Neuer Chef für Renovabis

Der Augsburger Diözesanpriester Thomas Schwartz wird neuer Hauptgeschäftsführer von Renovabis, der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa. Das wurde an diesem Dienstag bekannt.

Schwartz löst in dieser Funktion den ebenfalls aus Augsburg stammenden Priester Christian Hartl ab, der nach fünfjähriger Amtszeit ins Bistum zurückkehrt. Der neue Hauptgeschäftsführer sei „durch seine Erfahrungen in vielen Bereichen der Seelsorge, durch seine Fremdsprachenkenntnisse und durch seine empathische Kommunikationsfähigkeit für diese Aufgabe hervorragend geeignet“, sagte der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für die Weltkirche, Erzbischof Ludwig Schick. Zugleich dankte er Christian Hartl für seinen Dienst bei Renovabis, den der scheidende Geschäftsführer „fachkompetent und vor allem auch spirituell“ geleitet habe: Hartl habe „einen wichtigen Beitrag für ein vereintes Europa der Werte und der Solidarität geleistet und war bei den Partnern in Mittel- und Osteuropa anerkannt.“

Thomas Schwartz studierte Theologie in Augsburg und Rom, wo er 1990 die Priesterweihe empfing. Danach wirkte er zunächst als Kaplan, nach seiner Promotion in Freiburg als Hochschulpfarrer in Augsburg und seit 2010 als Pfarrer in Mering. Von 2005 bis 2014 war er außerdem Professor für Angewandte Ethik an der Hochschule Augsburg und ist seit 2014 Honorarprofessor für Wirtschaftsethik an der Universität Augsburg.

Renovabis-Kongress eröffnet - Krise in Belarus im Fokus

Die coronabedingt nur online stattfindende Veranstaltung steht unter dem Titel: „Covid-19 – Eine neue Herausforderung für Kirche und Gesellschaft in Ost und West“. Die Konferenz befasste sich zum Auftakt besonders auch mit der aktuellen Krise in Belarus.

So forderte der Minsker Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz in einem kurzfristig anberaumten Beitrag einen konstruktiven Dialog in seinem Heimatland. Dieser sei angesichts verhärteter Fronten aber nicht absehbar. Die katholische Kirche leiste ihren Teil, indem sie die Probleme in den Gottesdiensten thematisiere und immer wieder auf die Missstände hinweise. Wirtschaftliche Sanktionen gegen sein Land sieht Kondrusiewicz kritisch. Diese träfen ärmere Teile der Bevölkerung.Kondrusiewicz ist derzeit in Polen. Ihm war vergangene Woche die Rückkehr in seine Heimat verweigert worden. Staatspräsident Alexander Lukaschenko hatte ihm vorgeworfen, gegen die Interessen der Regierung zu handeln. Bereits zu Beginn der Krise wollte Kondrusiewicz einen Runden Tisch.

Die Belarus-Expertin der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, Astrid Sahm, äußerte sich ähnlich wie Kondrusiewicz. Dass die EU die Wahl des Staatspräsidenten Lukaschenko nicht anerkannt habe, sei ein erster Schritt. Es wäre nur konsequent, wenn sie nun auch von ihm unterschriebene Verträge nicht billige, so Sahm. Die Ordensschwester Veronika Popic aus Kroatien berichtete zum Thema Corona-Auswirkungen: Die Besucher in der Tagespflege durften abrupt nicht mehr kommen, erläuterte sie. In der Krise seien sie depressiv und einsam geworden. Ursula Kalb von der Gemeinschaft Sant'Egidio in München verwies auf ähnliche Probleme von mittellosen und isolierten Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt. Von Normalität seikeine Spur. Sie müssten jetzt flexibel auf sich ständig ändernde Bedingungen reagieren können. Die Krise habe zudem gezeigt, dass sich vermehrt Jüngere sozial engagierten.

Konkrete Zeugnisse

Per Videoclip gab eine Person namens Peter, der eigenen Angaben zufolge hoch verschuldet ist, Einblicke in seinen durch Corona veränderten Alltag. Mit dem Flaschensammeln habe er nur noch zwei, drei Euro pro Tag verdient, erzählte er. Die Kommunikation mit Behörden sei für ihn, der nur begrenzt Zugang zum Internet habe, unmöglich gewesen. Alexander, der nach eigenem Bekunden einer Risikogruppe angehört, sagte, in der Einsamkeit habe er sich oft gefragt, was passieren würde, wenn er sterbe und keiner es merke.

Der Renovabis-Kongress dauert noch bis Donnerstag. Dabei tauschen sich rund 280 Teilnehmer aus rund 30 Ländern in sieben Einzelforen aus. Behandelt werden die Auswirkungen der Krise auf Menschen, die schon vor der Pandemie am Rande der Gesellschaft lebten. Außerdem geht es um kirchliche Erwachsenenbildung, Seelsorge und Arbeitsmigration.