Freie Redner und Theologen – eine echte Alternative!?

Vor kurzem habe ich wieder einen Flyer in die Finger bekommen von einer freien Theologin und Traurednerin. Sie bietet „eine himmlische Trauzeremonie ohne Kirche" an. Sie wirbt um „Liebende, denen eine standesamtliche Hochzeit alleine zu nüchtern und eine kirchlich religiös geprägte Hochzeit zu steif ist". Dann werden ihre Gestaltungsmöglichkeiten aufgezählt. Sie verspricht, „Brautpaaren eine unvergessliche Trauzeremonie zu bereiten – auf Wunsch mit göttlichem Segen".

Das ist doch eine echte Alternative für all die, die mit der Kirche und dem (christlichen) Glauben nicht mehr viel anfangen können, aber doch noch religiös sind, oder die als Atheisten eine schöne Feier mit entsprechenden Ritualen wünschen. Ich bin im Grunde froh, dass es solche Angebote gibt. Dann haben Menschen, die bei mir wirklich an der falschen Adresse sind, eine Alternative und müssen nicht notgedrungen eine kirchliche Trauung oder Trauerfeier erleben (oder erleiden), zumal dann einer der Partner auch Mitglied der Kirche sein muss.

Aber ist es denn wirklich eine Alternative? Ich meine nein. Denn wir „bieten“ etwas ganz anderes. Wer mit mir eine Trauung, eine Taufe oder eine Beerdigung gestaltet, feiert einen Gottesdienst der Kirche, zu der er oder sie gehört. Wer mit mir einen Gottesdienst feiert, reiht sich ein in eine jahrhundertalte Tradition, weiß sich als Teil einer großen weltweiten Glaubensgemeinschaft. Wer mit mir eine Lebenswende feiert, muss nicht seine eigenen Rituale für seinen subjektiven Glauben entwickeln, sondern schöpft aus dem Schatz der Rituale, Gebete und Zeichen der Kirche. Er weiß sich getragen vom Glauben der Kirche, der immer größer ist als mein eigener.

Wer sich für eine kirchliche Trauung, Taufe oder Trauerfeier entscheidet, dem ist das vielleicht nicht immer ganz bewusst. Aber vielleicht verspürt er in der Feier etwas davon. Zumindest hat er oder sie sich bewusst entschieden, den Segen in der Gemeinschaft der Glaubenden, der Kirche zu empfangen.

Dass kirchliche Feiern damit „zu steif" und unpersönlich sind, mag die Erfahrung mancher Menschen sein. Es ist nicht selten aber ein Vorurteil. Denn auch eine kirchliche Feier bietet Raum für Persönliches, für eigene Musik und Lieder, für Zeichen und Symbole. Aber sie hat eben einen Rahmen, der uns mit der langen Tradition und der großen Glaubensgemeinschaft verbindet. Wer dazu keinen Bezug hat, mag das als „steif" empfinden. Ich finde es als wohltuend und entlastend, sich in einen Ritus hinein zu begeben und sich dadurch tragen zu lassen und nicht alles selber und individuell entwickeln zu müssen. Kirchliche Feiern sind in dieser Hinsicht sogar geradezu eine Alternative zu dem Stress, den sich manche Paare bei ihrer Hochzeit machen, um den ultimativen und individuellsten Event zu planen und zu erleben. Insofern sind wir vielleicht bald wieder die Alternative.

Pfarrer Klaus Kempter

Bischöfliches Wort zur erneuerten Ehe- und Familienpastoral

Wiederverheiratete Geschiedene und der Sakramentenempfang.

Die deutschen Bischöfe haben am1. Februar 2017 das Wort „Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche – Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris laetitia“ veröffentlicht. Papst Franziskus hatte in den Jahren 2014 und 2015 zwei Bischofssynoden zu Fragen von Ehe und Familie durchgeführt. Danach verfasste er das Nachsynodale Apostolische Schreiben Amoris laetitia, das am 8. April 2016 erschien. Die deutschen Bischöfe haben über die Bedeutung und Wegweisung dieses Dokumentes in den vergangenen Monaten intensiv beraten. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage nach den Schlussfolgerungen, die sich für die Ehe- und Familienpastoral in der Kirche Deutsch­lands ergibt.

Die Bischöfe nennen als Konsequenzen, die sich aus Amoris laetitia ergeben, insbesondere folgende Säulen einer Ehe- und Familienpastoral:

- Die Ehevorbereitung bedarf einer Intensivierung, eines verbindlicheren und zugleich überzeugenderen Charakters.

- Die Bemühungen um die Ehebegleitung sollen verstärkt werden:  Eheleute und Familien, insbesondere auch in konfessionsverbindenden Ehen, sollen in der Kirche Angebote für ihre Lebenssituationen finden.

- Die Familien sollen als Lernorte des Glaubens unterstützt und in dieser oft schwierigen Aufgabe gestärkt werden.

- Die Zerbrechlichkeit von Ehe und Familie verlangt ein besonders sensibles Verhalten. Papst Franziskus hat dafür den Dreiklang von Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern ins Gespräch gebracht. Dieser Dreiklang soll die Pastoral bestimmen, woraus ein hoher Anspruch erwächst.

Zum letztgenannten Aspekt merken die Bischöfe an: Katholiken, die nach einer Scheidung zivilrechtlich wieder geheiratet haben, sind zunächst einmal eingeladen, auf die Kirche vor Ort zuzugehen, sich an ihrem Leben zu beteiligen und als lebendige Glieder der Kirche zu reifen. Für die Frage nach dem Empfang der Sakramente sehen die Bischöfe in Amoris laetitia keine allgemeine Regel und keinen Automatismus. Erforderlich sind nach ihrer Überzeugung vielmehr differenzierte Lösungen, die dem Einzelfall gerecht werden. Mit Amoris laetitia gehen die Bischöfe von einem Prozess der Entscheidungsfindung aus, der von einem Seelsorger begleitet wird.

(Aus der Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz)

Die Hinweise zur Ehevorbereitung, zur Ehebegleitung und zur Unterstützung von Familien als Lernorte des Glaubens sind wichtige Impulse, die auch in unseren Gemeinden aufgegriffen werden sollten. In der Ehevorbereitung haben wir mit dem Angebot eines Vorbereitungsnachmittags schon einen Schritt in diese Richtung getan. Im Blick auf die Begleitung von Ehepaaren und von Familien gibt es sicher noch Potential. Mit unseren Angeboten für Familien gibt es aber auch in diesem Bereich schon einen guten Ansatz.

Im Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ werden wir diesen pastoralen Aufgaben sicher noch mehr Aufmerksamkeit widmen müssen.

Was die Begleitung von wiederverheirateten Geschiedenen angeht, so scheint die lehramtliche Verkündigung nun endlich aufzunehmen, was viele Priester und Seelsorger schon lange praktiziert haben. Sie haben weder die Unauflöslichkeit der Ehe grundsätzlich in Frage gestellt, noch für eine allgemeine Zulassung aller Betroffenen zu den Sakramenten plädiert. Sie haben aber immer entschieden betont, dass es nicht möglich ist „zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten ,irregu­lären‘ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben“ (und deshalb nicht an den Sakramenten teilnehmen können), wie es nun auch im päpstlichen Schreiben gesehen wird (AL Nr. 301).

Die Bischöfe schreiben dazu: „Amoris laetitia übersieht weder die schwere Schuld, die viele Menschen in solchen Situationen des Zerbrechens und Scheiterns ehelicher Beziehungen auf sich laden, noch die Problematik, dass eine zivilrechtliche Wiederheirat dem sichtbaren Zeichen des Ehesakraments widerspricht, selbst wenn die betroffene Person schuldlos verlassen wurde. Amoris laetitia bleibt aber dennoch nicht beim kategorischen und irreversiblen Ausschluss von den Sakramenten stehen.“

In diesem Sinne haben viele Priester und Seelsorger schon lange Menschen in Situationen des Scheitern oder einer Wiederheirat ermutigt, ihre Geschichte ehrlich anzuschauen, nach guten Wegen in die Zukunft zu suchen und in der Frage des Sakramentenempfangs eine ihrer Situation entsprechende Gewissensentscheidung zu treffen. Vor allem haben diese Priester diese Entscheidung dann respektiert und keinen von der Kommunion ausgeschlossen. Auch das Schreiben der drei oberrheinischen Bischöfe (Oskar Saier, Karl Lehmann, Walter Kasper) hatte schon 1993 einen Weg in diese Richtung aufgezeigt.

Insofern können viele Priester, die seit eh und je in diesem Sinne gehandelt haben, sagen: Meine Praxis, die zu bestimmten Zeiten als Ungehorsam gegen die herrschende kirchliche Ordnung erschien, hat sich nun als „vorauseilenden Gehorsam“ erwiesen.

 

Pfarrer Klaus Kempter

 

 

Kirchenaustritt – ein vielschichtiges Phänomen.

Das ist eine hohe Zahl, höher als die Zahl der Taufen in unseren Gemeinden. Die Zahl der Kirchenaustritte wirft ein Licht auf die gesellschaftliche Situation, in der sich unsere Kirche befindet. Jeder Austritt schwächt unsere Gemeinschaft und hat – in den meisten Fällen – auch finanzielle Auswirkungen. Allerdings stehen hinter diesen Entscheidungen von Menschen ganz unterschiedliche Überlegungen und Motivationen, die uns als Kirche herausfordern, auch wenn die Kirche jeden Kirchenaustritt unabhängig von der Situation mit denselben Sanktionen belegt.

Wie erfahre ich als Pfarrer von den Beweggründen, die einen Menschen zum Kirchenaustritt geführt hat?

Manche nehmen vorher mit mir Kontakt auf und kündigen diesen Schritt an. Andere antworten, nachdem sie nach der Mitteilung ihres Austritts ein Schreiben von mir erhalten haben. Mit anderen komme ich ins Gespräch, wenn sie trotz des Kirchenaustritts kirchlich heiraten wollen (und der Partner eben Mitglied der Kirche ist) oder ihre Kinder zur Taufe anmelden. In einzelnen Fällen erfahre ich auch im Todesfall, warum ein Mensch aus der Kirche ausgetreten ist, wenn die Angehörigen nach einem kirchlichen Begräbnis fragen.

Warum treten Menschen aus der Kirche aus?

Aus Glaubensgründen treten nach meiner Erfahrung die wenigsten aus. Doch gibt es immer wieder Fälle, wo Menschen für sich geklärt haben, dass sie den christlichen Glauben nicht teilen können und deshalb nicht mehr Mitglied der Kirche sein wollen, in die sie als kleine Kinder eben „hineingetauft“ wurden. Eine größere Gruppe scheinen mir diejenigen zu bilden, die austreten, weil sie mit der Kirche Probleme haben. Ihre Ablehnung kirchlicher Strukturen oder Lehren (oft im Bereich der Moral) hat einen solchen Grad erreicht, dass sie sich mit Kirche nicht mehr identifizieren und deshalb austreten. Andere führen aktuelle Skandale ins Feld, was dann aber oft nur der „Tropfen“ ist, der das Fass zum überlaufen bringt. Meist hat über viele Jahre ein Entfremdungsprozess stattgefunden. Dass Menschen austreten, weil sie mit Mitarbeitern oder Mitgliedern der Kirche bzw. der Ortsgemeinde negative Erfahrungen gemacht oder einen Konflikt hatten, kommt erfreulicherweise nur selten vor. Immer wieder erklären Menschen, die Probleme mit der Kirche und ihrer Struktur haben und deshalb austreten, dass dies keine Entscheidung gegen den Glauben ist, sondern dass sie dadurch „ein Zeichen setzen“ wollen. Manche von ihnen nehmen auch weiterhin am Gemeindeleben teil und bringen sich sogar aktiv ein.

Viele, vielleicht die meisten, entscheiden sich zum Kirchenaustritt aus finanziellen Gründen.

Sie wollen die Kirchensteuer als „Pflichtbeitrag“ nicht mehr zahlen, sei es weil sie diese Art des Solidarbeitrags nicht einsehen, sei es weil sie „sich das Geld sparen“ wollen. Bei dieser Gruppe sind nochmals diejenigen zu unterscheiden, die sich schon lange von Kirche und Glaube entfremdet haben und keine Bindung an die Kirche mehr verspüren, von denen, die trotz Kirchenaustritt gelegentlich oder sogar regelmäßig am kirchlichen Leben, vor allem am Gottesdienst, teilnehmen.

Immer wieder kommt es auch vor, dass eine Person aus unserer Kirche austritt, weil sie in einer anderen kirchlichen Tradition heimisch geworden ist oder in einer anderen Kirche aufgenommen werden will. Dies geschieht oft, wenn der Rest der Familie beispielsweise schon der evangelischen Kirche angehört. Diese Fälle sind aber nicht so häufig.

Sind die Beweggründe für einen Kirchenaustritt auch vielfältig und vielschichtig, so hat jeder einzelne Austritt doch dieselben Konsequenzen. Eine Person, die aus der Kirche ausgetreten ist, kann grundsätzlich keine Sakramente mehr empfangen, kein Patenamt übernehmen, nur mit Dispens kirchlich heiraten, kein Wahlamt bekleiden und nicht ohne weiteres ein kirchliches Begräbnis erhalten. Dies hängt damit zusammen, dass der Austritt als öffentliches Zeichen gegen die Kirche gewertet wird. Für die Kirche bzw. die Gemeinde hat der Austritt ebenfalls Auswirkungen. Er schwächt zahlenmäßig unsere Gemeinschaft. So frage ich mich manches Mal, wie viele Menschen es wohl bei uns gibt, die zwar auf dem Standesamt ihren Austritt erklärt haben, aber dennoch sich als katholisch und sogar der Gemeinde verbunden fühlen. Schließlich hat jeder Kirchenaustritt Auswirkungen auf die Finanzierung der Kirche. Dort, wo es „nur ums Geld“ geht, ist der Austritt ein Akt mangelnder Solidarität mit der kirchlichen Gemeinschaft. Dort, wo Menschen aus inhaltlichen Gründen ihren Austritt erklären, aber dennoch der Gemeinde verbunden bleiben, kommt es dagegen vor, dass Einzelne freiwillig ihren finanziellen Beitrag leisten. Aber das sind eher Ausnahmen. 

Wie gehen wir hier vor Ort mit dem Kirchenaustritt um, auch mit seiner Vielfalt, was die Motivation angeht?

Jede und jeder, die bzw. der den Kirchenaustritt auf dem Standesamt erklärt hat, erhält einen Brief. Darin drücke ich mein Bedauern aus und weise zugleich auf die Folgen des Kirchenaustritts hin. Manches Mal ergibt sich dadurch noch ein klärendes Gespräch mit der Person. Wenn Menschen aus bestimmten inhaltlichen Gründen oder als Zeichen des Protestes ihren Austritt erklären, kommt es immer wieder zu einem Gespräch mit mir, in dem wir darüber reden, was das  für die Beteiligung am Gottesdienst und am Gemeindeleben bedeutet. Hier geht es dann immer um Klärungen und Lösungen im Einzelfall.

Wer aus der Kirche ausgetreten ist, kann kein Patenamt übernehmen und braucht einen Dispens, wenn er kirchlich heiraten will. Als Nachweis muss deshalb ein Patenschein bzw. der Taufschein vorgelegt werden. Er kann keine öffentliche Funktion, also kein Amt im Kirchengemeinderat übernehmen.

Problematisch und sensibel ist die Situation, wenn Angehörige für einen Verstorbenen eine kirchliche Trauerfeier erbitten. Die Entscheidung, ob dies möglich ist, erfolgt in einem persönlichen Gespräch. Dabei wird geklärt, ob der Ausgetretene seinen Schritt in ungebührlicher Weise öffentlich gemacht hat und ein kirchliches Begräbnis deshalb ein Ärgernis darstellen würde. Es wird gefragt, wie die Person auf das Schreiben des Pfarrers reagiert hat. Es wird geklärt, inwiefern der Ausgetretene am Glauben festgehalten und diesen gelebt hat und ob ein kirchliches Begräbnis nicht gegen seinen erklärten Willen steht. Wenn insofern nichts gegen ein kirchliches Begräbnis spricht, entscheiden wir uns aus pastoralen Gründen dafür, zumal die Trauerfeier immer auch ein Dienst an den Hinterbliebenen darstellt, die in den meisten Fällen Mitglieder der Gemeinde sind. Allerdings wird im Trauergottesdienst die Tatsache, dass der Verstorbene die kirchliche Gemeinschaft durch einen Kirchenaustritt verlassen hat, zum Ausdruck gebracht.

Ein wichtiges Anliegen ist mir zudem, die Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, aber dennoch am kirchlichen Leben teilnehmen, zum Nachdenken zu bringen.

Dazu dient das Faltblatt „Ausgetreten – und dennoch dabei".

Denn die Tür steht jederzeit offen. Wo die Gründe für den Austritt nicht mehr gegeben sind oder ein Konflikt aufgearbeitet werden konnte, ist es möglich, wieder in die volle Gemeinschaft der Kirche aufgenommen zu werden. Es geht dabei mehr als nur ums Geld! Dazu kann jeder Pfarrer angesprochen werden.

Schließlich wirft das Phänomen der Kirchenaustritte auch ein Licht auf unsere Taufpraxis. Wenn Kinder getauft werden, braucht es Eltern und Paten, die ihnen den Glauben erschließen, mit ihnen beten, ihnen zeigen, dass wir zur Gemeinschaft der Kirche gehören. Natürlich ist eine religiöse Erziehung keine Garantie, dass ein erwachsener Mensch später sich nicht für einen Kirchenaustritt entscheidet. Aber wer eben keine Bindung zur Glaubensgemeinschaft aufgebaut hat, wird vermutlich leichter diesen Schritt gehen, wenn ihm der finanzielle Beitrag zu hoch erscheint oder er sich über das ein oder andere in der Kirche ärgert.

Der Kirchenaustritt als vielschichtiges Phänomen ist jedenfalls eine Herausforderung an uns als Kirche und Gemeinde. In Kürze will ich auch mit unseren Kirchengemeinderäten einmal darüber ins Gespräch kommen. 

Pfarrer Klaus Kempter

Der pastorale Entwicklungsprozess der Diözese

In diesem Jahr startet das Projekt „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“. Es geht dabei um einen pastoralen Entwicklungsprozess, der die Seelsorge vor Ort  und die Präsenz der Kirche im Lebensraum der Menschen erneuern und so auch in Zukunft gewährleisten soll. Hintergrund ist die zurückgehende Zahl an Priestern und damit Gemeindeleitern, aber ebenso die geringer werdende Zahl der Katholiken.

Das Projekt ist eine Frucht des diözesanen Dialogprozesses, der 2011 begonnen hat. Dieser pastorale Entwicklungs­prozess umfasst alle Ebenen der Diözese und soll im Zeitraum von 2015 bis 2020 stattfinden. Auf der untersten Ebene sind die Seelsorgeeinheiten federführend, werden aber mit anderen kirchlichen und pastoralen Orten zusammenarbeiten, bei uns zum Beispiel mit der Caritas.

Ziel von „Kirche am Ort" ist es wahrzunehmen, dass Kirche sich an vielen Orten ereignet – nicht nur in der Kirchengemeinde und ihren Veranstal­tungen. Ziel ist es, sich stärker mit den anderen kirchlichen Orten zu ver­netzen. Ziel ist es, neu zu benennen, was zukünftig Schwerpunkte der Gemeinde­arbeit sein sollen, wo Bisheriges gestärkt oder aber auch gelassen werden soll, wo Kooperationen mit anderen Partnern (auch der Ökumene) möglich sind. Zur Gestaltung dieses Prozesses vor Ort wurde ein Prozessteam eingerichtet.

Ihm gehören neben Pfarrer Kempter Gemeindereferent Roman Ecker an sowie Hermann Ihro und Susanne Hofmann aus dem KGR Neuenstein. Aus dem Öhringer KGR wurden Valentina Sperling und Zsuzsanna Kausz-Oláh in das Team gewählt. In unserer Seelsorgeeinheit soll der Prozess mit einer gemeinsamen KGR-Klausur im Herbst nächsten Jahres beginnen.

Er gliedert sich in drei Phasen:

1. geistliche Erneuerung und pastorale Ausrichtung,

2. Pastorale Profilierung (Ziele setzen),

3. Pastorale Umsetzung und strukturelle Klärung.

In der dritten Phase geht es eben auch darum, wie die Gemeindeleitung zu sichern ist, wie es mit den Seelsorgeeinheiten weitergeht und wie die Verwaltung zu organisieren ist. Am Ende der drei Phasen soll ein pastoraler Entwicklungsplan schriftlich vorliegen.