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Ostern 2021 "Ostern spendet Kraft in der Pandemie"

Bischof Dr. Gebhard Fürst ruft in seiner Botschaft zu Ostern dazu auf, das Fest als Ermutigung und Kraftspende in der Corona-Pandemie zu begreifen.

Auch wenn dies auf den ersten Blick eine Herausforderung darstellt. „Ostern ermutigt uns, dem Leben zu trauen, weil Gott es mit uns lebt“, zitiert der Bischof den Jesuitenpater und von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer Alfred Delp.

„Dem Leben zu trauen ist insbesondere in Corona-Zeiten alles andere als einfach. Denn das Virus und die Folgen der Krise treffen viele sehr persönlich“, sagt Bischof Fürst und nennt neben der Furcht vor der Krankheit und den sozialen Folgen der Pandemie auch die Sorge mancher um die Demokratie, da sie die Maßnahmen der politischen Entscheidungsträger nicht mehr nachvollziehen könnten. Auch die Anhängerinnen und Anhänger Jesu hätten ähnliche Ängste ausgestanden, als Jesus am Kreuz hing und mit ihm all ihre Hoffnung. Ostern zeige mit der Auferstehung Jesu jedoch, dass Gott in der Lage sei, neue Hoffnung zu wecken. „Diese Erfahrung gibt den Freundinnen und Freunden Jesu Kraft, ihre Angst vor Leid und Tod hinter sich zu lassen“, so der Bischof weiter. Eben diese Ostererfahrung sei daher das beste Argument gegen die Angst.

Auch die vielen Menschen, die einander unterstützen und füreinander da sind, sind für Bischof Fürst ein Zeichen für das Licht des Osterfests. Weitere Hoffnungszeichen seien zudem die Gottesdienste und vielfältigen digitalen Angebote, die die Kirchengemeinden in der gesamten Diözese an Ostern für die Gläubigen zur Verfügung stellen. „Zusammen bringen sie Licht in unser Dunkel“, sagt Bischof Fürst.

Predigt zum Osternacht B – Mk 16,1-8 – 3.4.2021 Öhringen

Den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen
● Ich habe im vergangenen Jahr manche traurige Geschichte gehört, wie Menschen nicht zu ihren Liebsten kommen konnten. Von Familien, die nicht das Altenheim betreten und nur von außen der Oma zuwinken durften. Von Menschen, die nur dank eines mutigen Arztes noch bei ihrer sterbenden Mutter im Zimmer sein konnten. Von Enkeln, denen der Besuch bei Oma und Opa versagt blieb. Sie kennen solche Situ-ationen, haben Sie vielleicht selbst erlebt oder erlitten. Diese Epidemie hat sich wie ein schwerer Stein auch zwischen unsere Beziehungen geschoben. Sie hat uns Zugänge verschlossen zu lieben Menschen, zu Lebensbereichen, nach denen wir uns sehnen, zu einem Umgang miteinander, den wir als soziale Wesen brauchen. Klar wussten und wissen wir, dass es so sein muss, wenn wir einander vor der Ge-fahr einer Ansteckung schützen wollen. Aber zugleich spüren wir, dass es so nicht bleiben kann, dass der Weg zu einer unbefangenen Begegnung sich wieder auftun muss. „Wer könnte uns den Stein vom Eingang dieses Grabes wegwälzen?“
● Strenge Lockdown-Maßnahmen, umfangreiche Hygienekonzepte, milliardenschwere finanzielle Unterstützungen, eine nationale und globale Impfkampagne – was für ein Kraftakt, um diese Pandemie in den Griff zu bekommen und den Weg zum Leben wieder frei zu machen! Bei allem Frust und allem Ärger über unterschiedliche Regelungen in Ländern und Kirchen, über Pannen in der Durchführung der Impfung, über das Hin und Her im Bildungsbereich, sollten wir nicht vergessen, welche Kraft und Energie Menschen aufgebracht haben und aufbringen. Seien es die Forscher, die die Impfstoffe entwickeln, die Politikerinnen und Politiker, die immer wieder neu Maßnahmen beraten und beschließen, die Lehrer, Mütter und Väter, die Kinder im Homeschooling begleiten, die Frauen und Männer, die in Krankenhäusern und auf Intensivstationen ihren Dienst ausüben. Und viele mehr. Da gibt es vieles, was Mut und Hoffnung macht. Da wurden manche Steine aus dem Weg geräumt, damit das Leben weitergeht. Aber so richtig befreit aufatmen können wir noch nicht. Denn noch immer erfahren wir täglich, wie verwund-bar, wie zerbrechlich, wie gefährdet unser Leben ist.
● Und diese Angst und dieses Erschrecken darüber werden wir nicht loswerden. Auch nicht, wenn das hoch ansteckende Coronavirus einmal als besiegt gelten sollte. Denn auch dann bleiben so viele Gefahren und Krankheiten, die unser Leben bedrohen. Denn auch dann – und schon jetzt – bringen Konflikte wie in Myanmar, im Jemen, in Belarus und anderswo so viele Menschen um ein glückliches und freies Leben. Denn auch dann – und schon immer – machen sich Frauen und Männer auf zum Grab, um lieben Verstorbenen einen letzten Dienst zu erweisen, so wie es die drei Frauen im Markusevangelium taten, als sie „in aller Frühe zum Grab“ gingen, um „Jesus zu salben“.
● „Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?“ war ihre Sorge. Ganz praktisch, denn um Jesu Leichnam zu salben, mussten sie in die Grabhöhle hineinsteigen. Vielleicht hatte diese Frage aber auch schon einen tieferen Sinn. Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen, in das Jesu Tod, sein Scheitern, sein katastrophales Ende uns eingeschlossen hat? Wie soll es weitergehen? Wie finden wir wieder ins Leben? Gibt es jetzt noch Zuversicht? Dass „der Stein schon weggewälzt“ ist, als sie zum Grabe kommen, scheint noch keine große Hoffnung auszulösen. Der junge Mann im „weißen Gewand“, ein Engel wohl, lässt sie vor allem erst einmal erschrecken. Und seine Botschaft – „er ist auferstanden“, „er geht euch voraus nach Galiläa“ – reicht auch nicht für einen
Stimmungswechsel. Sie „verließen … das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatten sie gepackt.“ Das wird sich erst ändern, wenn sie dem Auferstandenen begegnen, wenn sie seine Stimme hören, wenn er in ihrem Herzen die Gewissheit siegen lässt, dass Gottes Liebe stärker ist als der Tod.
● Nicht anders bei uns. Es gibt so viele hoffnungsvolle Zeichen und Erfahrungen, wie diese Pandemie überwunden werden kann, wie Konflikte friedlich beigelegt werden, wie eine Änderung unseres Konsumverhaltens oder eine Wende im Klimawandel möglich scheinen, wie Kirche sich erneuert. Es gibt Kraftakte, wo als unverrückbar Geltendes oder in Stein Gemeißeltes in Bewegung kommt. Das macht Mut. Das gibt Kraft zum Handeln. Das schenkt Gelassenheit. Aber den Stein vom Eingang des Grabes können wir nicht wegwälzen. Dass wir vom Tod in ein neues Leben gelangen und so ewig bewahrt bleiben, das ist der österliche Kraftakt Gottes. An Jesus, dem Gekreuzigten, hat er ihn so vollzogen, dass wir zum Glauben kommen und eine unzerstörbare Hoffnung haben. Das feiern wir in dieser Nacht.
In der derzeitigen globalen Situation heißt es immer wieder: Wir werden nicht ohne das Virus leben, sondern wir müssen lernen, mit ihm zu leben. Wie wahr! Nicht nur in praktischer Hinsicht, dass wir mit menschlicher Kraftanstrengung alles dafür tun, um trotz Virus und anderer Bedrohungen wieder zu einem erfüllten und befreiten Leben zu gelangen. Sondern in einem viel tieferen Sinn. Wir müssen lernen, immer wieder neu, mit unserer Begrenztheit, unserer Verwundbarkeit, unserer Zerbrechlichkeit, unserer Sterblichkeit zu leben. Der Glaube an den auferstandenen Herrn Jesus Christus eröffnet uns einen Weg und gibt uns die Kraft dazu. Halleluja!

Pfarrer Klaus Kempter

Zur geistigen Kommunion

Mein Jesus, ich glaube, dass Du im allerheiligsten Sakrament des Altares zugegen bist. Ich liebe dich über alles und meine Seele sehnt sich nach Dir. Da ich Dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann, so komme wenigstens geistigerweise zu mir. Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir und vereinige mich mit Dir! Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an. Lass nicht zu, dass ich mich je von Dir trenne. Amen. (Alfons von Liguori)

Zu deinen Füßen, o mein Jesus, werfe ich mich nieder und bringe Dir die Reue meines zerknirschten Herzens dar, das sich mit seinem Nichts in Deiner heiligen Gegenwart verdemütigt. Ich bete Dich an im Sakrament Deiner Liebe, der unfassbaren Eucharistie. Ich sehne mich danach, Dich in der armen Wohnstatt meines Herzens zu empfangen. Während ich das Glück der sakramentalen Kommunion erwarte, möchte ich Dich im Geist besitzen. Komm zu mir, o mein Jesus, da ich zu Dir komme! Die Liebe umfange mein ganzes Sein im Leben und im Tod. Ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich.

Amen.

(Kardinal Merry del Val)

Mein Sonntagsevangelium: Der gefährlichste Feind des Glaubens ist der Zweifel

Damit die Jünger glaubten, aß Jesus ein Stück Fisch vor ihren Augen (Lk 24, 35-48). Die Symbolkraft wird gerade in aktueller Zeit verständlich, findet Pfarrer Ingo Kuhbach aus Mulfingen.

Faschingspredigt 2021 in St. Joseph, Öhringen Evangelium: Mk 1,40–45

Evangelium: Mk 1,40–45

Gebet für die Welt in Lourdes

Seit einer Woche sind trotz der Einschränkungen durch die Pandemie die Eucharistiefeiern und Gebete an der Grotte des französischen Marienheiligtums Lourdes zurück. Ein Kaplan spricht von einer „Injektion der Hoffnung“.

Federico Piana und Gudrun Sailer - Vatikanstadt

„Wenn die Pilger nicht hierher nach Lourdes kommen können, dann geht Lourdes zu den Pilgern", sagt Pater Nicola Ventriglia, Kaplan für die italienischen Pilger im größten Wallfahrtsort Europas. Die Priester an der Grotte von Massabielle haben seit letztem Montag das ewige Gebet wiederaufgenommen, begleitet von Rosenkränzen, Eucharistiefeiern in verschiedenen Sprachen und der Aussetzung des Allerheiligsten Sakraments. Sie wechseln sich ab im ewigen Gebet.

Weltweit können Gläubige über die sozialen Medien an den Gebeten und Heiligen Messen in Lourdes teilnehmen. „Was wir allen sagen wollen: Wir sind diejenigen, die jetzt beten und Maria, die Unbefleckte Jungfrau, um all die Gnaden bitten, die Sie von ihr erbitten möchten“, sagte uns Pater Ventriglia.

„Jeden Tag bringen wir diese Intentionen zu den Füßen der Muttergottes.“

Der Seelsorger freut sich über die zahlreichen Zuschriften ins Heiligtum. Viele bitten den in Lourdes stationierten Seelsorger darum, an ihrer Stelle Kerzen anzuzünden. „Ich bin von diesen Anfragen positiv überrascht worden“, erklärt der Kaplan. „Die Initiative begann mit den großen Verbänden, die Wallfahrten organisieren, aber dann wurde sie auf einzelne Pilger ausgedehnt: Sie bitten mich, während des Rosenkranzgebetes eine Kerze für die Gottesmutter anzuzünden. Das sind diese stattlichen Kerzen, die die Pilger - vor der Pandemie – immer am Ende jeder Wallfahrt angezündet haben. Die Gebetsmeinungen, die mir die Gläubigen mitteilen, bewegen mich: für einen Kranken, für ihre Familien, für geheilte Menschen. Jeden Tag bringen wir diese Intentionen zu den Füßen der Muttergottes.“

Wann die großen Pilgerfahrten und die Messen für Pilgergruppen wiederaufgenommen werden, ist aus Sicht des Kaplans schwer zu sagen. Derzeit können nur Pilger nach Lourdes kommen, die im Umkreis von zehn Kilometern wohnen. Aber jedenfalls ist der Heilige Bezirk von Lourdes – nicht die Bäder – von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Und die Kapläne nehmen Gebetsanliegen entgegen, auch auf Deutsch.

Am 11. Februar 1858 erschien dem Hirtenmädchen Bernadette Soubirous in der Grotte Massabielle an der Gave, die durch Lourdes fließt, die Muttergottes. Sie sah eine „weiß gekleidete Dame, von Licht umgeben, die mich ansah und anlächelte". Es war die erste Erscheinung. 17 weitere folgten. Vor der Pandemie begrüßte Lourdes Millionen jedes Jahr Menschen aus der ganzen Welt, die das Heiligtum der Muttergottes von Lourdes besuchen.

Die Stärke der kleinen Madonna

Große Wunder werden der kleinen Holzfigur der Mutter Gottes mit ihrem Kind in der Rottenburger Weggentalkirche zugeschrieben. Jahrhunderte lang pilgerten zigtausende Gläubige dorthin in der Hoffnung, selbst ein Wunder zu erleben oder jedenfalls ein bisschen von der Kraft der Mutter Gottes zu erleben. Eckhard Raabe hat der Stärke der kleinen Madonna nachgespürt.

Du bist der Sohn des lebendigen Gottes

Pater Norbert Johannes Hofmann erläutert in dieser Betrachtung zum Sonntagsevangelium auch die Rolle Jesu in den monotheistischen Religionen. Jesus wurde als Jude geboren und lebte und starb als Jude. Die alles entscheidende Frage aber ist: Wer ist Jesus für mich?

P. Dr. Norbert Johannes Hofmann

Mt 16, 13-20

„Wer ist denn eigentlich dieser Jesus von Nazareth?“ Unter diesem Blickwinkel könnte man alle vier Evangelien lesen, denn immer wieder geht es darum, die wahre Identität Jesu darzustellen, aufzudecken oder sie auch zu verhüllen. Diese Art von Literatur ist einzigartig, denn es geht nicht primär um eine historische Biographie eines bedeutsamen Menschen, sondern um Geschichten, die im christlichen Glauben geschrieben wurden und wiederum zum Glauben an Jesus Christus hinführen wollen. Es handelt sich in diesem Sinne um eine Art von Bekenntnisliteratur im jüdischen Umfeld, die auf bereits vorhandene Denkkategorien und Verhaltensmuster zurückgreift.

Man muss sich die Zeit Jesu so vorstellen: Da waren als Besatzer im Land die Römer, die die Macht ausübten und alles kontrollierten. In den religiösen Dingen konnten die Juden allerdings selbst schalten und walten, wie sie wollten, sofern dadurch keine Unruhen oder Aufstände entfacht wurden. In einer derart bedrängten und bedrängenden Zeit hatte man die Erwartung, vom römischen Joch bald befreit zu werden und zur vorher ausgeübten staatlichen Selbständigkeit zurückzukehren. So gab es auf der einen Seite Leute, die mit der römischen Besatzungsmacht friedlich zusammenarbeiteten, sie zumindest tolerierten, weil sie eben sonst keine Alternative sahen. Auf der anderen Seite aber gab es auch Leute, die verdeckt oder offen Widerstand leisteten, bis hin zu bewaffneten Milizen, die den Römern regelmäßig das Leben schwer machten.

Jesus lebte in einer aufgeheizten Zeit

Es war also eine aufgeheizte und aufgepeitschte Zeit, und das schlug sich natürlich auch im religiösen Leben nieder. So erblühte beispielsweise das Phänomen der Apokalyptik, die Erwartung, dass verborgene Dinge offenbar werden und sich das Ende der Weltenzeit näherte, sich also Gott als Herrscher selbst machtvoll gegen alle Widerstände durchsetzen wird. In diesem Zusammenhang ist eben die Messiaserwartung zu nennen: Am Ende der Tage tritt der von Gott bevollmächtigte Messias auf, um die Stämme Israels zu sammeln und dem Anbruch des endgültigen Reiches Gottes zum Durchbruch zu verhelfen. Diesbezüglich gab es zur Zeit Jesu ganz verschiedene Messiaserwartungen: Manche Gruppen erwarteten einen königlichen oder priesterlichen Messias, andere einen prophetischen, wieder andere, wie die Gemeinde von Qumran, eine jüdische Sektengemeinschaft, die sich am Toten Meer niedergelassen hatte, gingen davon aus, dass sogar mehrere Messiase mit unterschiedlichen Funktionen auftreten werden.

Der Menschensohn und die Erwartung der Endzeit

In diese geschichtliche Situation müssen wir das Messiasbekenntnis des Petrus einordnen, von dem wir im heutigen Evangelium hören. Jesus fragt seine Jünger in Cäsarea Philippi, das ganz im Norden Galiläas gelegen ist, für wen die Leute den „Menschensohn“ halten. Damit meint er offensichtlich sich selbst, denn Jesus spricht in den Evangelien des Öfteren von sich selbst als dem „Menschensohn“, während ihm andere Titel nur von anderen zugeschrieben werden. Im Alten Testament ist „Menschensohn“ in den frühen Schriften eine hebräische Ausdrucksweise, die in poetischer Sprache gern als Umschreibung für „Mensch“ gebraucht wird, häufig im Sinne von kleines und schwaches Wesen. Allerdings spricht das späte Buch Daniel auch von einem wie einen „Menschensohn“, der am Ende der Tage mit den Wolken des Himmels kommt (vgl. Dan 7,13-14). Diese Figur ist natürlich klar mit den Erwartungen der Endzeit verbunden. Ob bei der Frage Jesu an seine Jünger, für wen die Leute den „Menschensohn“ halten, auf diesen endzeitlichen Kontext angespielt werden soll, ist hier nicht ganz klar.

„Nach jüdischer Auffassung wird in der Endzeit ein Prophet wie Mose erstehen“

Offenkundiger ist allerdings, dass die Antwort der Jünger sich daran anlehnt, dass nach jüdischer Auffassung in der Endzeit ein Prophet wie Mose erstehen wird, auf den das Volk hören soll (vgl. Dtn 18,15.18). Die Jünger meinen nämlich, die Leute würden Jesus für einen Propheten halten. Dabei werden drei Namen genannt: Johannes der Täufer gilt als ein unbequemer Mahner, der als Zeichen des nahenden Reiches Gottes zur Busstaufe aufruft und als Scharnier zwischen Altem und Neuem Testament gilt; Elija steht in radikaler Weise für die Verehrung des einen und einzigen Gottes Jahwe und soll am Ende der Tage als Vorläufer des Messias wiederkommen; Jeremia erlebt die Zerstörung des ersten Tempels, den Verlust der politischen Selbständigkeit Israels, den Niedergang des Königtums, verweist aber auch auf hoffnungsvollere Tage. Alle drei Propheten haben irgendwie mit der Endzeit zu tun, so dass die Einordnung der Figur Jesu genau in diesem Horizont geschieht.

Die Evangelien wollen die göttliche Vollmacht Jesu aufweisen

Nun aber wird Jesus sehr direkt und fragt die Jünger selber: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mt 16,15) Und dann kommt der große Paukenschlag des Petrus: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16,16). Damit trifft er den Nagel auf den Kopf, qualifiziert Jesus als Messias und endzeitlichen Heilsbringer, der von Gott selbst autorisiert ist, mehr noch, der selbst der „Sohn des lebendigen Gottes“ ist. Diese Einsicht kann keine rein menschliche sein, sie ist durch Offenbarung des himmlischen Vaters vermittelt, denn vor Petrus steht ein Mensch, der aber mehr ist als ein „Menschensohn“. Und um dieses „Mehr“ drehen sich eigentlich alle Evangelien, sie sind Identitätsgeschichten, wollen die göttliche Vollmacht Jesu aufweisen, seine unverbrüchliche Nähe zu Gott, seinem Vater. Als Konsequenz aus dem Messiasbekenntnis bekommt der Fischer Simon, Sohn des Jona, einen neuen Namen: Er wird zu Petrus, dem Felsen, auf den der Herr seine Kirche bauen will. Und so wird ihm die Schlüsselgewalt über diese Kirche verliehen, die seine Vorrangstellung zum Ausdruck bringt. Diese lässt sich in den Evangelien auch daran ablesen, dass er in den Apostellisten immer als erster genannt wird.

„Die berühmte Frage Jesu an seine Jünger „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ hallte durch die Jahrhunderte der Kirchengeschichte“

Die berühmte Frage Jesu an seine Jünger „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ hallte durch die Jahrhunderte der Kirchengeschichte und wurde immer wieder neu im entsprechenden geschichtlichen Kontext beantwortet. In den ersten Jahrhunderten der frühen Kirche gab es ein Ringen um die Person Jesu, das dazu führte, sowohl seine menschlichen als auch göttlichen Qualitäten festzustellen. Eine Person mit zwei Naturen sei der „Sohn Gottes“, einer menschlichen und einer göttlichen, die miteinander „unvermischt und ungetrennt“ im Verhältnis stünden. Man suchte nach dem „historischen Jesus“ und stellte ihm den „auferstandenen und erhöhten Christus“ entgegen. Man sah in ihm einen Sozialreformer, einen Kämpfer für die Armen und Ausgegrenzten.

Das Trennende zwischen Judentum und Christentum

Das Judentum allerdings distanzierte sich immer mehr von seinem vielleicht berühmtesten Sohn, denn Jesus war als Jude geboren, hat als Jude gelebt und ist als Jude gestorben. In ihm den Messias Israels und den Sohn des lebendigen Gottes zu sehen, das war und ist dem Judentum bis heute nicht möglich. Wie die Figur Jesu betrachtet wird, ob als Messias Israels, Mensch gewordener Gott und Sohn Gottes oder als einfacher Sohn Israels und vielleicht als ein jüdischer Rabbiner, das stellt bis heute das grundsätzlich Trennende zwischen Judentum und Christentum dar. Insofern hatte nach Lk 2,34 der greise Simeon bei der Darstellung Jesu im Tempel Recht, als er ausrief: „Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird“, während er von ihm zuvor als ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Herrlichkeit des Volkes Israel bezeichnet wird (vgl. Lk 2,32).

Die Rolle Jesu im Koran

Auch im Islam spielt Jesus eine gewisse Rolle, denn im Koran wird er als einer der vielen Propheten erwähnt, wobei natürlich kein Zweifel daran bestehen kann, dass Mohammed als der letzte Prophet Gottes angesehen wird, der den Willen Gottes authentisch wiedergibt. Es wird davon ausgegangen, dass im Koran die Worte Gottes eins zu eins verschriftet wurden, also jedes Wort von Gott direkt eingegeben ist. Jesus ist dort eine rein menschliche Gestalt, auch wenn er als Prophet eng mit Gott in Verbindung steht. Dass Jesus als Messias Israels der Sohn des lebendigen Gottes ist, dieses Bekenntnis ist keinem Moslem abzuringen. Wieder scheiden sich die Geister an der Beurteilung der Gestalt Jesu. So ist Jesus als der Messias das Trennende und Unterscheidende im ehrlichen interreligiösen Dialog.

Wer ist Jesus für mich?

An mich selber wird heute diese Frage herangetragen: „Wer ist dieser Jesus, für wen halte ich ihn?“ Wie jeder von uns seinen Glauben vor den anderen bekennt und ihn lebt, das gibt darüber Aufschluss, was er von Jesus hält, was er für ihn bedeutet. Ist er für mich wirklich der von Gott vollmächtig Gesandte, der dessen Willen für mich offenbart? Ist er für mich der Messias, also der von Gott Autorisierte, der am Ende der Tage auf den Wolken des Himmels wiederkommt, wenn alle Zeit gemessen ist? Ist er für mich der Sohn Gottes, der das Reich Gottes durch sein Auftreten verkündet und mich in Gottes Nähe bringt? Ist er für mich der Heilbringer, der Heiland und Retter, der am Kreuz für mich gestorben ist, um mir ewiges Leben zu erwerben? Ist er meine Liebe, an dem ich mich in den Nöten meiner irdischen Existenz festhalten kann, auf den ich bauen und vertrauen kann? Ist er für mich meine Hoffnung, die mich über den Augenschein des irdischen Alltags hinausträgt und mir den Himmel öffnet?

Dem Leben vertrauen

Die Tugenden, die jeder in dieser Zeit des Corona-Virus braucht, sind Geduld und Vertrauen. Wir wollen wissen, dass jemand uns versteht, während wir versuchen zu verstehen, was geschehen wird. Das braucht aber eben seine Zeit – und damit auch Geduld. Dass diese sehr menschliche Frage nach dem Verstehen der eigentliche wunde Punkt im Lockdown ist, spüren viele Menschen.
Der Mai als Marienmonat kann auf diese Frage seine ganz eigene Antwort geben. Er verweist besonders auf die Got-tesmutter, die nicht nur geduldig war, sondern Gottes Anruf ganz besonders vertraut hat. Gleichsam mit kindlichem Ver-trauen dürfen Menschen sich deshalb in den Armen der Got-tesmutter geborgen wissen. Denn sie zeigt uns, dass Gott uns auch in dieser Zeit nicht allein lässt. Ihre Arme sind auch die Arme Gottes, der uns trägt und hält.
Es wird Höhen und Tiefen geben. Es wird Zeiten der Hoffnung aber auch der Verzweiflung geben. Das Corona-Virus wird nicht gleich verschwinden. Wir alle sind langfristig davon betroffen. Trotzdem brau-chen wir nicht ängstlich zu sein. Selbst wenn wir momentan nicht genau wissen, wie es weitergehen wird.
Das Bild „unserer“ Stuppacher Madonna hat dabei etwas sehr Tröstliches. Das Licht kommt oben links von Gott selbst, der trotz allem, was passieren mag, unser Vertrauen rechtfertigt. In Maria im Vorder-grund bekommt dieses Vertrauen ganz konkret Gestalt. Wie das Kind dürfen auch wir uns getragen und gehalten wissen – egal, was passiert. So brauchen wir letztlich nicht ängstlich sein. Unser Glauben gibt uns das beste Mittel, persönlich mit dieser Krise umzugehen.
Eine tiefe, vertrauensvolle Beziehung zu unserem Herrn, der Gottesmutter und allen Heiligen wird uns
unseren Frieden bringen. Gerade im Monat Mai schauen wir auf Maria Muttergottes, wir beten zu ihr,
singen ihr Lieder und zünden Kerzen an. Wir feiern damit unser Vertrauen in Gott, der sich uns in Maria
besonders nahe zeigt und die uns zeigt, was Vertrauen bedeutet und vermag.
Das gläubige Volk hat mit sicherem Gespür, das ihm eigen ist, zu allen Zeiten erkannt: Maria ist die Helferin
der Christenheit, die „Mediatrix“, die Mittlerin aller Gnaden. Sie ist allen Lobes würdig, weil aus ihr
die Sonne der Gerechtigkeit hervorgegangen ist, Christus, der Erlöser der Welt.
Die Ereignisse der heutigen Zeit zeigen, wie sehr unser Leben „am seidenen Faden“ hängt. Vieles von
dem, was bisher selbstverständlich war, ist nicht mehr so klar. Wir haben inzwischen viele Fragen, Zweifel
und Sorgen. Darum dürfen wir uns Maria zuwenden – einer Mutter, die auch die sorgenvollsten Fragen
annimmt und sie nicht als unangemessene Zweifel abtut. Sie verweist uns auf Gott, der uns trägt und
hält, auch wenn wir dies manchmal nicht zu erfahren meinen …
Die vielen Marienwallfahrtsorte in unserer Heimat – im Dekanat Mergentheim die Stuppacher Madonna
und die Bergkirche in Laudenbach, im Dekanat Hohenlohe die Wallfahrtskirche Schöntal-Neusaß – bezeugen
eine innige Verehrung der Mutter Gottes. Das „Heiligenbrünnle“ in der Mariengrotte in Neusaß
zeigt uns auch, dass Maria auf Gott verweist, der „Quelle“ allen Lebens ist.
Diese Quelle des Lebens greift auch ein Maienlied auf, das mir persönlich besonders gut gefällt. Es thematisiert
die Natur, die jetzt im Mai ganz besonders in Blüte steht und uns deshalb das Vertrauen in das
Leben erleichtert. Wenn die Natur auflebt, dürfen auch wir dem Leben trauen, das uns Gott schenkt und
auf das uns Maria im Besonderen verweist.
So singen und beten wir um Hilfe und Schutz zur Muttergottes, zu der wir auch unsere Sorgen und Ängste
tragen dürfen, weil sie diese mit uns gemeinsam Gott anvertraut:
                     Maria, Maienkönigin, dich will der Mai begrüßen
                     O segne ihn mit holdem Sinn und uns zu deinen Füßen.
                     Maria unsre Königin, du Magd des Herrn hinieden
                     Wir tragen Leid und Not dir hin, erbitt uns Gottes Frieden.


Bogdan Stolarczyk, Stellvertr. Dekan
Dekanat Mergentheim
 

Beten wir gemeinsamm...

Komm, Heil’ger Geist, der Leben schafft,
erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein:
Nun hauch uns Gottes Odem ein.

Komm, Tröster, der die Herzen lenkt,
du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut,
du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

Dich sendet Gottes Allmacht aus
im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund
und machst der Welt die Wahrheit kund.

Entflamme Sinne und Gemüt,
dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut
in deiner Kraft das Gute tut.

Die Macht des Bösen banne weit,
schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn,
dass Unheil uns nicht schaden kann.

Lass gläubig uns den Vater sehn,
sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt
und uns das Leben Gottes bringt.

Den Vater auf dem ew’gen Thron
Und seinen auferstandnen Sohn,
dich, Odem Gottes, Heil’ger Geist,
auf ewig Erd’ und Himmel preist.

Amen.

Beten wir gemeinsam... "Seele Christi"

Seele Christi, heilige mich!
Leib Christi, rette mich!
Blut Christi, tränke mich!
Wasser der Seite Christi, wasche mich!
Leiden Christi, stärke mich!
O guter Jesus, erhöre mich!
Birg in deinen Wunden mich!
Von dir lass nimmer scheiden mich!
Vor dem bösen Feind beschütze mich!
In meiner Todesstunde rufe mich!
Zu dir zu kommen, heiße mich,
mit deinen Heiligen zu loben dich
in deinem Reiche ewiglich!

Amen.

Tagesgebet

Allmächtiger und ewiger Gott,

du bist unsere Zuflucht in jeder Gefahr,

an dich wenden wir uns in unserem Schmerz

und bitten dich voll Vertrauen:

Hab Erbarmen mit unserer Not.

Gewähre den Verstorbenen die ewige Ruhe,

tröste die Trauernden,

heile die Kranken.

Schenke den Sterbenden den Frieden,

den Pflegenden Stärke,

den Verantwortungsträgern Weisheit

und ermutige alle, sich einander in Liebe zuzuwenden,

damit wir gemeinsam deinem heiligen Namen die Ehre erweisen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,

unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.