Italien: Über fünf Millionen Menschen sind absolut arm

Die italienische Caritas hat im vergangenen Jahr landesweit fast zwei Millionen Menschen beigestanden. Von ihnen sind 44 Prozent „neue Arme“, die wegen Schwierigkeiten angesichts der Corona-Beschränkungen erstmals die Caritas um Hilfe gebeten haben.

Das ergibt sich aus einem Bericht, den die italienische Caritas an diesem Samstag online veröffentlicht hat. Insgesamt leben nach diesen Angaben 5,6 Millionen Menschen in Italien in absoluter Armut; das ist eine Million mehr als 2019. Besonders stark stieg die Zahl der „neuen Armen“ im Aostatal (61 Prozent), im südlichen Kampanien um Neapel (57 Prozent) und in der Hauptstadtregion Latium (53 Prozent).

„Neue Arme“

Schon vor der Pandemie waren zwei Millionen Familien in Italien hoch verschuldet, so der Bericht weiter. Mit Blick auf das laufende Jahr 2021 vermerkt er, dass die Zahl der Personen, denen die Caritas beistehe, gegenüber 2020 noch einmal um sieben Prozent gestiegen ist.

Caritas-Präsident Neher: Migration geht uns alle an

Der scheidende Caritas-Präsident Peter Neher sieht Politik und Gesellschaft in Deutschland in der Pflicht, „für eine positive Grundhaltung zum Thema Migration zu sorgen".

Dies werde auch Thema bei der Delegiertenversammlung des Caritasverbands sein, die von Dienstag bis Donnerstag in Freiburg tagt, so Neher im Interview mit Radio Vatikan. „Flüchtlingspolitik kann nicht sein, Menschen zu verschrecken." Es müsse Wege für legale Migration und gezielte Fluchtursachenbekämpfung geben, so Neher.

Die Themen der Delegiertenversammlung

Im großen Bilanz-Interview mit Radio Vatikan spricht der scheidende Caritas-Präsident auch über die Situation bei der Pflege in Deutschland sowie über Klimagerechtigkeit, Kinderarmut in der Bundesrepublik und die Lage in Afghanistan. Die Delegiertenversammlung des deutschen Caritasverbands tagt von 12. bis 14. Oktober in Freiburg in Breisgau und wählt auch den oder die NachfolgerIn von Neher, der nach drei Amtszeiten und 18 Jahren sein Amt als Caritas-Präsident beendet.

Radio Vatikan: Peter Neher, vom 12. bis zum 14. Oktober tagt in Freiburg im Breisgau - und digital - die Delegiertenversammlung des deutschen Caritasverbandes. Welche Themen stehen denn diesmal auf der Tagesordnung?

Peter Neher, Präsident des deutschen Caritasverbandes: Im Wesentlichen sind das natürlich zunächst mal die ganz statuarischen Themen, wie eben die Genehmigung des Geschäftsberichtes, des Vorstands, et cetera. Inhaltlich geht es uns ganz wesentlich darum, bei den Themen Klima und soziale Gerechtigkeit zu gucken: wo stehen wir da als Verband?

Ein wichtiges Thema ist darüber hinaus das Thema Flucht, Vertreibung, europäisches Grenzregime mit spannenden Gesprächspartnern, wie Beate Gminder von der europäischen Kommission oder auch dem Monsignore Michael Landau, dem Präsidenten der Caritas Europa. Darüber hinaus steht dann eben auch die Wahl meiner Nachfolge an. Das ist jetzt dann die dritte Amtszeit, die endet, sodass dann auch eine neue Nachfolge gewählt werden wird.

„Ganz dringend notwendig, hier tatsächlich für weitere Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige zu sorgen: Anerkennung von Pflegezeiten in der Rentenversicherung zum Beispiel“

Klimagerechtigkeit und Pflege

„Wir haben uns gerade im Hinblick auf die Bundestagswahl sehr stark engagiert, das Thema Klima und soziale Gerechtigkeit zum Thema zu machen.“

Radio Vatikan: Sie sagten, Klimagerechtigkeit ist ein wichtiges Thema, und da hat sich auch einiges beim Caritasverband getan. Wo, würden Sie sagen, steht die Caritas im Moment?

Peter Neher: Ich denke, wir sind im Moment an unterschiedlichen Stellen. Was die Bundeszentrale angeht, da sind wir, glaube ich, ganz gut aufgestellt, sodass wir da auf dem Weg zur Klimaneutralität ganz gut sind. Was den Verband angeht, ist es natürlich wesentlich komplexer, weil es ja immerhin ca. 7000 eigene Rechtsträger sind, und da haben wir jetzt im letzten Jahr einfach eine Menge von Handlungsschritten erarbeitet: Wie können Sie zum Beispiel ihre Immobilien energetisch sanieren? Welche Möglichkeiten haben Sie für Elektroautos? Es gibt also eine Menge von solchen Maßnahmen.

Der zweite Teil ist die politische Arbeit. Wir haben uns gerade im Hinblick auf die Bundestagswahl sehr stark engagiert, das Thema Klima und soziale Gerechtigkeit zum Thema zu machen. Das geht an bei der Forderung nach einer adäquaten CO2-Bepreisung mit einem Rückerstattungsmechanismus für Menschen, die vor allem eben in wirtschaftlich schwierigeren Situationen leben, bis hin zur Forderung nach dem Abbau von klimaschädlichen Subventionen, wie das Dienstwagenprivileg, oder auch dem Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Also das sind so ganz konkrete Maßnahmen, wo wir jetzt auch politisch sehr intensiv in den letzten Monaten gearbeitet haben.

Der Skandal Kinderarmut

Radio Vatikan: Mit Blick auf die neue Regierung, was wünscht sich die Caritas da?

„Klima und soziale Gerechtigkeit sind ganz zentrale Themen um auch die ökologische Wende so voranzubringen, dass breite Schichten der Bevölkerung hier mitgenommen werden“

Peter Neher: Also, ich denke, dass die Themen Klima und soziale Gerechtigkeit ganz zentrale Themen sind, um auch die ökologische Wende so voranzubringen, dass breite Schichten der Bevölkerung hier mitgenommen werden. Ein zweiter Punkt ist sicher nach wie vor das Thema Pflege. Wir haben zwar in der letzten Legislaturperiode hier wichtige Weichenstellungen erlebt, insbesondere für die stationäre Pflege, aber dreiviertel der Pflegebedürftigen werden ja zu Hause gepflegt und deswegen ist es ganz dringend notwendig, hier tatsächlich für weitere Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige zu sorgen, Anerkennung von Pflegezeiten in der Rentenversicherung zum Beispiel. Und der dritte Punkt, den ich ansprechen will, ist das Thema Kinderarmut.

„Wir fordern hier so etwas wie die Kindergrundsicherung, dass Kinder nicht automatisch in die Armutsfalle laufen, weil sie eben in armen Familien aufwachsen“

Es kann nicht sein, dass Deutschland als doch insgesamt wohlhabendes Land mit diesem Thema weiter so belastet ist, und wir brauchen hier konkrete Maßnahmen, die tatsächlich den einzelnen Familien, für die Kinder, zugutekommen. Und deswegen fordern wir hier sowas wie die Kindergrundsicherung, dass Kinder nicht automatisch in die Armutsfalle laufen, weil sie eben in armen Familien aufwachsen. Wie können wir die Kinder an der Stelle stärken und stützen, das ist eine ganz wichtige Aufgabe, die eine neue Bundesregierung hier tatsächlich zielorientiert und zielgerichtet angehen muss.

Flucht und Migration

Radio Vatikan: Kommen wir zurück zu den Themen der Delegiertenversammlung, die jetzt anstehen. Sie haben als weiteres wichtiges Thema auch den Themenkomplex Flucht und Vertreibung genannt. Was haben sie sich da vorgenommen?

Peter Neher: Wir wollen das Thema zum einen diskutieren und haben dann auch ganz klare Forderungen, die wir an die Politik herantragen wollen. Ich denke, es ist inakzeptabel, dass eine europäische Politik es hinnimmt, dass an ihren Außengrenzen zum einen Menschen in unerträglichen Situationen leben müssen, wenn ich an die Lager auf den griechischen Inseln denke oder wenn ich an das Mittelmeer denke, wo nach wie vor jeden Tag Menschen ertrinken, weil die Europäische Union nicht in der Lage ist, eine gemeinsame Migrationspolitik zu betreiben. Das ist für uns inakzeptabel, das wollen wir zum Thema machen. Darüber hinaus wollen wir natürlich gerade auch die deutsche Bundesregierung hier weiter ermutigen, humanitäre Korridore zu schaffen oder auch den Familiennachzug zu ermöglichen. Wir haben ja in Deutschland die Regelung, dass pro Monat 1000 Familienangehörige nachziehen könnten, was aber an bürokratischen Hürden oft scheitert, ganz zu schweigen davon, dass die Zahl eigentlich grundsätzlich zu niedrig ist, weil es einen höheren Bedarf gibt. Das sind Punkte, die wir, denke ich, einfach noch mal thematisieren wollen.

Außerdem wollen wir auch noch mal die Caritas-Einrichtungen ermutigen, die ja in dem Bereich Migrationsunterstützung und Beratungsdienste sehr, sehr engagiert sind, und hier das zum Thema machen. Dass zum Beispiel Ankerzentren, wie wir es an manchen Orten jetzt haben, die ja gedacht waren, um die Verfahren zu beschleunigen, völlig inadäquat sind sowohl von ihrer Ausstattung als auch von ihrem gesamten Konzept her, das eigentlich stärker danach orientiert ist, praktisch abzuschrecken, das kann keine deutsche und europäische Flüchtlingspolitik sein. Flüchtlingspolitik kann nicht sein, Menschen zu verschrecken, sondern wir müssen ihnen Wege öffnen für legale Migration und gleichzeitig natürlich auch die Fluchtursachenbekämpfung sehr gezielt weiter voranbringen.

„Flüchtlingspolitik kann nicht sein, Menschen zu verschrecken, sondern wir müssen ihnen Wege öffnen für legale Migration und gleichzeitig natürlich auch die Fluchtursachenbekämpfung sehr gezielt weiter voranbringen“

Radio Vatikan: Das sind ja alles keine Forderungen und keine Themen, die neu sind. Papst Franziskus hat mehrfach darauf hingewiesen. Er ist nach Lampedusa gereist. Es gibt immer wieder von ihm Appelle, sich besser um Flüchtlinge zu kümmern und sie nicht auszugrenzen. Auch die Caritas ist schon lange aktiv in dieser Richtung, es hat sich bisher aber wenig geändert. Was glauben Sie, wie kann das diesmal klappen, dass sich doch ein bisschen was tut?

Wir brauchen einen langen Atem

Peter Neher: Wir sind sehr dankbar Papst Franziskus gegenüber, dass er dieses Thema immer wieder auf die Tagesordnung setzt und auch den politisch Verantwortlichen zumutet, sich des Themas anzunehmen. Ich glaube, es wird hier nicht einfach einen steilen Durchmarsch an Veränderung geben, und deswegen ist es so, dass wir diese Themen immer wieder neu zu bearbeiten haben und gleichzeitig auch schauen müssen, dass wir Länder - gerade auch in Osteuropa - nicht einfach in die Ecke stellen, sondern uns fragen: Wie können wir auch mit den Caritas-Organisationen in diesen Ländern gemeinsam Brücken bauen? Das ist, glaube ich, der entscheidende Punkt. Es gilt eben, hier einen langen Atem zu haben und sich nicht entmutigen zu lassen, so nach dem Motto, wir haben das jetzt doch schon so lange gefordert und sind schon so lange auf dem Weg. Es ist einfach so und ich glaube, wir haben die Aufgabe, nach wie vor in unseren Ländern hier für eine positive Grundhaltung zum Thema Migration zu sorgen. Und da ist man nie fertig! Deswegen muss es auch immer wieder neu zum Thema werden, weil es tatsächlich mit unserem Evangelium, mit dem Wort von Papst Franziskus zu tun hat. Es ist eine Aufgabe, der wir uns zu stellen haben. Angesichts weltweiter Flüchtlingsströme können wir uns nicht zurücklehnen und sagen, das geht uns nichts an.

„Angesichts weltweiter Flüchtlingsströme können wir uns nicht zurücklehnen und sagen, das geht uns nichts an“

Afghanistan: Zwei von 12 Projekten aktuell noch aktiv

Radio Vatikan: Und jetzt haben wir ja zusätzlich auch noch die Lage, die sich zum Beispiel in Afghanistan so stark verschlechtert hat. Ist die Caritas dort eigentlich noch vor Ort aktiv?

Peter Neher: Im Moment sind von zwölf Projekten, die die deutsche Caritas in Afghanistan betreibt, nur zwei tatsächlich in der Lage, ihre Arbeit fortzusetzen. Das ist einmal eine Werkstätte für orthopädische Hilfsmaterialien, also Prothesen und solche Dinge, und das andere ist eine Gesundheitsstation für Tuberkulose und Lepra. Alle anderen können im Moment nicht arbeiten, weil es nach wie vor nicht möglich ist, finanzielle Mittel dorthin zu schaffen, damit dort gearbeitet werden kann. Unser Büroleiter allerdings kann derzeit nicht in Afghanistan arbeiten, wo wir übrigens seit 1984 tätig sind - auch unter der Zeit der Taliban. Es ist klar, dass wir es für dringend notwendig erachten, humanitäre Hilfe zu leisten, aber wir brauchen die Garantie der Sicherheit für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch die Garantie, dass Frauen adäquat arbeiten können. Diese Dinge stehen im Moment aus. Ich glaube, die deutsche Bundesregierung ist im Gespräch mit den Verantwortlichen. Wir, wie gesagt, sind jederzeit bereit, dort wieder zu arbeiten, aber es braucht Rahmenbedingungen, die unsere Arbeit absichern.

„Wir sind jederzeit bereit, dort wieder zu arbeiten, aber es braucht Rahmenbedingungen, die unsere Arbeit absichern“

Was bleibt nach 18 Jahren als Caritas-Präsident 

Radio Vatikan: Was bei der Delegiertenversammlung auch noch ansteht und Sie ganz persönlich betrifft, ist die Wahl des neuen Präsidenten oder möglicherweise auch einer neuen Präsidentin, denn Sie geben nach 18 Jahren an der Spitze des größten deutschen Wohltätigkeitsverbands ihr Amt als Caritas-Präsident ab. Peter Neher, wie sieht denn Ihre persönliche Bilanz aus?

Peter Neher: Gut, die ist natürlich immer gemischt, wenn man auf so lange Zeit zurückschaut. Mir war es jedenfalls immer ein großes Anliegen, die deutsche Sozialpolitik und die Situation der Menschen, die in Not sind, aus der Kraft des Evangeliums und im Bewusstsein der katholischen Soziallehre mit zu beeinflussen, mitzugestalten. Ich denke, dass uns das möglicherweise an einigen Punkten gelungen ist, ob das den Arbeitsmarkt angeht oder vielleicht auch das Thema Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit. Anderes ist sicher offengeblieben. Das, was wir auch als deutsche Caritas im Ausland auf den Weg gebracht haben, hat mich immer bei meinen Auslandsbesuchen - ob das in Vietnam war oder in Nordkorea oder in Afghanistan - sehr beeindruckt, und das ist etwas, wovon ich denke, da hat es sich gelohnt, sich zu engagieren. Und dort, wo die Fragestellungen weiter da sind, wie zum Beispiel Kinderarmut oder die Fragen soziale Gerechtigkeit, gesellschaftlicher Zusammenhalt, das wird nie ein für alle Mal zu bearbeiten sein. Insofern wird das immer eine große Aufgabe bleiben für jeden, der hier Verantwortung trägt mit großem Engagement, langem Atem. Ich glaube, das ist notwendig und steht uns als Christen gut an, darauf zu vertrauen, dass letztlich Gott es ist, der die Dinge voranbringt und bewegt, und ich habe mich gerne in diesen Dienst gestellt.

Die Fragen stellte Stefanie Stahlhofen 

Haiti: Caritas setzt Hilfe für Erdbebenopfer fort

2.237 Opfer, 12.838 Verletzte, 63.645 zerstörte Häuser, 142 Kirchen und 56 katholische Schulen: Das ist die dramatische Bilanz des schweren Erdbebens der Stärke 7,2, das die Insel Haiti am 14. August erschütterte. Mehr als drei Wochen nach dem Beben zieht Pater Jean Herve François, nationaler Direktor der Caritas, Bilanz und zeichnet ein Gesamtbild des sozialen Kontextes in Haiti, der seit Monaten durch eine tiefe politische und wirtschaftliche Krise belastet ist.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Zu den genannten Krisen gesellt sich auch die Covid-19-Pandemie, die bis heute fast 21.000 Infektionen und offiziell über 580 Todesfälle verursacht hat. Infolgedessen sei die Verletzlichkeit der Menschen gestiegen, betont Pater François. „Familien leben auf der Straße, ohne ein Dach über dem Kopf. Darüber hinaus ist humanitäre Hilfe im Süden der Insel, der am stärksten vom Erdbeben betroffen ist, nur langsam wieder einigermaßen möglich. Wegen der Angriffe krimineller Banden musste ein Sicherheitskorridor von der Hauptstadt Port-au-Prince nach Les Cayes im Departement Grand Sud eingerichtet werden“, so der Caritas-Direktor.

Für Kardinal Chibly Langlois aus Haiti handelt es sich bei den jetzigen Aufbauarbeiten in seinem Land um ein schwieriges Unterfangen, wie er im Gespräch mit Radio Vatikan sagt:

„Wir haben so viele Tote zu beklagen, zahlreiche Häuser sind zerstört worden und viele Menschen sind obdachlos. Auch viele Kirchgebäuden sind weiterhin nicht begehbar. Die Wunden des Erdbebens sind also noch weiterhin sichtbar.“

Die Kirche auf Haiti sei noch dran, die genauen Zahlen zu eruieren, wie viele Geistliche gestorben sind und wie viele Kirchen zerstört wurden, so Kardinal Chibly Langlois:

„Ich kann nur sagen, dass wir vor Kurzem zwei Leichen von verschütteten Priestern gefunden haben. Es gibt leider so viele Tote im Süden des Landes und wir müssen davon ausgehen, dass darunter auch etliche Priester und Ordensleute sind. Es gibt Gebiete, die komplett zerstört sind und wo nichts mehr steht.“

Katholische Schulen stark betroffen

Und gerade dort sei es schwierig, nicht nur nach Überlebenden zu suchen, sondern auch die Leichen zu bergen. Es seien viele katholische Schuleinrichtungen stark betroffen, so der Kardinal:

„175 kirchliche Einrichtungen auf Pfarreiebene sind zerstört worden. Viele Schulen sind nur noch eine Ruine geblieben. Und wir dürfen auch nicht die tausenden Verletzten vergessen. Jetzt geht es darum, ihnen zu helfen und beizustehen.“

Trotz der Gefahren „konnten die humanitären Konvois die Bevölkerung erreichen“, erklärt Pater François, „aber die verfügbaren Güter waren geringer als die Zahl der Bedürftigen, was die Verteilung der Hilfe weiter erschwerte“, so dass „die Menschen begannen, regelrechte Lager am Straßenrand zu errichten, um die Aufmerksamkeit der humanitären Helfer auf sich zu ziehen“. Caritas Haiti habe sofort Maßnahmen ergriffen, um den Opfern des Erdbebens zu helfen: „Zwei Stunden nach dem Erdbeben wurde das Notfallprotokoll in Kraft gesetzt und in Abstimmung mit Caritas International wurden mehrere Rettungsteams in das Gebiet entsandt.“

Bislang habe Caritas Haiti vor allem in Nippes, Grand'Anse und Sur Cayes Hilfe geleistet, wo mobile Kliniken eingerichtet und Gesundheitspakete, Lebensmittel und Trinkwasser geliefert wurden. Mittelfristig soll ein 6- bis 12-monatiges Wiederanlaufprogramm entwickelt werden. Pater Jean Herve François fügt abschließend hinzu: „Entsprechend den bereits mit den Diözesen getroffenen Vereinbarungen werden wir sowohl im Bereich der Infrastruktur für den Bau von Häusern und die Schaffung landwirtschaftlicher Strukturen als auch im Bereich der Unterstützung von Schulen und der Verteilung von Barmitteln tätig sein.“

In der Zwischenzeit ist Hilfe für Haiti von Papst Franziskus eingetroffen: Am 24. August teilte das Dikasterium für den Dienst der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen mit, dass der Papst beschlossen habe, einen ersten Hilfsfonds von 200.000 Euro auf die Insel zu schicken, um der Bevölkerung zu helfen. Die Summe, so erklärte das Dikasterium, werde in Zusammenarbeit mit der Apostolischen Nuntiatur unter den von der Katastrophe am stärksten betroffenen Diözesen verteilt und für Hilfsmaßnahmen für die Erdbebenopfer verwendet, mit dem Ziel, auch „ein Gefühl der geistlichen Nähe und väterlichen Ermutigung gegenüber den betroffenen Menschen und Gebieten zum Ausdruck zu bringen“.

Es ist ein trauriges Jubiläum, das Syrien im Frühjahr 2021 begeht

Die bittere Bilanz des Krieges

500.000 Tote und 13 Millionen Menschen auf der Flucht. Heute, zehn Jahre nach den ersten Schüssen, fallen zum Glück nur noch wenige Bomben. Doch gekämpft wird immer noch täglich. Das Land steht mittlerweile vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch, die Preise für Lebensmittel schnellen in die Höhe. Brot, Strom, Medizin und Treibstoff sind Mangelware. Den Menschen droht die Kraft auszugehen, der Mehrheit geht es so schlecht wie nie zuvor. Für die Mitarbeitenden der Caritas und ihre Partner vor Ort heißt das: Jetzt bloß nicht nachlassen.

Caritas Neue passende Strukturen

Bischof Fürst ordnet den Caritasbereich neu: Die seitherige Hauptabteilung VI- Caritas wird zum 1. Januar 2021 aufgelöst.

Die Caritas wird künftig durch den Vorstandsvorsitzenden ihres Diözesanverbandes (DiCV), Pfarrer Oliver Merkelbach, mit Sitz und Stimme in der Sitzung des Bischöflichen Ordinariates (BO), dem Leitungsgremium der Diözese Rottenburg-Stuttgart, direkt vertreten sein. Die neunköpfige Hauptabteilung VI - Caritas, deren langjährige Leiterin, Ordinariatsrätin Dr. Irme Stetter-Karp vor zwei Wochen in Ruhestand gegangen ist, wird zum 1. Januar 2021 aufgelöst – ihre Mitarbeitenden wechseln mitsamt den seitherigen Aufgaben in andere Hauptabteilungen.

Für Bischof Dr. Gebhard Fürst bedeutet sein Organisationserlass weit mehr als eine bloße Veränderung von Strukturen. Gerade die Corona-Krise habe gezeigt, wie wichtig es ist, „die Caritas als Grundauftrag von Kirche und überzeugendes Kennzeichen einer missionarischen Kirche in heutiger Zeit“ zu stärken. Darum gelte es immer neu, die passenden Strukturen zu wählen, damit sich „die diözesane Caritas in all ihrer Vielfalt wirksam als gestaltende Kraft für das Soziale erweisen kann“. Dem DiCV komme hierbei schon immer eine zentrale Rolle und Aufgabe zu. Seit mehr als hundert Jahren gilt er als die vom Bischof beauftragte und anerkannte „institutionelle Zusammenfassung und Vertretung der katholischen Caritas in der Diözese“, wie es in seiner Satzung formuliert ist. Alle kirchlichen Träger von Krankenhäusern, Einrichtungen der Alten-, Behinderten- und Jugendhilfe sind darum ebenso Mitglied im DiCV wie die Kirchengemeinden mit ihren Kindertagesstätten, Sozialstationen und sonstigen vielfältigen caritativen Aufgaben. Vor diesem Hintergrund sei es naheliegend, so Bischof Fürst, den Vorstand des DiCV mit der Aufgabe zu betrauen, die „Anliegen der Caritas in der Leitung der Diözese und ebenso im Auftrag der Diözese nach außen, beispielsweise dem Land gegenüber,“ zu vertreten.

Die Mitarbeitenden der seitherigen Hauptabteilung VI im Bischof-Leiprecht-Zentrum in Stuttgart-Degerloch wurden am gestrigen Mittwoch über die anstehende Neuordnung des Caritasbereiches informiert. Für Themen wie die Telefonseelsorge, die ambulante und stationäre Hospizarbeit, die Psychologische Familien- und Lebensberatung, die Profilierung der Sozialstationen, die Familienpflege und Organisierte Nachbarschaftshilfe ist ab 1. Januar 2021 die Hauptabteilung IV - Pastorale Konzeption zuständig, für die Profilbildung Kindertagesstätten, die Familienzentren und den Zukunftsfonds Kindergarten die Hauptabteilung IX – Schulen und für den Bereich Flüchtlingshilfe, Migration, Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution die Hauptabteilung XI – Kirche und Gesellschaft. Letztere kümmert sich künftig auch um die Stiftung „Mütter in Not“ und die Mutter-Teresa-Stiftung.

Caritas-Sonntag zur Unterstützung der kirchlichen Sozialarbeit

In deutschen Gemeinden wird am kommenden Sonntag für die Arbeit der Caritas gesammelt. Wie die Deutsche Bischofskonferenz in ihrem Aufruf zu der Aktion bekanntgab, steht der Caritas-Sonntag am 20. September unter dem gleichen Thema wie die Jahreskampagne der Caritas: „Sei gut, Mensch!“

Der Sonntag solle dazu beitragen, bewusst zu machen, dass „Caritas, also gelebte Nächstenliebe, Aufmerksamkeit und Solidarität gegenüber den Mitmenschen zusammen mit der Verkündigung und der Liturgie das Fundament der Kirche und des christlichen Lebens sind“, heißt es in der Mitteilung der DBK. 

In ihrem Aufruf schreiben die deutschen Bischöfe: „Wir brauchen gute Menschen, die Gutes tun! Tag für Tag ist in unzähligen Einrichtungen und Projekten der Kirche und ihrer Caritas erlebbar, wie haupt- und ehrenamtlich Engagierte Probleme anpacken und anderen zur Seite stehen.“ Dabei dürfe „gut sein“ nicht an Grenzen Halt machen, denn in anderen Ländern gäbe es oft noch größeren Bedarf an Hilfe und Unterstützung. „Vieles ist möglich, wenn wir Menschlichkeit leben.“

„Bitte unterstützen Sie durch Ihre Gabe die Arbeit der Caritas“

Wie die Bischöfe unterstreichen, solle mit dem Erlös der Kollekte die kirchliche Sozialarbeit wie beispielsweise die Kinder- und Jugendhilfe, Altenhilfe oder die Beratung von Familien unterstützt werden: „Bitte unterstützen Sie durch Ihre Gabe die Arbeit der Caritas. Dafür danken wir Ihnen sehr herzlich.“

Die Bischöfe weisen darauf hin, dass aufgrund der Corona-Pandemie öffentliche Gottesdienste nach wie vor nur eingeschränkt stattfinden und somit auch die Kollekte nicht in der gewohnten Form stattfinden könne. Daher gebe es die Möglichkeit, direkt an den Deutschen Caritasverband zu spenden:

Deutscher Caritasverband

IBAN: DE 54 6602 0500 0001 7777 00

BIC: BFSWDE33KRL (Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe)

Caritas-Zentrum Öhringen

Die Caritas Heilbronn-Hohenlohe bietet ein umfangreiches Hilfsangebot. Mehr Informationen erhalten Sie auf der Homepage der Caritas. Das Caritas-Zentrum Öhringen befindet sich auf dem Gelände unserer Kirchengemeinde (Am Cappelrain 6, über dem Kindergarten).

Caritas-Zentrum Öhringen, Am Cappelrain 6

Öffnungszeiten:

Di. + Do. 9:00–12:00 Uhr und 14:00–16:00 Uhr

Telefon 07941 20741-41, Telefax 07941 20741-46,

Außerhalb der Öffnungszeiten nimmt ein Anrufbeantworter Ihr Anliegen entgegen – wir rufen Sie gerne zurück. 

 

 

 

E-mail: cz-oehringen(at)caritas-heilbronn-hohenlohe.de

Homepage: www.caritas-heilbronn-hohenlohe.de