir lass nimmer scheiden mich!
Vor dem bösen Feind beschütze mich!
In meiner Todesstunde rufe mich!
Zu dir zu kommen, heiße mich,
mit deinen Heiligen zu loben dich
in deinem Reiche ewiglich!

Amen.

Tagesgebet

Allmächtiger und ewiger Gott,

du bist unsere Zuflucht in jeder Gefahr,

an dich wenden wir uns in unserem Schmerz

und bitten dich voll Vertrauen:

Hab Erbarmen mit unserer Not.

Gewähre den Verstorbenen die ewige Ruhe,

tröste die Trauernden,

heile die Kranken.

Schenke den Sterbenden den Frieden,

den Pflegenden Stärke,

den Verantwortungsträgern Weisheit

und ermutige alle, sich einander in Liebe zuzuwenden,

damit wir gemeinsam deinem heiligen Namen die Ehre erweisen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,

unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.