Stolpersteine in der Liturgie

Credo: Die heilige, katholische Kirche

Das Glaubensbekenntnis gehört selbstverständlich zu einem Sonntags- oder Festgottesdienst. Nachdem die biblischen Lesungen vorgetragen und das Wort Gottes in der Predigt auf die heutige Lebenssituation hin (hoffentlich) klar ausgelegt wurde, ist das Credo die Antwort der Gemeinde darauf: „Ich glaube!“

So selbstverständlich dieses Gebet miteinander gesprochen wird, so einfach zugänglich ist vielen nicht, was wir da bekennen. Mit dem einen oder anderen „Artikel“ des Glaubensbekenntnisses werden nicht wenige so ihre Schwierigkeiten haben und fragen: Was bedeutet das denn: „geboren aus der Jungfrau Maria“? Wie soll ich das verstehen: „seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn“? Da braucht es dann eine Erschließung, theologische Bildung, ein wenig Kirchen- und Dogmengeschichte. Manche empfinden das Credo auch nicht unbedingt als einen Text, mit dem sie „ihren“ Glauben zum Ausdruck bringen. Vom Wirken Jesu und seiner Reich-Gottes-Verkündi­gung steht da doch gar nichts drin. Die weiblich-mütterliche Seite Gottes kommt nicht vor. Die Vielfalt an Gotteserfahrungen kommt zu wenig zum Ausdruck. So könnten die Einwände lauten.

Da hilft ein Blick in die Geschichte. Das Apostolische Glaubensbekenntnis geht auf die Aussagen der Apostel über Jesus zurück. Auf die Sätze haben sich die Christen der frühen Kirche geeinigt, um sich in ihrem Glauben zu vergewissern. Sie wurden über die Jahrhunderte weitergegeben. Allerdings wurde das Credo „verhältnismäßig spät in die Messfeier aufgenommen. Zuerst kommt es in östlichen Liturgien vor (Anfang des 6. Jh.), am Ende des 6. Jh. auch in Spanien. In die römische Liturgie fand es erst kurz nach der Jahrtausendwende Eingang, und zwar in der Form des großen Glaubensbekenntnisses, das auf den allgemeinen Konzilien von Nicäa (325) und Konstantinopel (381) seinen Ursprung hat und deshalb auch »Nicänisch-Konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis« genannt wird. Ursprünglich war es Taufbekenntnis im Osten, während bei den Taufen im Westen das »Apostolische Glaubensbekenntnis« gesprochen wurde. Mit dieser Herkunft hängt auch die ursprüngliche Ich-Form zusammen“(Adam).

Erzbischof Ludwig Schick schreibt zum Credo: „Beide Glaubensbekenntnisse werden gewöhnlich in drei Abschnitte und zwölf Artikel untergliedert. Die Abschnitte sind den drei göttlichen Personen, Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist gewidmet. Die Unterteilung in zwölf Artikel ist bereits bei Bischof Ambrosius von Mailand (339-397) zu finden. Die Legende verbindet die zwölf Artikel mit den zwölf Aposteln, die ihre Wahrheit garantieren. "Zwölf" ist außerdem die Zahl der Vollkommenheit.

Beide Glaubensbekenntnisse sind Kompendien, Zusammenfassungen des christlichen Glaubens in Kernsätzen. Sie wurden verfasst, um mit ihnen die wesentlichen Punkte des Christentums auszudrücken. Sie sollten jedem Christen ermöglichen, die Hauptinhalte des Glaubens auswendig zu lernen, um sie immer im Bewusstsein zu haben und jederzeit frei aufsagen zu können.

Beide Glaubensbekenntnisse sind in einem längeren Entwicklungsprozess entstanden, was man besonders an den Erweiterungen des Nizäno-Konstantinopolitanischen ablesen kann. Die Erweiterungen wurden hinzugefügt, um die Inhalte der zwölf Artikel zu vertiefen oder um Irrlehren, die im Laufe der Zeit auftraten, abzuwehren.“

Ein „Knackpunkt“ ist für viele, was im dritten Abschnitt über die Kirche gesagt wird. Dort bekennen wir: „Ich glaube an die heilige katholische Kirche“. An der Bezeichnung „heilig“ stoßen sich die einen, weil es in der Kirche doch so viel Sünde und so viele Vergehen gibt, wofür wir gerade in unseren Tagen durch den Missbrauch-Skandal sehr sensibilisiert wurden. Das Bekenntnis zur „katholischen“ Kirche stört wieder andere, vor allem in ökumenischen Gottesdiensten, weil dies so konfessionell klingt und andere ausschließt.

Zwei Gedanken dazu.

Heilig ist die Kirche nicht, weil sie ohne Fehler und Sünde wäre oder ihre Mitglieder in moralischer Hinsicht tadellos. Da spricht ja schon unsere Erfahrung dagegen. Als heilig wird sie bekannt, weil Kirche für die Glaubenden der Raum ist, in dem sie mit Gott, dem Heiligen, in Berührung kommen. Durch den Dienst der Kirche, in ihren Sakramenten erfahren sie das Heil, das Gott uns schenkt. Kirche ist - bei aller Begrenztheit – ein Heilsraum, in dem Menschen heil werden können. Christen erfahren sich von Gott erwählt und ihm zugehörig, zwar in der Welt, aber nicht aus der Welt, wie es Johannes sagt (Joh 17,11.14-15). In diesem Sinne sind sie Heilige (vgl. Röm 8,27) und die Kirche heilig.

Katholisch ist Kirche nicht zuerst, weil sie ihren Sitz in Rom hat und als Oberhaupt den Papst. „Ignatius von Antiochien (um 110) wendet das Wort »katholisch« erstmals auf die Kirche an. Es meint ursprünglich: »was dem Ganzen entspricht«. Gemeint ist ein Doppeltes: die ganze, weltweite und universale Kirche, welche den ganzen, wahren und echten Glauben verkündet. Die wahre Kirche ist also katholische im Unterschied zu den Gemeinschaften, die nur einen Teil der Wahrheit herausschneiden oder nur für ein bestimmtes Volk, eine bestimmte Kultur, eine bestimmte Schicht und dergleichen Kirche sein wollen“(Erwachsenenkatechismus). Durch die Trennungen und Spaltungen in der Kirche Jesu wird diese „Katholizität“ natürlich verdunkelt. Und in der Reformation wurde das „katholisch“ im Credo konfessionell verstanden (als römisch—katholisch). Deshalb beten die evangelischen Christen an dieser Stelle auch: „Ich glaube an die heilige christliche Kirche“ (oder „allgemeine Kirche“ oder „allgemeine christliche Kirche“). Ich sage aber immer, sie können, wenn sie bei uns mitfeiern, sich ohne Bedenken im Credo auch zur „katholischen Kirche“ bekennen – eben in dem weiten und ursprünglichen Sinn dieses Wortes, das ganz früh seinen Eingang ins Glaubensbekenntnis gefunden hat, noch lange bevor es die Trennung zwischen der römisch-katholischen Kirche und den Kirchen der Reformation gegeben hat. Die orthodoxen Christen, die das Nizäno-Konstantinopolitanische Credo sprechen, beten an dieser Stelle ebenso „Und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“.

Zum Schluss nochmals Erzbischof Schick: „Die beiden Glaubensbekenntnisse sind ein Knochengerüst, das mit Fleisch und Blut umgeben werden muss. Bei jedem Christen, der das Glaubensbekenntnis spricht, sollen die nüchternen »Artikel« Assoziationen zu Texten der Bibel, zur Liturgie, zur Tradition und zum ganzen Glaubensschatz der Kirche wecken.“

 

Pfarrer Klaus Kempter

 

Quellen:

www.katholisch.de/artikel/6564-das-glaubensbekenntnis (Erzbischof Ludwig Schick)

Deutsche Bischofskonferenz (Hg.), Katholischer Erwachsenen-Katechismus, 1985.

Adolf Adam, Die Eucharistiefeier, Freiburg 1991.

 

Stolpersteine in der Liturgie: "Agnus Dei - Lamm Gottes - Brotbrechung"

Es ist zu vermuten, dass der Großteil der Gottesdienstbesucher den lateinischen Ausdruck Agnus Dei relativ problemlos ins Deutsche übersetzen könnte: Lamm Gottes eben. Und wenn es eine Umfrage geben würde, an welcher Stelle im Gottesdienst das Lamm Gottes gebetet wird, würde der Großteil spontan die Antwort wissen. Genau, nach dem Friedensgruß, und vor der Kommunionspendung.

Doch ist es wahrscheinlich weniger bekannt, dass das Agnus Dei nur die Begleitung für einen Ritus ist, der manchmal unbemerkt stattfindet, nämlich das Brotbrechen. Ursprünglich wurde das Agnus Dei solange gesungen, wie die Brotbrechung dauerte. In den frühen Zeiten wurden noch Brotfladen gebrochen und ausgeteilt, so dass die Brotbrechung eine gewisse Zeit in Anspruch nahm. Der Akt des Brotbrechens geht auf Jesus zurück. Er selbst hat beim letzten Abendmahl das Brot gebrochen, und so ist das Brotbrechen die Erinnerung an das letzte Abendmahl, und daran, dass sich Jesus, das Brot des Lebens, für uns hingegeben hat. Das eine Brot wird gebrochen für alle, alle haben Anteil an dem einen Leib. Früher hieß die Eucharistiefeier auch nur das Brotbrechen. Im neuenten und zehnten Jahrhundert kam man vom großen Brotlaib ab und verwendete vermehrt die kleinen Hostien. Gebrochen wurde nur noch die größere Priesterhostie, weshalb das Agnus Dei dann auf dreimaliges Wiederholen beschränkt wurde.

Das Agnus Dei, als Begleitung für das Brotbrechen, soll hinweisen auf Jesus, der gebrochen wird für alle Menschen. Dabei wird Jesus als das Lamm Gottes bezeichnet. Dieser Ausdruck geht zurück auf Johannes den Täufer, der Jesus auf sich zukommen sah, und sagte: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29). Schon im Alten Testament, im Buch des Propheten Jesaja, wird der leidende Gottesknecht, was auf den Messias deutet, mit einem Lamm verglichen: „Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt“ (Jes 53,7). Das Lamm das geschlachtet wurde, ist auch das Zentrum des Passahfestes. Das Passahfest wird gefeiert in Erinnerung an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, an ihre Befreiung aus der Sklaverei. In der Nacht als dies geschah, sollten sie ein Lamm schlachten und mit dem Blut des Lammes ihre Türpfosten bestreichen, damit sie vom Tod verschont bleiben (vgl. Ex 12,1-13). So soll dieses Fest hinweisen auf das wahre Passahlamm, das geopfert wird. So findet sich das geschlachtete Lamm auch in der Offenbarung des Johannes, als Bild des Erlösers wieder: „Ich sah ein Lamm, wie geschlachtet“ (Offb 5,6). So ist der Begleitruf, das LammGottes, ein Ruf an Jesus, als Erlöser, um sein Erbarmen. Sein Blut, vergossen zur Vergebung der Sünden. So wie das Blut des Lammes die Israeliten vor dem Tod bewahrte, so bewahrt das Blut des LammGottes die Menschen vor dem ewigen Tod. Dieses Erbarmen findet seinen Ausdruck in dem Frieden, den Jesus gibt, den Frieden zwischen Gott und den Menschen. So lautet der Ruf zweimal: „Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme Dich unser“, und beim dritten Mal: „Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, gib uns Deinen Frieden“.

Die Bitte um sein Erbarmen zieht sich durch den gesamten Gottesdienst. Nicht so sehr um uns unsere Schlechtigkeit ständig vor Augen zu führen, sondern um zu erkennen, dass wir nichts tun können. Das, was ER, Jesus, getan hat, das genügt. Ihn, Christus den Herrn, rufen wir im Kyrie um sein Erbarmen. Im Gloria, im Lobpreis wird das Lamm Gottes, das unsere Sünden hinwegnimmt, besungen als freudiger Ausdruck des Wissens um sein Erbarmen, nicht so sehr als bangendes Hoffen darum. Nach dem Vaterunser, mit der Bitte um die Vergebung der Schuld, und nach dem Friedensgruß mit der Friedenszusage, hat das Agnus Dei an der Stelle in der Liturgie seinen Platz gefunden, wo Jesus, das Lamm Gottes, für uns gebrochen und anschließend an alle ausgeteilt wird.

Um die Einheit von Leib und Blut aufzuzeigen, nimmt der Priester von dem gebrochenen Brot ein kleines Stückchen und gibt es in den Kelch. Die Kirchenväter sahen darin ein Symbol für das Einswerden der irdischen und der himmlischen Natur in Christus. Anselm Grün schreibt dazu: „Für die Alten war das ein Bild für die Auferstehung Christi. Wenn Leib und Blut Bilder für die Hingabe Jesu am Kreuz sind, dann symbolisiert das Eintauchen des Brotes in den Wein das Zusammenkommen von Leib und Blut Jesu in der Auferstehung. Für mich ist das ein schönes Bild, dass die Brüche meines Lebens geheilt werden, wenn sie eingetaucht werden in die Liebe Christi, von der der Kelch voll ist“.

 

Klaus Hohl

Quellen

- Werner Groß, Immer und überall danken.  Die Eucharistie verstehen und feiern, Schwabenverlag 2000.

- Pater Anselm Grün, Sakramente.  Die Eucharistiefeier. Verwandlung und Einswerden, Vier-Türme-Verlag 2000.

 

Stolpersteine in der Liturgie

„Schuldbekenntnis“/Bußakt

Wie oft kommt es vor, dass wir unbewusst und ungewollt jemandem beleidigen, ihm oder ihr auf den „Schlips treten.“, dass es in der Familie, im Freundeskreis, bei der Arbeit Streit oder zumindest „böses Blut“ gibt und schnell hat man den anderen, die andere gekränkt. Wie schwer ist es dann oft, die Sache wieder zu bereinigen, wie schwer fällt es uns über den eigenen Schatten zu springen, unseren Stolz zu überwinden, vor allem wenn wir glauben, im Recht zu sein… „der hat angefangen“. Das alles kennen wir.

Welche Bedeutung hat die Frage vom Schuldigwerden und der Vergebung in der Gemeinde und im Umgang mit den Mitmenschen? Wie sollen wir miteinander umgehen? Die Antwort Jesu: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal“ sollt ihr vergeben (Mt18, 21ff).
Aber: Stößt nicht unsere eigene Vergebungsbereitschaft immer wieder an Grenzen?

Vergeben heißt weggeben. Das griechische Wort für vergeben heißt, wörtlich übersetzt, „loslassen.“ Die Macht des Vorwurfs weggeben, damit wir nicht über dem anderen stehen. Das „Siebenundsiebzigmal" des Herrn ist also in erster Linie keine Quantifizierung, sondern eine Aussage über die Qualität unserer Vergebung. Wir sollen dem anderen das geben, wovon wir selber am meisten leben und was wir täglich brauchen: Vergebung als Frucht der Versöhnung. Das Gleichnis Jesu verdeutlicht dies.

Wir beten in jedem Vaterunser: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Eigentlich kennen wir die Gebote Gottes, aber oft übergehen und übersehen wir sie.

Um uns unseres Verhaltens bewusster zu werden, ein christliches Denken und Handeln einzuüben und uns immer wieder zu prüfen, hat sich bei der Messe das Schuldbekenntnis entwickelt: Aus dem Bewusstsein und dem Wunsch, von Sünde und Schuld befreit, den Gottesdienst zu feiern, die Probleme, die wir selber nicht oder nicht mehr lösen können, Gott zu übergeben um dadurch eine Lösung herbeizuführen.

War vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil das Schuldbekenntnis ein Teil des privaten Stufengebets des Priesters, wurde es danach wieder als Bußakt ein Element der Gemeindeliturgie. Es wurde ein Element der tätigen Teilnahme und gemeinsamen Vorbereitung der Gläubigen auf die Eucharistiefeier. Heute wird es oft weggelassen und das Kyrie übernimmt seinen Platz. Vielleicht, weil es uns oft schwer fällt etwas zuzugeben, vor uns selbst, vor anderen… vor Gott?

Das Schuldbekenntnis in der Ich-Form ist eigentlich da, um deutlich zu machen, dass jeder Schuld auf sich lädt und dadurch die Vergebung nötig hat. Wir wenden uns an „Gott, der allein die Schuld vergibt“, auch wenn wir selber uns oder anderen nicht vergeben können. Die Bitte um das Gebet der Gemeinde zeigt, dass wir das Glied einer Kette sind, nicht allein. Schwestern und Brüder, die Sünde des Einzelnen betrifft alle und belastet alle, darum das Gebet aller für alle.

Ich bekenne Gott dem Allmächtigen und allen Brüder und Schwestern, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe. Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken, durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld. Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria, alle Engel und Heiligen und euch Brüder und Schwestern, für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.

Wichtig ist dabei, dass das Schuldbekenntnis nicht nur die „Sünden in Gedanken, Worten und Werken“, sondern auch die „durch Unterlassung“ einschließt. Die Schuld des Einzelnen kommt zur Sprache, wo er das Gute versäumt und das Böse zugelassen hat. Wo er nicht geholfen hat, weggeschaut hat.

Aus eigener Erfahrung wissen wir meist sehr gut, was es heißt, wenn Schuld oder ein begangener Fehler uns belasten, wenn es uns im Kopf herumgeht: „Was denkt mein Gegenüber jetzt von mir? Wie kriege ich das wieder hin? Wie kann das wieder gekittet werden.“ Im Bußakt gibt es einen Gestus, der uns „aufwecken soll“, unser Inneres, das wir Gottes Aufruf zu Reue und Sinneswendung vernehmen, uns an ihn wenden. Es ist das dreimalige an die Brust klopfen.

„Wir bekennen vor der Gemeinde, dass wir des Erbarmens Gottes und der Vergebung der Brüder und Schwestern bedürfen.“  Damit wir die Dinge die falsch gelaufen sind im zwischenmenschlichen Bereich, aber auch im Verhältnis mit Gott wieder zurechtrücken und es positiv weitergehen kann.

Da sind wir wieder bei Vergeben und Eingestehen von Schuld. Der tiefste Grund dafür ist: Wir sollen dem anderen das geben, wovon wir selber am meisten leben und was wir täglich brauchen. Und dies ist Vergebung als Frucht der Versöhnung. Darum wäre es einer Überlegung wert, ob es nicht gerade in der gegenwärtigen Zeit wichtig wäre, dieses Schuldbekenntnis im Gottesdienst wieder öfter zu beten, um das Bewusstsein für unser eigenes Handeln und das Handeln in der Gemeinschaft zu stärken.

Es ist zuerst die Aufgabe der Christinnen und Christen, Schluss zu machen mit der Vorstellung, Schuld und Versagen sei immer zuerst und nur bei „den Anderen“ zu suchen. Versöhnen wir uns mit Gott, mit uns selber und den anderen. Wir sind von Gott geliebt und hoffentlich auch von guten Mitmenschen. Wenn Gott und andere gut zu uns sind, dürfen wir es wagen, im Laufe unseres Lebens immer vorbehaltloser zu anderen gütig, barmherzig zu sein. Wir dürfen es wagen anderen zu vergeben und Versöhnung zu suchen, wenn wir einem anderen etwas vorzuwerfen haben oder an ihm schuldig geworden sind. Wir erfahren dann Vergebung als das schönste Geschenk!

Hanno Hesterberg

Zitate aus: Werner Groß, Immer und überall danken. Die Eucharistie verstehen und feiern, Ostfildern 2000.

Stolpersteine in der Liturgie

Wen sprechen wir denn an?

Zum Vater, Sohn und Heiligen Geist beten

Ich schmunzle manches Mal in mich hinein. Da eröffnet der Gottesdienstleiter die Fürbitten mit „Gott, unser Vater, wir kommen zu dir“. Und dann heißt es nach jeder Bitte: „Christus, höre uns.“ Oder da beginnt ein Tagesgebet mit „Herr Jesus Christus“, und dann passe ich nicht auf und ende mit den Worten, die sich an Gott-Vater richten: „Darum bitten wir dich (Vater!) durch Jesus Christus, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.“ Trinitarisch beten scheint gar nicht so leicht. Wäre es nicht besser, einfach nur Gott anzusprechen – oder den Vater oder Jesus oder den Heiligen Geist?

Im persönlichen Beten geschieht das auch. Da bete ich in bestimmten Situationen schlicht zu Jesus, meinem Herrn oder meinem Bruder. Oder ich rufe zum Heiligen Geist, der mich mit seiner Kraft erfüllen soll. Oder ich weiß mich beim Vater im Himmel gut aufgehoben. In der Liturgie, im öffentlichen Gottesdienst der Kirche wird auch eine der drei göttlichen Personen angesprochen, in der Regel Gott, der Vater. Aber das liturgische Beten verwendet immer wieder die trinitarische Formel und bringt damit unseren Glauben an den dreifaltigen Gott zum Ausdruck, an den Gott, der als Vater unser Schöpfer ist, als Sohn unser Bruder, Heiland und Herr, als Heiliger Geist unser Tröster und unsere Kraft.

Wenn wir den Gottesdienst oder unser Gebet beginnen oder uns bekreuzigen, sagen wir: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Das Psalmgebet endet mit dem „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.“ Am Ende des eucharistischen Hochgebets spricht oder singt der Priester: „Durch ihn und mit ihm und in ihm (Christus) ist dir Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes, alle Herrlichkeit und Ehre, jetzt und in Ewigkeit.“ Und so endet auch das Tagesgebet zu Beginn der Messe: „Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes, mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.“

Das ist seit Anfang der Kirche so. Damit bekennt die Gemeinde lobpreisend den dreifaltigen Gott und bringt ihren christlichen Glauben zum Ausdruck. Noch etwas genauer sagt ein Liturgiewissenschaftler: „Das liturgische Beten bringt den der Liturgie insgesamt zugrundeliegenden trinitarischen Glauben auch darin zum Ausdruck, dass es in fast allen Liturgiefamilien [d. h. den verschiedenen westlichen und östlichen Riten der Kirche] an Gott als Vater gerichtet wird, Christus in der Schlussformel als Gebetsmittler und den Heiligen Geist als nachösterlichen Garanten des Betens nennt.“ Wir beten zu Gott, dem Vater, durch Jesus Christus im Heiligen Geist bzw. in der Einheit des Heiligen Geistes. Ein anderer Theologe formuliert: „Der dreifaltige Gott tritt in Kommunikation mit der Welt „aus dem Vater durch den Sohn im Heiligen Geist“, und umgekehrt geht das Gebet des Menschen „im Heiligen Geist durch den Sohn an den Vater“.

Alles nur theologische Spielerei? Sicher nicht. So zu beten, zeigt das Bemühen der Kirche, ihren Glauben auch im Gottesdienst unverkürzt zur Sprache zu bringen. Zudem macht es uns immer wieder klar, was christlich glauben bedeutet. So wie Gott, der Vater, zu uns in Jesus Christus, seinem Sohn, gesprochen und sich in ihm uns zugewandt hat, so finden wir den Weg zu diesem Gott durch Jesus Christus, der uns – auch im Gebet – den Weg zum Vater zeigt. Dass diese Begegnung erfahrbar wird, uns tröstet, heilt und stärkt, das ist nur im Heiligen Geist möglich. Er lässt in seiner Kirche weiterwirken, was Gott durch Jesus Christus begonnen hat.

Pfarrer Klaus Kempter

Stolpersteine in der Liturgie

Sie bekommen Besuch von guten Freunden. Wenn Ihr Besuch bei Ihnen eintrifft, steht als erstes die Begrüßung an. Gerade, wenn man sich lange nicht gesehen hat, ein besonderer Moment. Vielleicht ein Moment der Freude, vielleicht ein Moment des Glücks. Aber auch bei Begegnungen im Alltag steht oftmals zuerst die Begrüßung an.

Die reicht von einem kurzen „Hallo“, „Hey“, oder „Guten Morgen“ bis hin zu „Schön, dass Sie da sind“ oder „Herzlich willkommen“.

Im Gottesdienst ist es nicht viel anders. Wenn wir in die Kirche kommen, begrüßen wir uns oft schon beim Hineingehen. Doch die eigentliche und wichtige Begrüßung findet im Gottesdienst statt. Jeder kennt sie und antwortet ohne großes Nachdenken von selbst:

„Der Herr sei mit euch.“ – „Und mit deinem Geiste.“

Genau um dieses Wort unseres Gottesdienstes soll es dieses Mal in der Reihe „Stolpersteine in der Liturgie“ gehen. Wir freuen uns auf Rückmeldungen und weitere Ideen. Teilen Sie uns gerne auch mit, worüber Sie in der Liturgie, im Gottesdienst der Kirche, immer wieder stolpern.

Nach dem Kreuzzeichen sind die ersten Worte jeder Eucharistiefeier „Der Herr sei mit euch.“ Im Gegensatz zu unseren Begrüßungen im Alltag geht es in der Liturgie nicht um eine Begrüßung des Pfarrers an die Gottesdienstgemeinde – auch wenn er diese Begrüßungszeilen einleitet. Vielmehr ist es das „Wort Gottes“, das wir als erstes im Gottesdienst hören – auch wenn es uns durch den Pfarrer zugesprochen wird. „Die Begrüßung ist ein Segenswunsch von Gott her“ (Jo Hermanns). Wie ich finde, ein sehr schöner Gedanke, mit diesem Wunsch in den Gottesdienst starten zu dürfen. Uns wird die Gegenwart Gottes ins Bewusstsein gerufen. Diesen Gedanken unterstützt unsere Liturgie noch mit der Geste der ausgebreiteten Arme des Priesters oder des Diakons. Dies kann als Einladung, Begrüßung oder symbolische Umarmung gedeutet werden.

Die Begrüßungsformel steht aber nicht alleine. Direkt anschließend folgt die Antwort der Gemeinde „Und mit deinem Geiste.“ „Die Begrüßung hat eine dialogische Struktur und nicht nur sie allein, sondern die ganze Feier. Dem Gruß entspricht der Gegengruß, der Zusage des Heils und der Gnade die Annahme in Dankbarkeit.“ Durch die Antwort der Gemeinde wird deutlich, dass wir als Gemeinschaft der Gläubigen im Gottesdienst versammelt sind. „Gruß und Gegengruß lassen zur Eröffnung der Eucharistiefeier das Mysterium der Versammlung der Gemeinde durch, mit und in Christus in Wort und Zeichen aufleuchten.“

Doch nicht bei allen Gläubigen ruft die Antwort „Und mit deinem Geiste“ wohlwollen hervor. Sie wird als zu klerikal oder hierarchisch wahrgenommen. Es ist richtig, dass die aus dem Hebräischen stammende Wendung ursprünglich nichts Anderes als „Und auch mit dir.“ hieß. Erst im 4. Jahrhundert kam die theologische Deutung hinzu, verbunden mit dem Geist und der Amtsgnade des Priesters. Vielleicht hilft dabei der Gedanke, dass „der Gegengruß der Gemeinde […] als kleine Fürbitte für ihren Vorsteher verstanden werden [könnte], er möge seine Vorsteheraufgabe mit Hilfe des Herrn und in der von seinem Geist verliehenen Amtsgnade gut versehen.“ (Michael Kunzler)

„Der Herr sei mit euch.“ – „Und mit deinem Geiste“ – ein Wunsch der uns nicht nur am Beginn des Gottesdienstes mitgegeben wird. Die Begrüßung ist immer Zuspruch der Liebe und Fürsorge Gottes an die Gemeinde und kehrt deshalb an Höhepunkten des Gottesdienstes wieder: beispielsweise vor dem Beginn des Evangeliums oder aber direkt vor dem Hochgebet werden diese Worte von der Gemeinde und dem Priester gesprochen. Den Schluss bildet dann der Segen.

Vielleicht nehmen Sie die Gedanken mit in die nächsten Gottesdienste. Vielleicht versuchen Sie zu Beginn des nächsten Gottesdienstes die Begrüßung nicht nur automatisch mitzusprechen, sondern sich bewusst zu machen, was damit gemeint ist: Gottes Segenswunsch an uns. Wir sind ihm wichtig, er ist dann mitten unter uns, wie wir floskelhaft so schön sagen. Er nimmt sich Zeit für uns, ist bei uns. Ich werde es auf jeden Fall beim nächsten Mal versuchen.

Christian Verhufen

Zitate aus: Werner Groß, Immer und überall danken. Die Eucharistie verstehen und feiern, Ostfildern 2000.

Stolpersteine in der Liturgie – eine neue Reihe

„Da stolpere ich immer wieder drüber.“ Geht es Ihnen auch so? Dass Sie über bestimmte Worte und Riten unseres Gottesdienstes immer wieder „stolpern“. Worte und Riten, die einem fremd sind, die ich nicht recht verstehe, die keinen Sinn ergeben, die antiquiert erscheinen, die man doch streichen könnte …

Im Pastoralteam haben wir solche Worte und Riten gesammelt und wollen mit persönlichen Gedanken und kurzen theologischen Erklärungen helfen, einen neuen Zugang dazu zu finden. Wir freuen uns auf Rückmeldungen. Teilen Sie uns gerne auch mit, worüber Sie in der Liturgie, im Gottesdienst der Kirche, immer wieder stolpern.

Herr – Kyrie eleison

„Oh Herr, ich danke dir!“ – „Herr, ich bitte dich!“ – Viele von uns werden ganz selbstverständlich so beten. Sie reden Gott oder Jesus so an. Durch die Gebetssprache des Gottesdienstes sind wir es so gewohnt. Aber auch durch das biblische Zeugnis. Im Alten Testament wird Gott mit „Adonaj“ (Herr) angesprochen. Wo der Gottesname JHWH steht und die Juden an dessen Stelle „Adonaj“ lesen, steht in der neuen Einheitsübersetzung nun „HERR“. Auch Jesus betet zu Gott: „Herr, ich danke dir …“ Und Thomas sagt zum auferstandenen Christus: „Mein Herr und mein Gott.“

Es hilft ein wenig, in die Geschichte der Liturgie zu schauen, auf das „Kyrie“ bzw. „Kyrios“, das griechische Wort für „Herr“. Der Ruf „Kyrie eleison“, der ja nicht nur in der Messe verwendet wird, „ist eines der ehrwürdigsten Gebete der Christenheit und gemeinsam liturgisches Gut aller Kirchen“(Angelus Häußling). Er reicht bis weit in die Antike zurück. „Der Verehrer des Sol invictus (des unbesiegten Sonnengottes) betete auf dem Dach seines Hauses zur aufgehenden Sonne hin sein Morgengebet: Kyrie eleison. Es ist das große Stoßgebet des Sonnenkultes, vielleicht der glühendste Ruf der antiken, der heidnischen Frömmigkeit … Wenn ein Triumphator über das römische Forum die Via Sacra zum Kapitol hinauffuhr, dann klang ihm von allen Seiten, von den Soldaten und aus der Volksmenge in endlosen Litaneien entgegen: Kyrie eleison. Wenn einer der Kaiser zum Staatsbesuch, „Epiphania“ genannt, in eine Stadt kam, rief man ihm zu „Kyrie eleison“. Was das „Hurra“ des 19. Jahrhunderts,

das „Heil“ der hitlerischen Ära, das „Ho Chi Minh“ der studentischen Revolten um 1965 bedeutete, war das „Kyrie eleison“ in der antiken Welt – ein etwas unartikulierter, halb militärischer, halb demonstrativer Jubelruf, mit anderen Ausrufen zur unendlichen Litanei verbunden“(Theodor Schnitzler).

Schon früh hat die Kirche diese volkstümliche Anrufung für ihre Gebete und Gottesdienste übernommen. Im Philipperbrief wird klar, wem so zugerufen wird: „Jesus Christus ist der Herr“(Phil 2,11). Der Ruf Kyrie eleison ist von Anfang an in der Kirche ein Christusruf. Die römische Liturgie übernimmt um 500 die griechische Kyrielitanei. Sie steht am Beginn der Messe und dient als Prozessionsgesang. „Das Kyrie ist lobpreisende Anrufung Christi und flehende Bitte um sein Erbarmen, Gesang aller Mitfeiernden im Wechsel zwischen Kantor/Schola/Chor und Gemeinde; … Im Regelfall besteht es aus sechs Rufen, kann aber mit anlassgemäßen Einschubtexten (Tropen) ergänzt werden“(Werner Groß). Das Kyrie behält so seine Spannung zwischen Lob und Bitte. Zahlreiche Vertonungen in Orchestermessen bringen das musikalisch eindrucksvoll zur Geltung.

Kyrie eleison – Herr, erbarme dich. Zu Beginn der Messe die Anrufung Jesu Christi, den wir als Auferstandenen in unserer Mitte Wissen. Als Antwort auf die Fürbitten der flehentliche Ruf zu dem, der Herr ist über Zeit und Ewigkeit. Im persönlichen Gebet gesprochen, der Ausdruck, dass ich als Mensch ihm, dem Unendlichen, gegenüberstehe, dass er auch Herr über meine Lebenszeit ist und mir Ewigkeit verheißt, dass er sich meiner erbarmen und mir heilsam nahe kommen möge.

Für manche heute ist dieses „Herr“ zu männlich, zu patriarchalisch. Aber es lässt sich nicht einfach gendergerecht umformulieren, ohne dass seine Tradition und sein Sinnzusammenhang verlorengehen würden. Es bringt bei aller Einseitigkeit einen wichtigen Aspekt unseres Glaubens zum Ausdruck und reiht uns in eine Gebetstradition ein, die bis an den Anfang der Kirche zurückreicht. Aber selbst in der Liturgie ist es nicht die einzige Weise, wie der dreifaltige Gott angesprochen wird. Und im persönlichen Beten sicher noch weniger.

Klaus Kempter

Zitate aus: Werner Groß, Immer und überall danken. Die Eucharistie verstehen und feiern, Ostfildern 2000.

 

Hinführungen zu den Lesungen

„Probephase" hat begonnen

Im Sonntagsgottesdienst werden in der Regel drei Lesungen vorgetragen:

    - ein Text aus dem Alten Testament,

    - eine Lesung aus der Apostelgeschichte oder der Brief-Literatur

    - und das Evangelium.

Über das Evangelium wird häufig gepredigt, die Lesungen kommen da weniger „zum Zug". Manche Lesungen sind nicht so einfach zu verstehen. Ihre Sprache oder Bilderwelt ist uns fremd. Der Zusammenhang, in dem sie steht, ist oft nicht bekannt. Sie handelt manchmal von religiöser Praxis aus einer fernen Zeit.

Von Ludwig Wamsler, einem unserer Lektoren und Wort-Gottes-Feier-Leiter, kam deshalb die Anregungen, die Lesungen mit hinführenden Worten einzuleiten. Diese Hinführungen sollen keine „vorausgehende Predigt" sein, ebenso wenig eine exegetische (bibelwissenschaftliche) Einführung, sondern Gedanken, die wie ein „Hör-Schlüssel" wirken. Worte, die den Hörern helfen, die Lesung mit unserer und ihrer Lebenswirklichkeit in Verbindung zu bringen.

In der nächsten Zeit werden unsere Lesungen (immer wieder) durch solche Hinführungen eingeleitet. Dabei wird die Hinführung und die Lesung von zwei verschiedenen Lektoren vorgetragen, damit der Unterschied auch stimmlich deutlich wird. Gelegentlich entfallen sie auch, wenn der Text so klar und deutlich spricht, dass sie nicht nötig sind oder wenn über die Lesung gepredigt wird. Nach einer „Probephase“ wollen wir im Kirchengemeinderat darüber beraten, ob diese Praxis fortgesetzt wird. Rückmeldungen aus der Gemeinde sind also willkommen!

Wer am Verfassen dieser Hinführungen mitarbeiten will und damit Interesse an einer intensiven Beschäftigung mit den Bibeltexten hat, kann sich bei Ludwig Wamsler oder Pfarrer Klaus Kempter melden

Das AMEN am Schluss des Hochgebets

„Das letzte Wort im Hochgebet aber hat die Gemeinde. Nach ältestem Brauch kommt ihr das bestätigende und bekräftigende Amen zu. Im 3. Jahrhundert wurde das besondere Vorrecht der Gemeinde in der Eucharistiefeier so zusammengestellt: das Hochgebet hören, das Amen rufen, am Tisch des Herrn stehen und die Hände zum Empfang der heiligen Speise ausstrecken. Ein Bild, das Augustinus gerne gebraucht hat, ist geradezu klassisch geworden. Amen rufen heißt: seine Unterschrift geben. Alle sind eingetreten in die Hingabe, in das große Ja Christi zum Willen seines himmlischen Vaters. Deshalb rufen alle am Ende des großen Gebetes wie aus einem Munde: Amen!"

(aus „Immer und überall danken – die Eucharistie verstehen und feiern"                      von Werner Groß)

In unseren Gemeinden bekräftigen wir das Amen nach dem Hochgebet am Sonntag durch das dreifach gesungene Amen.

Eucharistische Anbetung in St. Joseph

 „… und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen"

Schon lange gibt es in St. Joseph die kurze eucharistische Anbetung nach dem Gottesdienst am Freitagabend und seit einiger Zeit die Anbetungszeit am zweiten Donnerstag im Monat. Manch einer fragt sich vielleicht: Eucharistische Anbetung – was ist das, wozu braucht es denn das?

Die Verehrung der Eucharistie (der Hostie) außerhalb der Messe hat schon eine lange Tradition in unserer Kirche. Sie hat sich ab dem 13. Jahrhundert entwickelt. In dieser Zeit liegt auch die Entstehung des Fronleichnamsfestes.

Eucharistische Anbetung und Feier der Eucharistie gehören zusammen. In der Eucharistie erfüllen wir Jesu Auftrag: „Nehmt und esst, das ist mein Leib!“ „Dieses Nehmen und essen im Sinne der neutestamentlichen Abendmahlsberichte“, so schreibt der frühere Domkapitular Werner Groß, „sind jedoch Vorgänge von einer ungeheuren Tiefe. Den Herrn in der Gestalt des Brotes empfangen heißt nicht nur dieses geheimnisvolle Brot nehmen und essen, sondern auch in Ehrfurcht auf Christus zugehen, ihn verehren und anbeten“ (Wer glaubt, betet an, 28).

Joseph Ratzinger schreibt dazu: „Aus diesem Grund kann das Empfangen über den Moment der eucharistischen Feier hinausreichen, ja, muss es tun. Je mehr die Kirche in das eucharistische Geheimnis hineinwuchs, desto mehr hat sie begriffen, dass sie Kommunion nicht in den umgrenzten Minuten der Messe zu Ende feiern kann“ (Eucharistie – Mitte der Kirche, 62).

Wir könnten also sagen: was ich in der Eucharistie erfahre – die Begegnung mit Jesus Christus im eucharistischen Brot, seine heilende Nähe, ihn als „Seelenspeise“ – darf sich in der eucharistischen Anbetung vertiefen und dort nachwirken. Sich vor die ausgesetzte Monstranz mit der Hostie setzen oder knien, still werden, schauen, verweilen bedeutet also, sich in dessen Nähe begeben, der uns so nahe kommt und unsere Seele nährt. Ein Weihnachtslied bringt ganz gut zum Ausdruck, was bei der eucharistischen Anbetung geschieht. In diesem Lied wird das Kind in der Krippe angebetet. In Betlehem, im „Haus des Brotes“, ist es zur Welt gekommen. Und die Monstranz wird nun zum „Haus des Brotes“, zum Ort, wo wir Jesus Christus im Zeichen des Brotes anschauen dürfen. Da können wir dann wie vor der Krippe singen und beten: „Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen. O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen!“ (GL 256,4)

Stehen und Knien während des Gabengebets und des Hochgebets

Zur Mitfeier unserer Gottesdienste gehören wesentlich die verschiedenen Körperhaltungen. Wir stehen, knien und sitzen und bringen damit äußerlich unsere innere Haltung zum Ausdruck.Im Liturgieausschuss in Öhringen und in beiden Kirchengemeinderäten haben wir darüber beraten, welche Haltung beim Gabengebet und während des Hochgebets angemessen ist.

Das Gabengebet nach dem Bereiten von Brot und Wein auf dem Altar ist eines der Vorstehergebete. Bei diesen Gebeten ist vorgesehen, dass alle Mitfeiernden stehen. Deshalb können wir uns beim Gabengebet erheben, wenn der Priester mit den Worten„Lasset uns beten" dieses Gebet einleitet.

Beim Hochgebet wird in vielen Kirchen die ganze Zeit gekniet. Anderswo erheben sich die Gläubigen nach der Wandlung. Auch das Messbuch geht von beiden Möglichkeiten aus. In unseren Gottesdiensten gibt es ebenfalls keine Einheitlichkeit. Die meisten knien während des ganzen Hochgebets. Jene, denen das lange Knien aber beschwerlich ist, setzten sich gleich oder nach der Wandlung.

Wir haben überlegt, dass folgende Lösung sinnvoll wäre:

Nach dem Heilig-Lied, d. h. während der Wandlung, knien alle, denen es möglich ist. Ansonsten ist das Stehen die angemessene Haltung während der Wandlung.

Nach dem „Geheimnis des Glaubens" können wir uns erheben und stehend das Hochgebet weiter mitfeiern.Es ist aber jedem unbenommen, dennoch knien zu bleiben.

Ich bin sicher, dass diese kleinen Änderungen sich bald bei uns „eingespielt“ haben und wir so weiterhin mit dem ganzen Leib würdig Gottesdienst feiern können.

Pfarrer Klaus Kempter

Ein Wort zur Praxis

Kommunion in beiderlei Gestalt

Einmal im Monat wird in unseren Gemeinden die Kommunion in beiderlei Gestalt gereicht. Dies geschieht durch das Eintauchen der Hostie in den Kelch mit Wein.

Diese Praxis bedarf eines sorgsamen Umgangs sowohl bei den Kommunionspendern als auch bei denen, die die Kommunion empfangen. Achtsamkeit ist gefragt im Blick auf den Umgang mit den eucharistischen Gaben (Leib und Blut Christi!). Sorgsamkeit ist aber auch gefragt im Blick auf Aspekte der Hygiene.

Die Kommunionhelfer halten vor den Kelch das Kelchtüchlein, über dem die Kommunikanten die eingetauchte Hostie sofort verzehren. Dies dient dazu, mögliche Tropfen aufzufangen und zu verhindern, dass diese auf den Boden fallen. Diejenigen, die die Kommunion empfangen, tauchen die Hostie so in den Kelch ein, dass nur die untere Hälfte in den Wein getaucht wird. Es ist auf jeden Fall darauf zu achten, dass nicht die Finger in den Wein eingetaucht werden. Die Kommunionhelfer halten den Kelch dazu etwas schräg, damit das Eintauchen leichter möglich ist. Glutenfreie Hostien Ein Angebot für Menschen, die an Zöliakie leiden.

Menschen, die an Zöliakie leiden, können die normalen Hostien, die aus Weizenmehl gefertigt wurden, nicht verzehren. Für sie gibt es so genannte glutenfreie Hostien. Wir halten diese in Öhringen in einer eigenen Hostiendose bereit. Diese wird am Samstag und am Sonntag von einem Kommunionhelfer immer in die Seitenkapelle mitgenommen. Menschen, die diese Hostie empfangen wollen, können den Kommunionhelfer dann einfach darauf ansprechen (sofern er/sie die Personen nicht schon kennt).

Wer in Neuenstein oder in den Werktagsgottesdiensten glutenfreie Hostien empfangen möchte, soll sich bitte vor dem Gottesdienst in der Sakristei melden.

Was erbitten Sie von der Kirche Warum Mütter und Väter ihr Kind taufen lassen.

Am Beginn des Taufgottesdienstes werden die Eltern gefragt: Was erbitten Sie von der Kirche? Natürlich, die Taufe! Was auch sonst? Doch der Ritus verlangt, dass sie das klar und deutlich sagen. Denn ihre Entscheidung hat Konsequenzen. Die Eltern versprechen danach nämlich, alles, was ihnen möglich ist, zu tun, damit ihr Kind eine Beziehung zu Gott aufbauen, seinen Platz in der Kirche finden und den eigenen Glauben entwickeln kann. Deshalb ist es mehr als wichtig und richtig, dass die Eltern sich Gedanken machen, was sie da eigentlich wollen, wenn sie ihr Kind zur Taufe in die Kirche bringen.

Bei uns werden die Eltern eingeladen, ihren Taufwunsch persönlich und mit eigenen Worten zu formulieren. Sie antworten auf die Frage:

                                 „Was erbitten Sie von der Kirche?"                                       

                                        nicht nur: „Die Taufe".

Eine Mutter hat vor ein paar Wochen folgende Antwort gegeben auf die Frage, warum sie ihren kleinen Sohn taufen lässt:

„Ich bitte um die Taufe von Franz, denn ich wünsche mir, dass er die Gemeinschaft der Kirche erfahren, und aus ihr Kraft und Vertrauen schöpfen kann".

Ich möchte, dass er die Möglichkeit hat, in Gottes Geborgenheit aufzuwachsen, Jesus Christus kennen zu lernen, und sich vom Heiligen Geist inspirieren zu lassen.“

Das war nicht nur eine Antwort im Ritus der Taufe, sondern ein Glaubenszeugnis!