Katholische Kirchengemeinde Neuenstein

Die bedeutende nachreformatorische Geschichte der katholischen Kirchengemeinde in Neuenstein beginnt etwa in der Mitte des 20. Jahrhunderts, als die Flüchtlinge und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten mit Ende des 2. Weltkriegs 1945 auch in dieses Gebiet geleitet wurden.

Noch 1927 stellte das katholische Pfarramt Pfedelbach für die Stadtgemeinde Neuenstein einen Antrag mit der Bitte, ihm für Zwecke der religiösen Erbauung der hiesigen 51 Katholiken ein geeignetes Lokal einmal im Monat am Sonntag Nachmittag zur Verfügung zu stellen. Der Schulgemeinderat beschloss damals, den Schulzeichensaal unentgeltlich zu überlassen.

Als 1936 die katholische Kirchenpflege Pfedelbach am Sophienberg Nr. 16 ein Grundstück erwarb, fanden dort die Gottesdienste, der Kommunion- und Religionsunterricht statt. Eigentlich wollte man hier eine Holzkapelle errichten, aber die staatlichen Behörden lehnten dreimal die Baugesuche für die "Wanderkirche" ab. Selbst eine Beschwerde beim Innenminister in Stuttgart hatte keinen Erfolg.

Es sollte doch ganz anders kommen. 1945 entstand eine völlig neue Situation für die kleine Kirchengemeinde. Der Sophienberg, Notquartier für ca. 60 Katholiken, reichte für nunmehr ca. 700 Gläubige nicht mehr aus. Im Tauschweg mit der Stadt wurde der "Franzosenfriedhof" an der Kirchensaller Straße erworben und auf dieser Parzelle eine gebrauchte Barackennotkirche aufgebaut, die am 18.06.1950 geweiht wurde.

In der Zeit von 1946-1948 wurden die katholischen Gottesdienste in der evangelischen Kirche abgehalten und 1949-1950 im Saal des Gasthauses "Zum Rössle". In Neuenstein und Umgebung wohnten etwa 1000 Katholiken.

Am 04.10.1950 wurde deshalb hier ein Expositurvikariat errichtet und mit Öhringen von der Pfarrei Pfedelbach abgetrennt.

Neuenstein gehörte somit zur Stadtpfarrei St. Josef Öhringen unter der Leitung von Stadtpfarrer Gottfried Leuz. Zu seiner Unterstützung wurde dem "Heimatlosenseelsorger" Pater Lukas Müller O.S.B. aus Kloster Neresheim das Vikariat anvertraut.

Dem tatkräftigen, eifrigen Vikar waren "Notzeitenerfahrungen" nicht fremd. Die zu Gottesdiensten drängenden Gläubigen fanden oft keinen Platz in der Notkirche. Die "Kirche" wurde für die Angesiedelten Mittelpunkt in der neuen Heimat. Hier suchte man unter Gleichbetroffenen die Kraft, das Los des Verlustes der Heimat zu ertragen und Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft zu finden.

Pater Lukas war es bald klar, dass eine ausreichend große Kirche mit Gemeindesaal notwendig war. 1953 lebten in seinem Seelsorgebezirk 4.734 Bewohner, davon 962 Katholiken (20,3%) in 32 Orten und Wohnplätzen, die weiteste Entfernung von Neuenstein betrug 10,5 km.

Durch glückliche Umstände konnte das zwischen Kirchensaller Straße und Kreuzfeldweg gelegene Grundstück samt Haus erworben werden. Am 16.8.1955 wurde mit den Grabarbeiten für die neue Kirche begonnen. Die Pläne entwarf der bekannte Architekt Otto Linder aus Stuttgart. Schlichtheit und Sachlichkeit prägten im Grundzug seine planerischen Vorstellungen. Er erkannte, dass das Haus Gottes auch das Haus der Gemeinde sein sollte, damit sie zu einer neuen geistigen Heimat findet.

Im Vertrauen auf Gottes Hilfe konnte der Kirchenbau zügig durchgeführt werden. Durch die beachtliche Mithilfe und große Opferbereitschaft der Gemeindeglieder, die edlen Spenden vieler Kirchengemeinden und Personen Süddeutschlands und nicht zuletzt durch die aufopferungsvollen persönlichen Einsatz von Pater Müller, sei es durch erfolgreiche Bettelpredigten oder durch Handanlegen am Bau, konnte das Werk seine glückliche Vollendung finden. Die Grundsteinlegung erfolgte am 20.11.1955, die Kircheinweihung am 2./3.11.1957 durch den Rottenburger Weihbischof Wilhelm Sedlmeier.

Für den nördlichen Teil des Seelsorgebezirks in Kirchensall und Umgebung suchte man nach 1945 für über 200 Katholiken einen Gottesdienstraum. Am 26.09.1952 nahm die Gastrolle im Schul- und Gasthaussälen ein Ende. Die "Kirchensaller" veränderten eine Holzbaracke in über 1093 unentgeltlichen Arbeitsstunden in eine Notkirche, die ihnen im Laufe der Zeit als "Marienkirche" lieb geworden war. Mit den Jahren verringerten sich die Gottesdienstbesucher erheblich. Der Wegzug vieler Leute in die Ballungsräume und Städte, wo es Arbeitsplätze gab, hatte zur Folge, dass die Gottesdienste in Kirchensall nicht mehr aufrecht erhalten werden konnten. Schweren Herzens wurde die Notkirche am 12.06.1976 abgebrochen und beseitigt.

Als Ersatz wurde von 1976 bis Ende 1997 ein Bus zu Gottesdienstfahrten nach Neuenstein eingesetzt.

Ein Ereignis von besonderer Bedeutung für das bisherige Expositurvikariat Neuenstein war die Erhebung zur Katholischen Pfarrei und Kirchengemeinde Christus König Neuenstein durch den Bischof von Rottenburg Georg Moser auf den 1. Januar 1981. Das bedeutete die rechtliche Loslösung von der Pfarrei und Kirchengemeinde St. Josef Öhringen und die Erlangung der Selbständigkeit.

Zur neuen selbständigen Pfarrei gehören der Hauptort Neuenstein und die Orte Eschelbach, Großhirschbach, Grünbühl, Kesselfeld, Kirchensall, Kleinhirschbach, Langensall, Löschenhirschbach, Mainhardtsall, Neufels, Neureut, Obereppach, Obersöllbach, Pfaffenweiler, Schwarzenweiler, Forchtenberg-Wohlmuthausen und Forchtenberg-Metzdorf.

Nach 19 Jahren selbständiger Pfarrei zeichnet sich in der Kirche eine Umbruchsituation ab.

Der Priestermangel führt dazu, dass nicht mehr alle freien Pfarrstellen besetzt werden können. So soll in Zukunft auch unsere Pfarrei wohl rechtlich selbständig bleiben, aber keinen eigenen Pfarrer mehr erhalten. Die Diözese Rottenburg will der Notsituation in den Kirchengemeinden durch Bildung von "Seelsorgeeinheiten" begegnen, d. h. Nachbargemeinden müssen miteinander kooperieren, ein leitender Priester steht der Seelsorgeeinheit vor.

Am 19. Oktober 2000 unterzeichneten die Kirchengemeinden Neuenstein und Öhringen einen Kooperationsvertrag für die nächste Zukunft.

Hans-Joachim Faika

 

2007 wurde der Innenraum der Christus König Kirche renoviert und künstlerisch neu gestaltet. 2010 nahm die Kirchengemeinde die Renovation des Gemeindesaals in Angriff. 2012 wurde das alte Mesnerhaus umgebaut. In diesem Haus bietet heute die Caritas Wohnraum für psychisch kranke Menschen an. 2016 erfährt die Orgel eine grundlegende Sanierung.

Zur Kirchengemeinde Christus König gehören derzeit rund 1.000 Katholiken.

Der aktuelle Kirchengemeinderat wurde 2015 gewählt und leitet zusammen mit dem Pfarrer Klaus Kempter die Gemeinde.

Veröffentlicht am 11.03.2015 auf YouTube (Bitte auf das Bild klicken!)

Bis 1950 gehörte die Kirchengemeinde zur Pfarrei Pfedelbach. Auch aufgrund der stark wachsenden Zahl der Katholiken (1927: 51 Katholiken, 1953: 962 Katholiken) in der Nachkriegszeit wurde Neuenstein gemeinsam mit der ebenfalls zu Pfedelbach gehörenden Gemeinde Öhringen von Pfedelbach abgetrennt, in Neuenstein wurde ein sogenannte Expositurvikariat errichtet. Damit gehörte Neuenstein zur Stadtpfarrei St. Joseph Öhringen.

Glocke 1 - Josefsglocke

Glocke 2

 

 

Glocke 3

 

 

Glocke 4

 

 

Die Glocken im Turm von Christus König